HistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Hans Sachs
Spruchgedichte
(Auswahl)


[3] Historia

Ein kläglich geschichte von zweien liebhabenden, der erwört Lorenz.


In Cento Novella ich las,
wie das ein reicher kaufman sas
in Italia, dem Welschlant,
Missina war die stat genant;
derselbig het erzogen schon
drei sün, höflich und wolgeton,
und auch ein tochter minniklich,
schön, wol erzogen, adelich,
die war Lisabeta genant,
in zucht und tugent weit erkant,
derhalb manch jüngling umb sie warb.
da nun der alte kaufman starb,
darnach an einem abent spat
die drei brüder hetten ein rat,
sie wolten bei einander bleiben
und iren handel wider treiben
in aller maß gleich wie vorhin,
auf gleichen verlust und gewin;
das war der schwester wol zu mut.
die drei gewunnen großes gut,
all ir handel gieng glücklich recht.
sie hetten ein getreuen knecht,
[3]
derselb war Lorenzo genant,
war geboren aus deutschem lant;
derselbig trib in iren handel.
er was schön, jung, gerad, an wandel;
demselben wart sein herz verwunt
in strenger lieb in kurzer stunt
gegen der junkfrauen, ich sag;
bei ir sein herz war nacht und tag,
und kunt das nit von ir ablenken;
er tet vil tiefer seufzer senken
und het ganz weder ru noch rast.
nun was die junkfrau gleich so fast
gen im in strenger lieb versert,
ir lieb von tag zu tag sich mert;
allein tetens ir herz erquicken,
mit vil freuntlichen augenblicken
teilt eins dem andern heimlich mit;
doch west eins von dem andern nit,
biß doch eins dem andern bekennet,
wie es in strenger liebe brennet.
nach dem lebtens in freud und wunnen,
als oft in das gelück was gunnen;
doch ist es war, wie man oft spricht,
die lieb laß sich verbergen nicht.
sie tribens kaum ein vierteil jar,
da namens ire brüder war;
der ein sprach: die sach stet nicht recht,
mich dunkt warlich, wie unser knecht
bul Lisabeta, unser schwester,
ich hab es wol gemerket gester;
darumb so folget meinem rat,
so wil ich heint zu abent spat
mich legn heimlich under ir bet;
ists sach, daß der knecht zu ir get,
sein lon er darumb nemen sol.
der rat gefiel in allen wol.
da nun der tag mit schein abwich,
der bruder in ir kamer schlich
und kroch under die betstat ein;
nach dem kam Lisabeta fein
[4]
und legt sich an ir bet mit nam.
nach dem Lorenzo zu ir kam,
waren ganz frölich aller ding;
frü der knecht wider von ir gieng.
nach dem Lisabeta aufstunt,
ir bruder herfür kriechen gunt,
kam zu sein brüdern auf den sal
und sagt in den großen unfal
und sprach: ach wafen über wafen,
der knecht hat unfer schwester bschlafen!
darumb muß er laßen das leben.
ein guten rat wil ich euch geben,
wir drei wöllen in walt spaziern,
so muß der knecht mit uns passiern,
da wöll wir dise schmachheit rechen.
nach dem frümal teten sie sprechen:
wir wölln spazieren in den walt,
wolauf, Lorenz, ge mit uns balt,
Lisabeta, du bleib zu haus!
mit dem all drei sie giengen aus.
Lorenzo gieng sein herren nach,
nach Lisabeta er umsach,
wan er sach ir fort nimmer mer.
mit im eilten sie also ser
hin in den finstern walt grausam.
da sprach der eltst bruder mit nam:
Lorenzo, du untreuer knecht,
du hast uns unser schwester gschmecht,
darumb so must du sterben hie.
der knecht fiel nider auf sein knie
und bat, daß man in leben ließ.
der ein sein schwert durch in ausstieß,
hieb im darnach vil wunden tief.
Lorenzo gar kläglichen rief:
[5]
Maria, kom zu meinem ent
und für mein sel aus dem ellent!
mit dem er seinen geist aufgab.
die drei machten im balt ein grab
und den zerhauten leib eingruben
und sich balt aus dem walde huben,
funden ir schwester in dem haus.
sie fragt: ist Lorenz bliben daus?
der ein sprach: nach im darfst nit fragen:
er hat uns gar vil guts abtragen,
ist darmit heimlich weg gezogen.
sie sprach: ich hoff, das sei erlogen.
der bruder sprach: ei, laß darvon,
e dir auch wirt darumb dein lon.
von der red wart ir herz gar schwer,
gieng in ir kamer, weinet ser,
ruft mit weinender stimm ellenz:
o du mein herzlieber Lorenz,
wie magst du sein so lang von mir?
solch klag fürt sie ein monat schir.
eins nachts tet sie lang klagn und weinen;
da sie entschlief, wart ir erscheinen
in eim gesicht traurig unmutig,
erblichen, tötlich und ganz blutig
Lorenzo, den sie sichtlich sach,
der gar seufzent da zu ir sprach:
ach we uns, ach und immer we!
Lisabet, du sihst mich nit me,
du darfst auch nit mer nach mir fragen;
dein brüder haben mich erschlagen
mortlich, heut ist der dreißigst morgen;
mein leib leit in dem walt verborgen,
begraben unter einer linden,
mit meim blut ist besprengt die rinden,
darumb darfst du nit rufen mir,
wan ich kum nimmer mer zu dir,
du merest mir dardurch mein leiden.
gesegn dich got, ich muß mich scheiden.
[6]
mit dem der geist also verschwant;
Lisabet erwachet zu hant,
stunt auf und war gar schwach und mat.
gar freuntlich sie ir brüder bat,
soltens in garten lan spazieren,
mit ir nam sie ir treue dieren,
die all ir heimlichkeit wol west,
die ir auch riet allmal das best.
sie giengen hin in schneller eil
in den walt auf ein welsche meil,
suchten, biß das sie wurden finden
ein große, ausgebreite linden,
die war besprenget mit seim blut.
da das sach Lisabeta gut,
da sank sie nider zu der ert,
ir herz in onmacht wart versert;
ir meit tet sie trösten und laben.
nach dem sie da gesehen haben
neugrabne ert, da grubens ein;
da funt Lisabeta allein
Lorenzo, iren höchsten hort,
der lag ellendiklich ermort.
sie sank darnider zu den stunden
und kusset im sein tiefe wunden,
die waren all von blut noch rot;
da rufet sie: o grimmer tot,
kom und beschleuß meins lebens ent
sie rauft ir har und wunt ir hent.
nach dem das arm betrübte weib
das haupt löset von seinem leib,
dasselb sie mit ir heimwerts trug.
het sie den ganzen leib mit fug
mit ir künden bringen darvon,
warlich, sie het es geren ton.
den andern leib sie beid eingruben
und sich heimwerts gen hause huben;
da sie beschloß ir kamertür
und zog das tote haupt herfür
[7]
und tet da all ir klag verneuen
und weinet so in ganzen treuen
und kust das tot haupt zu der stunt
wol tausentmal an seinen munt,
balsamiert das für al gebruch,
wunt das in ein grün seiden tuch,
druckt das an ir brust wunnesam.
nach dem sie ein wurzscherben nam,
leget darein das haubet wert,
tet darein und drauf frische ert
und pflanzet auf das haubet zart
ein schmecket kraut von guter art;
so lag das haupt im scherbn verborgen.
darnach, wenn sie aufstund all morgen,
zu stunt sie zu dem scherben gieng,
darob zu weinen anefieng,
biß er wurt allenthalben nas,
und auch mit rosenwaßer, das
kraut wuchs und wudlet also ser
von tag zu tag ie lenger mer.
die frau den scherben hat so lieb,
den ganzen tag sie bei im blieb.
als nun ir brüder merkten, das
ir diser scherb so liebe was,
den scherben sie ir heimlich stalen
und den in ein truhen verhalen.
da nun Lisabeta aufstunt
und iren scherben nicht mer funt,
sprach sie: o we, nun muß ich sterben,
hab ich verloren meinen scherben!
vor leit sie zu der erden sank
und wart von ganzem herzen krank.
die brüder sprachen all gemein:
was mag nur in dem scherben sein?
villeicht hats iren schatz darinnen;
und mit gar ungetreuen sinnen
[8]
tetens den wurzscherben auslern,
schütten heraus kraut und die ern,
da fundens das tot haubet zart;
darob erschraken sie ser hart,
wan sie kennten es an dem har,
das Lorenzen, irs knechtes, war.
das haubet wurt von in verborgen;
halt namens ir barschaft mit sorgen,
flohen in Neapolis, und
nach dem ein frau den scherben funt
und sagt Lisabeta die mär,
wie ir scherben gefunden wer.
Lisabet in dem bet aufsas,
wolt sehen, wo ir scherbe was,
doch war das haupt nit mer darinnen;
da fiel sie mit betrübten sinnen
umb und gab auf ir traurig sel.
da loff zu alles volk gar schnel;
zuhant ir magt da anefing,
erzelt den leuten alle ding,
wie sich all sach hette begeben
in lieb zwischen ir beider leben,
und wie ermördet leg Lorenz.
sein leib den holet man behenz,
auch funt man das tot haubet klug.
beide leib man gen kirchen trug,
da weinten die reichen und armen,
ir beider tot tet sie erbarmen.
man legt sie in ein grab zusamen;
ir beider sel, ob got wil, kamen
zusam dort in ewigen freuden,
da sint sie ewig ungescheiden.

Der beschluß

So nemet diß geschicht zu herzen,
wie lieb oft bringet großen schmerzen,
schad, schant und ander ungelück
und bringet vil der bösen stück.
[9]
derhalben frauen und junkfrauen
sollen sich mit fleiß wol fürschauen,
das solche lieb sie nit betrig,
und in im herzen angesig,
dardurch in als unglück zu ste,
sonder sollen biß in die e
sparen ir lieb, die ist mit eren;
aus elicher lieb tut sich meren
heil und gelück allhie auf ert,
ist bei got und den menschen wert.
auf das eliche lieb aufwachs
in rechter treu, das wünscht Hans Sachs.
Der spruch der ist mein erst gedicht,
das ich spruchweis hab zugericht.

Anno salutis 1515. am 7. tage Aprilis.

Die wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Die wittembergisch nachtigal, die man iez höret überal

Wacht auf, es nahent gen dem tag!
ich hör singen im grünen hag
ein wunnikliche nachtigal;
ir stim durchklinget berg und tal.
die nacht neigt sich gen occident,
der tag get auf von orient,
die rotbrünstige morgenröt
her durch die trüben wolken get,
daraus die liechte sunn tut blicken,
des mones schein tut sie verdrücken;
[10]
der ist iez worden bleich und finster,
der vor mit seinem falschen glinster
die ganzen hert schaf hat geblent,
das sie sich haben abgewent
von irem hirten und der weid
und haben sie verlaßen beid,
sind gangen nach des mones schein
in die wiltnus den holzweg ein,
haben gehört des leuen stim
und seint auch nachgefolget im,
der sie gefüret hat mit liste
ganz weit abwegs tief in die wüste.
da habens ir süß weid verloren,
hant geßen unkraut, distel, doren;
auch legt in der leu strick verborgen,
darein die schaf fielen mit sorgen.
da sie der leu dann fant verstricket,
zuriß er sie, darnach verschlicket.
zu solcher hut haben geholfen
ein ganzer hauf reißender wolfen,
haben die ellent hert beseßen
mit scheren, melken, schinden, freßen;
auch lagen vil schlangen im gras,
sogen die schaf on unterlas
durch all gelid biß auf das mark.
des wurden die schaf dürr und ark
durchaus und aus die lange nacht
und sint auch allererst erwacht,
so die nachtigal so hell singet,
und des tages gelenz herdringet,
der den leuen zu kennen geit
die wölf und auch ir falsche weid.
des ist der grimmig leu erwacht,
er lauret und ist ungeschlacht
über der nachtigal gesang,
das sie meldt der sunnen aufgang,
[11]
davon sein künigreich ent nimt.
des ist der grimmig leu ergrimt,
stelt der nachtigal nach dem leben
mit list vor ir, hinden und neben;
aber ir kan er nit ergriefen,
im hag kan sie sich wol verschliefen
und singet frölich für und für.
nun hat der leu vil wilder tier,
die wider die nachtigal blecken,
waldesel, schwein, böck, katz und schnecken;
aber ir heulen ist als fel,
die nachtigal singt in zu hell
und tut sie all ernider legen;
auch tut das schlangengzücht sich regen,
es wispelt ser und widerficht
und fürchtet ser des tages licht.
in wil entgen die ellent hert,
darvon sie sich haben genert
die lange nacht und wol gemest,
loben, der leu sei noch der best,
sein weid die sei süß unde gut,
wünschen der nachtigal die glut.
desgeleichen die frösch auch quacken
hin und wider in iren lacken
über der nachtigal geden,
wan ir waßer wil in entgen;
die wildgens schreien auch gagag
wider den hellen liechten tag
und schreien in gemeine all:
was singet neus die nachtigal?
verkündet uns des tages wunne,
sam macht allein fruchtbar die sunne,
und verachtet des mones glest.
sie schwig wol stil in irem nest,
macht kein aufrur under den schafen.
man solte sie mit feuer strafen!
[12]
doch ist diß mortgschrei als umbsunst;
es leuchtet her des tages brunst,
und singt die nachtigal so klar,
und ser vil schaf an diser schar
keren wider aus diser wilde
zu irer weid und hirten milde.
etlich melden den tag mit schal,
in maß recht wie die nachtigal;
gen den die wölf ir zen tun blecken,
jagen sie ein die dorenhecken
und martern sie biß auf das blut
und droen in bei feuers glut:
sie sollen von dem tage schweigen;
so tunt sie in die sunnen zeigen,
der schein niemant verbergen kan.
nun das ir klärer mugt verstan,
wer die lieblich nachtigal sei,
die uns den hellen tag ausschrei:
ist doctor Martinus Luther,
zu Wittenberg augustiner,
der uns aufwecket von der nacht,
darein der monschein uns hat bracht;
der monschein deut die menschen lere
der sophisten hin unde here
innerhalb der vierhundert jaren;
die seint nach ir vernunft gefaren
und hant uns abgefüret fer
von der evangelischen ler
unseres hirten Jesu Christ
hin zu dem leuen in die wüst.
der leo wirt der bapst genent,
die wüst das geistlich regiment,
darin er uns hat weit verfürt
auf menschenfünt, als man jetzt spürt.
darmit er uns geweidnet hat,
deut den gotzdienst, der iezunt gat
[13]
in vollem schwank auf ganzer erden
mit münich, nonnen, pfaffen werden,
mit kutten tragen, kopf bescheren,
tag unde nacht in kirchen pleren,
metten, prim, terz, vesper, complet,
mit wachen, fasten, langen bet.
mit gertenhauen, kreuzweis ligen,
mit knien, neigen, bucken, bigen,
mit glockenleuten, orgelschlagen,
mit heiltum, kerzen, fanen tragen,
mit reuchern und mit glockentaufen,
mit lampenschüren, gnad verkaufen,
mit kirchen-, wachs-, salz-, waßerweien;
und desgeleichen auch die leien
mit opfern und dem liechtlein brinen,
mit walfart und den heiling dinen,
den abent fasten, den tag feiren
und beichten nach der alten leiren,
mit brüderschaft und rosenkrenzen,
mit ablaßlesen, kirchenschwenzen,
mit pacemküßen, heiltumschauen,
mit messstiften und kirchenbauen,
mit großem kost die altar zieren,
tafel auf die welschen monieren,
sammate messgwant, kellich gilden,
mit monstranzen und silbern bilden,
in klöster schaffen rent und zinst.
diß alles heißt der bapst gotzdinst,
spricht: man verdient damit den himel
und löst mit ab der sünden schimel.
ist doch als in der schrift ungrünt,
eitel geticht und menschenfünt,
[14]
darin got kein gefallen hat.
Matthei am fünfzehnten stat:
vergebenlich dienen sie mir
in den menschengesetzen ir;
auch so wirt ein iegliche pflanze
vertilgt und ausgereutet ganze,
die mein vatter nit pflanzet hat.
hör zu, du ganz geistlicher stat,
wo bleibst mit dein ertichten werken?
nun lat uns auf die mortstrick merken:
bedeuten uns des bapstes netz,
sein decretal, gebot, gesetz,
damit er die schaf Christi zwinget;
mit ban er zu der beicht uns dringet,
all jar zum sacrament zu gan,
verbeut das blut Christi beim ban,
gebeut bei dem ban, alle jar
zu fasten vierzig tag fürwar.
sunst vil tag und vier quatemer,
auch zu meiden fleisch und eier;
zu feiren vil tag er gebeit,
verbeut etlich tag die hochzeit,
gefatterschaft und etlich grat;
zu heiratn er verboten hat
münich und pfaffen bei dem ban;
doch mügen sie wol huren han,
frummen leuten ir kinder letzen
und fremde eweiber einsetzen.
unzal hat der bapst solcher bot,
der doch keins hat geboten got;
jagt die leut in abgrunt der hel,
zu dem teufel mit leib und sel.
[15]
Paulus hat in gezeiget on
am vierten zu Timotheon
und spricht: der geist saget deutlich,
das zu den letzten zeiten, sich,
etlich vom glauben werden treten,
und anhangen des teufels reten,
werden leuten die e verbieten
und etlich speis, die got durch gieten
beschaffen hat mit danksagung.
ich mein, das sei ie klar genung.
nun lat uns schauen nach den wolfen,
die dem bapst han darzu geholfen,
zu füren solche tyrannei:
bischof, probst, pfarrer und abtei,
all prelaten und selsorger,
die uns vorsagen menschen ler
und das wort gottes underdrucken,
kummen mit vorgemelten stucken,
und wenn mans bei dem liecht besicht,
ist es als auf das gelt gericht.
man muß gelt geben von dem taufen,
die firmung muß man von in kaufen,
zu beichten muß man geben gelt,
die mess man auch umb gelt bestelt,
das sacrament muß man in zalen,
hat man hochzeit, man geit in allen,
stirbt eins, umb gelt sie es besingen,
wers nit wil tun, den tunt sie zwingen,
und solt es einen rock verkaufen.
also sie uns die woll ausraufen;
und was sie lang ersimoneien,
sie wider umb wucher hinleien,
von zweinzg gulden ein malter koren,
ich mein, das heißt die schaf geschoren;
auch wie hart sie das volk maulbanden
mit den zehenden auf den landen,
[16]
da man mit in des herrgotz spilt,
wie man sie bannet umb die gilt
und sie mit liechten tut verschißen.
die armen bauren fronen müßen,
das die starken schintfessel feiren,
halb zeit in dem wirtzhaus umbleiren.
vier opfer muß man in auch reichen
und den messpfenning des geleichen,
und darzu an den feiertagen
lant sie gelttäfelein rumb tragen;
all kirchweih sie nach gelt auch dichten,
ein jarmark mit heiltum aufrichten,
darbei sie ablaßbullen haben,
geltstöck lant sie in kirchen graben,
also richt man dem armen volke;
das heißt die schaf Christi gemolke!
auch kommen stationierer,
antonier, valentiner,
die sagen vil erlogner wort,
das sei geschehen hie und dort,
bestreichen frauen unde man
mit eim vergulten eselszan
und erschinden auch geldes kraft,
schreiben leut in ir brüderschaft,
holen die zinst alljärlich jar.
darnach kumt ein ersame schar,
heißt man zu teutsch die romanisten,
mit großen ablaßbullen kisten,
richten auf rote kreuz mit fannen
und schreien zu frauen und mannen:
[17]
legt ein, gebt euer hilf und steuer
und löst die sel aus dem fegfeuer;
balt der gulden im kasten klinget,
die sel sich auf gen himel schwinget.
wer unrecht gut hat in seim gwalt,
dem helfen sie es ab gar balt;
auch gebens brief für schult und pein,
da legt man in zu gulden ein.
der schalkstrick sein so mancherlei,
das heißt mir römisch schinderei.
fürbaß merket von den bischöfen,
wie es zuge an iren höfen,
mit notari, officiellen,
mit citazschreibern und pedellen
an irem falsch geistlichen recht,
wie man da schindet meit und knecht,
auch wie man da zureiß die e,
und nimmet gelt und anders me,
und nöt sie auch, zusam zu globen;
auch wie sie mit den leuten toben,
die man zu in jagt in der beicht,
die etwan geßen han villeicht
fleisch oder eier in der fasten,
das tunt sie also scharpf antasten,
als het einer ein mort getan;
auch wie sie umbgent mit dem ban,
wie sie in beschwern und verneuren,
auch wie das arme volk sie steuren.
auch mit dem wilt und dem gejeit
tunt sie in schaden am getreit,
halten rauber in iren flecken,
die rauben, morden, stöcken, blöcken.
auch füren bischof krieg mit trutz,
vergießen vil christliches blutz,
[18]
machen ellent witwen und weisen,
dörfer verbrennen, stet zureisen,
die leut verderben, schatzen, preßen,
ich mein, das heiß die schaf gefreßen.
Christus solch wolf verkündet hat,
Matthei am sibenden es stat:
secht euch für vor falschen propheten,
die in schafkleidern herein treten,
inwendig reißent wolf ers nennet,
an iren früchten sie erkennet.
Marci am zwölften ers erklerten,
spricht: habt acht auf die schriftgelerten,
die gern gen in langen kleidern
und laßen sich auch grüßen gern
am mark und gaßen, wo sie stan,
und sitzen geren oben an
in schulen und auch ob dem eßen.
den witwen sie ir häuser freßen
und wenden für lange gebet,
darumb so werden sie, verstet,
dester mer in verdamnus fallen.
o, wie tut hie Christus abmalen
unser geistlicher gottlos wesen,
sam wer er iez bei in gewesen!
darbei kennt man sie under augen.
die schlangen, so die scheflin saugen,
sint münich, nunnen, der faul haufen,
die ire gute werk verkaufen
umb gelt, kes, eier, liecht und schmalz,
um hüner, fleisch, wein, koren, salz,
damit sie in dem vollen leben
und samlen auch groß schetz darneben.
vil neuer fünt sie stet erdichten,
vil bet und brüderschaft aufrichten,
vil treum, gesicht und kindisch fet,
das in der bapst dann als bestet,
[19]
nimt gelt und geit ablaß darzu,
das schreiens dann aus spat und fru.
mit solcher fabel und abweis
hant sie uns gefürt auf das eis,
das wir das wort gottes verließen
und nur teten, was sie uns hießen,
vil werk, der got doch keins begert;
hant uns den glauben nie erklert
in Christo, der uns selig macht.
diser mangel bedeut die nacht,
darin wir alle irr seint gangen.
also hant uns die wolf und schlangen
biß in das vierthalbhundert jar
behalten in ir hut fürwar
und mit des bapsts gewalt umbtriben,
biß doctor Martin hat geschriben
wider der geistlichen mißbrauch
und widerum aufdecket auch
das wort gottes, die heilig schrift
er müntlich und schriftlich ausrift,
in vier jaren bei hundert stucken
in teutscher sprach, und lat sie drucken.
das man verste, was er tu leren,
wil ich kurzlich ein weng erkleren.
gottes gesetz und die propheten
bedeuten uns die morgenröten;
darin zeigt Luther, das wir all
miterben seint an Adams fal
in böser begir und neigung,
deshalb kein mensch dem gsetz tut gnung.
halt wirs schon auswendig im schein,
so ist doch unser herz unrein
und zu allen sünden geneiget,
das Moses ganz klerlich anzeiget.
nun seit das herz dann ist vermeilet,
und got nach dem herzen urteilet,
[20]
so sei wir all kinder des zoren,
verflucht, verdamet und verloren;
wer solches im herzen empfint,
den nagen und beißen sein sünt
mit trauren, angst, forcht, schrecken, leit
und erkent sein unmüglichkeit;
dann wirt der mensch demutig ganz.
so dringet her des tages glanz,
bedeut das evangelium,
das zeiget dem menschen Christum,
den eingebornen gottesson,
der alle ding für uns hat ton,
das gsetz erfüllt mit eignem gwalt,
den fluch vertilgt, die sünt bezalt
und den ewign tot überwunden,
die hel zerstört, den teufel bunden
und uns bei got erworben gnat,
als Johannes gezeiget hat
und Christum ein lamb gotz verkünt,
das hinnimt aller welte sünt.
auch spricht Christus, er sei nit kumen
auf ert den gerechten und frumen,
sunder den sündern; er auch spricht,
der gsunt bedürf keins arztes nicht.
auch Johannis am dritten melt:
got hat so lieb gehabt die welt,
das er gab sein einigen sun;
all, die an in gelauben tun,
dieselben sollen nit verderben
noch des ewigen todes sterben,
sunder haben das ewig leben.
auch spricht Christus am eilften eben:
wellicher gelaubet in mich,
der wirt nit sterben ewiklich.
so nun der mensch solch tröstlich wort
von Jesu Christo sagen hort
und das gelaubt und darauf baut
und den worten von herzen traut,
[21]
die im Christus hat zugesagt,
und sich on zweifel darauf wagt,
derselb mensch neu geboren heist
aus dem feuer und heiling geist
und wirt von allen sünden rein,
lebt in dem wort gottes allein,
von dem in auch nit reißen künde
weder hel, teufel, tot noch sünde.
wer also ist im geist verneit,
der dient got im geist und warheit,
das ist: das er got herzlich liebt
und sich im ganz und gar ergiebt,
helt in für ein gnedigen got;
in trübsal, leit, in angst und not
er sich als gutz zu got versicht;
got geb, got nem, und was geschicht,
ist er willig und trostes vol
und zweifelt nicht, got wöll im wol
durch Jesum Christum seinen sun,
der ist sein frid, ru, freud und wun
und bleibt auch sein einiger trost.
wem solcher glaube ist genost,
derselbig mensch der ist schon selig,
all seine werk sind got gefellig,
er schlaf, er trink, oder arbeit;
solcher gelaub sich dann ausbreit
zu dem nechsten mit warer liebe,
das er kein menschen tut betrübe,
sunder übt sich zu aller zeit
in werken der barmherzigkeit,
tut jederman herzlich als gutz
aus freier lieb, sucht keinen nutz,
mit raten, helfen, geben, leihen,
mit leren, strafen, schult verzeihen,
tut iedem, wie er selbst auch wolt,
als das von im geschehen solt.
solchs würkt in im der heilig geist;
also das gsetz erfüllet heist:
[22]
Christus Matthei am sibenden.
hie merk, das dises allein sen
die waren christlich guten werke,
hie muß man aber fleißig merke,
das sie zur seligkeit nit din.
die seligkeit hat man vorhin
durch den gelauben in Christum.
diß ist die ler kurz in der sum,
die Luther hat an tag gebracht.
des ist Leo, der bapst, erwacht
und schmecket gar bald disen braten,
forcht, im entgiengen die annaten,
und würt im das bapstmonet lom,
darin er zeucht die pfrünt gen Rom;
auch würt man sein ablaß nim kaufen,
auch niemant gen Rom walfart laufen,
würt nimmer künnen schatzen gelt,
würt auch nim sein ein herr der welt,
man würt nim halten sein gebot,
sein regiment würt ab und tot,
so man die rechten warheit wist;
darumb brauchet er schwinder list,
het die warheit geren verdricket
und balt zu herzog Fridrich schicket,
das er die bücher brennt mit nom
und im den Luther schickt gen Rom.
iedoch sein churfürstlich genat
christlich ob im gehalten hat,
zu beschützen das gotteswort,
das er dann merket, prüft und hort.
da dem bapst diser grif was fel,
schickt er nach im gen Augspurg schnel;
der cardinal bot im, zu schweigen,
und kunt im doch mit schrift nit zeigen
[23]
klerlich, das Luther het geirt;
da dem bapst diß auch nit gieng firt,
tet er den Luther in den ban
und alle, die im hiengen an,
on all verhör, schrift und probir.
doch schrib Luther nur für und für
und ließ sich dise bull nit iren.
erst tet in der keiser citiren
auf den reichstag hinab gen Wurms;
da erlit Luther vil des sturms.
kurzumb, er solt nun revocieren,
und wolt doch niemant disputieren
mit im und in zum ketzer machen.
des blib er bstendig in sein sachen
und gar kein wort nit widerrift,
wan es war ie all sein geschrift
evangelisch, apostolisch.
des schid er ab frölich und frisch
und ließ sich kein mandat abschrecken.
das wilde schwein deut doctor Ecken,
der vor zu Leipzig widr in facht
und vil grober seu davon bracht.
der bock bedeutet den Emser,
der ist aller nunnen tröster;
so bedeutet die katz den Murner,
des bapstes mauser, wachter, turner;
der waltesel den barfüßer
zu Leipzg, den groben lesmeister.
so deut der schneck den Cochleum.
die fünf und sonst vil in der sum
hant lang wider Lutherum gschriben;
die hat er alle von im triben,
wan ir schreiben het keinen grunt,
nur auf langer gewonheit stunt,
[24]
und kunden nichts mit schrift probieren.
so tet Luther stets schrift einfieren,
das es ein bauer merken mecht,
das Luthers ler sei gut und recht.
des wurden siglos und unsinnig
nun die schlangen, nunnen und münich,
wöllen ir menschenfünt verteiding
und schreien laut an iren preding:
Luther sagts evangelium,
hat er auch brief und sigel drum,
das evangelium war sei?
Luther richt auf neu ketzerei,
o liebs volk, lat euch nit verfüren,
die römisch kirch die kan nit iren;
tut gute werk, halt bäpstlich bot,
stift und opfert, es gefellt got;
lat mess lesen, es komt zu steur
den armen seln in dem fegfeur;
dient den heiling und ruft sie an,
tut fleißg gen vesper, complet gan;
die zeit ist kurz, ein jedes merke,
macht euch teilhaftig unser werke;
wir singen, schreien oft mit kraft,
so ir doheimen ligt und schlaft.
des waren gotzdienst tunt sie schweigen,
tanzen nach irer alten geigen
und tunt sich schmeichlen um die leien.
ir weinkeller wil in verseien,
ir korenböden werden ler,
man wil in nimmer tragen her;
haben doch willig armut globt,
iez sicht man, wie ir haufen tobt,
so in abget in iren kuchen,
wie sie den Luther schmehen, fluchen
[25]
ein erzketzer, schalk und böswicht,
geit sich doch keiner an das liecht,
tunt nur under den hütlein stechen,
schreien, sam wöllen sie zubrechen,
wo sie bei iren nunnen sitzen,
und machen auch, das sie erhitzen
wider das evangelium,
wie man iez spüret umetum.
die frösch quacken in iren hulen,
bedeuten etlich hohe schulen,
die auch wider Lutherum pleren
und das on all geschrift beweren.
das evangeli tut in we,
ir heidnisch kunst gilt nit als e,
damit all doctor sint gelert,
die uns die schrift haben verkert
mit irer heidenischen kunst;
auch tragen dem Luther ungunst
die wildgens, deuten uns die leien,
die in verfluchen und verspeien:
was wil der münich neues leren
und die ganz christenheit verkeren?
unser gut werk tut er verhinen,
wil, man sol den heiling nit dinen,
zu got allein sollen wir gelfen,
kein creatur müg uns gehelfen;
unser walfart er auch abstelt,
von fasten, feirn er nit vil helt,
wie wirs lang hant gehabt im brauch,
desgleich von kirchen stiften auch,
die orden heißt er menschenfünt;
auch schreibt Luther, es sei kein sünt,
dann was uns hab verboten got;
veracht damit des bapsts gebot,
[26]
römischen ablaß auch veracht,
spricht, Christus hab uns selig gmacht,
wer das gelaubt und der hab gnug.
ich mein, der münich sei nit klug,
denkt nit, es sein vor leut gewesen,
die auch haben die schrift gelesen.
unser eltern, die vor uns waren,
sint ie auch nit gewesen naren,
die solche ding uns han gelert,
hat etlich hundert jar gewert;
solten die alle han geiret
und uns mit samt in han verfüret,
das wöll got nit; das wil ich treiben
und in meim alten glauben bleiben.
Luther schreibt selzam abenteuer,
man solt in werfen in ein feuer,
in und all sein anhang vertreiben.
diß hört man vil von alten weiben,
von zopfnunnen und alten mannen,
die das evangeli anzannen,
verachten es in tollem sin,
und stet doch unser heil darin!
doch hilft als widerbellen nicht,
die warheit ist kummen ans liecht;
deshalb die christen widerkeren
zu den evangelischen leren
unseres hirten Jesu Christ,
der unser aller löser ist,
des glaub allein uns selig macht.
des seint all menschenfünt veracht
und die bäpstling gebot vernicht
für lugen und menschengeticht,
und hangen nur an gottes wort,
das man iez hört an manchem ort
von manchem christenlichen man.
nun nemen sich die bischof an,
[27]
mit samt etlich weltlichen fürsten,
die auch nach christenblut ist dürsten,
laßen solich prediger fahen,
in gefenknus und eisen schlahen
und sie zu widerrufen dringen,
in auch ein lied vom feuer singen,
das sie möchten an got verzagen;
das heißt die schaf int hecken jagen.
der tut man vil heimlich verlieren,
so sie gleich ire ler probieren;
eins teils bleiben im eisen bant,
eins teils verjagt man aus dem lant.
Luthers geschrift man auch verbrent,
und verbeut sie an manchem ent
bei leib und gut und bei dem kopf;
wen man ergreift, der leßt den schopf,
oder jagt in von weib und kint;
das ist des Entchrists hofgesint.
Christus das als verkündet hat,
Matthei am zehenden es stat:
nemt war, ich send euch wie die schafe
mitten under der wölfe haufe;
darumb seit wie die schlangen klug
und wie die tauben on betrug,
und hüt euch vor den menschen, sie
wern euch überantworten ie
für ire ratheuser und den
euch geiseln in iren schulen
und werden euch für fürsten, küngen
umb mein willen gefangen bringen.
dann sorgt nichts, was ir reden wolt,
es wirt euch geben, was ir solt
reden durch euers vatters geist,
ein freunt gem andern wirt erbeist
und im den tot anhelfen dan.
ir wert gehaßt von iederman
[28]
umb willen meines namens hellig.
wer an das ent verharrt, wirt selig.
verfolgt man euch von einer stat,
so ziehet in ein andre drat.
auch kumt die zeit, und wer euch tot,
wirt mein, er diene damit got,
fürcht die nit, die euch den leib töten,
der sel künnen sie nit genöten.
ir christen, merkt die trostling wort,
so man euch fecht hie oder dort,
lat euch kein tyrannei abtreiben,
tut bei dem wort gottes beleiben,
verlaßet e leib unde gut.
es wirt noch schreien Abels blut
über Cain am jüngsten tag.
lat morden, was nur morden mag,
es wirt doch kommen an das ent
des waren Entchrists regiment.
Apocalypsis stet es hel,
am achtzehenden capitel
schreit der engel mit lautem schallen
zweimal: Babylon ist gefallen,
ein behausung der teufel woren,
wan von dem wein des grimmen zoren
ir unkeusch hant all heiden trunken,
in irer unkeusch seint versunken
künig und fürsten diser erden;
auch ire kaufleut ganz reich werden,
hantieren mit der menschen selen.
darnach weiter tut er erzelen:
und ein andre stim hört ich schir;
mein liebes volk, get aus von ir,
wan ir sünt ist für got aufkommen;
der hat irs frevels wargenommen,
zalt sie, wie sie euch hat bezalt,
und widergeltet ir zwifalt;
[29]
wan sie spricht ie in irem herzen:
ich sitz ein künigin on schmerzen,
und ist sicher in irem dunken
und von der heiling blut ganz trunken.
darumb so werden ire plag
zusam kommen auf einen tag:
der tot, leit, hunger, alles ant,
und mit feuer wirt sie verbrant.
dan warlich stark ist got der her,
der sie wirt richten. nun hört mer:
Daniel an dem neunten melt
und alle warzeichen erzelt,
das man ganz klerlich mag verston,
das bapsttum deut das Babylon,
von dem Johannes hat geseit.
darumb, ihr christen, wu ir seit,
kert wider aus des bapstes wüste
zu unserm hirten Jesu Christe;
derselbig ist ein guter hirt,
hat sein lieb mit dem tot probiert,
durch den wir alle sein erlost,
der ist unser einiger trost
und unser einige hoffnung,
gerechtigkeit und seligung,
all, die glauben in seinen namen.
wer des begert, der spreche amen.

Anno salutis 1523. am 8. tage Julij.

Das schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Das schlauraffenland

Ein gegent heißt schlauraffenlant,
den faulen leuten wol bekant,
[30]
das ligt drei meil hinter weihnachten,
und welcher darein wölle trachten,
der muß sich großer ding vermeßen
und durch ein berg mit hirßbrei eßen,
der ist wol dreier meilen dick;
alsdann ist er im augenblick
in demselbing schlauraffenlant,
da aller reichtum ist bekant.
da sint die heuser deckt mit fladen,
leckkuchen die haustür und laden,
von speckkuchen dillen und went,
die dröm von schweinen braten sent.
umb jedes haus so ist ein zaun
geflochten von bratwürsten braun,
von malvasier so sint die brunnen,
kommen eim selbs ins maul gerunnen;
auf den tannen wachsen die krapfen,
wie hie zu lande die tannzapfen,
auf fichten wachsen bachen schnitten,
eirpletz tut man von birken schitten,
wie pfifferling wachsen die flecken,
die weintrauben in dorenhecken,
auf weidenkoppen semmel sten,
darunter bech mit millich gen,
die fallen denn in bach herab,
das iederman zu eßen hab.
auch gehen die fisch in den lachen
gsotten, braten, gsulzt und bachen
und gen bei dem gestat gar nahen,
laßen sich mit den henden fahen;
auch fliegen umb (möget ir glauben)
gebraten hüner, gens und tauben;
wer sie nicht facht und ist so faul,
dem fliegen sie selbs in das maul.
die seu all jar gar wol geraten,
laufen im lant umb, sint gebraten,
[31]
iede ein meßer hat im rück,
darmit ein jeder schneidt ein stück
und steckt das meßer wider drein;
die kreuzkes wachsen wie die stein,
so wachsen bauern auf den baumen
gleich wie in unserm lant die pflaumen,
wenns zeitig sint, so fallens ab,
ieder in ein par stifel rab.
wer pfert hat, wirt ein reicher meier,
wan sie legen ganz körb voll eier;
so schütt man aus den eseln feign.
nicht hoch darf man nach kersen steign,
wie die schwarzber sie wachsen tun;
auch ist in dem lant ein jungbrunn,
darin verjungen sich die alten.
vil kurzweil man im lant ist halten:
so zu dem zil schießen die gest,
der weitst vom blat gewinnt das best;
im laufen gwinnt der letzt allein.
das polsterschlafen ist gemein,
ir weidwerk ist mit flöh und leusen,
mit wanzen, ratzen und mit meusen;
auch ist im lant gut gelt gewinnen,
wer ser faul ist und schleft darinnen,
dem gibt man von der stunt zwen pfenig,
er schlaf ir gleich vil oder wenig;
ein furz gilt einen bingerhaller,
drei grölzer einen jochimstaler,
und welcher da sein gelt verspilt,
zwifach man im das widergilt;
und welcher auch nicht geren zalt,
wenn die schult wird eins jares alt,
so muß im jener darzu geben,
und welcher geren wol ist leben,
dem gibt man von dem trunk ein batzen,
und welcher wol die leut kan fatzen,
[32]
dem gibt man ein blappert zum lon.
für ein groß lüg gibt man ein kron;
doch muß sich da hüten ein man,
aller vernunft ganz müßig gan;
wer sin und witz gebrauchen wolt,
dem würt kein mensch im lande holt,
und wer gern arbeit mit der hant,
dem verbeut mans schlauraffenlant;
wer zucht und erbarkeit het lieb,
denselben man des lants vertrieb;
wer unnütz ist, wil nichts nit lern,
der komt im lant zu großen ern,
wan wer der faulest wirt erkant,
derselb ist könig in dem lant,
wer wüst, wild und unsinnig ist,
grob, unverstanden alle frist,
aus dem macht man im lant ein fürstn.
wer geren ficht mit leberwürstn,
aus dem ein ritter wirt gemacht;
wer schlüchtisch ist und nichtsen acht,
dan eßen, trinken und vil schlafn,
aus dem macht man im lant ein grafn;
wer tölpisch ist und nichtsen kan,
der ist im lant ein edelman.
wer also lebt wie obgenant,
der ist gut ins schlauraffenlant,
das von den alten ist erdicht,
zu straf der jugent zugericht,
die gwönlich faul ist und gefreßig,
ungeschickt, heillos und nachleßig,
das mans weis ins lant zu schlauraffn,
darmit ir schlüchtisch weis zu straffn,
das sie haben auf arbeit acht,
weil faule weis nie gutes bracht.

H.S.S.

Anno salutis 1530.

Ein lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[33] Ein lobspruch der stat Nürnberg

Vor kurzen tagen ich spaziert,
vor grünem holz ich umreviert,
zu schauen an des meien wunn;
mit heißen glanzen schin die sunn,
der ich entwich hin ein das holz;
da sach ich vil der tierlein stolz
von rehen, hinden und auch hirschen
dort in dem grünen holz umbpirschen.
in freuden schlich ich hin und wider
und gieng im wilden walde nider
auf einen dreieckichten anger,
von klee und edlen blümlein schwanger,
darauf die kleinen binlein flugen,
die süßen seftlein daraus sugen.
in dem erblicket ich ein brünnlein
aus dem fels fließen in ein rinnlein,
in einen quaderierten merbel,
darin das waßer macht ein werbel.
ich legt mich nider, het mein ru
und hört der vögel singen zu,
der stim in wildem tan erklungen;
die külen lüftlein sich herschwungen,
die bletter gunden lieblich rauschen;
also wart ich in stillem lauschen
gerucket in ein senften schlaf;
ein übersüßer traum mich traf.
mich daucht, ich kem auf einen plan,
darauf ein runder berg was stan;
daran da lag ein rosengart,
derselbig wol verhecket wart;
[34]
mitten dardurch ein bechlein floß,
ringweis darumb ein walt ser groß.
ich blicket in den garten edel
durch die hecken, gestreuß und wedel,
also daucht mich in dem gesicht,
wie der gart trüg so edel frücht,
granat, muscat und pomeranzen
und was nur menschen hant mag pflanzen;
zuckerror und cyper weinreben
waren ringweis im garten neben.
manch edles brünnlein darin qual
aus gülden rören überal.
ich dacht, es ist das paradeis;
erst blicket ich hinein mit fleiß;
in dem wart mir ein augenblick:
in einem rosenbusch gar dick
ein wunderschöner vogel sas,
als ein adler geformet was,
kolschwarz, der het alda gehecket.
sein linke seit war im bedecket
mit liechten rosen, rot und weiß,
fein dividiert mit allem fleiß,
sein stim geleich was einem engel,
erst schlug mein herz der freuden schwengel;
der vogel schwang das sein gefider
umb seine junge hin und wider,
er ätzet und hielt sie in hut;
der edel vogel wenig rut,
dan man im trug groß haß und neit.
es stellten im nach allezeit
sperber, habicht, blafüß und drappn,
elster, widhopf, eulen und rappn
und wilde tier, löwen und luchs,
schwein, beren, greifen, wölf und fuchs,
wo sie in möchten hemisch zupfen,
sein schwungfedern im auszurupfen;
[35]
doch wan sie im wolten zunahen,
kratzt er sie manlich mit sein klaen,
das sie empfiengen tötlich wunden.
vier fräulein umb den vogel stunden,
in weiß das erste fräulein edel,
von klarem gold trug es ein zedel;
in grün das ander fräulein wert,
das trug ein wag und bloßes schwert;
das drit in blau, das trug die sunnen,
des vögel, tier groß scheuch gewunnen;
das viert fräulein in harnisch bloß
trug ein stähelen hamer groß,
darmit sie das unzifer schrecket.
im augenblick wart ich gewecket
von einem alten persifant;
derselbig bei dem brünnlein stant.
ich sprach: ach warumb hast du mich
gewecket also trutziglich
aus meinem übersüßen traum,
dergleich ich mag erzelen kaum?
er fraget, wie der traume wer.
da sagt ich von dem garten her,
von seiner wunderbaren schön,
von fräulein und dem vogel kön,
all ding in einer kurzen sum.
der persifant sprach zu mir: kum,
ich zeig den garten dir geleich.
ein stat ligt im römischen reich,
dieselb ein schwarzen adler füret,
mit rot und weiß fein dividieret,
ist ganz änlich deinem gesicht,
wie ich von dir bin underricht,
die ligt mitten in diesem walt;
wolauf mit mir, wir sehens balt!
aufmacht wir uns in schneller eil
durch den walt auf drei vierteil meil;
[36]
da füret mich der persifant
auf einen plan von gelbem sant,
darumb der walt gieng zirkelring;
aufwerts ich mit dem alten gieng
gen einer königlichen vesten,
auf fels erbauet nach dem besten,
mit türnen stark auf felses wimmer,
darin ein keiserliches zimmer;
geziert nach meisterlichen sinnen
waren die fenster und die zinnen;
darumb ein graben was gehauen
in hertem fels; erst gieng wir schauen
über ein schlagbruck beide sant
durch dise burg an einen stant;
da sach ich abwerts auf eim platz,
darauf da lag der edel schatz
in einer ringmauern im tal.
da sach ich ein unzelig zal
häuser gebauen hoch und nider
in diser stat hin unde wider,
mit gibelmauern underschiden,
vor feuer gwaltig zu befriden,
köstlich dachwerk mit knöpfen, zinnen.
der persifant sprach: sechst dus innen,
ir überköstlich gbeu und zier,
geschmucket auf wellisch monier,
geleich als eines fürsten sal!
schau durch die gaßen überal,
wie ordenlich sie sein gesundert;
der sein achtundzweinzig fünfhundert,
gepflastert durchaus, wol besunnen,
mit hundert sechzehen schöpfbrunnen,
wellich stehen auf der gemein,
und darzu zwölf rörbrunnen sein.
vier schlagglocken und drei klein ur,
zwei türlein und sechs große tor
[37]
hat die stat und eilf steinen brucken,
gehauen von großen werkstucken;
auch hat sie zwölf benanter berk
und zehen geordneter merk
hin unde wider in der stat,
darauf man findt nach allem rat
allerlei für die ganze mennig
zu kaufen umb ein gleichen pfennig,
wein, korn, obs, salz, schmalz, kraut und ruben,
auch dreizehen gemein badstuben,
auch kirchen etwan auf acht ort,
darin man predigt gottes wort.
so bedeut jenes waßer groß
den bach, so durch den garten floß;
das fleußt dort mitten durch die stat
und treibt acht und sechzig mülrat.
da sprach ich zu dem persifant:
sag an, wie ist die stat genant,
die unten leit an disem berg?
er sprach: sie heißet Nürenberg.
ich sprach: wer wont in diser stat,
die so unzalbar häuser hat?
er sprach: in der stat umb und um
des volkes ist on zal und sum,
ein emsig volk, reich und ser mechtig,
gescheit, geschicket und fürtrechtig.
ein großer teil treibt kaufmans handel,
in alle lant hat es sein wandel
mit specerei und aller war;
alda ist jarmarkt über jar
von aller war, wes man begert.
der meist teil sich mit hantwerk nert,
allerlei hantwerk ungenant,
was ie erfunden menschen hant.
ein großer teil füret den hamer
für die kaufleut und für die kramer,
[38]
so alda laßen ander war
und holen dise pfennwert dar
von allen dingen, wes man darf,
gemachet rein, künstlich und scharf;
das wol deins garten frücht bedeut.
auch seint da gar sinreich werkleut
mit drucken, malen und bildhauen,
mit schmelzen, gießen, zimmern, bauen,
dergleich man findt in keinen reichen,
die irer arbeit tun geleichen,
als da manch köstlich werk anzeiget.
wer dan zu künsten ist geneiget,
der findt alda den rechten keren;
und wellicher kurzweil wil leren,
fechten, singen und seitenspil,
die findt er künstlich und subtil.
diß als bedeut im garten neben
die zuckerror und die weinreben.
darumb diß edel gewerbhaus
gleicht wol dem garten überaus,
den du hast in dem traum gesehen.
da wart ich zu dem alten jehen:
wer kan ein sollich werk regiern,
gehorsamlichen ordiniern?
er sprach: da ist in diser stat
ein fürsichtiger weiser rat,
der so fürsichtiglich regiert
und alle ding fein ordiniert,
der alles volk in diser stat
in acht vierteil geteilet hat,
darnach in hauptmanschaft gar fleißig,
der sind hundert und zwo und dreißig;
fast jedes hantwerk in der stat
auch sein geschworne meister hat;
auch seint die amptleut one zal
zu allen dingen überal,
zu versehen all dienst und amt,
das aus unfleiß wert nichts versaumt.
[39]
ir gsetz und reformation
ist fürgeschriben jedermon;
darin ist angezeigt wol,
was man tun oder laßen sol,
und wer sich darin übergafft,
der wirt nach gstalt der sach gestrafft.
auch ist verordnet ein gericht,
daran niemant unrecht geschicht,
dergleich ein malefizen recht,
geleich dem herren wie dem knecht.
also ein ersam weiser rat
selbs ein fleißig aufsehen hat
auf seine bürger aller stent,
mit ordenlichem regiment,
guter statut und polizei,
gütig on alle tyrannei.
das ist der edel vogel zart,
den du sachst in dem rosengart
hüten der edlen jungen sein,
die bedeuten die ganz gemein;
die ist auch widerumb und billich
eim rat gehorsam und gutwillich.
also ein rat und die gemein
einhellig und einmütig sein
und halten da einander schutz,
daraus erwechst gemeiner nutz;
aus dem so hat die stat bestant.
da sprach ich zu dem persifant:
wer seint die vögel und die tier,
die so aus grimmiger begir
ich sach gen disem vogel kempfen,
sein werten rum im zu verdempfen?
er sprach: die stat ist weitberümt,
mit lob erhöhet und geblümt,
bedeut des vogels süßen hal,
den du hörst klingen berg und tal.
[40]
disem guten gerücht und nam
sint all neidig von herzen gram,
setzen ir zu aus haß und neit,
oft wider alle billichkeit;
doch halten Nürenberg in hut
dise vier fräulein wolgemut.
das erst fräulein in weißem kleit,
bedeut der von Nürnberg weisheit,
wan in etwas zuhanden gat;
wan teglichen sie halten rat
mit leuten erfaren, gelert,
die bei in sint gar hoch geert,
fürsichtig zukünftigs betrachten,
fleißig sie auf all umbstent achten,
wer, was, wie, wenn, wo und warum,
durchgründen entlich ort und sum;
wo in der feint ein lüg ist stellen,
sie durch practik und list zu fellen,
so sie durch weisheit das versten,
durch mittel, weg sie im entgen,
durch weisen, gütigen beschid
der stat sie oft erhalten frid.
das ander fräulein, grün bekleit,
bedeut ir streng gerechtigkeit,
darob sie halten nach dem besten,
gegn inheimischen und den gesten;
die freiheit und original
sie niemant schwechen überal,
nemen niemant groß oder klein
und geben jederman das sein,
was sie im schuldig sein von recht,
keiser, köng, fürst, graf, ritter, knecht,
halten jeden nach seinem stant,
und auch tun sie gewalt niemant
und erbieten sich alle zeit
zu der waren gerechtigkeit,
dardurch sie iren feinden frechen
oft unbilliche feintschaft brechen.
[41]
das drit fräulein, in blau gekleit,
bedeut der von Nürnberg warheit,
der sie sich halten unverwenklich
in allen sachen überschwenklich.
dem heiligen römischen reich,
den buntgenoßen desgeleich
hat Nürnberg mit den warhaft alten
bestendigliche treu gehalten,
darob oft große not erlitten;
von keiser Heinrich wart bestritten,
zerstöret vor vierhundert jarn;
noch ließ sie ware treu nit farn,
in allen sachen eidespflichtig,
bleibt sie redlich, stanthaft, aufrichtig,
dergleich ir gleit, sigel und brief
litten nie keinen übergrif.
wo man sie verklagt auf reichstegen,
besten mit warheit sie allwegen;
so dan die helle warheit leucht,
ir gegenteil mit schanden fleucht.
also Nürnberg ist freuntlich leben,
niemant zu krieg ist ursach geben
und überhöret mer dan vil;
so dan kein glimpf mer helfen wil,
kein warheit noch gerechtigkeit,
der feint sein unverdienten neit
nicht laßen wil und seins hochmutz,
dan helt ir das viert fräulein schutz;
bedeut der ganzen stat Nürnberg
gewalt, macht, reichtum, kraft und sterk
wan sie ringweis umb sich ist haben
zwo ringmauer, ein tiefen graben,
daran hundert achtzig und drei
türne und vil starke bastei.
dergleich sie mit gwalting gebeuen
ir ringmauer teglich verneuen,
[42]
das dir die gartenheck bedeut;
auch büchsenmeister und hauptleut
on zal, geschütz auch in das felt,
großen vorrat an pulver, gelt,
an krieges zeug, koren und schmalz,
an wein, habern, fleisch, hirß und salz,
das sie ein großes volk vermag
im felt zu halten jar und tag.
so wirt die stat bei tag und nacht
gar wol behütet und bewacht;
auch hat die stat on underlaß
ir eigen reuter auf der straß.
also durch die vier stück erzelt
Nürnberg sich oft im frid erhelt.
darmit hast du in kurzer sum
nach laut deines traums umb und um
ein überlauf der werten stat,
der gmein samt einem weisen rat,
irs ordenlichen regimentz.
solt ich nach der experienz
all ding von stuck zu stuck erzelen,
alle ämpter, die sie bestellen,
die groß weisheit irer regenten
in geistlich, weltlich regimenten,
all ordnung, reformation,
all gsetz, statuten, die sie hon,
ir lonen, strafen und verbiten,
ir löblich gewonheit und siten,
ir große almosen der stat,
ir künstlich gebeu und vorrat,
ir kleinot, freiheit und reichtum,
ir redlichkeit, taten und rum,
darmit sie reichlich ist gezieret,
gekrönet und geblesenieret,
mir würt gebrechen zeit und zung.
weil du nun bist an jaren jung,
[43]
so rat ich dir, verzer dein tag
alhie, dan glaubst du, was ich sag.
mit dem der alte persifant
nam urlaub und bot mir die hant
und schid aus durch die burg von mir.
also in freudreicher begir
gieng ich eilent ab von dem berg,
zu beschauen die stat Nürnberg,
darin ich verzert etlich zeit,
all ding besichtigt nah und weit;
geschmück und zier gemeiner stat,
einigkeit der gemein und rat,
ordnung der burgerlichen stent,
ein weis, fürsichtig regiment
vilfeltig beßer ich erkant,
dan mir erzelt der persifant.
aus hoher gunst ich mich verpflicht,
zu vollenden diß lobgedicht,
zu eren meinem vatterlant,
das ich so hoch lobwirdig fant
als ein blüender rosengart,
den got im selber hat bewart
durch sein genad biß auf die zeit,
got geb noch lang, mit einigkeit.
auf das sein lob grün, blü und wachs,
das wünschet von Nürnberg Hans Sachs.

Anno salutis 1530. am 20. tag Februarij.

Klag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Klag der wilden holzleut über die ungetreuen welt

Ach got, wie ist verderbt all welt,
wie stark ligt die untreu zu felt,
wie hart ist grechtigkeit gefangen,
wie hoch tut ungrechtigkeit prangen,
wie sitzt der wucherer in eren,
wie hart kan arbeit sich erneren,
[44]
wie ist gemeiner nutz so teuer,
wie füllt der eigen nutz sein scheuer,
wie nimt überhant die finanz,
wie spitzig ist der alefanz,
wie unverschemt get gwalt für recht,
wie hart die warheit wirt durchecht,
wie wirt unschult mit füßen treten,
wie weng tut man laster ausjeten,
wie ring wigt man des menschen blut,
wie gar helt man kein straf für gut,
wie fürt reichtum so großen pracht,
wie ist armut so gar veracht,
wie stet weisheit hinder der tür,
wie dringt reichtum mit gwalt herfür,
wie ist barmherzigkeit so krank,
wie hat die lüg so weiten gank,
wie regiert der neit mit gewalt,
wie ist brüderlich lieb erkalt,
wie ist die treu so gar erloschen,
wie hat miltigkeit ausgedroschen,
wie ist demut so gar verschwunden,
wie hat der glaub so vil der wunden,
wie ist gedult so gar gewichen,
wie ist frumkeit so gar erblichen,
wie ist die zucht so gar ein spot,
wie ist keuschheit so ellent tot,
wie ist einfalt so gar verdorben,
wie gar ist all freuntschaft gestorben,
wie ist leibes wollust so mechtig,
wie ist hoffart so groß und prechtig,
wie herrscht schmeichlerei so gewaltig,
wie ist nachred so manigfaltig,
wie gern hört man neu märlein bringen,
wie ist betrug in allen dingen,
wie ist die kunst so gar unwert,
wie groß ist die torheit auf ert,
[45]
wie findt man meßigkeit so selten,
wie vil ist füllerei jezt gelten,
wie hart muß sich der fridsam schmiegn,
wie löblich ist mörden und kriegn,
wie ist die eigen er so groß,
wie ist der geiz so gar gruntlos,
wie ist das spil so eigennützig,
wie gschicht die rauberei so trützig,
wie ist der diebstal also grob,
wie schwebt die listigkeit stets ob,
wie ist gottes schweren so gmein,
wie rechnet man meineit so klein,
wie gar ist ebruch mer kein schant,
wie fleischlich ist der geistlich stant,
wie ist so blint die gleißnerei,
wie wütig ist die tyrannei,
wie ungezogen ist die jugent,
wie gar lebt das alter on tugent,
wie unverschemt ist weiblich bilt,
wie ist mänlich person so wilt,
wie ist gesellschaft so untreu,
wie hat borgen so vil nachreu,
wie sint die war so gar vertrogn,
wie sint die schult so gar verzogn,
wie ist nachbaurschaft so geheßig,
wie sint die wirtschaft so unmeßig,
wie ro ist der menschen gewißen,
wie ist als unglück eingerißen,
wie tumb ist jezt die christenheit,
wie selzam ist die heiligkeit,
wie weng helt man gottes gebot,
wie unbereit ist man zum tot,
wie klein hat man auf ewigs acht,
wie gar man auf das zeitlich tracht,
wie unwirdig hört man gots wort,
wie wenig lebt man darnach fort,
[46]
wie ist all ding so gar verbittert,
mit trug und schalkheit übergittert!
und in kurz, summa summarum,
was in der welt ist schlecht und frum,
muß von der welt durchechtet werden;
was aber listig ist auf erden,
verschalkt, vertrogen auf all ban,
heißt die welt ein geschickten man.
seit nun die welt ist so vertrogn,
mit untreu, list ganz überzogn,
so seien wir gangen daraus,
halten im wilden walde haus
mit unsern unerzognen kinden,
das uns die falsch welt nit mög finden,
da wir der wilden frücht uns nern,
von den würzlein der erden zern
und trinken einen lautern brunnen.
uns tut erwermen die liecht sunnen,
mies, laub und gras ist unser gwant,
darvon wir auch bet und deck hant;
ein steine höl ist unser haus,
da treibet keins das ander aus,
unser gsellschaft und jubiliern
ist im holz mit den wilden tiern;
so wir denselben nichts nit tan,
laßens uns auch mit friden gan.
also wir in der wüsten sint,
gebären kint und kindes kint.
einig und brüderlich wir lebn,
kein zank ist sich bei uns begebn;
ein jedes tut, als es dan wolt,
das im von jem geschehen solt;
umb kein zeitliches tun wir sorgen,
unser speis find wir alle morgen,
nem wir zur notturft und nicht mer
und sagen got drumb lob und er.
fellt uns zu krankheit oder tot,
wiß wir, das es uns komt von got,
[47]
der alle ding am besten tut.
also in einfeltigem mut
vertreiben wir hie unser zeit,
bis ein enderung sich begeit
in weiter welte umb und um,
das jederman wirt treu und frum,
das stat hat armut und einfalt;
den wöll wir wider aus dem walt
und wonen bei der menschen schar.
wir haben hie gewart vil jar,
wenn tugnt und redlichkeit aufwachs.
das balt geschech, wünscht uns Hans Sachs.

Anno salutis 1530. am 2. tag Junij.

Der waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Der waltbruder mit dem esel, der argen welt tut niemant recht

Vor jaren wont in einem walt
ein waltbruder, an jaren alt,
der sich der wurzeln neren tet;
derselb ein jungen sune het,
in dem alter bei zweinzig jarn,
der war einfeltig, unerfarn,
der fragt den alten: sag doch mir,
sint in dem walt gewachsen wir?
wan er nie menschen het gesehen.
der alt tet zu dem jungen jehen:
mein sun, da du noch warest klein,
hab ich dich geflehet herein
[48]
aus der arglisting, bösen welt,
das sie uns nit schmech, spott und schelt,
weil ir gar niemant recht kan tan,
sie schlag im doch ein blechlein an.
still schwig der sun, doch tag und nacht
des vatters red stets nachgedacht,
was doch die welt nur möcht gesein.
zu letzt da wolt er ie darein,
legt an den vatter große bit,
der es doch lang zeit widerriet;
zu letzt er überredet wart
und macht sich mit im auf die fart,
und fürten iren esel mit
ledig, ir keiner darauf rit.
im walt bekam in ein kriegsman,
der sprach: wie laßt ir ledig gan
den faulen esel hie allein?
ir dunkt mich nit fast witzig sein,
das euer keiner darauf reit.
als sie nun von im kamen weit,
der vatter sprach: mein sun, sich zu,
wie uns die welt empfangen tu.
der sun sprach: laß mich darauf reiten.
das gschach, da kam zu in von weiten
ein altes weib neben die ecker,
die sprach: secht zu dem jungen lecker,
der reit, und der alt schwache man
muß hindennach zu füßen gan!
sun, sprach der alt, glaubst du nun mir,
was von der welt ich saget dir?
er sprach: laß uns versuchen baß.
der jung balt von dem esel saß,
und saß der alt balt auf für in,
reit also fuß für fuß dahin.
in dem begegnet in ein bauer,
der redt sie an mit worten sauer:
[49]
secht an den alten groben lappen,
leßt den jungen im kot her sappen,
dem nöter wer zu reitn dan im.
der alte sprach: mein sun, vernim,
das man der welt nit recht mag tun.
der sun sprach: vatter, laß mich nun
aufsitzen, das wir reiten bed,
schau, ob die welt darzu auch red.
aufsaß er und ritten dahin;
da kam ein bettelman zu in,
tet an einr wegscheid auf sie harrn
und sprach: secht an die großen narrn,
wöllen den esel gar erdrücken!
der vatter sprach: in allen stücken
tut uns die welt mit hönwort schmitzen.
der sun sprach: laß uns beid absitzen,
so wöllen wir den esel tragen,
was nun die welt darzu wil sagen.
absaßen sie, den esel trugen
und mit im übers felt hinzugen,
das von in beiden ran der schweis.
ein edelman kam zu der reis,
tet sie all beid mit worten straffen:
wann her, wannen her, ir schlauraffen,
das ir das hinder kert herfür?
der vatter sprach: mein sun, hie spür,
das an der welt ist gar verlorn.
da sprach der sun in großem zorn:
den esel wöllen wir erschlagen,
denn hat die welt nit mer zu klagen.
den esel schlugen sie zu haufen;
da kam ein jäger zugelaufen,
der schrei: o ir großen fantasten,
des esels gneußet ir am basten
lebend, tot ist er euch kein nütz.
zuhant der junge wart urdrütz
[50]
der welt, die in mit spot und straf
so gar an allen orten traf,
sprach: hat die welt auf einen tag
über uns balt so vil der klag,
solt wir denn all tag darin bleiben,
was wunders würt sie mit uns treiben!
und keret mit dem alten dar
in walt, daraus er kommen war.

Der beschluß

Nun merk bei diser alten fabel,
gedicht uns zu einer parabel,
das, wer in diser welt wil leben,
der muß sich ganz und gar ergeben,
das er der welt nit recht kan tan,
in allem was er fahet an,
wie er darzu sich immer stell,
er sei darzu auch, wer er well,
wie hoch von adel, gschlecht und stam,
wie wirdig von geburt und nam,
wie reich, wie weis und wolgelert,
wie gwaltig, groß und hochgeert,
wie nütz, wie lieblich und fürsichtig,
wie warhaft, stanthaft und aufrichtig,
wie tugenthaft, treu und gerecht,
wie bescheiden, wie from und schlecht,
wie züchtig, still, sitlich, demütig,
wie freundlich, leutselig und gütig,
wie milt, barmherzig und gutwillich,
wie künstlich, glückhaft und wie billich,
wie tapfer, glimpfig und kurzweilig,
wie meßig, geistlich und wie heilig;
und wer ganz engelisch sein wandel,
und wer so christlich all sein handel,
und het in got selber geadelt:
dennoch blib er nit ungetadelt
[51]
von diser unverschemten welt,
in allen stücken obgemelt;
die welt ir maul doch mit im bert
und als in arges im verkert,
sie lestert, schmecht, schendt und veracht,
rechtfertigt, spottet und verlacht
und urteilt, sam sei sie unsinnig,
töricht, tobet, wütig und winnig
und leßt nichts ungetadelt bleiben.
wer sein zeit muß darin vertreiben,
der muß sich nit anfechten lan,
das er der welt nit recht kan tan,
sonder ge immer für sich hin
den nechsten weg und bleib darin,
und tu iedem, wie er denn wolt,
als im von iem geschehen solt,
das sein gewißen in nit nag;
got geb, was die welt darzu sag,
ir schnöde art behelt sie doch,
wie sie vor war, beleibt sie noch,
so spitzig bleiben ire werk,
das spricht Hans Sachs von Nürenberk.

Anno salutis 1531. am 6. tag Mai.

BaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Baldanderst

Baldanderst so bin ich genant, der ganzen welte wolbekant.


Eins abents gieng ich aus nach fischen,
ein gutes nachtmal zu erwischen,
mit einem angel an den Rein,
die sonn gar überhitzig schein,
[52]
hart stachen die bremen und mucken;
urplötzlich war die sonn verrucken,
das schwarz gewülk nach wetters furm,
der sudwint wet mit großem sturm,
die lantschaft wurt finster und dunkel,
des himels blitz leucht als carfunkel,
die donnerstrel die wurden klopfen,
das gwülk regnet mit liechten tropfen;
nach dem wurden sie reichlich gießen,
die kleinen bechlein wurden fließen,
mit trüben waßern überwalln,
aus dem gebirg und welden falln,
das ich triefnaßer kaum entfloch
am gstat zu einem felsen hoch;
da schmücket ich mich in ein kluft,
zu warten in des steines gruft,
biß das schwer wetter überkem.
in dem ich einen man vernem
in einem hag für disem hol.
erst wart ich sorg und engsten vol,
wan er verwandelt sein gestalt:
iezt wurt er jung, dann wurt er alt,
iezt war er schön, dann wurt er scheußlich,
iezt holdselig, dann wurt er greußlich,
iezt sah er zornig, darnach gütig,
iezt war er ernsthaft, dann senftmütig,
iezt wol gekleidet, dann zerhadert,
iezt stillschweigent, darnach er tadert,
iezt lachet er, darnach er weinet,
iezt war er kurz, dann lang erscheinet,
iezt war er glat, dann kürzlich bartet,
all augenblick sich anderst artet.
ich dacht, das muß Vulcanus sein,
der schmidt die donnerstrel allein,
[53]
o solt ich disen man ansprechen?
in dem so war das wetter brechen,
der regn der war sitlich nachlaßen,
da gieng der wunderman sein straßen.
ich eilt im nach und redt in an:
o Vulcane, wo wilt hin gan?
er sprach: du felst, ich bin Baldanderst.
ich sprach: sag mir, woher du wanderst!
er sprach: ich kom von allen enden,
von undern und von obern stenden,
und wil nun hin an alle ort
der ganzen welt. auf dise wort
sprach ich: was ist dein werk bei in?
Baldanderst sprach: merk, wo ich bin,
bei adel, bauern und hantwerken,
bei steten, schlößer, dorf und merken,
in königreich, provinz und lendern,
da tu ich alle ding verendern;
den frid verender ich in streit,
fruchtbare jar in teure zeit,
die gwaltigen von leut und lant,
die erlichen in spot und schant,
die glückhaftigen in unglück,
die senftmüting in zorens tück,
die großmütigen in verzagung,
die milt, gabreichen in versagung,
die reichen in armut, hartsel,
die rusamen in arbeit, quel,
die nutzhaften in brechling schaden,
die gunstreichen in ungenaden,
die liebhabenden in den neit,
die frölichen in herzenleit,
die kurzweiligen gar verdroßen,
die leding in gfengnus verschloßen;
die jungen verker ich in alt,
die schönen in ganz ungestalt,
[54]
die gsunden in krankheit und not,
die lebendigen in den tot,
dergleichen auch herwiderum:
das ist in summa summarum
mein werk auf ganzer erden kreiß,
darumb ich wol Baldanderst heiß.
ich sprach: du bist ein wüster gast,
weil du kein ander tugent hast,
wan das du alle ding verkerst.
Baldanderst sprach: kennst du mich erst?
bin ich doch lang gewest umb dich;
wo du hinkamst, da fantst du mich,
ich bin der ganzen welt durchreiser,
verschon weder fürsten noch keiser,
ich mach balt anderst alle ding.
mit dem er trutzig von mir gieng.

Der beschluß

Ich sach im nach und dacht: fürwar,
wie sint all ding so wandelbar!
wer nur auf sich hat selber acht,
wie oft sich mit im tag und nacht
verkert sein sin, gemüt und herz
von freuden, wunn, in sorg und schmerz.
also sint alle ding unbstendig.
was wir haben auf ert beihendig,
als reichtum, gwalt, gsuntheit und er,
kunst, weisheit, sterk und anderst mer,
nimt ab und zu all augenblick.
derhalb du, mensch, dich darein schick,
von disem irdischen gebrechlichen
zu dem himlischen unaussprechlichen,
on wandel, bar als ungemachs.
das wünschet von Nürnberg Hans Sachs.

Anno salutis 1534. am 31. tage Julij.

Hans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[55] Hans Unfleiß

Eins abents spat da schaut ich aus
zu eim fenster in meinem haus,
darvor sah ich ein ungestalten,
eineugig zerhaderten alten
mit einem großen weiten maul
halten auf einem ackergaul,
den het er bei dem ars aufzaumt.
diser sagt mir, er het versaumt
das tor, ich solt im herberg gebn.
ich sprach: dasselb ist mir nit ebn,
weil ich noch nit weiß, wer du bist,
dergleich was dein hantierung ist.
er sprach: so wiß, ich bin genant
Hans Unfleiß, überal bekant
in weiter welt, in allen lendern,
beide den frauen und den mendern,
den armen, reichen, jung und alten,
voraus dem hausgsint und ehalten;
wo man mein gwont, hat man mich gern.
mein hantierung wil ich erklern:
wiß, das ich selb bin halber blint,
darzu nachleßig und unbsint,
nur oben hin wie ein neu kalb,
tu ein ding weder gar noch halb;
wo ich bin in eim regiment,
da mach ich lant und leut ellent,
all ratschleg kindisch und entwicht,
schlim urteil schaff ich am gericht,
durch mich wirt auch in manchem amt
vil übersehen und versamt,
durch mich gut ordnung gen zu grunt,
gemeiner nutz wirt durch mich wunt,
[56]
im krieg verfür ich mannich her,
vil schiff versenk ich in das mer,
der kranken ich verwarlos vil,
gwinn weng kleinat mit ritterspil,
all freie künst trit ich mit füßen,
die glerten vor mir weichen müßen;
ich mach gar manche öde schul
und unwert manchen predigstul,
ich zeuch vil ungeratner kinder,
mager mach ich ross, schaf und rinder,
treib manchen burger von seim erb,
der kaufleut ich auch vil verderb,
in den hantwerken ich umbstümpel,
vil gutes werkzeugs ich verhümpel,
ich mach manchem sein arbeit saur,
in der kuchen bin ich ein schaur,
im haushalten ein ungewitter,
mach das haus baufellig und schitter,
summa summarum, wo ich bin,
friß ich das hauptgut und den gwin,
verderb, verwüst, verlaß und brich,
das die katz wirt das beste vich,
und wo ich lang bleib gast im haus,
da muß der wirt zum tor hinaus.
ich sprach: hast du ein solchen sit,
so gib ich dir kein herberg nit,
ich wil all nachbaurn vor dir warnen.
er sprach: ir künt vor meinen garnen
in keinem weg ganz sicher sein,
eur meit und knecht mich laßen ein,
verbergen mich oft lang im haus.
doch wil ich reiten iezt hinaus;
ich weiß ein wirt, da wil ich zu,
dem bin ich willkum spat und fru
und ritt damit aus unser gaßen.
die wort wart ich zu herzen faßen,
[57]
dacht, wie ein arg ding ist unfleiß,
weil köng Salomon spricht, der weiß:
der fleißigen hant machet reich;
aus dem man wol verstet dergleich,
das der unfleiß muß armut bringen,
wie man das spürt in allen dingen;
wo unfleiß nimmet überhant,
ein ding in die leng hat kein bstant,
sonder mit schaden endt sein lauf.
derhalb seh ieder umb und auf,
in all seinem gewerb und handel,
mit tun und laßen in seim wandel,
wo unfleiß sich bei im zuschlag,
das er in zeitlich von im jag,
tu forthin alle ding mit fleiß,
das in nit mit der zeit umbreiß
die waßergüß als ungemachs
durch schnöden unfleiß, spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1534. am 20. tage Novembris.

Heinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Heinz Widerporst

Heinz Widerporst bin ich genant,
kum her aus wildem Lappenlant,
gen berg sten mir all meine har,
wan ich bin widerspenstig gar;
mein sin selzam, eglisch und wunderlich,
all mein gedanken die sint sunderlich,
mit keim menschen die concordiern,
eigensinnigkeit tut mich ziern;
[58]
was iederman für gut erkent,
wirt von mir veracht und geschent;
was man vernicht, dem gib ich preis,
leb ganz widerpörstiger weis,
wes man sich freut, des traure ich,
wes man trauert, des freu ich mich,
was man gutes wil fahen an,
das wend ich allmal, wo ich kan,
und was auf ganzer ert geschicht,
das laß ich mir gefallen nicht;
gottes würkung ich allzeit tadel,
regenten, fürsten und den adel,
geistlich, weltlich, groß unde klein,
rat und gericht und die gemein;
man predig, schreib, sing oder sag,
über das als ich schrei und klag
on alle ursach, fug und glimpf
und bin ein rechter wendenschimpf,
ein wilder lap, ja dem allein
gefellt der eigen willen sein.
zwei eseloren ich auch hab,
darbei nimt leicht ein weiser ab,
das umb mich ist die weisheit klein;
zerstreuet sint die sinne mein
und gen gleich durch einander wabern,
wie auf dem felt der gmete habern;
des sint meine wort unbehut.
solt ich verreden leib und gut,
so halt ich doch kein zal noch maß,
weil mir gfellt weder diß noch das,
schlag ich iedem ein blechlein an,
keinr billichkeit schon ich nit dran,
es reim sich oder reim sich nicht,
dasselbig mich nit hart anficht,
und wer mich darumb strafen wolt,
dem würt ich feint und gar abholt,
[59]
wan ich wil allzeit haben recht,
ob schon all welt mir widerfecht;
je mer man stillt, je mer ich tob,
wiewol ich selber bin so grob,
ei, gröber vil den das bonstro,
ein ungeschickter schadenfro,
und west vor unverstant dargegn
einr sau kein sattel aufzulegn.
des bleib ich weis heuer als fert,
geleich wie unsers mülners pfert.
mein gwant das ist ein igelsbalk,
darmit deck ich mein groben schalk,
bin stachlicht ganz iglischer art,
halt allenthalben widerpart,
wan ich stich mit spitzigen worten
tückisch umb mich an allen orten;
sitz ich in rat oder gericht,
laß ich der weisheit fürgang nicht;
wo ich dann in eim hantwerk bin,
anricht ich vil unrats darin;
wo ich denn in gesellschaft kum,
so schlag ich oft ein lerman um;
wo ich in einer gaßen sitz,
sticht die ganz nachbarschaft mein spitz,
und wo ich denn kom in die e,
da mach ich meim gemahel we;
wo ich auch won in einem haus,
da hebt sich mancher wilder straus.
ich sei bei leien oder pfaffen,
hat iederman mit mir zu schaffen;
ich kif, ich gron, ich grein und zank;
kein mensch umb mich verdienet dank,
mach vil zank, hader und aufrür,
krieg, widerwillen und unfür,
das iederman mich billich schetz,
ich sei ein rechte hadermetz.
[60]
nach mir zeuch ich ein dorenstrauch,
das mich blutrüstig machet auch,
mit scharpfen doren meine schenkel,
fuß, solen, fersen und den enkel,
wan ich mir selb richt törlich zu
durch mein abweis große unru,
ich hab bein leuten gar kein stern,
niemant hat mit mir zschaffen gern;
weil ich nichts ungetadelt laß,
mißt man mir auch mit solcher maß;
wer mir zumag, der tut mich rupfen,
mit worten und mit werken zupfen,
das ich doch nicht mer dulden kan;
weil mir zusetzet iederman,
so wil auch ich Heinz Widerporst
wider gen in des waldes forst,
fliehen fürbaß menschliche bildnus,
bleiben einsam in meiner wildnus,
weil mir mein weis gefellt allein,
und genzlich unbekümmert sein
mit der welt, biß doch mit der zeit
ent nem mein widerpörstigkeit.

Der beschluß

Aus dem so merk ein ieder man;
wil er gemach und fride han,
so meid er widerpörstig art
und halte für nicht widerpart;
was ander leut in laßen gfalln,
das tu er auch nit widerkalln;
ob gleich ein ding gebrechlich sei,
so merk er das und schweig darbei,
voraus wo es im ist unschedlich;
so helt man in aufricht und redlich,
leutselig, still, glimpfig und fridlich.
wol mag er richten underschidlich,
[61]
das gute von dem bösen scheln
und im das gut denn auserweln,
doch alle ding zum besten richt,
wie auch herr doctor Freidank spricht,
der man sei weis und wol gelert,
der alle ding zum besten kert;
als dann mag er bein leuten bleiben,
mit guter ru sein zeit vertreiben
und kan entgen vil ungemachs;
senftmut ist gut, so spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1534. am 16. tage Aprilis.

Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)
[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Das wütent her der kleinen dieb

Vor jaren, als mir in Westphaln
ein edelman ein pfert solt zaln,
und gleich auf Osenbruck zu zug
durch einen walt, da mich abtrug
ein beiweg, auf ein pfinztag spat,
das ich gar weder dorf noch stat
erreichen kunt, biß mich mit macht
überfiel die stickfinster nacht.
ich nam mit mir den hindern fuß,
zu eilen aus diser wiltnus;
der mon her durch die wolken leucht,
von ferr hört ich, als mich bedeucht,
ein gschell; in solchem herzenleid
kam ich im walt an ein wegscheid;
da erhub sich ein sturmwint laut
ganz ungstüm gleich einer wintsbraut,
[62]
in dem sich nehet das getümmel
mit forchtsamen gereusch und prümmel,
samt eim großen geschrei der raben,
her an der straß über ein graben,
das greulich schröcklich wütent her,
bei dreihunderten oder mer,
ein zerhaderte galgen rot.
ich stunt beseits und rüft zu got,
das er mir bhüt vernunft und sin;
also praßlets bei mir fürhin.
einer seufzet, der ander wemert,
der drit grisgramet, der viert jemert;
oben auf in die raben saßen,
ir augen ausblickten und fraßen,
teten von irem antlitz zwacken
ir oren, lebsen, kin und backen.
des hettens jemerlich anblick;
ieder het an dem hals ein strick
samt einer klappereten ketten;
durch einander sie schwürmen teten,
mit bunden henden gar verdorret,
eins teils schwarz, grumpfen und verschmorret,
eins teils bleich als die totenleich,
eins teils den kernter köpfen gleich,
daran die totenbein nur glunkerten,
und als sie all für mich hin funkerten,
kam hinden nach hin einer gangen,
den man denselben tag het ghangen;
het noch sein augn und mich ersach,
der trat zu mir und mich ansprach,
wer mich gestellet het hieher.
Der Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[63] Der Dichter

Erst erschrack ich, sagt im, ich wer
irr worden und im holz benacht.
er sprach: du schalk, du hast verlacht
uns, diß ellende wütent her.
da schwur ich im bei treu und er,
ich het mit in gehabt erbarmen,
sprach: aus was ursach, o ir armen,
müst ir mit solcher ungestüm
bei nächtlicher weil ziehen üm?
er sprach: wir suchen weit und breit
die waren strengen grechtigkeit.
etlich sagen, sie sei vor jarn
wider gen himel aufgefarn,
ander sagn, sie sei wider kommen,
doch sei ir aller gwalt genommen,
die dritten sagn, sie sei gefangen.
nun hab wir in der welt durchgangen
stet, merk, dörfer und die baufelder,
gebirg, klingen und wüste welder,
noch könn wirs nirgent kommen an.
ich sprach: was wölt ir bei ir tan?
da wolt wir unser not ir klagen,
das man uns kleine dieb tut plagen,
iederman auf uns zeigt und pfeift
und henkt uns, wo man uns ergreift;
die großen hat man wert und lieb.
ich fragt: wer sein die großen dieb?
tu mir die sach lautrer erklärn.
er sprach: die lant und leut beschwern
als rauber, lantzwinger, finanzer,
aufsetzmacher und alefanzer,
die fürkaufer und wucherer,
die warfelscher und trügener,
[64]
falsch juristen und rechtverkerer,
simoneier und falsche lerer
und ander on zal gleich der sum,
die gen nur mit dem tausent umb,
bleiben darbei groß herren noch;
wir kleinen dieb zalen das gloch
und tun dem lant doch wenig schaden,
das doch ist überschwer beladen
mit solchen großen schweren dieben,
weil schier kein creatur ist blieben
von in unbeschwert in den tagen;
das wolt wir der grechtigkeit klagen,
nit unsern diebstal uns zu schenken,
sonder die großen zu uns henken;
denn würt es baß sten in der welt,
all ding wolfeil umb ringes gelt,
und möcht aufwachsen gmeiner nutz,
als denn würt folgen alles gutz,
die grechtigkeit künt unser klagen
billicher weis gar nit abschlagen,
sie müst üben ir straf und rach.
derhalben so leßt auch nit nach
zu suchen sie das wütent her,
und find wirs auf ert nimmermer,
so find wirs doch am jüngsten tag,
da sich niemant verbergen mag
vor der strengen gerechtigkeit,
welche hat gar kein underscheit
noch ansehen keiner person;
sie straft, wer unrecht hat geton.
Der beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Der beschluß

In dem der arm von mir verschwint,
hinrauschet wie ein scharpfer wint,
ich aber forcht mich inniglich
und macht wol hundert kreuz für mich
und dacht an den Diogenem,
der eines mals lachet ob dem,
[65]
das man ein kleinen dieb wolt henken,
und sprach: er muß am galgen schwenken;
die großen dieb gar niemant scheucht,
die hüt man wol, vor in abzeucht.
als ich das gsicht nach dreien tagen
in der stat Osenbruck tet sagen
von anfang, mittel, ent und trum,
wurdn mir etlich reich feint darumb
und wünschten, das das wütent her
die grechtigkeit fünt nimmermer.
ich aber samt der armen rot
wünsch von herzen, und wolt auch got,
das grechtigkeit mit irem schwert
vil böser stück strafet auf ert,
so nem ein ent vil ungemachs.
got wends zum besten, wünscht Hans Sachs.

Anno salutis 1539. am 29. tag Januarij.

Römischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Römischer königlicher majestat, Ferdinandi einreitung in des h. reichs stat Nürnberg, den 7. tag Februarij im 1540. jar

Als ich am sambstag vor fasnacht
daheim feirabent het gemacht,
[66]
hört ich das volk mit großem haufen
alles hin für dem markt zu laufen;
was da wolt werden, west ich nit,
ich nam mein rock und loff auch mit.
balt ich hinfür kam auft fleischbrucken,
sach ich von meisterlichen stucken
ein künstenreiche festin henken,
oben über die gaßen schwenken,
mit grünem laubwerk, güldin knöpfen,
welschen gewächsen, löwenköpfen,
mit granatäpfeln, pomeranzen,
gut conterfet, daraus wart glanzen
manch edle frucht, löblich gebilt;
mitten daran da hieng ein schilt.
den markt ich weiter aufwerts gieng,
da widerumb ein festin hieng,
über die gaßen schwenket frei,
und aufwerts sach ich ir noch drei
hangen hinauf biß an die vesten.
die zu schauen daucht mich am besten;
mit fleiß beschaut ichs alle sander,
eine war anderst den die ander
geziert, mancherlei art versetzt;
mein herz in freuden wart ergetzt.
weiter gieng ich, mit kurzen worten,
und sach der vesten undre pforten
mit einem schönen triumphbogen
ringweis oben herumb umbzogen,
daran manch landes wappen hieng.
durch die pforten ich aufwerts gieng,
funt alle gemach in der vesten
versorgt, versehen nach dem besten,
geschmückt und ziert mit allem rat.
als ich wider gieng rab int stat,
fant ich wol auf zwölf hundert man
wol gerüst in fußharnisch stan
[67]
mit partisan und hellenparten.
ich wundert mich, auf wen sie warten,
wan sie stunden zu beiden seiten,
als solt man zwischen in hin reiten,
hert an einander man und man
zu öberst bei der vesten an
biß herab an die fleischbrucken.
vom volk wart ein gestöß und drucken;
dergleich in allen gaßen wol
sach ich heuser und fenster vol
von herrn, bürgern, kindern und frauen,
unden und oben herausschauen;
auch sach ich an von dem rathaus
die gaß mit sant bestreut hinaus
ganz sauber biß fürs frauentor.
alda sach ich auch sten darvor
gerüster man wol auf drei hundert
in harnisch, das mich ser verwundert,
stunden geteilt zu beiden seiten;
durch sie sach ich wol einher reiten
in schwarz bekleit etlich mit decken,
etlich mit felles und watsecken,
doch einzig, iezt drei, darnach zwen
auf kleppern; als ich so wart sten,
sach ich auch her reiten von ferren
fünf aus dem rat der eltern herren
in iren mädren schauben schwarz,
die ritten zu dem tor auswartz,
wol auf drei hundert pfert, bereit
gar köstlich, all in rot bekleit.
etlich herren in schwarz darunder;
ich schaut sie an mit großem wunder,
was dises alles solt bedeuten;
in dem ersach ich undern leuten
des größern rates ein genanten,
ein guten freunt, mir wol bekanten,
[68]
an dem ich dise ding erfragt.
der wundert sich und zu mir sagt:
seit ir in diser großen gmein
der ding unwißend gar allein,
das römisch könglich majestat
einreiten wirt zu abent spat?
der sint zu ern all ding bestelt,
wie es die alt ordnung inhelt.
habt ir denn auch nicht hören sagen,
das aus der stat vor zweien tagen
ausrittn zwen herrn vom rat in eil
gerüst entgegen siben meil,
da man köngliche majestat
zu Sulzbach wol empfangen hat?
dergleich die fünf herrn, iezt gesehen,
werden auf ein meil in der nehen
könglich majestat auch empfahen.
in dem wir all beid tragen sahen
ein himel von rotem damast,
von güldin fransen wol gefaßt;
auf iedem eck ein adler stunt
mit ausgeworfnen flügeln, und
ieder ein schild het in sein klaen,
daraus dreir köngreich wappen sahen.
dem himel folgten auch von ferren
des innern rats all ander herren
in mädren schauben für das tor,
zu empfahen zunechst darvor
auch königliche majestat,
die sich herbei genehert hat.
in dem wart von des volkes meng
ein groß gestöß und hart gedreng;
in dem da leut man alle glocken,
da wurt ein jubel und frolocken
von jung und alten, groß und kleinen;
ir vil wurden vor freuden weinen
ob irem natürlichen herren.
in dem zog durch das tor von ferren
[69]
unser gerüster zeug voran,
die in den tag beleitet han,
auf die sein zeug, in schwarz bekleit,
mit gringen pferden, darauf reit
sein adl und herren, wol staffiert,
in sammat und ketten geziert;
auf die sein edel knaben ritten,
in sammat schwarz höflich beschnitten,
auf die ritt könglich majestat.
vier junger herren aus dem rat
trugen den himel, wie gebürt;
ein bloßes schwert man im vorfürt;
drei ritten hinder in von fern,
auf die unser fünf alte hern,
und nach disen in schwarz bekleit
der köngisch zeug gerüstet reit.
den folgten nach, fein ausgesundert,
unser obgemelte drei hundert,
vil von den erbarn der geschlechten,
von kaufherren und reisig knechten.
als man den markt nun aufhin ruckt,
wart sanct Sebaldi kirch geschmuckt
im chor mit artlichen und schönen
teppichen, darin man wolt krönen
römisch königlich majestat
nach altem brauch; weil es war spat,
zog sie für aufwerts auf die vest,
da man die königlichen gest
beleitet biß hinein das schloß
mit herrlichkeit und freuden groß.
balt ließ könglicher majestat
gen hof schenken ein erbar rat
zwen wegen mit habren hinein,
darzu auch ein wagen mit wein,
ein mit reinfal und malvasir.
der vorgmelt sprach wider zu mir:
[70]
iezunt bin ich auch ingedenk
auf morgen der könglichen schenk,
nemlich ein güldin scheuren, secht,
mit neuen goltgülden, geprecht
könglicher majestat, allsamen
mit ir umbschrift, wappen und namen.
dergleichen auch ein erbar rat
ein feurwerk aufgerichtet hat
außen auf der neuen bastei,
sechs böler auch bestelt darbei,
wirt man brennen morgen zu nacht.
das und mer anders wirt verbracht
könglicher majestat zu eren,
ir frölichkeit und freud zu meren,
darmit ein gmein und erbar rat
erzeigt könglicher majestat
iren geneigten guten willen,
den sie vor hat gespürt ob vilen
in dem heiling römischen reich;
doch wirt könglich majestat gleich
biß montag widerumb weg reiten,
das sie eilent in kurzen zeiten
ins Niderland ir reis vollent,
da irer zukunft warten sent
römisch keiserlich majestat,
das sie beid mit zeitigem rat
dem türken widerumb begegen,
der aber sich ist gwaltig regen
in großer rüstung durch sein tück.
zu dem geb in got heil und glück
in dem und allem des geleich,
dardurch das heilig römisch reich
großmechtig wert, sich mer und wachs,
das wünscht in von Nürmberg Hans Sachs.

Anno salutis 1540. am 15. tag Februarij.

Die wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[71] Die wolfsklage über die bösen menschen

Hört ein wunderlich abenteuer!
als ich gieng im wolfsmonat heuer
einig allein weit über felt
an ein ort, einzunemen gelt,
es schneit, das ich schier war erblint;
auch war die straßen von dem wint
so gar verwehet mit dem schne,
das ich kein ban kunt finden me;
gieng also nur dahin mit wan
und het verfelet weit der ban
und hinein auf das wolfsfelt kam,
ein heulende stim ich vernam,
die laut: owe, owe, owe!
furcht, schreck und angst bracht mir herzwe;
doch weil die stim sam menschlich was,
faßt ich ein herz und gieng mein stras
hinzu; da saß in einem hag
ein wolf, der fürt ein schwere klag;
traurig er auf gen himel sach
und mit deutlicher stimme sprach:
o du höchster got Jupiter,
warumb hast mich erschaffen her,
das aller hartseligest tier,
weil iederman nachstellet mir?
fürsten, adel, burger und bauren,
tut alles auf mein unglück lauren
und mir nach meinem leben stelt;
hunt und jäger man auf mich helt;
[72]
wo mich ein mensch erblicket nur,
so macht man im lant ein aufrur
und schreit; ein wolf, ein wolf, wolauf!
denn kumt zusam ein großer hauf,
denn tut man mir vil garen stellen,
die weitleut ire hörner schellen,
darvor mir armen wolf tut schauchzen;
dann kum die hunt mit irem jauchzen,
mich in die garen nein zu jagen
und zu schießen, stechen und schlagen.
auch machen mir die baurenbubn
im walt vil heimlicher wolfsgrubn,
darein mich armen wolf zu sprengen
und umb mein leben mich zu brengen;
dergleich die weitleut auf mich tichten
und mir vil scharpfer selbgschoß richten,
auch ser vil falstrick her und hin,
das ich schier niendert sicher bin,
als ob ich sei der ergest schalk,
ein mörder, dieb und lasterbalk,
und treib doch kein ander unfur,
den was mir einpflanzt die natur.
den bauren ich zu einer straf
hintrag schwein, enten, gens und schaf,
das tu ich auch zu keim geschleck;
geb mir ein baur gnug kuttelfleck,
kein ros wolt ich im fellen mer.
also ich mich im stegreif ner,
wan ich kan ie nit eßen gras,
mein vatter auch kein heu nie as.
ich kan nit dreschen, hackn noch reuten,
so leßt man mich gar nit bein leuten,
das ich ein hantwerk möcht geleren,
das ich mit arbeit mich möcht neren,
[73]
das ich nicht also müßig gieng;
darzu nim ich nur eßent ding,
auf das ich nit gar hungers sterb,
hoff ie, mein schult sei nit so herb.
ich acht mich weder gwalt noch macht,
treib auch kein hoffart, preng noch pracht;
ich treib ie gar kein tyrannei,
mach kein aufsetz noch schinderei,
kein zol, maut, zehent noch frondinst,
ich nim kein ungelt, rent noch zinst,
tet auch mit meim wilt noch gejeit
nie keinem schaden an seim treit.
so hab ich nie kriegt, brennt noch gmört,
kein stat belegert noch zerstört,
so hab ich auch verfürt kein her,
kein schif versenket in das mer,
so felscht ich auch kein brief und sigel,
stieß für die warheit nie kein rigel,
auch half ich kein frommen verdrücken,
kein böswicht half ich fürher rücken,
hab auch kein recht nie aufgezogen,
gekrümt, verschrenket noch gebogen,
wart mit keim hellküchlein nie bstochen,
hab auch kein falsch urteil gesprochen;
auch hat nie falsch zeuget mein zungen,
hab nie kein von sein gütern drungen,
hab auch getriben kein finanz
und weiß nichts von keim alefanz.
so hab ich auch nie wucher triben,
noch vom hundert genommen siben,
hab nie fürkauft wein, treit und korn,
bin sonst auch kein fürkaufer worn,
münzfelschen hab ich auch vermitten,
so hab ich auch kein münz beschnitten
[74]
und wusch auch darvon nie kein ünz,
trib nie wechsel mit grober münz,
keinerlei war ich felschet nicht,
het nie kurz eln noch leicht gewicht,
hab nie zu vil grechnet noch gschriben,
hab auf borg nie kein höher triben,
hab auch kein gvorteilt noch betrogen,
hab kein verraten noch verlogen,
tet keim dieblich sein er abschneiden,
tet auch nie kein haßen noch neiden,
hab auch kein menschen nie veracht,
auch keinen verspott noch verlacht,
auch kein mit stichworten gefatzt,
auch nie hin und wider geschwatzt,
die leut zu hader nie gereizt,
niemant gescholten noch verbeizt;
auch tet ich nie schmeichlen noch heuchlen,
half keinem abtragen noch meuchlen,
hab auch nie keinen lam gehauen,
nie geschwecht frauen noch junkfrauen,
half auch zu kupplerei nit vil.
so trib ich auch kein falsches spil,
auch tet ich nie keinen gotsschwur,
vol weins ich nie mein lebtag wur;
hab auch kein meineit nie geschworn,
bin auch nie kein mortbrenner worn,
braucht nie kein kirchenrauberei
und trib auch nie kein zauberei;
kein wetter hab ich nie gemacht,
fur auf dem bock nie bei der nacht,
gelaubt auch nie an kein wuntsegen,
nach dem liebtrank tet ich nit fregen;
kein waßer goß ich in kein wein,
das brot buch ich auch nie zu klein,
keinem sein ehalten verhetzt,
auch keinem kunden abgesetzt,
kein gsetz der herrschaft nie zerspalten,
hab auch kein litlon vorbehalten,
[75]
hab nie kein hoch wiltpret geschoßen,
keins heimlich fischens nie genoßen,
bin auch gewesen nie aufrürisch,
mit meiner ler niemant verfürisch;
so braucht ich nie kein simonei,
macht kein rot, sect noch ketzerei;
kein falsche ler auch von mir kam,
auch richt ich auf kein ablaßkram,
nam kein annatn noch pallium,
verkauft kein pröbstei noch bistum,
het auch nie ein pfrünt oder drei.
so trib ich auch kein gleißnerei
und war auch kein stationierer,
kein kesjeger noch terminierer;
so war ich mein tag nit bäpstisch,
dergleichen auch nie lutherisch.
doch bin ich in der echt und ban,
wiewol ich der ding keins hab tan,
ganz unverhört sie mich verdammen,
als kum ich von eim schedling stammen
und hab verwürket wol den tot.
darumb, o Jupiter, du got,
gebeut alln menschen, man und frauen,
in irs herzen spiegel zu schauen,
so wirt sich ganz menschlich geschlecht
finden so bös und ungerecht
in allen stücken obbenamt,
so öffenlich und unverschamt,
so lesterlich, erlos und schentlich,
das es int leng nit sten kan entlich,
weil doch die ganz menschliche zunft
begabt ist mit sin und vernunft,
die in gibt underscheit so frei,
was erlich oder schentlich sei.
darüber hat der mensch auch mer
die heilig himlisch christlich ler,
[76]
auch verheißung von got darneben,
ein himelisch ewiges leben.
solch ding doch alle manglen mir,
wo ich aber ein beßers west,
wolt ich erwelen noch das best,
das doch der mensch mit nichten tut,
strebt nach gwalt, wollust, er und gut,
als sei er töricht, dol und blint,
dardurch in alle laster rint,
darumb er vil streflicher wer.
derhalb, o höchster Jupiter,
bitt ich, mir ein geleit zu geben,
das ich fürwar mög sicher leben
bei menschlichem gschlecht auf ertrich,
das vil schentlicher lebt den ich;
derhalb straf sie und laß mich frei,
als lieb dir die grechtigkeit sei.
in dem schwang sich herr Jupiter
von oben auf eim adler her
und sprach: o wolf, es wirt auf erden
plötzlich ein große endrung werden;
denn sol dein werden auch gedacht,
das du kumst aus dem ban und acht.
frölich lief ein der wolf gen holz.
herr Jupiter schnell als ein bolz
fur wider auf zu seinem tron.
ich wut in tiefem schnee darvon,
gedacht: ach got, der großen schant!
ein iedes tier in seinem stant,
fisch, vögel und all creatur,
was ie von got erschaffen wur,
das lebt nach der natur allein,
die im got hat gepflanzet ein,
und in keim stück das übertrit;
allein der mensch tut solches nit,
sonder bleibt got nit undertenig,
ist sein geboten widerspenig,
[77]
nach gwalt, er, gut und wollust strebet,
dardurch in allen lastern lebet
wider vernunft und christlich ler,
wider tugent, sitten und er.
des werden an dem jüngsten tag
all creatur mit großer klag
wider den menschen zeugnus geben
und wider sein süntliches leben,
die er mißbraucht hat allesamen,
im selb zu ewigem verdamen;
auch ist warhaftig zu vermuten,
das uns got wert mit seiner ruten
scharpf heimsuchen und gar behenz
mit krieg, teurung und pestilenz
und ander erschröcklicher plag.
got wöll, das dardurch vor dem tag
buß und beßrung bei uns aufwachs,
das wir from werden, wünscht Hans Sachs.

Anno salutis 1543. am 9. tag Augusti.

Ein artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Ein artlich gesprech der götter, die zwitracht des römischen reichs betreffent

Als ich meins alters war
treten ins fünfzigst jar,
lag ich eins nachts betrübet,
darzu mich heimlich übet
[78]
in diser bösen zeit
die widerwertigkeit
in dem römischen reich,
darin man tegeleich
hielt mancherlei reichsteg,
doch alles fel und treg;
gar nichts von stat wolt gen,
zu stillen die zwispen;
ich dacht lang hin und her,
wer des ein ursach wer.
in sollichem nachdenken
tet sich zu schlafen senken
meiner augen gelider,
ins bet duckt ich mich nider
und mich zusammen schmucket,
biß mir der schlaf entzucket
mein angefochten sin.
in dem traum mir erschin
der engel Genius
und sprach zu mir: ich mus
dich etwas laßen sehen,
auf dise nacht geschehen.
gar plötzlich nam er mich
und fürt mich über sich
durch das leuchtent gestirn
der himlischen revirn
biß zu der götter trön.
der mon schin hell und schön
samt aller sternen glenster.
er stelt mich in ein fenster
an einem dunklen ort,
das ich möcht alle wort
hören in disem sal.
die götter allzumal
ein groß versamlung hetten,
zirkelrunt sitzen teten.
Jupiter auf seim tron,
sein red fieng also on:

[79] Jupiter.

Ir götter all geleich,
es hat das römisch reich
samt teutscher nation
zwitracht und widerspon,
und wirt man nit ableinen
und gütlichen vereinen
die zwispelting partei,
das frid zwischen in sei,
so muß das reich zergen,
mag lenger nit besten.
es hat zwen mechtig feint,
darumb ratschlaget heint,
das underkommen wert
der groß unfal auf ert,
wan es ist hohe zeit.
Mars.

Mars, gewapnet zum streit,
stunt auf mit bloßem schwert,
sprach: weil unden auf ert
das reich ein zwitracht hat,
so ist darauf mein rat
ich hetz sie zu eim krieg,
welche partei den sieg
gewinn, die andern dring,
nach irem willen zwing,
und sei sie darnach herr.
Jupiter.

Jovis sprach: das sei ferr,
dein rat ist ie nit gut,
dich dürstet nur nach blut,
weil aus des reiches krieg
folgt ein blutiger sieg,
mort, raub und darzu brant,
verderbung teutscher lant;
[80]
darumb gefiel mir baß,
das man solch zenk und haß
durch freuntlichkeit hinleget,
welche das herz beweget.
Juno, gib du dein kraft,
ein neue gmahelschaft
beweg in regimenten
der zwispelting regenten,
dardurch einigkeit wert.
Juno.

Juno antwort: auf ert
tet ich neulich verwilgen
gemahelschaft der lilgen,
das unfrid würt gestilt,
die doch nie glauben hilt;
drumb möchts noch also gen,
baß mögst du understen
mit gelt der feintschaft schmerz,
das weicht des menschen herz
und milderts ganz und gar.
Jupiter.

Jovis sprach: das ist war,
Pluto, nim dein reichtum,
goldes ein große sum,
die fürsten zu begaben,
auf das sie fride haben,
freuntschaft und einigkeit.
Pluto.

Pluto sprach: es felt weit,
das golt würt sie erst reizen
und auf zwitracht verbeizen,
[81]
freidig und trutzig machen,
würden den krieg zwifachen;
denn gwunnen die hauptleut
vom golt die besten beut,
dann würts erger den vor,
e ich mein schetz verlor,
armut bhielt lenger frid.
Jupiter.

Jupiter auf den bschid
ruft Penuriam her,
sprach: schleich hin mit gefer,
und fah in deine bant
der zwispeltigen hant,
zwing sie zu einigkeit,
das sie zu krieg und streit
werden ganz mat und schwach.
Penuria.

Penuria die sprach:
ich wil dir folgen gern,
doch werden sie beschwern
das lant durch vil aufsetz,
zu samlen große schetz,
das auch vil neits gebür.
schlag andre mittel für,
schick aller götter bot,
Mercurium, den got,
das er mit worten spech
durch sein lieblich gesprech
die vilspelting partei
fridlich vereining sei,
weil dein wort vil vermag.
Jupiter.

Jupiter auf die sag
[82]
sprach: Mercuri, schwing dich
hinab auf erderich,
verkünd an alle ort
mein willen und mein wort,
gib der zwitracht entschid,
wer nit wil halten frid,
dem dro mein ungenad,
in für mein grichte lad,
da muß er sten zu bus.
Mercurius.

Da sprach Mercurius:
es ist verloren schlecht,
ieder wil haben recht
und wil kein mittel leiden,
ob gleich dein wort tut schneiden;
das der ein teil nem an,
würts der ander nicht tan,
weil im wont kreftig bei
der geist der heuchlerei
samt gschwindem orenblasen,
und handelt aller masen,
als sei er blint und taub;
darumb mein red, gelaub,
hat weder platz noch stat,
biß die finster vergat.
rat weiter du darzu.
Jupiter.

Jupiter sprach: o du
glanzender got Phebus,
erleucht ir finsternus
mit deiner sonnen glest,
zu erwelen das best;
in iren geist erleucht,
mit gütigkeit befeucht,
[83]
den unfrid zu verhüten,
durch mittl all sach zu güten,
das all partei sich geben,
der warheit nachzustreben;
solch lieb und einigkeit
erhielt den frid lang zeit.
Phebus.

Phebus antwort: mein brunst
auf ert ist auch umbsunst;
ich sich die regiment,
durchaus beiderlei stent,
in vil partei zerspalten.
ir vil mein schein aufhalten,
mit vil practik und tücken
die guten zu verdrücken;
ob sie gleich wol erkennen,
recht, gut und heilig nennen
die heilig, ewig warheit
mit ir himlischen klarheit,
mit lüg sies verunreinen,
das mich verdreußt zu scheinen,
derhalb in finsternus
noch oft verkeren mus,
weil als gut ist verloren.
Saturnus.

Saturnus sprach in zoren:
gib du mir in mein hant
gwalt über teutsche lant;
wer sich denn wil entpörn,
den gmein frid zu verstörn,
den wil ich grausam töten.
Jupiter.

Jupiter sprach: von nöten
ist, das man nit mit gwalt
far, sonder frei erhalt
[84]
beid teil in frid. o du,
Minerva, trit herzu,
gib rat durch dein weisheit,
das wir in einigkeit
bringen das römisch reich.
aufstunt die adeleich.
Minerva.

Minerva sprach: o der
handel ist mir zu schwer,
doch weiß ich ein person,
wenn die nit stillen kon
der teutschen fürsten zorn,
so ist all sach verlorn.
Jupiter.

Jupiter sprach: zeig on,
wer ist dieselb person,
die solch ansehen hat,
zu stillen den unrat.
Minerva.

Da antwort Minerva:
es ist Respublica.
Jupiter.

Jupiter sprach: wolhin,
ist er nit vor bei in?
Minerva.

Minerva sprach: ach nein,
abcontrafect allein,
welcher doch vor leibhaft
regieret hat mit kraft
das alt römische reich,
hanthabt es ordenleich
und machet es großmechtig,
hielt die burger eintrechtig,
[85]
das sie waren allsant
einer des andern hant,
semtlich biß auf das blut
hanthabten das gmein gut
treulich durch alle stent;
des war ir regiment
stanthaft, wie obgemelt,
ein herschung aller welt.
balt aber eigner nutz
des gwalts, prachts, er und gutz
bei in riß gwaltig ein,
ieder schaut auf das sein,
da wurdens in partei
gespalten mancherlei,
vil bürgerlicher krieg
wurden mit bluting sieg,
groß tyrannei geübt,
der gmein nutz wurt betrübt,
der gmein man aus verdrieß
in auch gar fallen ließ,
also wurt er austriben.
wo er seit her ist bliben,
das kan ich dir nit sagen.
seit her nach disen tagen
hat das reich abgenommen,
in solchen abfal kommen,
das im dreut die entpörung
sein entliche zerstörung,
wie es denn ietzunt get.
wenn man nun wider het
den alten gmeinen nutz,
der möcht schaffen vil gutz,
brecht wider in der zeit
stet frid und einigkeit
in dem römischen reich.
der rat gar löbeleich
gefiel den göttern allen,
allein tet widerkallen
Mars und auch Saturnus.
[86] Jupiter.

Jupiter sprach: man mus
folgen der merern sum;
befalch Mercurium,
das er den gmeinen nutz,
den vatter alles gutz,
wölt in sein tron citiern
on alles excusiern,
das er in eilents sent
römischem regiment,
den zwitracht und unwilln
bei in gar abzustilln,
auf das forthin auf ert
ent nemen all beschwert.
Mercurius.

Mercurius sprach: gern,
doch must du mir erklern,
wo ich in finden sol.
Jupiter.

Jupiter sprach: ja wol,
such in in den reichssteten,
die in vor jaren hetten
in hohem acht und wert.
Mercurius.

Mercurius, auf ert,
sprach, tu ich teglich wandlen,
mit den menschen zu handlen,
doch hab ich, mag ich jehen,
den gmein nutz lang nie gsehen,
sein weder stumpf noch stil.
ich hör wol von im vil
sagen in stet und mauren,
in dörfern von den bauren,
[87]
in schlößern, merk und flecken;
das macht mir einen schrecken,
das ich in auf der reis
nirgent zu suchen weis.
Jupiter.

Jupiter sprach besunder:
erst nimt mich nimmer wunder,
das es so übel get,
im reich zwitrechtig stet,
weil der gemeine nutz,
des römisch reiches schutz,
wont bei öbern noch undern;
mich tut vil mer verwundern,
das römisch reich vor langen
jarn nit zu grunt ist gangen.
ir götter, zeiget an,
wo man doch finden kan
den gmein nutz obgemelt,
wo man in aller welt
iezt sein fußstapfen spür.
Luna.

Luna die trat herfür,
sprach: wol vor alten jaren
sach ich eins nachts in faren
aus ganzem Europa,
und wolt in Asia,
wider in Kriechenlant,
villeicht zu Athen wont.
Diana.

Die göttin Diana
sprach: er ist nimmer da,
vor vil jarn ausgeschlagen.
neulich, als ich wolt jagen,
fant ich in mit mein winden
weit in dem walt dort hinden,
[88]
sitzent bei einem brunnen,
sein antlitz überrunnen
mit ganz kleglichen zehern.
als ich mich im tet nehern,
verbarg er sein angsicht,
wolt mich ansehen nicht,
schemt sich leicht seins ellents,
und floch schnell und behents
in ein finster steinhol,
darin gedenk ich wol
den vertribenen alten
heutigs tags noch haushalten.
Jupiter.

Jupiter sprach: so eil,
bring raus das menschlich heil
aus vertribnem ellent,
zu hülf dem regiment.
Mercurius schwang nider
sein lautreisig gefider.
dieweil hielt heimlich rat
der götter majestat,
stießen die köpf zusam,
das ich kein wort vernam.
Mercurius.

Nach dem Mercurius
ganz vogelschnell aufschuß
mit trauriger geber
und sprach: o Jupiter,
den gmein nutz hab ich funden,
doch vol tötlicher wunden
und mit krankheit geplakt,
an hent und füß contrakt,
sein leib ganz ausgedorret,
gerumpfen und verschmorret,
[89]
das an im hieng allein
in der haut das gebein;
sein öber lebs am munt
sein zen kaum decken kunt,
sein antlitz gar erblichen,
all lebent geist gewichen,
sein herz allein kunt lechzen
mit abkreftigem echzen,
gar kurzem atemzug,
der puls gemachsam schlug.
ich dorft in nit anrüren,
mit mir herauf zu füren,
ich förcht, er möcht verderben,
mir underwegen sterben,
wan er ist tötlich schwach.
Jupiter.

In großem ungemach
winkt der got Jupiter
Esculapio her,
dem got aller erznei,
und sprach: gerüstet sei
und schwing dich eilent nider
mit Mercurio wider
zu dem hohen gescheft;
nim aller kreuter seft,
der götter trank, nectar;
darmit fleißig bewar
Rempublicam, den alten,
im leben in zu halten.
von verlegner kristier
in seuberlich purgier!
tu im sein wunden heften,
bring im zu voring kreften
all glider, bein und mark,
das er wert frisch und stark!
bring in im augenblick
herauf, das ich in schick
[90]
auf ert, zu reformiern,
das fridlich concordiern
die herschenden regenten
samt allen reiches stenden,
das der adler mög wider
schwingen sein ganz gefider,
den trachen zu vertilgen
samt der vergiften lilgen.

Der beschluß

Balt sich die zwen abschwungen,
wart von der Siren zungen
in aller götter trön
ein wunniglich getön
mit jubel und frolocken.
mein herz vor freud tet schocken,
Rempublicam zu sehen;
in dem fieng an zu krehen
mein lautreisiger hon,
das ich erwacht darvon.
das ich des endes nicht
erreicht in dem gesicht,
des trauret mein gemüt,
hoff, got wert durch sein güt
selb all zwitracht ableinen
und durch sein wort vereinen
im reich all stet und fürsten,
das sie nach frid wert dürsten,
auf das in hohem rum
das römisch keisertum
sich wider mer und wachs
durch gmein nutz, wünscht Hans Sachs.

Anno salutis 1544. am 3. tag Martij.

Ein epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[91] Ein epitaphium oder klagred ob der leich doctor Martini Lutheri

Als man zelt fünfzehnhundert jar
und sechs und vierzig, gleich als war
der sibenzehent im hornung,
schwermütigkeit mein herz durchdrung,
und west doch selb nicht, was mir was.
gleich traurig auf mir selber sas,
legt mich in den gedanken tief
und gleich in unmut groß entschlief.
mich daucht, ich wer in einem tempel,
erbaut nach sechsischem exempel,
der war mit kerzen hell beleucht,
mit edlem reuchwerk wol durchreucht;
mitten da stunt bedecket gar
mit schwarzem tuch ein totenbar.
ob diser bar da hieng ein schilt,
darin ein rosen war gebilt;
mitten dardurch so gieng ein kreuz.
ich dacht mir: ach got, was bedeuz?
erseufzet darob traurikleich,
gedacht: wie, wenn die totenleich
doctor Martinus Luther wer?
in dem trat aus dem chor daher
ein weib in schneweißem gewant,
Theologia hoch genant,
die stunt hin zu der totenbar,
sie want ir hent und rauft ir har,
gar kleglich mit weinen durchbrach,
mit seufzen sie anfieng und sprach:
ach, das es müß erbarmen got,
ligst du denn iezt hie und bist tot,
[92]
o du treuer und küner helt,
von got, dem herren, selb erwelt,
für mich so ritterlich zu kempfen,
mit gottes wort mein feint zu dempfen,
mit disputieren, schreibn und predigen,
darmit du mich denn tetst erledigen
aus großer trübsal und gezwengnus
meiner babylonischen gfengnus,
darin ich lag so lange zeit,
kam schier in die vergeßenheit,
von mein feinden in herzenleit,
von den mir mein schneweißes kleit
vermeiligt wurt, schwarz und besudelt,
zerrißen und scheuzlich zerhudelt,
die mich auch hin und wider zogen,
zerkrüppelten, krümten und bogen?
ich wurt geradbrecht, zwickt und zwakt,
verwundt, gemartert und geplagt
durch ir gotlose menschenler,
das man mich kaum kunt kennen mer.
ich galt entlich gar nichts bei in,
biß ich durch dich erledigt bin,
du teurer helt aus gottes gnaden,
da du mich waschen tetst und baden
und mir wider reinigst mein wat
von iren lügen und unflat.
mich tetst du auch heilen und salben,
das ich gesunt ste, allenthalben
ganz hell und rein wie im anfang;
darin hast dich bemüet lang,
mit schwerer arbeit hart geplagt,
dein leben oft darob gewagt,
weil bapst, bischof, könig und fürsten
gar ser nach deinem blut was dürsten,
dir hindertückisch nachgestelt.
noch bist du als ein gotteshelt
bliben warhaft, treu und bestendig,
durch kein gefar worden abwendig
[93]
von wegen gottes und auch mein.
wer wirt nun mein verfechter sein,
weil du genommen hast dein ent?
wie wird ich werden so ellent,
verlaßen in der feinde mit?
ich sprach zu ir: o, fürcht dir nit,
du heilige, sei wolgemut,
got hat dich selbs in seiner hut,
der dir hat überflüßig geben
vil trefflich menner, so noch leben;
die werden dich hanthaben fein
samt der ganz christlichen gemein,
der du bist worden klar bekant
schier durchaus in ganz teutschem lant.
die all werden dich nit verlaßen,
dich rein behalten aller maßen
on menschen ler, wie du iezt bist.
darwider hilft kein gwalt noch list;
dich sollen die pforten der hellen
nicht überweltigen noch fellen,
darumb so laß dein trauren sein,
das doctor Martinus allein
als ein überwinder und sieger,
ein recht apostolischer krieger,
der seinen kampf hie hat verbracht
und brochen deiner feinde macht
und iezt aus aller angst und not
durch den milt barmherzigen got
gefordert zu ewiger ru.
da helf uns Christus allen zu,
da ewig freud uns auferwachs
nach dem ellent, das wünscht Hans Sachs.

Anno salutis 1546, am 22. tag Martij.

Der junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[94] Der junkbrunn

Als ich in meinem alter war
gleich im zwei und sechzigsten jar,
da mich gar in mancherlei stücken
das schwere alter hart was drücken,
da dacht ich mit seufzender klag
an meiner jugent gute tag,
die ich so unnütz het verzert;
das mir geleich mein schmerzen mert,
und warf mich im bet hin und her,
dacht: o das ein arzenei wer
für das alter oder ein salben,
wie wert würt sie sein allenthalben!
in dem nachdenken ich gar tief
verwickelter sam halb entschlief.
mir traumt, wie ich kem wolbesunnen
zu einem großen runden brunnen
von merbelstein, polieret klar,
darein das waßer rinnen war
warm unde kalt wol aus zwölf rörn,
gleich eim wiltbad; tut wunder hörn:
das waßer het so große kraft,
welch mensch mit alter war behaft,
ob er schon achtzigjerig was,
wan er ein stunt im brunnen saß,
so teten sich verjüngen wider
sein gmüt, herz und alle gelider.
umb den brunnen war ein gedreng,
wan darzu kam ein große meng,
allerlei nation und gschlecht,
mönnich, pfaffen, ritter und knecht,
burger, bauer und hantwerker,
der kam on zal zum brunnen her
[95]
und wolten sich verjüngen laßen.
vol zog es zu auf steig und straßen
aus allen landen nah und ferren
auf senften, schlitten, wegn und kerren.
ir vil man auf radwerben zug,
etlich man auf mistberen trug,
und ir vil trug man auf dem rucken,
etlich giengen herzu auf krucken.
zusamen kam ein hauf der alten,
wunderlich, entisch, ungestalten,
gerunzelt, zanlucket und kal,
zittrent und kretzig überal,
dunkler augen und ungehöret,
vergeßen, doppet und halb töret,
ganz mat, bleich, bogrucket und krum.
da war in summa summarum
ein husten, reuspern und ein kreisten,
ein echzen, seufzen und ein feisten,
als obs in einem spital wer.
zwölf man waren bestellet her,
die allen alten, die sie funnen,
solten helfen in den junkbrunnen;
die teten sich alle verjüngen:
nach einer stunt mit freien sprüngen
sprangen sie aus dem brunnen runt,
schön, wolgefarb, frisch, jung und gsunt,
ganz leichtsinnig und wol geberig,
als ob sie weren zweinzigjerig.
balt sich ein rot verjünget fein,
so steig darnach ein andre ein.
da dacht ich mir im schlaf fürwar!
alt bist auch zwei und sechzig jar,
dir get ab an ghör und gesicht.
was zeichst du dich, das du auch nicht
[96]
wol halt in den junkbrunnen sitzest,
die alten haut auch von dir schwitzest?
abzoch ich alles mein gewant,
daucht mich im schlaf alda zuhant,
ich stig in junkbrunnen, zu baden,
abzukommen des alters schaden.
in dem einsteigen ich erwacht,
meins verjüngens ich selber lacht,
dacht mir: ich muß nun bei mein tagen
die alten haut mein lebtag tragen,
weil kein kraut auf ert ist gewachsen,
heut zu verjüngen mich, Hans Sachsen.

Anno salutis 1557. am 5. tag Novembris.

Schwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Schwank: die hasen fangen und braten den jeger

Eins morgens gieng ich durch ein walt,
es het geschneit und war grim kalt;
neben der straßen hört ich vispern,
etwas hinder eim gstreuß laut zispern;
ich guckt hindurch, sach, das da sasen
etwas in die zweihundert hasen,
heten sam da iren reichstag.
ein alter has erzelt die klag
über ein gar uralten jeger,
der sie teglich in irem leger
überfiel mit lauschen und hetzen,
mit gschoß, falken, hunden und netzen,
darmit sie vilfaltig verstricket
und sie on alle barmung knicket,
darnach er sie denn schunt und brit,
ir etlich gar zu stücken schnit,
[97]
und bickt sie ein zu eim fürheß,
nachdem mit zenen zriß und freß;
das müstens leiden und ir kinder
und würden ir ie lenger minder,
wiewol sie teglich junge trügen
und die ausheckten und aufzügen,
und wo die leng sie noch da blieben,
würdens all von im aufgeriben;
derhalb wer not, das sie allsant
dem jeger teten widerstant,
wenn er zu nechst mit seim weidwerk
widerumb züg auf disen berk,
das sie im soltn mit gmeinem haufen
in einem sturm entgegen laufen,
grad zu auf in, on alle krümb,
den alten jeger stoßen ümb,
in denn mit sein hetzstricken binden,
dergleich seine leithund und winden.
wenn sie denn also wern gefangen,
als übel, vor an in begangen,
möcht man volkömlich an in rechen.
darzu waren all hasen sprechen,
sie wolten ir belg all dran wagen
und stracks nachkommen seim ansagen,
ob sie möchten den jeger fellen.
in dem hört ich ein horen schellen
und auch jauchzen der hunde haufen;
anfiengen die hasen zu laufen
hinab gen tal dem jeger zu;
ich stunt ein weil, und in eim nu
kamen die hasen in ir leger
und brachten mit den alten jeger,
mit weidstricken gfangen und bunden,
mit all sein winden und leithunden,
sein spieß und weidmeßer sie trugen,
den jeger an eim strick aufzugen
[98]
an eim baum zu der strengen frag,
wie vil er hasen all sein tag
het umbbracht mit seinem weidwerk
alhie an dem waldigen berk.
da bekent er auf drithalb hundert,
ieden mit namen ausgesundert.
mit fleiß beschribens sein urgicht;
nach dem saßen sie zu gericht,
teten sein jegerhoren schellen
und über in ein urteil fellen,
das man zu straf umb sein untaten
in solt an einem spieße braten,
wie er den hasen auch het tan,
wo ers gfenglich het kummen an.
auch feltens ein urteil den hunden,
das sie all solten werden gschunden,
zerhauen und gesalzen ein
und darnach aufgehangen sein.
nach dem schürtens ein großes feuer,
namen den jeger ungeheuer
und bunden in an ein bratspieß;
der einen tiefen seufzen ließ
und sprach: erst ich erkennen kan,
das ich im hab zu vil getan,
drumb gschicht mir iezt auch nit unrecht;
ich hab euch gar zu hart durchecht
on schult wider all billichkeit,
wan ich gedacht zu jener zeit,
ich wolt euch drucken, wie ich wolt,
das ir mich allzeit fliehen solt
nach aller hasn natur und art;
iezt, so ir haltet widerpart
und ir mein meister worden seit,
erkenn ich erst mein groß torheit.
nach dem die hasen ungeheuer
teten den jeger zu dem feuer
[99]
und dreten in umb an dem spieß;
mannichen lauten schrei er ließ,
zu helfen ich im oft gedacht,
doch sorg und forcht mich darvon bracht,
das sie mir nicht gleich wie im taten,
ließ gleich den alten jeger braten,
all hund erschlagen, darnach schinden,
in stück zerhauen; ich stunt hinden,
sach, wies ein teil einsalzten auch,
darnach aufhiengen in den rauch,
eins teils sie in eim keßel suden,
all wölf und füchs sie darzu luden,
mit in zu halten das frümal.
nach dem gieng ich mein straß zu tal
und gedacht mir bei der geschicht:
war ist es, wie Seneca spricht:
welch herr treibet groß tyrannei,
macht vil aufsetz und schinderei,
meint zu drucken sein underton,
auf das sie fürchten sein person,
derselb muß ir auch förchten vil;
wenn ers gar übermachen wil,
wirt es etwan mit ungstüm grochen,
und hart gespanter bogen brochen,
wie keiser Julio geschach,
auch andern mer vor und hernach;
wer aber senftmütig regiert,
von den seinen geliebet wirt,
tun im freiwillig alles gut
und setzen zu im leib und blut,
darmit sein reich grün, blü und wachs.
senftmut bringt gut, so spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1550. am 25. tag Aprilis.

LantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[100] Lantsknechtspiegel

Des kriegs art, frucht und lon magst du hierin verston.


Als ich vor dreißig jaren,
noch jung und unerfaren,
oft höret vom krieg sagen,
und mir auch hart anlagen
mein gsellen, das ich hin
solt in den krieg mit in,
auch etwas zu erfaren,
das ich in alten jaren
darvon zu sagen west,
fürsagten mir das best,
das ich ein lust gewun
zum krieg, und dem nachsun,
wie noch manch junges blut
aus unwißenheit tut.
nun, eins nachts gegen tag,
als ich frei munter lag,
erschin mir hell und pur
der groß got der natur,
Genius, sprach zu mir:
wolauf, gsell, das ich dir
den krieg tu zeigen on,
sein art, frucht und sein lon!
wenn ich dir den fürstel,
nach dem dir auserwel,
in disen krieg zu ziehen,
oder in gar zu fliehen.
nach dem da nam er mich,
fürt mich hoch über sich
hindurch den klaren luft,
und auf der erden gruft
[101]
mir zeigt ein weites tal,
verwüstet überal;
verhauen warn die welder,
zertreten die baufelder,
würz, kraut, blü, laub und gras
als abgefretzet was
samt allerlei getreid
und aller wunn und weid;
auch die edlen weinreben,
all fruchtbar beum darneben
waren all abgehauen,
die ecker ungebauen,
auch stunden die weier
von fisch und waßer ler;
auch zeigt er mir darum
ein übergroße sum,
lang und breit etlich meiler,
dörfer und kleine weiler,
die brunnen hoch und glo,
eins teils die lagen do
in der aschen und rochen;
zeigt mir, wie sich verkrochen
die bauren in den welden,
in heckn und finstren helden,
der ich doch vil sach schetzn,
fahen, martren und pfetzn,
auch wie da an den straßen
vor den dörferen saßen
weib und die kleinen kinder.
hin war ros, schaf und rinder;
auch ir bar gelt eingraben
war hin von den kriegsknaben
samt futter und getreid.
des saßens in herzleid,
[102]
in hunger, durst und frost
ellent on allen trost
und westen nit wohin.
nach dem zeigt er mir in
den bergen mannich schloß,
welche durch kriegs geschoß
warn hart worden bekümmert,
zerscherbet und zertrümmert
und ausgebrennt mit feuer;
doch stunt noch etlich gmeuer,
sonst all notfest zerstört,
kein adel man drin hört,
hin war als frauenzimmer
und als, was man vor immer
geflöhnet het darein,
das war hin, groß und klein.
nach dem er mir auch hat
gezeiget die hauptstat,
die vor war vest beschloßen,
iezt durch den feint zerschoßen;
ir pastei warn zerschellet,
türn und brustwer gefellet,
mit pölern hart gedrenget,
mit pulver war zersprenget
die mauer, und den graben
gar ausgefüllet haben;
auch lag da noch vom sturm
kriegsrüstung mancher furm;
von den die stat wart gwunnen;
das waßer und die brunnen
warn abgraben und gnommen.
als wir darob sint kommen,
zeigt er mir hin und her
all gaßen öd und ler.
ellent stunt das rathaus,
all grechtigkeit war aus,
[103]
niemant het straf noch schutz;
es lag gemeiner nutz,
freiheit, original,
all policei zumal;
es schwig rat, gsetz und recht,
es galt herr wie statknecht,
war als verzagt und blöd,
auch stunt die kirch gar öd,
geplündert irer zir,
kein freiheit war in ir,
kein ampt noch sacrament;
als kirchengsang het ent,
kein glocken noch kein ur
in ir gehöret wur;
da war kein priester mer,
hinwar ir würd und er;
derhalb das götlich wort
wart darin nit gehort
mer auf dem predigstul.
auch stunt ganz öd die schul,
niemant da mer studieret,
in künsten arguieret;
kein freie kunst geleret,
dardurch denn würd gemeret
die zucht, weisheit und tugent
bei der blüenden jugent.
auch stundn all hemmr und mül;
auch sach ich alle stül
in den werksteten ler;
ich sach kein hantwerker
darin schmiden und dreen,
bachen, schneiden noch neen,
schmelzen, gießen noch weben,
graben, zimmern, darneben
buchdrucken noch binden;
blib alles dahinden;
[104]
sticken und seidenfitzen,
maln, gulden oder schnitzen,
sah weder badn noch schern,
ler waren all tafern;
sah kein hochzeit noch tenz,
kein bulerei noch krenz,
kein seitenspil, hofiern,
kein kurzweil noch turniern;
traurig war all ir wandel,
all gwerb und kaufmanshandel
vom krieg gefeget was;
unsicher war die straß,
auch alle mess und merk,
in summa all hantwerk
und hendel lagen nider.
ich schauet hin und wider,
die heuser stunden offen,
das volk het sich verschloffen;
all winkel hin und dar
mit klag erfüllet war,
mit seufzen, gschrei und weinen
von großen und von kleinen;
dan all heuser im zorn
waren geplündert worn.
aller hausrat war hin,
betgwant, silber und zin,
kleider und die barschaft
der ganzen burgerschaft;
dergleich gemeine stat
war an irem vorrat
beraubt samt aller schetz.
erst sach ich, das all pletz
und gaßn vol burger lagen,
erschoßen und erschlagen,
im blut gewelzt ir leiber,
darbei töchter und weiber
[105]
saßen in großer schar,
rauften ir eigen har,
wanden vor leid ir hent.
ir vil waren geschent
an ir weiblichen er
von dem unzüchting her.
Genius sprach zu mir:
nun wil ich zeigen dir
auch das gewaltig her,
das mit blutiger wer
die lantschaft hat verhert,
schlößer und stet umbkert,
was sie für wert und lon
auch entpfangen darvon.
schnell mit mir Genius
durch die wolken hin schuß
über ein weites felt;
das stunt voller gezelt,
und darumb cirkelrunt
ein wagnburg gschloßen stunt;
da lag die blutig rot
an der ert in dem kot,
sam lebendig begraben
in irn hüttn gleich den raben,
ganz wetterfarb und hager,
hungerig, dürr und mager,
ire kleider zerrißen,
erfaulet und zerschlißen;
bei der nacht sie erfruren,
beim tag hart peinigt wuren
von sonnen, hitz und staub,
macht sie ganz mat und taub
regen und ungewitter,
der kalte wint war bitter,
die leus in naßem kleit
teten auch vil zu leit.
oft wart gesperrt das lant,
bracht mangel an provant;
[106]
derhalb alter und junger
must leiden großen hunger.
wenn sie dann heten wol,
warens denn gar stutvol,
fraßens fleisch hinein gar,
das kaum halb gsotten war.
durch so unornlich leben
tet sich bei in begeben,
das ir vil waren krank;
umb sie war groß gestank,
sie heten breun und rur,
vil ir begraben wur;
kein ru tetens auch haben
mit schanzen und mit graben,
mit tagwach und schiltwachen
und andern kriegessachen;
der pfenningmeister gar
oft zu lang außen war;
vil loffen auf die beut,
zaltens oft mit der heut;
vil auch durch armut kamen,
das sie den freunden namen;
die henkt man dann an galgen.
o wie sach ich ein balgen,
ein gotlestern und schwern,
das niemant kunt erwern!
auf dem umbplatz vil ringer
lagen vil hent und finger;
on zal ir wurden wunt,
die man oft schlecht verbunt,
das ser vil krüppel gab.
ich sach von oben ab,
wie sie litten zumal
vom feint groß überfal;
auch kamen vom scharmützel
ir oft herwider lützel;
[107]
auch zeigt er mir von ferren
in eim zelt die kriegsherren;
teten vil anschleg machen,
felten doch in vil sachen,
des war in heimlich bang.
der krieg verzog sich lang,
das lant gar zu gewinnen.
oft tet in gelts zerrinnen,
bei all iren aufsetzen,
der undertanen schetzen.
denn tet der krieg sie dringen,
eilent gelt aufzubringen;
musten zu underpfant
versetzn ir eigen lant;
ir kleinot und credenz
gieng auch dahin behenz.
iezt felt pulver, dann blei
und ander municei;
dem reising zeug gebrach
füttrung und obedach.
das waßer mancher zeit
dem leger war zu weit;
oft wart provant verlegt,
der lerman sie erschreckt;
klag kam abent und morgen;
auch mustens hart besorgen,
in würt heimlich vergeben,
ander aufsetz darneben.
auch fürchtens mancherlei
aufrur und meuterei
in irem eignen her;
auch ereignet sich mer
untreu irer amptleut;
ir vil trugen schalksheut;
auch war ir kuntschaft schlecht,
oft falsch und ungerecht;
[108]
auch wurt in hin und wider
vil post geworfen nider;
dardurch kam an den tag
ir heimlicher anschlag.
von in fielen auch ab
etlich stet, sich begab,
ir buntgnoßn wurden gweltigt,
not, angst wurt manigfeltigt.
ir lant und fürstlich gnad
stunt als auf dem glückrad;
der feint auch auf sie zug,
das leger an sie schlug,
beid teil zu tun ein schlacht;
wurden ordnung gemacht,
beide zu fuß und ros.
abgieng das feldgeschos,
das gleich das ertrich kracht;
nach dem gieng an die schlacht,
vom gschütz war ein getös,
von rossen ein gestös,
ein stechen unde hauen.
in dem da tet ich schauen,
das ein her sieglos floch,
der ander hauf abzoch.
Genius ließ mich sehen,
balt die schlacht war geschehen,
die walstat diser wiesen
sach ich mit blute fliesen.
da große haufen lagn
erstochen und erschlagn;
eins teils lagen totwunt,
echzten noch mit dem munt,
eins teils hört ich laut jemmern
seufzen und kleglich wemmern
und nach dem tode schreien,
aus engsten sie zu freien.
Genius zeigt herab,
wie man auch urlaub gab
[109]
dem ganzen hellen haufen.
ach wie sach ich ein laufen,
beide von jung und alt,
des solt nicht gar bezalt!
derhalb die straßen schlecht
lag gar vol kranker knecht.
ir vil sach wir gefangen,
auch an den baumen hangen,
ir vil die baurn erschlugn;
ganz ellent sie heimzugn,
wan der tausent teil gleich
nit heim kam gsunt und reich;
der meist teil kam zu haus
erger, dan er zog aus,
vol laster und untugent.
also die blüent jugent
im krieg verdorben war,
das ir anhangt vil jar.
Genius sprach zu mir:
sag an, gsell, wie gfelt dir
der krieg und die kriegsleut,
sein art, frucht, lon und beut?
ich antwort im gar klug:
des kriegs hab ich genug;
dieweil ich hab mein leben,
so wil ich mich begeben
in kein krieg nimmermer,
weil er on nutz und er
handelt, allein mit schaden
wirt lant und leut beladen,
welche der krieg tut rüren,
samt denen, die in füren;
derhalb den krieg ich sag
ein lauter straf und plag,
des gar sol müßig gan
ober und undertan.
da antwort Genius
und sprach: gesell, man muß
[110]
des feindes sich oft weren,
der wider recht und eren
bekümmert leut und lant;
alda mit teurer hant
wert man sich recht und billich,
da solt du auch gutwillich
deim vatterlant beistan
als ein erlicher man;
dran setze leib und blut,
kraft, macht, gwalt unde gut,
dein vatterlant zu retten,
als auch die alten tetten,
das frid und ru im wachs,
spricht von Nürnberg Hans Sachs.

Anno salutis 1546, am 24. tag Octobris.

Schwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Schwank: Eulenspiegels disputation mit einem bischof ob dem brillenmachen

Eulenspiegel etwan vor jaren,
in aller schalkheit wol erfaren,
loff in eim winter über felt,
het schlechte kleider und kein gelt;
in dem da sach er dort von weiten
ein reising zeug gegen im reiten.
dasselbige ein bischof war;
derselbige wolt gen Worms dar,
alda solt werden ein reichstag,
und mancher fürste darzu lag,
solten betrachten gmeinen nutz,
römischem reich zu hilf und schutz,
das auf dißmal vil anstöß het.
als er im nun begegnen tet,
Eulenspiegel tet ab sein hut
und neigt sich gen dem bischof gut;
[111]
der hielt, sach Eulenspiegel an,
merkt wol, das er war ein fatzman,
dacht im: ich hört bei allen tagen,
kinder und narrn die warheit sagen,
ich will gleich disen reden an,
der wirt mir gar balt sagen tan,
was das gschrei ist von fürstn und hern
bei dem gmein man nahet und fern.

Der bischof.

Und sprach: gut gsell, wann her so schwint,
so übel kleidt in schne und wint?
du solt bleibn under dem obdach.
Eulenspiegel.

Eulenspiegel hinwider sprach:
gnediger herr, ich muß wol wandern
von einem lande zu dem andern
meim hantwerk nach durch Poln und Preußn,
durch Hungern, Behem, Sachsn und Reußn,
Frankreich, Schotten und Engellant,
durch Niderlant, Hollant, Brabant,
den Reinstrom, Frankn, Beiern und Schwaben,
kunt doch nirgent kein arbeit haben
nun daling in das dritte jar,
so bös ist iezt mein hantwerk gar.
Der bischof.

Der bischof fraget wider her,
was hantwerks Eulenspiegel wer,
das so unwert wer in der welt.
Eulenspiegel.

Eulenspiegel herwider melt:
gnediger herr, ein brillenmacher;
das ist meins laufens ein ursacher,
drumb ich kein arbeit überkum.
[112] Der bischof.

Der bischof antwort widerumb:
wie kan das sein? und tet sein lachen,
ich denk vürwar, das brillenmachen
sei iezt vil beßer den vor jarn,
weil wir im teglichen erfarn
haben, das ganz menschlich natur
wirt schwecher und brechlicher nur
und nimt an allen kreften ab;
derhalb darfs wol steuer und lab,
voraus das blöd menschlich gesicht,
das denn durch die brillen geschicht;
derhalb ist brillenmachen wert,
weil auch iezunt auf ganzer ert
die leien lesen also vil,
schier ieder doctor werden wil
und in der schrift umbfantasieren,
wil mit den geistling disputieren
und sie auch in die bücher jagen,
derhalb darf ich für warheit sagen,
das man iezt mer list den vor jaren,
weil die leien einfeltig waren,
mit den glerten nit conversierten,
die auch dest weniger studierten,
ließen die bücher auch mit ru.
das sint merklicher ursach zwu,
das brillenmachen werter ist
den vor jaren zu keiner frist,
ich glaub noch, die schult wert dein wern,
du seist faul und arbeitst nit gern,
streunst lieber umb so weit und ferr.
Eulenspiegel.

Nein, bei meim eit, gnediger herr,
ich wil euch die sach baß erklern,
das ir mir werdet glauben gern.
[113]
solt mein hantwerk nit sein verdorben?
from geistlich leut sind fast all gstorben,
die vil lasen in heilger schrift
und leschten aus der ketzer gift,
suchten allein die gottes er
und die liebe irs nechsten mer,
dan iren eigen rum und nutz,
on allen neit, zoren und trutz;
die sint fast all gen himel gfarn
und iezunt vil brillen erfparn;
die alten pfaffen, so noch leben,
und die alten münich darneben
haben ir horas und gebet
so lang getriben frü und spet,
das sie es als können auswendig,
dörfen keiner brillen beihendig,
dergleich der jungen münich haufen,
so iezt aus den klösteren laufen
und hin und wider hantwerk lern,
und sich wie ander leien nern,
die dörfen auch der brillen nicht,
darumb mein hantwerk ist entwicht,
dergleichen auch fürsten und hern
in teutfch landen weit unde fern
nutzen iezt auch kein brillen nicht.
Der bischof.

Der bischof sprach: mich des bericht,
warumb dörfens der brillen nit?
Eulenspiegel.

Er antwort: sie haben den sit,
das sie nur durch die finger sehen.
Der bischof.

Der bischof sprach: wie mag das gschehen?
die fürsten haben groß hofgsint,
auch sint ir amptleut runt und schwint,
[114]
durchtriben, aller schalkheit vol,
drumb dörfens scharpfer brillen wol,
das sie baß drauf sehen, glaub ich,
e die katz würt ir bestes vich;
drumb tu mir solches baß erklern.
Eulenspiegel.

Eulenspiegel antwort: gar gern.
gnediger herr, secht! im Teutschlant
get raub, gefengnus, mort und brant
wider all recht und billichkeit
iezunt im schwank ein lange zeit
durch heimlich practik und bös tück
gar mannich tyrannischer stück,
welches den meisten teil auch get
über die burger und reichstet.
solch unrecht soltn die fürsten wern
und understen bei iren ern
und dem römischen reich beisten,
es nit laßen zu trümmern gen.
so sitzn die fürsten stil mit ru
und sehen durch die finger zu,
derhalb dörfens keinr brillen nicht,
zu behalten ein gut gesicht,
wie vor die alten fürsten heten,
die ir lant sauber halten teten
und schauten scharpf auf alle straß,
und wo ein lantfridbrecher was,
der aufrürisch wart in dem lant,
den tetens mit gwaltiger hant
hertreiben und teten in stillen;
da warn in hohem wert die brillen,
gar köstlich da mein hantwerk was,
weil iederman noch nutzet das;
iezt ist es worden gar unwert
bei geistling und weltling auf ert,
das mir wer bei meim hantwerk not,
das ich schier eß das bettelbrot.
[115] Der bischof beschließt:

Der bischof lachet, frölich sprach:
gut gsell, kom gen Wormes hernach
und iß zu hof, frei unbeschwert,
so lang und diser reichstag wert,
wan es wirt drauf von fürstn und herrn,
hoff, etwas guts beschloßen wern,
auf das im Teutschlant beßer ste,
und dein hantwerk von statten ge,
das du auch komst zu er und gut.
der bischof mit frölichem mut
rucket mit seinem zeug dahin
und dacht heimlich in seinem sin:
weiß der gmein man von disen tücken,
das wir heimlich teten verdrücken
als mit geferbtem guten schein,
vermeinten, es solt heimlich sein,
so ist es warlich hohe zeit,
das wir unschult und grechtigkeit
in dem verdrückten teutschen lant
hilf reichen mit gerechter hant,
das uns kein unrat daraus wachs.
got wöll, das balt gschech, wünscht Hans Sachs.

Anno salutis 1554., am 29. tage Augusti.
Ein gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Ein gesprech mit dem faulen Lenzen, welcher ein hauptman des großen faulen haufen ist

Eins tags im Maien heuer
gieng ich durch abenteuer
[116]
hinaus gen Erlenstegen;
da kam mir underwegen
geritten ein hauptman,
der sach mich schlefrig an,
auf einem esel saß,
ein küss sein sattel was,
vol stro hieng har und bart,
sach ganz dusmiger art,
sein rock vol federn hieng,
der fragt mich, wann ich gieng.

Der dichter.

Ich sagt: von Nürnberg her.
Der faul Lenz.

Da fragt mich wider er,
ob er möcht knecht auftreiben,
willens wer er, zu schreiben
ein fenlein oder zwei
von leuten allerlei,
wie ers möcht kommen an,
beide frau unde man,
herren, meit unde knecht,
auch allerlei geschlecht,
münich, nunnen und pfaffen,
jung, alt, schön und ungschaffen,
arm, reich, nahet und ferr.
Der dichter.

Ich sprach: wer ist dein herr?
Der faul Lenz.

Er sprach: ich bin der man.
Der dichter.

Ich fragt: wer bist? sag an.
[117] Der faul Lenz.

Er antwort mir behenz:
wiß, ich bin der faul Lenz,
der alle arbeit scheucht
und in dem lant umbzeucht,
und schreib leut, die mir dienen.
in dem wart er aufgienen.
Der dichter.

Ich fragt: was wilt du ir?
Der faul Lenz.

Er sprach: sie müßen mir
den sommer helfen schwürmen,
den fauln berg helfen stürmen,
der hinter Pfingsten leit.
Der dichter.

Ich sprach; sag, welche zeit
du ligen wirst zu felt.
Der faul Lenz.

Drei monat lang, er melt,
den brachmon und heumon,
den Augstmon ich auch hon.
Der dichter.

Ich sprach: zeig den begrif
in deim artikel brief.
Der faul Lenz.

Er sprach: du fragst zu vil,
doch ich nit bergen wil,
ob ich dich möcht erschleichen:
erstlich müßen die reichen
die drei monat spaziern
in gerten und meiiern,
[118]
schalatzen, reitn und farn,
im wiltbad nichtsen sparn,
lust, ru und schatten suchen,
irs handels nichts geruchen,
er nem ab oder zu.
das geistlich volk sucht ru,
sol nit zu vil studirn,
das es nit schad dem hirn,
sonder im bet tu schwitzen
und auf dem polster sitzen
und ob den büchern natzen,
recht wie die klosterkatzen.
die hantwerksleut die sollen
leben in allem vollen,
sollen frü schlafen gan,
morgens langsam aufstan,
alsbalt gen auf ein suppen,
darzu das fleschlein luppen,
denn gen am seumark um,
biß der mittag herkum,
als denn sich füllen wider,
darauf sich legen nider,
rastn ein par stüntlein drauf,
denn faren wider auf,
faulenzen hin und her,
erfaren neue mer,
oder gen zu dem wein,
sich füllen wie die schwein
die ganz wochen durchaus.
keiner fragt nach seim haus
oder seiner werkstat,
biß drei monat vergat.
dergleich sollen die bauren
die drei monat on trauren
fliehen den sonnenschein
und ligen bei dem wein,
[119]
auf alle kirchweih laufen,
sich vol freßen und saufen.
aber die knecht und gselln,
welche nur dienen wölln,
sollen all montag feiern,
drauß vor dem tor umbleiern,
nach mittag spiln und zern,
am mittwoch heimwerts kern,
darnach unfleißig neen,
schmiden, feilen und dreen,
malen, weben und bachen,
zwen tag ein tagwerk machen,
weng arbeiten, vil schlafen.
wenns der meister wil strafen,
sollns wandern und aufsten,
ein tag zwo meile gen,
kleider verzern, verkaufen
und denn in krieg hin laufen.
umb die weiber und meit
hats auch ein andern bscheit:
müßen langsam aufsten,
zottet, unlüstig gen
und nach den flöhen fischen,
die zen ans hemmat wischen,
am schlappermark sten schwatzen
und ob dem rocken natzen,
drei tag ein spulen spinnen,
das kraut an laßen brinnen,
die suppen überlaufen,
heimlich meucheln und saufen,
unlüstig spüln und kochen,
nit kern die ganzen wochen,
nichts waschen überal,
in drei tagn bettn einmal.
so hab ich überlaufen
die stück des faulen haufen,
[120]
des sie mir müßen schwern,
unders fenlein zu mern
faulkeit in heißen tagen.
der faulst wirts fenlein tragen;
all, so arbeiten gern,
all ausgemustert wern.
Der dichter.

Ich sprach: wo wirst du bleibn
zu herberg, dein knecht schreibn?
wohin solln dir mit haufen
jung unde alt nachlaufen?
Der faul Lenz.

Er sprach: dauß zu Schweinau,
dahin kom man und frau,
beide knecht und hausmeit,
da findens gelt und bscheit.
Der dichter.

Ich fragt: von wann bist du?
Der faul Lenz.

Er antwort mir: hör zu,
ich bin vom bettelberg,
da ich all die herberg,
die mit mir ziehen ummer
den winter zu dem summer
etwan vil mannich jar;
da zal ich offenbar,
was ieder selbs erwarb,
das kleit ist mangelfarb,
da mögens zu fuß traben
und eßen, wenn sies haben,
legen ein gruten arm
auf ein hungrigen darm;
[121]
in einem ströen bet
da schlafens in die wett.
dise freiheit sie hon
zu einer provision
forthin ir lebenlang;
sie sint alt oder krank,
müßens mit mir faulenzen,
dem faulen haufen schwenzen,
stürmen den faulen berg,
spricht Hans Sachs zu Nürnberg.

Anno salutis 1547., am 21. tage Aprilis.
Klag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Klag dreier frauen über ir hausmeit

Weil ich noch war ein junger knab,
eins morgens ich gehöret hab
in der kirchen am liechtmesstag
von dreien frauen große klag;
stunden under dem glockenturn,
und alle drei fast klagen wurn
über ir hausmeit in dem haus.

Die erst frau klagt.

Die erst fur grell mit worten raus:
ich hab ein meit, die ist stutfaul,
die zotten henken ir ins maul,
sie tut stet ob dem rocken natzen
und bei dem feuer wie die katzen,
sie ist der aller größt unlust,
und auch der schlüchtischt suppenwust,
[122]
hat mir nun pfercht in suppenhafen.
an ir hilft gar kein zucht noch strafen,
tut am tisch nach den flöhen fischen,
oft auf ein mal ein par erwischen,
get daher rußig und besudelt,
in kleidern blöd und gar zerhudelt,
ir hent weiß als der ofenhert,
in der kuchen ligt an der ert
hefen und pfannen ungespült,
sam hab ein sau darin gewült,
hefen und krüg sie mir zerbricht,
hat kein acht auf kein arbeit nicht;
um ir schlüchtisch unornlichs leben
so wil ich ir heut urlaub geben.
Klag der andern frauen.

Die ander sprach: ach das herzleit!
ich hab gleich auch ein solche meit,
wolt euch wol ein lied von ir singen;
frü kan ichs aus dem bet nit bringen,
ists ein waßer ins gießfaß tan,
drei wochen leßt sies darin stan,
die stuben kerts nur oben hin
und schütt das under dstiegen hin.
das fleisch leßts ungefeimet sten,
die erbeiß erstarrn und übrgen,
kitzgrau sint all ir seifenwesch,
mit keiner arbeit ist sie resch;
ich muß sie hert und fest antreiben,
es sei mit fegen oder reiben;
sie selb ligt all nacht ungebett,
all wort sie mir herwider redt,
wenn ich sie schick umb etwas aus,
so schwatzet sie denn aus dem haus
und leugt auch dreimal mer darzu,
bringt neue mer auch spat und fru.
[123]
dasselb tut sie doch als auf laugen,
schwert mir oft ein ding aus den augen,
richt an bein nachbaurn vil gezenk,
braucht vil listiger tück und renk;
mich dunket, sie sei nit gar treu,
derhalb hab ich vor ir ein scheu.
drum wil ichs für den ars heut schlagen
mit der tür, und zum haus ausjagen.
Der dritten frauen klag.

Da sprach die drit frau zu der andern:
so muß mein meit heut auch mit wandern,
sie kan gleich heur als vil als fert,
mit arbeit ist sie nichtsen wert,
wenn sie het zu schlafen und freßen!
und ist so ganz und gar vergeßen,
wenn ich sie schick nach etwas aus,
so komts ungschafft wider zu haus.
das feist sie von den suppen nascht,
und was sie ergreift und erhascht,
das ist uns abgetragen als,
das verfrißt sie denn in den hals.
sie hat den meuchler über tag
und laugnet mir als, was ich sag;
doch kan sie sich gar wol aufsprenzen,
lauft auch zu allen bubentenzen
und hat vil gficks mit jungen knaben.
drumb sol sie heut auch urlaub haben.

Der beschluß

Also die frauen mancherlei
klagten über ir meit all drei,
[124]
nit weiß ich, war es alles war,
bhieltens ie noch all drei ein jar
in irem dienste wie vorhin.
derhalb ich wol gedenken bin,
das die sach nit so heftig was,
weil ein alt sprichwort saget das:
wenn ein frau sonst nichts weiß zu sagen,
so tuts über ir hausmeit klagen;
dergleich klagen die hausmeit auch.
das ist ein alt gemeiner brauch
hie und dergleich jenseit des bachs.
ein gute nacht wünscht uns Hans Sachs.

Anno salutis 1555., am 26. tag Januarij.

Schwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Schwank: das unhulden bannen

Zu Langenau im Schwabenlant
ein bauer saß, Claus Ott genant,
der zumal aberglaubig was,
den alten unhulden zumas,
was unglücks im zustunt auf ert.
wart etwan im hinkent ein pfert,
oder tet im ein ku verseihen,
so tet ers als die truten zeihen
und war in auch von herzen feint,
an in zu rechen sich vermeint,
wenn er nur west, welch truten wern;
darumb wolt er sie kennen gern.
eins mals an einem pfinztag spat
ein farent schulr zu im eintrat,
wie sie denn umbgiengen vor jarn
und lauter baurenbscheißer warn.
[125]
der sagt her große wunderwerk,
wie er kem aus dem Venusberk,
wer ein meister der schwarzen kunst,
macht dem bauren ein blaben dunst.
der fieng an, übert hexen klagt,
wie er in so feint wer, und sagt,
er wolt sich geren an in rechen.
da wart der farent schuler sprechen:
mein freunt, ich kan dich gar wol lern,
das du mögst bannen und beschwern
all unhulden im ganzen lant,
das sie zusam kommen allsant,
das du sie all magst zeln und sehen.
der bauer tet zum schuler jehen:
ein gulden gib ich dir zu lon,
lerst michs zsam bringen auf ein plon.
er sprach: ja, ich dichs leren wil;
iedoch es ist kein kinderspil,
ob in der sach mislünge dir,
so darfst du kein schult geben mir;
es ist mit den unhulden gferlich.
der bauer sprach: ich wil gewerlich
mit umbgen, drumb fah die kunst an.
er sprach: so nim zu dir zwen man
und ge mit in naus für den walt,
da im felt stet die eichen alt,
gleich bei der drifachen wegscheid,
da solt du haben und sie beid
ieder in der hant ein bloß schwert,
und machet ein kreiß an der ert,
etwan auf dreißig klafter weit,
umb dise eichen groß und breit.
nach dem so schürt ein großes feur
in den kreiß zu der abenteur
und lauft darumb dreimal ringwerz
und werft ins feuer ein kalbsherz,
[126]
das neulich hast gestochen du,
sprich disen segen auch darzu:
venite, ir unhuldibus,
bringt prügel her uns stultibus,
die semper mit uns spendibus
sub capite et lendibus!
schau, wenn ir das habt dreimal gsprochen,
so kommen aus dem walt mit pochen
die unhuldn und umb den kreiß rennen,
das ir sie mögt persönlich kennen.
denn sprecht den segen widerumb,
das kein ungwitter übr euch kum;
doch wo ir felet an dem ort
an dem segen ein einigs wort,
so wirt der teufel unverholn
zu euch werfen feurige koln,
und die unhulden wern on scheuch
ein ungwitter machn über euch
und euch vor engsten machen heiß,
doch bleibet all drei in dem kreiß;
wo sich einer daraus wirt geben,
so wirt es kosten im sein leben,
das sag ich dir vor aller maßen,
drumb magst du es tun oder laßen.
der bauer sprach: ich wil es wagen,
hab mich wol vor mit dreien gschlagen,
bin von in kommen unbeschedigt,
werd etwan von den hexn erledigt.
sag, welch zeit muß wir heint naus gen,
ich und darzu die andern zwen?
er sprach: gleich heint zu mitternacht
get naus und dise kunst anfacht.
hin gieng der bauer und war fro.
der farent schuler sich aldo
auf dise abenteur besan,
zu effen disen bauersman,
gieng im dorf nachts int rockenstubn
und bestellet im neun rosbubn,
[127]
bericht sie, was sie solten ton.
die legten frauenkleider on,
als weren sie unhulden alt;
fürt sie mit im naus in den walt.
ieder tet im drei prügel hauen,
die abenteuer helfen bauen,
warten da auf des schulers bscheit.
der schlich von in zu der wegscheit
und oben auf die eichen sas,
das er mocht sehen alles das,
und ein kolscherben bei im het.
als nun der bauer kommen tet
mit zwen nachbaurn um mitternacht,
und der kreiß von in wurt gemacht
mit bloßen schwertern umb die eichen,
der wol dreißg klafter weit tet reichen.
nach dem schürten sie ungeheuer
mitten im kreiß ein großes feuer,
nach dem loffen die bauren tumb
drei mal umb das feuer herumb
und warfen drein das herz vom kalb,
sprachen den segen, doch kaum halb.
als die rosbubn das feuer groß
ersahen, das war gleich ir loß,
zu hant sie aus dem walde schlichen
und umb den kreiß hin und her tichen
mit einem ungestümen wesen,
mit rocken, gabel und mit besen,
mit schaufel, rechn und ofenkruckn.
forchtsam tetn sich die bauren schmuckn.
nun schin der man so überhell,
das man sach und hört ir geschell;
sie heten umb den kreiß ir tanzen
und machten gar selzam kramanzen.
die drei bauren erschrocken wasen,
des segen sprechens gar vergasen
[128]
und zitterten im kreiß allsam;
der schuler sein kolscherben nam,
warf in rab under die drei bauren.
erst wurden gar verzagt die lauren,
meinten, der teufel het die koln
rab gworfen und würt sie all holn.
balt die kolen int höch aufstuben,
die truten zu werfen anhuben
mit prügeln zu in in den kreiß.
den dreien war vor sorgen heiß,
im kreiß sich hin und wider schmugen,
trafen sie oft, das sie sich bugen,
umb bein und lend, auch umb die köpf,
das sie sich drehten wie die töpf,
noch dorft ir keiner aus dem kreiß;
Claus Ott vor angst int hosen scheiß.
als die unhulden verwarfen gar
ir prügel, loffens wider dar
zerstreuet hinein in den walt.
fro waren die drei bauren alt,
trolten balt aus dem kreiß hinaus
und kamen hinkent heim zu haus
mit beulen, schwarz und blaben flecken
von der hexen prügel und stecken;
iedoch so dorft ir keiner klagen,
in dreien tagen darvon sagen,
und verschwurn bei treu, eit und er,
forthin zu bannen nimmermer
die hexen oder die unhulden.
so mußten sie all drei gedulden,
zu der schlappen leiden den spot
von der anderen bauren rot,
wan die rosbuben nach den tagen
die teten allen menschen sagen,
wie alle sach sich het verloffen,
und wurt ir schad mit schanden offen.
[129]
der farent schuler nam sein lon
des morgens frü und zog darvon.

Der beschluß

So wirt noch mancher man betrogen
und bei der nasen umbher zogen
von landfarern und zauberern,
die sich großer kunst rümen gern,
und ist doch solch ir zauberei
ein blaber dunst und fantasei,
auch als erlogen und erdicht,
wie man denn solches teglich sicht.
aus dem folget vil ungemachs:
hüt dich vor den, ret dir Hans Sachs.

Anno salutis 1556., am 10. tage Januarij.

Gesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Gesprech: Sanct Peter mit den lantsknechten

Neun armer lantsknecht zogen aus
und garteten von haus zu haus,
dieweil kein krieg im lande was;
eins morgens da trug sie ir straß
hinauf biß für das himeltor;
da klopften sie auch an darvor,
wolten auch in dem himel garten.

Petrus.

Sanct Peter tet der pforten warten;
als er die lantsknecht darvor sach,
wie balt er zu dem herren sprach:
herr, draußen stet ein arme rot,
[130]
laß sie herein, es tut in not,
sie wolten geren hinnen garten.
Der herr.

Der herr sprach: laß sie draußen warten.
Die lantsknecht.

Als nun die lantsknecht musten harren,
fiengens an zu fluchen und scharren:
marter, leiden und sacrament!
Petrus.

Sanct Peter diser flüch nit kent,
meint, sie redten von geistling dingen,
gedacht in himel sie zu bringen
und sprach: o lieber herre mein,
ich bitte dich, laß sie herein,
nie frömmer leut hab ich gesehen.
Der herr.

Da tet der herr hinwider jehen:
o Petre, du kenst ir nit recht,
ich merk wol, das es sint lantsknecht;
solten wol mit mutwilling sachen
den himel uns zu enge machen.
Petrus.

Sanct Peter der bat aber mer:
herr, laß sie herein durch dein er.
Der herr.

Der herr sprach: du magsts laßen rein,
du must mit in behangen sein;
schau, wie dus wider bringst hinaus.
sanct Peter war fro überaus
und ließ die frommen lantsknecht ein.
[131] Die lantsknecht.

Balt sie in himel kamen nein,
gartens herum bei aller welt,
und balt sie zsam brachten das gelt,
knockten sie nider auf ein plan
und fiengen zu umbschanzen an,
und e ein vierteil stunt vergieng,
ein hader sich bei in anfieng
von wegen einer umbeschanz,
so wurden sie entrüstet ganz,
zuckten von leder allesamen
und hauten da mit kreften zsamen,
jagten einander hin und wider
in dem himel auf und auch nider.
Petrus.

Sanct Peter diesen strauß vernum,
kam, zant die lantsknecht an darum,
sprach: wolt ir in dem himel balgen,
hebt euch hinaus an liechten galgen!
Die lantsknecht.

Die lantsknecht in tückisch ansahen
und teten auf sanct Peter schlahen,
Petrus.

Das in sanct Peter must entlaufn,
zum herren kam mit echzn und schnaufn
und klagt im über die lantsknecht.
Der herr.

Der herr sprach: dir gschicht nit unrecht.
hab ich dir nit gesaget heut:
laß sie drauß, es sint freche leut!?
[132] Petrus.

Sanct Peter sprach: o herr, der ding
verstunt ich nit, hilf, das ichs bring
hinaus, soll mir ein witzung sein,
das ich kein lantsknecht laß herein,
weil sie sint so mutwillig leut.
Der herr.

Der herr sprach: eim engel gebeut,
das er ein trummel nem zuhant
und für des himels pforten stant
und einen lerman darvor schlag.
sanct Peter tet nach seiner sag.
balt der engel den lerman schlug,
loffen die lantsknecht on verzug
eilent aus durch das himeltor,
meinten, ein lerman wer darvor.
Petrus.

Sanct Peter bschloß die himelpforten,
versperrt die lantsknecht an den orten,
das seit keiner hinein ist kummen,
weil sanct Peter mit in tet brummen.
doch nemt auf schwankweis diß gedicht,
wie Hans Sachs on als arges spricht.

Anno salutis 1556, am 19. tag May.
Schwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Schwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle faren

Eins tags an einem abent spat
da het der Lucifer ein rat
[133]
unden in seinem reich, der hellen,
und saget da zu sein gesellen:
man sagt, es sei in teutschen landen
gar ein böses volk auferstanden,
welche man nennet die lantsknecht,
o, der mir ir ein dutzet brecht,
das ich nur sech, was für leut wern!
man saget, sie fasten nit gern,
sie sint lieber allezeit vol,
mit schlemmen, praßen sei in wol,
achten sich betens auch nit vil,
sonder, sagt man, wie ob dem spil
sie übel fluchn und balgn darneben,
auch wie sie nit vil almus geben,
sonder laufen selb auf der gart,
eßen oft übl und ligen hart;
doch dienen sie gern allezeit
eim kriegsherren, der in gelt geit,
er hab geleich recht oder nit,
da bekümmern sie sich nit mit.
nun, Belzebock, far hin, mein knecht,
zu dem handel wirst du gleich recht;
far obn auf ert in ein wirtshaus,
darin die lantsknecht lebn im saus,
und in der stuben dich verstell
hinder den ofen, in die hell,
und schau auf sie an allen orten,
wo du mit werken oder worten
ein lantsknecht mit fug kanst ertappen,
so tu mit im gen helle sappen.
bringst du ir ein par, so wil ich
für all dein gsellen preisen dich
und aus dir einen fürsten machen,
dich brauchen zu erlichen sachen.
zuhant der teufel Belzebock
zog an sein unsichtigen rock
[134]
und fur von hell in ein wirtshaus,
da die lantsknecht lebten im saus,
prasten und einander zusoffen.
der teufel stelt sich hintern ofen,
hört, wie die lantsknecht teten sagen,
wies mit den feinden heten gschlagen,
gestürmt, geraubet und gebrant
in disem und in jenem lant,
so große streich, das im fürwar
gleich gen berg stunden all sein har;
dacht heimlich von in zu entlaufen,
doch het er acht auf ir zusaufen.
an dreien tischen allenthalb
brachtens einander ganz und halb,
da einr dem glas nur gab ein schwung
und soffs heraus auf einen schlung.
der teufel tet sein list nit sparn,
vermeint heimlich in ein zu farn,
wan einer trünk so ungeschwungen;
doch wurt im das auch underdrungen,
wan sos einer eim bracht, allwegen
sprach jener: das dirs got gesegen,
so gsegnets jenem auch ein ander;
solch gsegnen triben sie allsander.
mit dem sie all gesegnet warn,
das der teufl kunt in keinen farn.
derhalb der teufel tet verharrn
vergebns den abent gleich eim narrn.
nun het under in ein kriegsman
erschlagen einen alten han,
den het er hindern ofen ghangen.
als nun der tag schier war vergangen,
sprach der lantsknecht zum wirt: mein gsell,
ge hindern ofen in die hell
und balt den armen teufel nem,
rupf und laß braten in! nach dem
[135]
wöll wir in freßen und zerreißen;
tet darmit hindern ofen weisen
auf den hangenden toten han.
als der wirt der hell zu wart gan,
wolt den han von dem nagel schnappen,
meint der teufel, wolt nach im tappen,
in rupfn und den lantsknechten bratn.
da tet er sich nit lang beratn
und stieß ein ofenkachel aus
und fur zum ofenloch hinaus
und kam mit ser großem geschell
widerum hinab für die hell
und klopft mit großem brummen an;
und als man im nun het auftan,
fragt der Lucifer: bringst du keinen?
Belzebock sprach: ja wol, nit einen!
ich bin entrunnen in mit not,
es ist die aller wildest rot,
man heißt sie die frommen lantsknecht,
man tut in aber ie unrecht,
wan ich mag auf mein warheit jehen,
wilder leut hab ich nie gesehen,
ir kleider auf den wiltsten sitten
zerflamt, zerhauen und zerschnitten,
eins teils ir schenkel blecken teten,
die andern groß, weit hosen heten,
die in biß auf die füß rab hiengen,
wie die gehosten tauber giengen,
ir angsicht schrammt und knebelbartet,
auf das aller wildest geartet,
in summa wüst aller gestalt,
wie man vor jarn uns teufel malt.
sie brachten einander umbschanz,
im hui wurdens entrüstet ganz,
balgten und haueten zusam
einander beide krumb und lam,
[136]
fluchten darzu so unbescheiden,
als ob sie wern türken und heiden.
in meinem sin so dauchte mich,
sie weren vil wilder dan ich;
derhalb dorft ich ir kein angreifen,
stunt und mußt einziehen mein pfeifen.
da sprach zu im der Lucifer:
ei, du soltst ein bracht haben her,
wir wolten in balt heimlich machen.
der teufel antwort zu den sachen:
hörst du nit, ich forcht mich vor in,
mit gwalt einen zu füren hin,
tet aber sonst kein list nit sparn,
ich dacht etwan in ein zu farn,
wenn sie an einander zutrunken;
das mocht auch nit sein nach meim dunken,
wenns einr eim bracht, sprach: ich kum zuder;
ei gsegn dirs got, mein lieber bruder,
sprach der ander. so sie es habent
einander gsegnt den ganzen abent,
das ich gar nichts ausrichten kunt,
wie ein narr hinderm ofen stunt.
nit weiß ich, wie der lantsknecht schar
mein hinderm ofen wurt gewar.
ein lantsknecht sprach zum wirt: verste,
wirt, balt hinder den ofen ge,
nim den armen teufel ungraten,
rupf den und tu in darnach braten.
der wirt dem ofen tet zu gon,
da fur ich durch den ofen darvon,
sie hetten mich sonst gwürgt und grupft,
gebrüt, mein zotten ausgezupft,
hetten mich braten, darnach gfreßen.
derhalb kan ich gar nit ermeßen,
das uns nütz wer der lantsknecht meng,
sie machtn uns wol die hell zu eng;
sie sint mutwillig, ungerüg,
frech, ungestüm und ungefüg;
[137]
derhalb wer mein rat (tu versten),
wöllst der lantsknecht gar müßig gen,
es ist kein war in unsern kram,
sie freßen uns wol allesam.
unser keinr sicher bei in wer.
da antwort im der Lucifer:
mein Belzebock, und ist das war,
so wöllen wir forthin fürwar
nimmermer nach keim lantsknecht fragen,
sonder wölln uns wie vor betragen
der spiler, gotslestrer, weinzecher,
der buler, hurer und ebrecher,
wuchrer, dieb, mörder und straßrauber;
auch wöllen wir aufklauben sauber
die lantfridbrecher und mortbrenner,
verreter und all schedlich menner,
münzfelscher und falsche juristen
und darzu all unglaublos christen,
verstockt, die nit buß wöllen würken,
juden, ketzer, heiden und türken,
gotlos münich, nunnen und pfaffen,
die wöll wir umb ir unzucht straffen.
auf das kein unrat uns erwachs
von den lantsknechten, wünscht Hans Sachs.

Anno salutis 1555, am 10. tag Octobris.

Die halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Die halb rosdeck

Es ligt ein stat im Niderlant,
dieselbig ist Antorf genant,
darin ein reicher kaufman saß,
het ein handel groß übermaß,
der het einen einigen sun,
und als der kam zu jaren nun,
[138]
er im eins burgers tochter gab
und darzu groß reichtum und hab.
der sun der trib auch kaufmanshandel
und fürt gar ein prechtigen wandel;
bei dem vatter anhielt dermaßen,
er solt von seinem handel laßen,
wan er wer nun ein verlebt man,
der iezt billich sein ru solt han,
solt schaffen im ein herrenleben,
solt hab und gut im übergeben;
er wolt in halten wol und erlich
sein leben lang reichlich und herlich,
in seinem haus zu bet und tisch
möcht leben er frölich und frisch,
gen kirchen gen und dienen got,
und sich so gut und wol erbot,
das im der vatter übergab
sein handel, reichtum, gut und hab
und kam zu dem sun in das haus.
der hielt in erlich überaus
erstlichen auf ein ganzes jar,
und wenn der sun ausreisen war,
gab er dem vatter in die hent
mitler zeit das hausregiment.
so tet der alt denn treulich schauen
auf die schnur, seines sunes frauen,
tet sie was, sprach er: tochter mein,
sollichs und sollichs sol nicht sein,
so und so muß man halten haus.
sollichs verdroß sie überaus;
dergleich schaut er auf meit und knecht,
und wo ir eines tet unrecht,
straft ers mit worten scharpf und hart.
das hausgsint im abgünstig wart,
und wart im als neidig und gram
und setzt im zu on alle scham;
also der alt gehaßet wur
von dem hausgsint und von der schnur.
[139]
als etlich zeit verloffen war,
kam er auf das siebenzigst jar,
derhalb gar an dem leib abnam,
an gsicht und gehör allensam,
auch wart er hustent und ser kretzig;
erst wurdens im alle aufsetzig
und hofften allein auf sein tot,
da hub sich an sein angst und not.
des sunes jung und stolze frauen
wart gar ser ob dem alten grauen,
klagt, er erleidet ir am tisch
gemüs, wiltpret, vögel und fisch,
richt beim sun an so vil zu letzt,
das man in zun ehalten setzt.
das tet heimlich gar we dem alten,
das er mußt eßn mit den ehalten,
iedoch so dorft er nichtsen jehen;
er het die schanz vor übersehen.
entlich klagt knecht und meit, wie er
so rotzig und unlüstig wer,
wenn er mit in zu tisch wer gseßen,
wolten auch nit mer mit im eßen.
der sun war auch ein stolzer man,
nam sich seins vatters nit ser an,
weil er im leben wolt zu lang,
wie er im verhieß im anfang,
und leget sein vatter allein
undert stieg in ein kemmerlein,
darin er tag und nacht must bleibn,
sein zeit armutselig vertreibn.
da wart es im ser gnau gemeßen
mit ligerstat, trinken und eßen;
schickt gleich der sun was guts dem altn,
so warts gefreßn von den ehaltn;
da wart er ellent und veracht.
erst der alt im herzen betracht
[140]
sein einfeltig große torheit,
das er sein groß gut vor der zeit
seim sun so gar het übergeben,
und er müst iezt so ermlich leben,
sam ob er wer der ermest man.
den dingen kunt er nimmer tan
und trug solliches mit gedult,
dacht im, er het es auch verschult,
das von im wer im handel worn
auch manchem man zu gnau geschorn,
het auch sunst laster und untugent
etwan verbracht in seiner jugent.
nun, sich begab in winters zeit,
das es war kalt und het geschneit,
da tet der frost dem alten we,
er het kein kraft noch werme me;
da bat er eins tags seinen sun,
das er im doch solt geben tun
ein pelz oder ein alte schaubn
und auch ein alte rauche haubn,
darmit des frosts sich zu erwern.
der sun, vergeßen aller ern,
kintlicher treu und aller zucht,
unverstanden, verstockt, verrucht,
der gieng hinab in den rosstal,
aus dem trug er nauf in den sal
ein rosdeck und berufet dar
ein sünlein, das war alt fünf jar,
demselben er die rosdeck gab
und sprach zu im: so trag hinab
deinem anherren die rosdecken,
das er sich tu darunder strecken
und wickel sich genau darein,
vor kelt wirt er wol sicher sein.
das kneblein nam die rosdeck an
und breit sie nider auf den plan
und dise rosdeck in der mit
in zwei teil von einander schnit
[141]
und den halb teil von der rosdecken
tet es in ein winkel verstecken,
den andern teil nach disen dingen
wolt es nab seim anherren bringen.
sein vatter stunt und sach im zu
und sprach zum kneblein: was meinstu,
das du die rosdeck in der mitten
in zwei teil von einander gschnitten?
das kneblein sprach: den halben teil
den wil ich iezt bringen zu heil
hinab meinem anherrn, dem alten,
den andern teil hab ich behalten.
der vatter sprach: was wilt mit ton?
da fieng das kneblein wider on:
wenn du einmal wirst krank und alt,
das es auch schneiet und ist kalt,
dich freust, wie meinen anherrn eben,
so wil ich dir den halb teil geben,
das du dich auch darunder streckest,
dich darein wickelst und bedeckest,
wie du hast meim anherren tan.
der vatter diser red nach san
des jungen knaben, weis und klug,
und darvon in sich selber schlug,
dacht: wie ich hab meim vatter ton,
also wirts mir gleich eben gon
mit mein kinden, wenn ich werd alt;
und nam sein alten vatter balt,
an seinen tisch in wider setzt,
voriger hartsel in ergetzt
samt seinem weib spat und auch fru
und hielt auch sein hausgsint darzu,
so lang biß das der alt verschid
mit tot und ewig lebt im frid.

Der beschluß

Bei dieser selzamen geschicht
da werden beide underricht
[142]
die elteren und auch die kint:
erstlich die eltern leren sint,
das sie sollen bei irem leben
ir gut den kindn nit übergeben,
sonder in irer hant behalten,
wan man balt urdrüz wirt der alten;
wo sie kein nutz mer von in haben,
woltens, sie weren schon begraben,
müßn bei in eßn hartselig brot,
leiden trübsal, stichred und spot
von schnur, eiden und den ehalten,
das stichet alles auf die alten,
müßen sich erst hartselig schmigen,
iederman undern füßen ligen;
ir straf und red aus treuem mut
helt in doch gar niemant für gut;
nur ungunst darmit auf sich laden,
zu vorkommen sollichen schaden,
bhaltens in irer hant das schwert,
wie das denn doctor Freidank lert.
zum andern sollen hie die kinder
leren und merken nit destminder,
das sie ir eltern halten schon,
von den sie gut und ere hon,
die sie auch mit mü und arbeit
erzogen haben lange zeit;
des sollens widerumb die alten
erlichen, wol und freuntlich halten
mit alle dem, das sie vermügen,
in hantreich und narung zufügen.
darfür hat got verheißen eben
den kinden im lant langes leben,
wo aber die kinder die alten
verechtlich und unerlich halten,
bricht in got ab ir junges leben,
tut weder glück noch heil in geben
[143]
und gibet kein gedeihen nicht.
Thales, der weise heide, spricht:
wie wir unsr eltern ghalten hon,
so wern uns unsre kinder thon;
hab wirs gehaltn in treuem mut,
so haltn uns auch unsr kint für gut,
habn wir abr treu an in vergeßen,
so wirt uns auch also gemeßen.
also wert wir bei unsren kinden
ein gleiche widergeltung finden.
das kintlich treu grün, blü und wachs
gegen den eltern, wünscht Hans Sachs.

Anno salutis 1557. am 20. tage Augusti.

Schwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Schwank: Sanct Peter mit der geiß

Da noch auf erden gieng Christus,
und auch mit im wandert Petrus,
eins tags aus eim dorf mit im gieng,
bei einr wegscheid Petrus anfieng:
o herre got und meister mein,
mich wundert ser der güte dein,
weil du doch got allmechtig bist,
leßt es doch gen zu aller frist
in aller welt gleich wie es get,
wie Habakuk sagt, der prophet:
frevel und gewalt get für recht,
der gotlos übervorteilt schlecht
mit schalkheit den grechten und frommen,
auch kan kein recht zu ende kommen.
du leßts gen durch einander ser,
eben gleich wie die fisch im mer,
da immr einer den andrn verschlindt,
der bös den guten überwindt,
[144]
des stet es übl an allen enden,
in obern und in nidern stenden,
da sichst du zu und schweigst nur stil,
sam kümmer dich die sach nit vil
und ge dich eben glat nichts an;
küntst doch als übel understan,
nemst recht int hant die herschaft dein.
o solt ich ein jar herrgot sein
und solt den gwalt haben wie du,
ich wolt anderst schauen darzu,
fürn vil ein beßer regiment
auf erderich durch alle stent;
ich wolt steuern mit meiner hant
wucher, betrug, krieg, raub und brant,
ich wolt anrichten ein rüwig leben.
der herr sprach: Petre, sag mir eben:
meinst, du woltst ie beßer regieren,
all ding auf ert baß ordinieren,
die frommen schützn, die bösen plagen?
sanct Peter tet hinwider sagen:
ja, es müst in der welt baß sten,
nit also durch einander gen;
ich wolt wol beßre ordnung halten.
der herr sprach: nun, so must verwalten,
Petre, die götlich herschaft mein,
heut den tag solt du herrgot sein;
schaff und gebeut als, was du wilt,
sei hart, streng, gütig oder milt,
gib auf ert fluch oder den segen,
gib schön wetter, wint oder regen,
du magst strafen oder belonen,
plagen, schützen oder verschonen,
in summa, mein ganz regiment
sei heut den tag in deiner hent.
darmit reichet der herr sein stab
Petro, den in sein hende gab.
Petrus war des gar wolgemut,
daucht sich der herlichkeit ser gut.
[145]
in dem kam her ein armes weib,
ganz dürr, mager und bleich von leib,
barfuß in eim zerrißen kleit,
die trib ir geiß hin auf die weit.
da sie mit auf die wegscheid kam,
sprach sie: ge hin in gottes nam,
got bhüt und bschütz dich immerdar,
das dir kein übel widerfar
von wolfen oder ungewitter,
wan ich kan warlich ie nit mitter,
ich muß gen arbeitn das taglon,
heint ich sonst nichts zu eßen hon
daheim mit meinen kleinen kinden;
nun ge hin, wo du weit magst finden,
got der hüt dein mit seiner hent.
mit dem die frau wider umbwent
ins dorf; so gieng die geiß ir stras.
der herr zu Petro sagen was:
Petre, hast das gebet der armen
gehört? du must dich ir erbarmen,
weil ja den tag bist herrgot du,
so steet dir auch billich zu,
das du die geiß nemst in dein hut,
wie sie von herzen bitten tut,
und behüt sie den ganzen tag,
das sie sich nicht verirr im hag,
nit fall noch mög gestolen wern,
noch sie zerreißen wolf noch bern,
auf das den abent widerum
die geiß heim unbeschedigt kum
der armen frauen in ir haus;
ge hin und richt die sach wol aus!
Petrus nam nach des herren wort
die geiß in sein hut an dem ort
und trib sie an die weit hin dann.
sich fieng sanct Peters unru an;
die geiß war mutig, jung und frech
und blibe gar nit in der nech,
[146]
loff auf der weide hin und wider,
stig ein berg auf, den andern nider
und schloff hin und her durch die stauden,
Petrus mit echzen, blasn und schnauden
must immer nachtrollen der geiß,
barhaupt. nun schin die sonn gar heiß,
der schweiß über sein leib abran.
mit unru verzert der alt man
den tag biß auf den abent spat,
machtlos, hellig, ganz müd und mat
die geiß er widerumb heim bracht.
der herr sach Petrum an und lacht,
sprach: Petre, wilt mein regiment
noch lenger bhaltn in deiner hent?
Petrus sprach: lieber herre mein,
nim wider hin den stabe dein
und dein gwalt, ich beger mit nichten
forthin dein ampt mer auszurichten;
ich merk, das mein weisheit kaum töcht,
das ich ein geiß regieren möcht
mit großer angst, mü und arbeit;
o herr, vergib mir mein torheit,
ich wil fort der regierung dein
weil ich leb nit mer reden ein.
der herr sprach: Petre, dasselb tu,
so lebst du stet mit stiller ru,
und vertrau mir in meine hent
das allmechtige regiment.

Der beschluß

Dise fabel ist von den alten
uns zu vermanung fürgehalten,
das der mensch hie in diser zeit
gottes unerforschlich weisheit
[147]
und sein allmechtigen gewalt,
wie er himel und ert erhalt
und die verborgenlich regier,
nach seinem willen ordinier
alle geschöpf und creatur
als der allmechtig schöpfer pur,
im allein sag lob, preis und er
und forsch darnach nit weiter mer
aus fürwitz, mutwillig und frech,
warumb diß oder jens geschech,
warum got solch übel verheng,
sein straf verziech biß in die leng,
und die bosheit so ob laß schweben.
all solch gedanken kommen eben
gefloßen her aus fleisch und blut,
das aus torheit urteilen tut
und leßt sich dunken in den sachen,
es wöll ein ding vil beßer machen
denn got selber in seinem tron,
und wenns im solt von nöten ton,
solt er mit mü, not, angst und schweiß
auch hie regieren kaum ein geiß.
o mensch, erkenn dein unvermügen,
das dein weisheit und kreft nit tügen
nachzuforschen götlichem willen.
laß den glauben dein herze stillen,
das got on ursach nichtsen tu,
sonder aufs best, und sei zu ru.
dergleich urteil in diser zeit
auch nit die weltlich oberkeit,
sam solts das tun und jenes laßen,
dieweil sie ist von got der maßen
zu regieren hie auserwelt
und seim volk zu gut fürgestelt,
das sie gottes befelch ausricht;
und ob sie gleich dasselb tut nicht,
sonder eben das widerspil,
so ist es doch auch gottes will,
[148]
zu straf der großen sünde dein.
sie wirt tragen das urteil sein,
derhalb mans auch nit urteiln sol.
bitten und beten mag man wol,
das uns got wöll die sünt verzeihen
und sein gunst und genad verleihen
der oberkeit im regiment,
weil ir herz stet in seiner hent.
auf das ru und frid auferwachs
in christlicher gmein, wünscht Hans Sachs.

Anno salutis 1555, am 8. tag Octobris.

Fabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Fabel: Der zipperlein und die spinn

Als ich spazieret auf ein tag
vor einem walt an grünem hag,
in dem erhört ich ein gesprech
jenseit des hages in der nech;
ich schlich hinein, wolt on gefer
hören, wer jenseit hages wer.
als ich gemachsam horcht darin,
da war es gar ein alte spinn,
mit der redet der zipperlein.

Der zipperlein.

Der sprach zu ir: gespile mein,
wie zeuchst so ellent über felt?
tregst weder kleider oder gelt.
Die spinn.

Die spinn sprach: da trib man mich aus
eins mechtig reichen burgers haus,
darin ich lenger kunt nicht bleiben.
[149] Der zipperlein.

Zipperlein sprach: wer tet dich treiben?
Die spinn.

Die spinn sprach: ich het vil unfrit,
ser großen hunger ich da lit,
wan darin waren wenig mucken,
die ich in mein netz mocht gezucken,
weil man so sauber hielt das haus;
die mucken trib man auch oft aus,
mit muckenwedel und mit schwammen
tet man sie teglich auch verdammen,
doch waren im haus vil huntsmucken,
die teten mir mein netz zerrucken,
der ich gar keine kunt erhalten,
des must ich großes hungers walten;
auch stellet mir nach meinem leib
der herr und darzu auch sein weib,
wo sie mich etwan teten sehen,
in meinem gespunst in der nehen
sahen hangen in einer ecken,
mit scheltwort tetens beid aufwecken
die hausmeit und auch den hausknecht,
von den wurt ich denn hart durchecht,
kerten im haus die ganzen wochen,
haben mein spinnweb oft zubrochen,
das ich kaum in ein kluft entran;
so fieng ich denn ein anders an,
und e ich dasselb ausgespun,
kam etwan tochter oder sun
und mir dasselbig auch zerstört.
ich hab im haus schier alle ört
versucht; in solchem herzenleit
spun ich doch mer denn beide meit.
ich bin erstlich ein junkfrau gwesen,
tut man im Ovidio lesen,
[150]
Arachne so war ie mein nam,
meiner kunst war die Pallas gram,
das sie mich in ein spinn verkeret;
also hab ich mein zeit verzeret
bei den höflichen burgersleuten,
mein edle kunst mit zu bedeuten;
weil iederman mir setzet zu
so streng on alle rast und ru,
muß ich die burgerschaft verlaßen
und bin gleich iezunt auf der straßen.
Der zipperlein.

Zipperlein sprach: wo wiltu naus?
Die spinn.

Die spinn sprach: in eins bauren haus
wil ich mich in ein winkel schmucken,
der hat wol hundert tausent mucken,
da wil ich mich reichlich erneren,
forthin mein tag in ru verzeren,
weil oft ein ganzes jar hinferet,
e man die spinnenweb abkeret,
meit und knecht anderst zschaffen haben.
schau, bei dem wil ich mich eingraben,
bei dem da bleib ich unvertrieben,
dieweil die bauren mich auch lieben,
dieweil die alten bei in jahen,
ich tu die bösen dempf auffahen;
des bleib ich ungeirret henken,
vor einem dunklen fenster schwenken,
von muckendrecken überzogen.
das ich mich hab so lang geschmogen
in der stat, das tut mich noch dauren.
Der zipperlein.

Der zipperlein sprach: schweig der bauren;
[151]
ich kum erst flüchtig von in her,
sie sint mir grob und gar gefer.
wo ich zog zu eim bauren ein,
tet er gar nit verschonen mein,
er schleppet mich durch dreck und kot;
macht ich im schon ein fuß gar rot,
so meint er, het in nur verrenkt,
mit arbeit er mich oft bekrenkt,
lud mit mir mist, ackert und seet,
er fur gen holz, er drasch und meet,
darmit da tet er sich erhitzen,
das er fast dunsten wart und schwitzen;
derselbig schweiß macht mich gar krank,
wan er mir in die nasen stank,
stieß mich auch auf wurzel und stein,
auch war mein narung bei im klein,
er aß nur millich, rübn und kraut,
gersten und erbeiß, was er baut,
trank auch nur waßer, milch und schotten,
tet mich zipperlein gar verspotten.
des wurt ich gar hungrig und mat,
kunt nicht mer bleiben an der stat;
der erzt halb wolt ich wol sein bliben,
mit hunger hat er mich austriben,
wan bei solch ringem trank und speis
ist gar nicht zu bleiben mein weis,
dieweil Bachus mein vatter ist,
der mich gebar vor langer frist
durch gute bißlein, stark getrank,
allem wollust und müßiggank,
wie das denn lert die teglich prob.
darzu die bauren sint zu grob,
drumb ich von in auszogen bin.
Die spinn.

Die spinn sprach: wo wiltu denn hin,
dein zeit forthin im lant vertreiben?
[152] Der zipperlein.

Der zipperlein sprach: nun wil ich bleiben
bei burgern, adel oder pfaffen,
die haben iezt nit mer zu schaffen,
denn müßig gen und wollust treiben
mit baden, spilen, schlafn und weiben;
eßen und trinken auch das best,
bei den da wirt ich wol gemest,
da legt man mich auf sanfte bet.
trutz, der mich da anrüren tet!
man wicklt mich ein und helt mich warm,
ob mich die erzt mit großem schwarm
mit irer kunst wöllen vertreiben,
so tu ich dennoch lenger bleiben.
so balt ich nur ein weng nachlaß,
so lebt der krank voriger maß
und tut mir selb locken und heien,
mit starker kost und trank erfreien.
so tu ich in denn wider drucken,
balt tut der krank sich wider ducken
und helt ein zeit sich stil und meßig;
laß ich nach, wirt er wider gfreßig,
als denn so vexier ich in wider
und nem im all seine gelieder
ie eines nach dem andern ein.
von ersten bin ich kurz und klein,
tu im an einer zehen we,
darnach ich immer weiter ge,
wirt mit der zeit lenger und gröser,
ein gast, herber, bitter und böser,
entlich gar nit zu treiben aus.
Die spinn.

Die spinn sprach: ich kom in ein haus
erstlich einig, alters allein,
gleich wie du unachtsam und klein,
[153]
im winter mich etwan verkreuch,
im glenzn ich wider fürher zeuch;
ich lege eier und tu nisten,
zeuch aus mein jungn in kurzen fristen,
derselben ist on maß und zal,
umbzeuch das ganz haus überal
in stubn, kamer und allen geden,
vor allen löchern, fenstrn und leden
mit meiner jungen web und netzen,
da tu in freuden mich ergetzen,
drumb bit ich, kom nach kurzer zeit
aufs dorf, beschau mein herlichkeit
in meines armen bauren haus.
Der zipperlein.

Ich kom nicht mer aufs dorf hinaus,
sprach der zipperlein mit verlangen;
in der stat wirt ich schön empfangen,
da weiß ich einen burger reich,
denselben ich noch heint erschleich,
weil er gleich sitzt in eim banket,
der mich lang zu im locken tet
mit starker speise und getrank,
der wirt aufnemen mich zu dank
und auf ein seiden küss mich legen.
mein schwester spinn, laß dich bewegen,
in die stat wider mit mir ker
und schau mein herlichkeit und er,
wie mich der burger helt so wol.
Die spinn.

Die spinn sprach: müst ich ie sein vol,
das ich mein leben wagt dahin!
fro bin ich, das ich ledig bin.
ich zeuch dahin ins bauren haus
und kom auch nimmermer heraus.
[154]
bleib bei deim burger in der stat,
da man dich auch in eren hat,
so sei wir all beid wol versehen.
Das zipperlein.

Der zipperlein sprach: das sol gschehen,
zeuch hin, ich wünsch dir glück und heil.

Der beschluß

Also zog hin ein ieder teil,
die spinn aufs dorf hin zu den bauren,
der zipperlein in die statmauren,
der fuß für fuß gemachsam gieng.
zu laufen ich balt anefing
in die stat, die burger zu warnen
vor des argen zipperleins garnen:
der wirt heint auf den abent kommen
und zu gast werden aufgenommen;
drumb wer im nit wöll herberg geben,
derselb verzeren sol sein leben
mit harter arbeit, ringer kost,
wie denn Petrarcha gibt ein trost:
armut den zipperlein treib aus,
der nur wont in der reichen haus,
doch welcher reicher ermklich leb,
der zipperlein die flucht auch geb.
derhalb so fliech, wer fliehen mag,
das der zipperlein auf den tag
nicht bei im einker und aufwachs
durch überfluß, das ret Hans Sachs.

Anno salutis 1545, am 28. tag Decembris.

Schwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[155] Schwank: Die Fünsinger bauren

Es ligt ein dorf im Beierlant,
dasselbig Fünsing ist genant,
darin etwan vor langen jarn
ser einfeltige bauren warn,
tölpisch, tol, grob und ungeschaffen,
als ob sie weren aus Schlauraffen.
der bauren einer eins tags fant
ein armbrost in dem walt gespant,
das ein jeger verzettet het.
als der Fünsinger sehen tet,
da west er gar nicht, was es war,
iedoch schaut er es entlich zwar,
vermeint, es wer ein kreuze wert,
und hub es balt auf von der ert,
küst es und wolt es zu im schmucken,
und als ers an sein brust wart drucken,
da ließ das armbrost und gieng ab,
schlug dem bauren die nasen rab.
das armbrost wurf er von im gar,
sprach: er legst hie ein ganzes jar,
ich wolt dich nicht mer heben auf!
eins tags gieng der Fünsinger hauf
in walt und woltn eichel abschlagen
und iren seuen heimhin tragen.
als sie nun stigen auf die eichen,
was eichel sie kunten erreichen,
schlugen sie mit den stangen ab.
nun in eim solchen sich begab,
das ein ast mit eim bauren brach,
derhalb er gar hoch fiel, hernach
mit dem kopf in einr zwisel bhieng
und riß ab den hals, aller ding
[156]
fiel der körper rab in das gras,
der kopf in der zwisl bliben was.
als nun die baurn heim wolten gen,
fundens under dem baumen den,
da fundens in on einen kopf,
kenten in, das es war Liendl Topf,
stunden umb in, sahen in an,
sagten: wo hat ern kopf hin tan?
wer weiß, ob er sein kopf noch het,
als er mit uns raus laufen tet.
Heinz Tölp sprach: ich gieng mit im her,
weiß aber ie nit, ob auch er
sein kopf gehabt hat oder nit;
wir wölln sein frauen fragen mit,
dieselbig wirt es wißen wol.
als sie die fragten tumb und tol,
da tet die Fünsingerin sagen:
am sambstag hab ich im gezwagen,
da het er seinen kopf ie noch,
hernach so weiß ich aber doch
nicht, ob ern kopf am sonntag het,
wiewol ich mit im hab geret.
so einfeltig war frau und man;
trugn auch nicht andre kleider an,
vier ellen lodn nam einer doch
und schneit mitten darein ein loch
und henkt das tuch denn an den hals
und gürt es denn zu im. eins mals
ein Fünsinger fur in die stat
mit treit, da er gesehen hat
ein schneider röck und kleider machen;
groß wunder het er ob den sachen
und beschaut eben alle ding,
und als er darnach einsmals fieng
ein großen krebß an einem bach,
als der Fünsinger an im sach
[157]
an fodern füßn zwo große scher,
meint er, der krebß ein schneider wer,
sein hörner wern zwo nadel ganz,
und seine eier underm schwanz
das weren eitel kneulein zwirn.
mit freuden tet er sich heim tirn,
all sein nachbauren sagen tet,
ein schneider er gefangen het,
der müst in allen kleider machen.
die bauren brachten zu den sachen
zum schultheiß ir loden zu hauf
und setzten den krebß oben drauf;
der kruch auf dem tuch auf und ab,
fiel oft under den tisch hinab.
Heinz Tötschinbrei sprach: es dunkt mich,
der unser schneider schemet sich,
wil nichts schneiden, weil wir zusehen,
und kan doch wol schneiden und nehen,
secht, wie tet er sein scher stet wetzen!
ich rat, wir wölln im heint zusetzen
ein liecht und wölln all von im gen
und allein laßen machen den.
da folgten sie all seinem rat
und giengen alle von im spat;
ein liecht man bei im brennen ließ,
das doch zu nacht der krebß umstieß
und zündet dise loden an,
das also das ganz haus abbran.
der krebß sich in ein loch verkroch;
den fundn die tollen bauren doch
und umb sein große missetat
urteiltens in mit gmeinem rat
und wurfen den krebß in ein brunnen.
nach dem sie große forcht gewunnen,
füllten den brunnen aus mit erden,
auf das nicht mer solt ledig werden
[158]
das unzifr, und ist seit gwonheit,
wenn ein Fünsinger hat hochzeit,
muß er füren ein fuder erden
auf den krebß, nicht ledig zu werden;
ist gar ein hoher bühel worn,
so wüt auf den krebß noch ir zorn.
lief noch einer durchs dorf zum teil
und schrier: krebß feil, krebß feil, krebß feil!
der würt gar übel von in gschlagen,
so groß feintschaft dem krebß sie tragen.
derhalb treiben noch mit in heut
mancherlei fatzwerk etlich leut,
und wo noch heut zu diser frist
ein mensch tol und unbsunnen ist,
tölpet, ungschickt, so spricht man: der
ist gar ein rechter Fünsinger.
der man noch vil findt jenseits bachs
und auch herjesseits, spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1558., am 19. tage Februarij.

Das gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Das gesellenstechen

Als fünfzehundert jar
und achtunddreißig war,
nach liechtmess am mittwoch
ich nein gen Nürnberg zoch,
mein kram wider zu füllen,
und kam hin zum Wolf Rüllen
[159]
mir pfenwert einzukaufen;
da wurt ein großes laufen
aus allen gaßn am mark
mit stül und benken stark.
ich sprach: was wirt da wern?
er sprach: ir secht es gern;
fürt mich hoch in ein gmach,
durch ein fenster ich sach
ein wolverschrankte ban,
zu der kam iederman
auf rossen, kerrn und wegen;
auf leitern, feßern, schregen
stunt volks ein große meng.
da war ein groß gedreng,
ein gschrei und laut getöß,
von rossen ein gestöß,
gar oft ein grüst einbrach,
ein schön purzeln man sach.
ringsweis am mark ich wol
sach alle fenster vol
von erbern man und frauen,
das ritterspil zu schauen;
all heuser stecktn vol innen,
auf dechern und auf zinnen
die leut rab schauen teten.
in dem ich ein trommeten
hört samt pfeifen und trummen;
oben her sach ich kummen
in hohem zeug acht frecher
gerüster krönleinstecher,
ie ein par mit einander,
köstlich gebutzt allsander,
neben iedem drei narren
loffen, auf in zu harren,
auch in sein farb bekleit.
vor iedem stecher reit
[160]
ein gsell, wie sich gebürt,
und seinen spieß im fürt,
und zogen also her
ganz höflicher geber
in die verschrankten ban,
verhüt durch etlich man;
sie teten wenig prangen.
der schimpf wart angefangen;
ir ieder an der stet
seinen rüstmeister het,
der in schraubt aus und ein.
in dem da legt man ein,
und traf das erste par,
wie das loß gfallen war,
das ander, drit und viert;
darnach wurt erst turniert,
und war der nechst der best;
sie saßen stark und fest
und trafen wol und frei;
hie ritten zwen, dort drei,
als obs ein turnier wer,
machten vil settel ler;
die pfert die loffen schnell,
sie teten gschwinde fell;
wo eim (wie oft geschach)
etwas riß oder brach,
war er doch kurzer zeit
zum treffn wider bereit;
schonten einander nit,
sie teten weng felritt,
vil ledig fell sie machten;
die herren teten achten
auf die fell aller weis,
die man beschrib mit fleiß
oben auf dem portal;
der ganz mark oft erhal
[161]
von manchem starken stos,
das beide man und ros
oft lagen auf der ban;
noch rittens wider dran,
als wer in nichtsen drum,
zu holen preis und rum.
sie triben tapfer zu
und hetten wenig ru,
sam wers in einem kampf,
das in der dunst und dampf
her aus den helmen drang.
als das nun weret lang,
und ser vil troffen hetten,
etlich pfert stutzen teten,
etlich schadhaftig wasen,
auf andre pfert sie sasen
und auf ein neues trafen
höflich und nit zu strafen.
auf ein ritten oft zwen,
die er frei tet besten,
ich sach kein zagen man;
zu lezt numens die ban
mit iren rossen kurz;
erst litt mancher ein sturz,
das im sein leib erkracht;
in dem fiel her die nacht.
als es die zeit begab,
da zogens wider ab
von irem ritterspiel,
das mir herzwol gefiel,
tet mich mit freud erfüllen.
da sprach ich zum Wolf Rüllen:
wer hat gestochen heut?
sint es fremd edelleut?
er antwort mir gar kön:
es sint hie burgers sön,
[162]
die haben tun versprechen
zusam ein gsellenstechen.
ich sprach: wer richt sie an?
er sprach: das haben tan
ir vetter, so vor jaren
auch gute stecher waren,
dergleich ein erber rat
darin gefallen hat,
zu solchem ritterspil
gewendet kostung vil,
verordnet und versehen,
das kein schad sol geschehen,
noch vorteil brauchet wert
mit spieß, zeug oder pfert.
lob hab ein erber rat,
sprach ich, der löbling stat,
der solch kurzweil hilft meren;
dienet zu nutz und eren,
darauf ziehen ir sön,
zu werden reisig kön.
die stechr möcht ich wol kennen.
er sprach: ich wil dirs nennen,
wer heut gestochen hab.
Hans Stark war der in blab;
Sigmund Pfintzing war schön
geschmückt, rot, weiß und grön;
Wolf von Dill, schaut, derselb
fürt blau, weiß und halb gelb;
Marx Bucher von Leipzg stach
in gelb, grau, weiß; hernach
Jochim Bemer nach preis
ritt halb rot, blau und weiß;
Christof Fürer aufwarz
der stach in lauter schwarz
Gabriel Nützel schön
in halb rot, gelb und grön.
[163]
Matthes Ebner, verstet,
blau und rot füren tet;
so heißen sie all acht.
ich fragt in mer und lacht:
wer hat den dank erjagt?
zu nacht heint, er mir sagt,
geit man den dank erst aus
oben auf dem rathaus,
dem besten den vortanz,
ein ring mit einem kranz,
und also nach einander,
verert man sie allsander.
ieden mit eim vortanz
und einem schönen kranz
tut sie die braut begaben,
der sie zu eren haben
gehalten das gestech.
urlaub nach dem gesprech
nam ich und gieng darvon.
die ganz fasnacht ich hon
kein tapfer kurzweil gsehen,
das lob tu ich in jehen
und wünsch, das dise acht
auf die künftig fasnacht
ir spieß wider zubrechen
in einem gsellenstechen
nach ganz höflicher weis,
das ir rum, lob und preis
bei gmeiner stat erwachs,
das wünschet in Hans Sachs.

Anno salutis 1538, am 8. tage Marci.

Fabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[164] Fabel der zweier meus

Ein hausmaus die gieng über felt,
het doch weder zerung noch gelt;
der begegnet da ein feltmaus,
dieselbige bat sie zu haus,
die nachtherberg bei ir zu han.
das nam die hausmaus willig an,
gieng mit ir in ein hecken nein,
da schloffen sie in ein löchlein.
die feltmaus gar freuntlicher weis
ir fürsetzt ir geringe speis,
als eicheln, haselnüß und koren.
als sie waren gesettigt woren,
schliefens dahin in senfter ru;
aber des andren tages fru
nam urlaub und ir danken was
die hausmaus und zog hin ir stras.
als sie nun ir sach richtet aus
und wolt widerumb heim zu haus,
kerts wider bei der feltmaus ein
und saget: liebe schwester mein,
du hast mir mitteilt dein armut,
kom mit mir heim, da ich als gut
dir auch wil tun und herberg geben,
da du solt frölich und wol leben!
da gieng mit ir heim die feltmaus
in ein schön köstliches steinhaus,
in die speiskamer schloffens frei,
darin sie funden mancherlei
der guten speis von fleisch und fisch,
was man aufhub vons herren tisch,
confect, rosin, mandel und feigen,
das tet sie als der feltmaus zeigen
[165]
und sprach: hie tu trinken und eßen
und deiner armut gar vergeßen.
die feltmaus aß, war wolgemut
und sprach: wie hast du es so gut!
nöten bist du so feist und vol.
sie sprach: teglich leb ich so wol,
so must du mit hartseling dingen
dein spröd narung zu wegen bringen.
wilt du, so magst du bei mir bleiben,
dein zeit in disem haus vertreiben,
also wol leben für und für.
in dem da rumpelt an der tür
der kelner, spert auf, gieng hinein;
die meus erschrakn, doch schlof balt ein
die hausmaus unten in der want
in ein löchlein, ir wolbekant;
die feltmaus stunt in großer gfer,
lof auf an wenden hin und her,
west nicht, wo ein oder wo aus,
wan sie war unbekant im haus,
und in tötlichen engsten was.
als nun der kelner gieng sein stras,
kam die hausmaus, sprach: sei frölich,
wie stelst dich also trauriglich?
du hast ie guter speis genug.
da antwort ir die feltmaus klug:
o nein, laß mir die armut mein
und behalt dir die reichtum dein,
darin du must abent und morgen
vil angst und gferlichkeit besorgen.
ich sich, dir sint all augenblick
deim leben gestelt tötlich strick
von katzen und auch von mausfallen
und dergeleich von menschen allen,
und wer dich nur umbbringen kan,
der meint ein gut werk haben tan;
iederman ist dir gram und feint;
derhalben wil ich wider heint
[166]
hinaus auf meinen acker öd.
ist gleich mein narung ring und spröd,
so hab ich aber doch darneben
ein frölich, frei und sicher leben,
da hab ich gut ru und gemach,
niemant mir gferlich stellet nach,
da wil ich wider eilen naus.
und nam urlaub von der statmaus
und lof aus der geferlichkeit
wider naus in ir sicherheit.

Der beschluß

Dise erzelte fabel such
Esopi in dem ersten buch!
aus der ist klar zu merken eben,
das gar vil sichrer ist zu leben
in einer erlichen armut,
den bei ser großem hab und gut.
darinnen ist abent und morgen
ein immerwerent angst und sorgen,
wie man das mer und ordinier,
wie man das bhalt und nicht verlier;
wan reichtum hat vil feint und neider,
verreter und vil erabschneider,
die im zuziehen gferlich schmach.
auch stellen gar geferlich nach
dem reichtum mörder und die rauber
mit gfenknus und schetzen unsauber;
auch stelt man reichtum nach dem leben,
geferlich mit gift zu vergeben,
krieg oft reichtum verderbt zu letz;
bringt in der tyrann in sein netz,
so schindt er in biß auf das mark,
dergleichen auch der wuchrer ark,
darzu auch die listigen dieb
tückischer weis durch nechtlich trieb.
[167]
auch die finanzer und die trügner,
die popitzer, felscher und lügner,
die schmeichler, heuchler und schalksnarren
auch von der reichen haufen scharren,
das stelt als nach der reichen gut.
aber die erliche armut
hat fast vor disen allen ru,
niemant setzt ir geferlich zu,
wan man tut sich teglich der armen
on allen neit herzlich erbarmen;
die neret sich geringer speis,
wie sies mag haben aller weis,
mit gedult all ding überwindt,
den sack zu halbem teil zubindt,
des bleibt sie nüchter, frisch und gsunt,
mit süßem schlaf munter und runt
und wirt mit sorgen nicht gebißen,
hat ein sicher gerut gewißen.
entladen ist vil ungemachs
die erlich armut, spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1558, am 14. tage Junij.

Fabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Fabel von dem fuchs und der katzen

Ein fuchs trabet über ein heid
und het ausgespecht auf der weid
vor einem walt der gens ein hert.
dem begegnet da on gefert
ein katz, die auch zu felt war gangen,
ob sie ir möcht der feltmeus fangen,
[168]
darmit sie iren hunger büßet.
der fuchs sprach: schwester, sei gegrüßet.
die katz im danket widerum
und hieß den fuchs auch sein wilkum.
nach dem sprach er der katzen zu:
sag an, mein schwester, was kanst du
für künst und was hast du gelert,
darmit du wertst auf ert ernert
und vor unfal schützst leib und leben?
da tet die katz im antwort geben:
mein herr fuchs, ich hab gar kein kunst
auf diser ert gelernet sunst,
den die mir hat einpflanzet nur
die herrlich mutter der natur,
das ist springen und bhendigkeit,
darmit ich fach in diser zeit
die meus, darmit ich mich erner.
darzu sagt der fuchs aber mer:
kanst du nichts den bhent sein und springen,
so wirt dein leben balt mislingen;
weil du sonst nichtsen kanst den das,
so bist unkönnent übermaß,
schlecht, beurisch und einfeltig gar.
sie sprach: mein herr fuchs, das ist war,
ich kan ie warlich nichtsen sunst;
ich bit aber, sag, wie vil kunst
kanst du, mein herr, gerecht und gut?
da antwort der fuchs in hochmut:
der künste der kan ich wol hundert,
allerlei art, fein ausgefundert,
nicht mittelmeßig, sonder wol.
wie man die kunst denn können sol,
die ich alle tet jehling leren;
der iedwede kan mich erneren
aus sorgen, angst und hungers not,
wenn schon vor augen wer der tot.
die katz sprach: domine doctor,
du gest mir weit mit künsten vor,
[169]
mir einfelting, kunstlosen armen,
die ich muß sterben on erbarmen;
dir aber gebürt langes leben,
weil du mit vil kunst bist umbgeben
und wirst überal wol gehalten,
erlich bei jungen und bei alten,
ich aber wert veracht aldo.
der fuchs der sprach: es reucht also.
nach dem da sprach die katz allein:
mich bedunkt in den augen mein,
wie ich sech aus dem walt von weiten
ein weidman gegen uns her reiten,
der fürt mit im zwen fraidig hunt,
welche vormals und auch iezunt
gewest sint unser ergste feint.
der fuchs sprach: aus dein worten scheint,
das du forchtsam und töricht bist
und einfeltig zu aller frist;
ob dus gleich sichst und sagst gleich war,
stunt uns doch darauf kein gefar;
ich weiß durch kunst in zu entrinnen.
die katz sprach: herr, das wirst wol innen.
als in der jeger nun war nahen,
und die hunt den fuchsen ersahen,
da fiengens gschwint auf in zu laufen
mit lautem gelzen und mit schnaufen,
zu fahen beid katzen und fuchs;
derhalb groß forcht in in erwuchs.
er sprach: uns ist zu fliehen not.
die katz die sprach: du treibst den spot,
förchst du dich bei den künsten dein?
der fuchs sprach: fliehens wirt not sein,
weil uns die hunt kommen genau.
ein ieder nun selbs für sich schau!
sprach die katz und sprang auf ein baum
und den hunden entran gar kaum.
der fuchs aber die flucht gab balt
gen berg auf zu dem dicken walt,
[170]
die hunt im aber kamen nahen
und nach im schnappten, in zu fahen.
das sach die katz hoch auf dem baum
und schrei: doctor fuchs, dich nit saum,
zeuch eine deiner künst herfür,
es tut dir not, als ich wol spür,
wan es ist dir zu ferr der walt,
wo du das tust nicht eilent balt,
so wirst von hunden du zerrißen:
was hilft dich denn vil künsten wißen?
der fuchs lof schnell und war nit faul,
schlug den hunden sein schwanz umbs maul,
darmit er sie im laufen blent;
doch ergriffens in an dem ent.
die katz schrei: bruder fuchs mit nam,
wo kom wir auf das nechst zusam?
der fuchs sprach: o des ich nicht weiß,
etwan beim kürßner in der beiß,
da wert wir wider kommen zsam.
darmit ir gsprech ein ende nam.

Der beschluß

Bei der alten fabel gedicht
wert wir zweierlei leut bericht.
die ersten uns der fuchs bedeut,
das sint künstner und rümisch leut,
die viler künst sich rümen vol,
der sie doch keine können wol;
haben keine gelernet aus,
das sin möcht tragen brot ins haus,
wie man denn sagt von solchem stück:
acht hantwerk, neunerlei unglück;
fahen vil an, bringen zum ent
doch kein werk mit munt oder hent,
[171]
verachten schlecht einfeltig leut.
werden durch die katzen bedeut,
die sich in der einfalt ernern,
achten nicht hoch rümlicher ern,
sonder nur was ist not und nutz
und in dienet zu irem schutz;
der einig kunst gebrauchen sie,
darmit sie sich behelfen hie
on allen rum vor ungemachs
mit weib und kinden, spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1558., am 17. tage Junij.

Historia: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Historia: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufel

Die chronica sagen fürwar,
als man zelet neunhundert jar
und vier und neunzig on gefer,
da regieret bapst Sylvester,
der ander dises namens da.
der war bürtig aus Gallia
und vormals Gilbertus genant,
kam in seiner jugent zuhant
in ein kloster, zu werden frum,
im aurelianischen bistum,
doch wider aus dem kloster sprung
und ergab sich noch also jung
dem teufel und auf schwarze kunst,
dardurch zu erlangen die gunst,
zu herschen das römisch bapsttum.
der teufel das mit im aufnum,
[172]
doch das er sein wer nach seim tot.
das verschrib er mit seim blut rot.
doch fraget in Gilbertus eben,
wie lang er würt auf erden leben.
der teufel sprach: du stirbst nach dem,
wenn du berürst Jerusalem.
Gilbertus dacht in seim gemüt;
vor Jerusalem ich mich hüt,
das ich kom nimmermer dahin.
nach dem so zug Gilbertus hin
frölich in Hispanier lant,
in die stat, Hispalim genant,
und studiert auf der hohen schul.
da er besaß der künsten stul
für all doctores kurzer zeit
und wurt berümet weit und breit,
das er den keiser Ottonem,
darzu auch Robertum nach dem,
welcher künig wurt in Frankreich,
zu schulern het und auch dergleich
ander vil hoch berümte mender
allerlei nation und lender.
nach dem durch ergeiz er annum
das groß remensisch erzbistum
und auch darzu das ravenisch
aus teufelischer hülf ganz frisch.
da er ein zeitlang bischof was,
ganz begierig über die maß,
das römisch bapsttum zu erwerben.
als nun bapst Johannes tet sterben,
der sibenzehent dises namen,
die cardinel zusamen kamen,
einen anderen bapst zu stellen,
und teten den Gilbertum welen,
aus eingab des satans anfengnus
und aus der götlichen verhengnus,
tetens in für ein bapst erkennen
und Sylvester den andern nennen.
[173]
als er nun saß in dem bapsttum,
hielt er sich andechtig und frum;
als er aber im fünften jar
seines bapsttums auf eim altar
in der kirchen des heiling kreuz
mess hielt mit vil prenks und geleuz,
samt cardinelen und hofgsint,
das im alles zu altar dint,
als er gleich wolt sacrificieren
und das sacrament elevieren,
da fieng es an dunkel zu weren,
und vor der kirchen nach und feren
da flug es als vol schwarzer raben,
die zun kirchfenstern gstochen haben
mit einem ser großen geschrei,
und stachen lenger mer herbei,
sam woltens die fenster ausstoßen.
darob het alles volk ein großen
schrecken und forcht ob disem wunder,
und Sylvester der bapst besunder
der fraget sein hofgsint zuhant,
wie diser altar wer genant.
da gaben sie zu antwort dem,
der altar hieß Jerusalem.
der bapst erschrak, gedacht wol, das
seins sterbens zeit vorhanden was,
fiel auf sein knie in reu und leid
und bekennet on underscheid
sein irrtum und sündiges leben,
und wie er sich auch het ergeben
dem teufl in seiner jugent zeit,
begert von got barmherzigkeit,
sein schwere sünt im zu vergeben,
und warnet alles volk darneben,
zu meiden die ergeizigkeit,
die wurzel aller grundbosheit;
warnet auch alles volk darbei
vor teufels gspenst und triegerei,
[174]
der durch sein tück und hinderlist
allen christen aufsetzig ist.
nach dem bat er sie allesam,
das man nach dem tot seim leichnam
solt abschneiden all sein gelider,
auf ein wagen zsam legen nider
und vier ross darnach daran spannen,
die ungeleit in zugen dannen;
wo die stünden, solt man acht haben,
an der stat solt man in begraben.
nach dem und als der bapst verschiet,
auf gut hoffnung sein ent erliet,
darnach zerschnitten auf ein wagen
legtens sein leib nach seim ansagen.
da in die pfert gezogen haben
in sanct Johanns kirchen, begraben
wurt er; das war ein gutes zeichen,
das er gots gnad het tun erreichen
durch sein warhafte reu und buß.

Der beschluß

Aus der geschicht man merken muß,
das kein sünder in disen tagen
in seinen sünden sol verzagen
an der gottes barmherzigkeit;
dan got ist allezeit bereit,
das er den sünder nem zu gnaden
und heb in aus ewigem schaden;
allein das er nur nicht verharr
in sünden, verstock und erstarr,
verzweifel an gots gnad und güt.
darvor uns got alle behüt,
sonder das frucht der buß erwachs
bei allen menschen, wünscht Hans Sachs.

Anno salutis 1558, am 8. tage Julij.

Fabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[175] Fabel: Der rab mit dem toten fuchsen

Das buch natürlicher weisheit
das saget uns, wie auf ein zeit
in eim höl lag ein alter fuchs,
in dem der hunger groß aufwuchs.
in solchem begab sich hernach,
der fuchs ein raben fliegen sach,
der inbrünstig hungriger weis
begeret zu suchen sein speis,
wo etwan leg ein totes as.
als nun der fuchs vermerket das,
war er mit listen gar nit treg,
legt sich gestrecket an den weg,
mit eingfallen kinbacken als
und mit lang ausgestrecktem hals,
mit stil diebischem atem ganz,
mit ganz aufgeflattertem schwanz,
mit allen viern gestreckt on spot,
als ob er da leg und wer tot,
den hungring raben zu betriegen,
ob er herab auf in wolt fliegen
und im seine augen aushacken,
ob ern möcht bei dem hals erzwacken
und möcht ein nachtmal an im haben.
als aber der fuchs von dem raben
also sam tötlich wart gesehen,
da wolt er vor dem grunt nachspehen,
wan er war fürsichtig und klug,
nahet ob dem fuchsen hinflug;
da sach er gewiss an der stet,
wie der fuchs atem holen tet
und zog den heimlich aus und ein.
dardurch erkent die liste sein
[176]
der rab und flog von im, allein
nam in schnabel ein kiselstein
und flog auf in den luft mit schallen,
ließ den stein auf den fuchsen fallen.
der fuchs erstunt balt auf vom tot,
da sprach zu im der rab im spot:
fuchs, meinst, das nit das rebisch aug
so scharpf und wol zu listen taug
als dein füchsisch aug vol arglist?
derhalb ich auch zu mancher frist
eim so liegenden fuchs geschicket
sein aug mit meim schnabel auspicket,
ließ im denn den spot zu dem schaden.
der fuchs sprach: ich hab mit ungnaden
auch oft ein raben in den tagen
also ertappt und gen walt tragen
und den gerupfet und gefreßen,
darumb sei nicht also vermeßen,
dem weisen oft in diser zeit
widerfert nit ein klein torheit,
voraus wo in des hungers fraß
darzu übet on unterlaß.
der geizhunger an manchem ent
das herz verdunkelt, augen blent;
wo der aufsperret seinen rachen,
zu füllen sich und feist zu machen,
und er als waget hin auf glück,
schlegt alle erbarkeit zurück
oft wider billichkeit und recht,
das er oft mit dem hals behecht,
umb leib, er, gut und leben kum.
im antwort der rab widerumb:
wiß, das ein fürsichtiger man
sich weislichen fürsehen kan
vor der arglisting trüglichkeit,
wenn er vertraut zu keiner zeit
[177]
und sich gar wol umbschauen muß,
e er setzt nider seinen fuß,
das er nicht alle augenblick
gefangen werd und sich verstrick
mit der welt unzeligen netzen,
die in bescheding und verletzen;
und wil er in der welt beleiben,
muß er oft list mit list vertreiben
und muß die fuchslistigen fliehen,
von ir gemeinschaft sich abziehen
und sich nur zu den frommen halten.
der fuchs sprach: des muß als glück walten,
mein rab, wo müst ein man hinkommen,
das er beisamen fünt die frommen,
dieweil ir ist auf ert so wenig?
der listing ist ein große menig,
die all schauen auf iren nutz
und nemen ir arglist zu schutz,
darmit iren geizhunger neren,
es sei mit er oder uneren,
mit gutem schein die leut betriegen,
übervorteilen und beliegen
mit süßen, schmeichelhafting worten
und können auch an allen orten
den schalk gar meisterlich verbergen,
als ob im herzen sie herbergen
nichtes denn lieb, treu unde gunst;
das ist denn aller heuchler kunst,
darmit sie die einfelting fangen,
die darnach in irm netz behangen;
derhalb, mein rab, wilt sicher sein,
so schick dich nur fürsichtig drein.
nach den worten sie beidesander
schiden mit friden von einander.

Der beschluß

Aus der fabel der weisen alten
sol ein mensch in gdechtnus behalten,
[178]
das er allzeit fürfichtig sei,
weil untreu ist so mancherlei
auf erden gar in allen stenden,
geistlich und weltlich regimenten,
und ist in aller welt gemein,
verdecket doch mit gutem schein,
als sei nichts da denn lieb und treu.
ist doch Judas kus teglich neu!
lach mich an unde gib mich hin,
das ist fast aller welte sin.
des nem ein man die ler allein:
wo er wil unbetrogen sein,
da tu er nicht zu weit vertrauen,
sonder tu mit fleiß für sich schauen,
auf das er nicht betrogen wer;
wan wo zu weit vertrauet er,
so wirt gewislich er betrogen
und mit der nasen umbher zogen,
dardurch im denn nachreu erwachs,
mit spot zum schaden, spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1559, am 11. tage Februarij.

Schwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Schwank: Der gute montag

Nachdem ich meim hantwerk nachzug
an dem reinstram, es sich zutrug,
eins morgens frü zu bet ich lag,
gedacht: heut ist guter montag,
da wil dem meister feiren ich.
in dem entschlief ich senftiglich
wider ein stunde oder zwu,
biß der tag rucket baß herzu.
[179]
im schlaf erschin mir ein gesicht,
des inhalts ich mit kurz bericht:
ich sach gar selzamer manier
ein wundergroßes selzams tier,
das tet her auf sechs füßen gen,
im maul het es scharpf eberzen,
sein bauch war als ein füdrig faß,
sein schwanz schebig und reudig was.
ich erschrak und floch hin von im;
da redt das tier menschliche stim:
fleuch nit, du hast mich doch aus gnaden
auf heut freuntlich zu dir geladen.
ich sprach: wer bist? zeig mir das an,
ich mag dich schlecht nit bei mir han,
weil du so gar unbschaffen bist,
des rechten haus hast du vermist,
sichst mich für ein unrechten an.
das tier antwort mir: lieber man,
du tust mich aus der maß wol kennen,
voraus balt ich mich dir tu nennen,
wiß, das ich der gut montag bin.
wolauf ins wirtshaus mit mir hin
zu andern gsellen, die dein warten
mit speis und trank, würfel und karten!
die haben mich geschickt nach dir,
und ob du nit wolst gen mit mir,
so wolt ich dich mit gwalt hintragen.
ich tet zum guten montag sagen:
wie bist du denn so stark und kreftig?
der gut montag sprach: ich bin scheftig
in merk und steten überal,
die hantwerksbursch mit überschwal
hab ich all unter meinen fanen,
dergleich hersch ich vil hantwerksmanen,
die mir gar willig zu hof reiten,
samt den gsellen zu allen zeiten.
[180]
ich sprach: wie das du hast sechs bein?
er sprach: mein gang ist schwind, allein
kom allemal über sechs tag;
oft man mich nit austreiben mag
biß gar hinein auf die mitwochen
weder mit schelten noch mit pochen,
wiewol ich bring gar wenig nutz,
wo man mir fleißig heltet schutz.
ich sprach: wie hast so scharpfe zen?
er antwort: wo ich ein tu gen,
vil ganzer beutel ich zerkifel,
vil zenk und hader ich antrifel;
ich beiß mannichen durch die schwarten,
auch zerbeiß ich würfel und karten,
und beiß auch manchen aus der stat,
das er ertags kein meister hat.
ich sprach: wie ist so groß dein bauch?
er sprach: da verschlinget mein schlauch
gelt, kleider, kleinot und hausrat,
den werkzeug oft samt der werkstat,
haus unde hof, ecker und wisen,
tut in meim bauch sich als verlisen.
ich fragt: wie ist deins schwanzes wadel
schebig und hat so manchen tadel?
mir guten montag, er da sprach,
folgt stets ein böser sonntag nach,
das er das verdient wochenlon
hat an dem montag vor verton.
wer mein all wochen wartet aus,
dem nistelt kein storch auf sein haus,
ich guter montag mach tol köpf,
lere beutel und volle kröpf,
die hent verdroßen und stutfaul
und dem meister ein henkent maul,
das er die ganz woch sauer sicht.
welch meister sich auch nach mir richt,
mach ich sein werkstat ler und öd,
hosen und rock schitter und blöd,
[181]
wie du denn wol sichst an dem haufen,
die mir guten montag nachlaufen.
in dem wurt im haus ein gerümpel,
die katzen machten ein getümpel,
warfen ein hafen dstiegen ab,
darvon sich ein groß gschrei begab.

Der beschluß

Da erwacht ich, dem traum nachsan,
stunt auf, fieng zu arbeiten an,
weil der gut montag in den dingen
so mancherlei unrats ist bringen,
als trunkenheit, fraß und das spil,
daraus denn unglücks folget vil,
als zoren, hader und zwitracht,
lamhauen und auch menschenschlacht,
faulkeit, armut unde krankheit,
welchs als nit gschech ob der arbeit.
zu entgen sollichs ungemachs,
saß in die werkstat ich, Hans Sachs.

Anno salutis 1559., am 3. tage Augusti.

Der beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Der beschluß in das ander buch der gedicht

Eins tages im augstmon
wart ich spazieren gon
in ein au für die stat,
wan ich war müd und mat
worden ob dem gedicht,
das ich het zugericht,
wolt mich ein klein erquicken.
in dem wart ich erblicken
under eim baum ein schatten;
zu dem tet ich hinwaten
[182]
durch kle und grünes gras
und mich da legen was
nider, zu haben ru
ein stunde oder zwu.
der wint tet senft her rauschen;
in solchem stillen lauschen
die augen mir zugiengen,
und tet mich überdringen
der schlaf gewaltiglich,
in dem da dauchte mich,

Ratio.

Mir rüft frau Ratio
mit senfter stim also:
du alter, bericht mich,
was du doch zeihest dich,
das du dein gmüt und herz
peinigst mit mü und schmerz
zu dem teutschen gedicht;
warumb ruest nun nicht
von solch schwerer arbeit?
Der dichter.

Ich antwort: meiner zeit
acht ich mein teutsch gedicht
gar für kein arbeit nicht,
sonder acht das zum teil
nur für ein schön kurzweil.
weil mir got hat gegeben
die gab in meinem leben,
wil ich vergraben nit
mein pfunt, sonder darmit
suchen die gotes er
und nutz des nechsten mer;
ich lob und preis die tugent,
auf das die blüent jugent
der laster müßig ge,
so bringen angst und we,
[183]
und der tugent anhenk.
auch etlich erlich schwenk,
zu trost trauriger herzen,
doch on unzüchtigs scherzen,
niemant zu neit und haß
hab ich dicht solcher maß
vier und vierzig jar lang.
du weist, der müßiggang
vil übels mit im bringt,
dardurch manchem mislingt;
menschlich herz feiret nicht,
darfür mach ich gedicht,
dem zu entgen also.
Ratio.

Mir antwort Ratio:
mit deinem phantasiern,
dichten und speculiern
so schwechstu dein vernunft
und wirst noch in zukunft
tebisch und kindisch wern
mit wort, werk und gebern,
wie manchem ist geschehen;
du merkst schon und tust sehen,
das dein gescherpfte sin
und gedechtnus ist hin,
der nicht mer sint zu hoffen,
weil bei dir ist verloffen
die gülden quell, mein man!
derhalb so tu abstan
und forthin nichts mer dicht.
Der dichter.

Ich sprach: ich laugen nicht,
ich entpfint trefflich wol,
das nicht volkommen vol
[184]
mit so herzlichem lust
und begirlichem dust
meine gedicht herfließen,
sonder oft mit verdrießen,
nicht wie vor mit so hellen,
scharpfen sinnen aufquellen,
sonder langsam und treg,
das ich oft denk den weg,
vom dicht zu laßen ab,
iedoch ich etwas hab
teglich bei mir beihendig
in meim gemüt inwendig,
das mir heimlich zuspricht,
vermant zu dem gedicht
on ru zu aller frist,
weiß doch nicht, was das ist,
das in mir also schreit.
Ratio.

Ratio wider seit:
dasselbig ist der won,
das dir sol kommen von
deim gedicht rum und er
und dergleich nutzes mer,
wie solchs fast all poeten
zu lon entpfangen teten,
so dardurch überkamen
ein untötlichen namen.
schau, der won reizet dich
zu deim gedicht warlich;
solchs aber felet dir,
warhaft gelaube mir,
wan durch deine gedicht
hast dir selbs zugericht
doch heimlich übermaß
vil feintschaft, neit und haß.
die welt hört diser zeit
nicht geren die warheit,
[185]
wan sie scheuet das licht,
weil ir werk sint entwicht,
derhalb erlangst du mer
feintschaft, den rum und er,
weil du nit heuchlen konst.
drumb beßer du verschonst
dein selb, du alter mon,
weil doch on dank und lon
dein dichten ligt zu grunt.
in dem von mir verschwunt
Ratio. nach dem fast
schwang sich auf einem ast
ein vogl, das ich erwacht.
im herzen mein gedacht:
ich förcht, im sei also
war, wie mich Ratio
treulich gewarnet hat;
stunt auf, gieng in die stat,
zeichnet und ordiniert
zusam und registriert
diß ander buch, zuricht
in druck, meiner gedicht,
und mit dem spruch beschluß
das buch sam mit verdruß,
weil ich für dank und lon
nur feintschaft brecht darvon
umb ghabt fleiß und arbeit,
dacht fort meins lebens zeit
gedichts müßig zu gon,
auf das mir nicht darvon
schaden für lon erwachs,
spricht zu Nürnberg Hans Sachs.

Anno salutis 1560., am 9. tage Januarij.
Der wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[186] Der wunderliche traum von meiner abgeschiden lieben gemahel, Künegund Sechsin

Als man nach Christi geburt war
zelen fünfzehenhundert jar
und neunzehen, fürwar ich sag,
eben an sanct Egidi tag
wart mir zu einer gmahel geben
junkfrau Küngunt Kreuzerin eben,
die einig tochtr und erb allein
Peter Kreuzers zu Wendelstein
am berg, der vor sibenzehn jarn
samt seinr gmahel verschiden warn,
den got genad in ewigkeit!
am neunten tag het ich hochzeit,
von der mir in zwelf jarn sint worn
zwen sün und fünf töchter geborn,
welch alle sint mit tot verschiden
und bei got ewig sint zu friden.
doch von meinr ersten tochter eben,
hab ich vier enenklein im leben.
nun dise mein gmahel fürwar
het ich fast einundvierzig jar
ganz lieb und treu, ganz erenwert;
wolt got, das ich sie solt auf ert
gehabt haben biß an mein ent!
got aber selb hat das gewent.
als man nach Christi geburt war
zeln fünfzehnhundert sechzig jar,
da begab sich, leider ich sag,
an unser fraun verkündung tag,
war der fünfundzweinzgst tag des Merzen,
tet sie in einer seiten schmerzen
ein wetag und darnach im herzen;
aber in solcher wetag schmerzen
[187]
heim suchten wir der erzte rat,
doch folgte nit der gsuntheit tat;
derhalb wart sie vor irem ent
versehen mit dem sacrament.
der schmerz nam lenger herter zu,
stunt oft auf und het nirgent ru;
iezt wolt sie dort, iezunt da ligen.
die krankheit tet ir angesigen,
und in der dritten nacht verschit,
der sel geb got dort ewig frit.
nach dem wart auch nach zweien tagen
der leib dahin gen kirchen tragen
mit dem teutschen psalmen gesang.
ach got, erst wart meim herzen bang,
weil ich mein gmahel nicht mer het.
wo ich ansach dieselben stet,
daran sie war gstanden und gseßen,
o, so tet sich mein herz denn freßen,
dergleich wo ich ir kleider sach,
wurt ich geleich von herzen schwach,
das ich mein gmahel auserkorn
so schwind und gehling het verlorn,
der ich erst gar notdürftig war,
weil ich ins sechsundsechzigst jar
gieng, sie nur achtundfünfzig was
erst alt, derhalb ich übermaß
war im herzen bekümmert hoch.
oft daucht mich auch, sie lebet noch,
etwan bei iren freundin wer,
in iren gscheften hin und her.
wenn ich mich denn bedacht, das sie
gestorben wer und nicht mer hie,
so wurt mein herzenleit mir neu,
wan ich mich zu ir alle treu
versach für all menschen auf ert,
besorgt mich von ir keinr gefert,
recht lieb und treu ich von anfang
bei ir erfunt ir leben lang.
[188]
sie war ganz heuslich frü und spat,
zog all ding rechter zeit zu rat,
doch etwan heftig war mit worten
bei dem gesint, das an vil orten
farleßig war, nit arbeitsam,
in summa, all ir ding das kam
dem ganzen haushalten zu gut;
derhalb mein herz war in unmut,
weil ich die treuen nit mer het,
mein herz oft nach ir seufzen tet,
tag unde nacht ich ir nachdacht.
nun begab sich in einer nacht,
das ich in den gedanken tief
meinr verschiden gmahel entschlief;
da daucht mich, ich säch aller ding,
wie zu mir in die kamer gieng
mein liebe gmahel zu mir her,
in weiß, ganz züchtiger geber;
von der mein herz erfreuet wur,
und gehling in dem bet auffur
und wolt sie mit eim kus umbfahen;
als ich ir aber wolte nahen,
wich sie von mir gleich einem schaten
und sprach zu mir nach disen taten:
mein Hans, das mag nit mer gesein,
ich bin nit mer wie vorhin dein.
da fiel mir erst ein gwis und klar,
das sie mit tot verschiden war,
derhalb mich gleich ein forcht durchschlich,
iedoch ir treu die tröstet mich,
gedacht, ir geist ist kommen her,
zu trösten mich in meiner schwer,
und tet mich ir zukunft erfreuen.
all mein unmut tet sie zerstreuen,
und sprach: o du seliger geist,
vergangner zeit du noch wol weist;
als dein leib lag in krankheit schwer,
tröst ich dich, sagt, wie Christus wer
[189]
für aller menschen sünt gestorben,
bei got genad und hult erworben
umbsonst, aus lautr barmherzigkeit,
auf disen heilant in der zeit
soltst du dich herziglich verlaßen;
hoff, du habst das tun aller maßen.
der geist mir antwort an dem ort:
ich hab auf das gwis gotteswort
in rechtem glauben und vertrauen
tun von grunt meines herzen bauen;
darin bin ich auch abgeschiden
vom leib und bin auch wol zu friden
und bin schon in ewiger ru,
kein zweifel setzet mir mer zu,
leb nun in höchster sicherheit
und wart ewiger seligkeit
in frolockung mit senen groß
mit Lazaro in Abrams schoß,
mit gewisser, starker hoffnung
auf die lezten aufersteung,
das sel und leib den widerumb
clarificiert zusamen kum,
da an uns genzlich wirt erstat,
was Christus uns verheißen hat.
mich daucht, ich fragt in wunder groß:
sag mir, wo ist Abrahams schoß?
und was die selen darin tun,
was sie haben für freud und wun
biß auf den lezten jüngsten tag.
antwort der geist: o, auf dein frag
so kan ich dir kein antwort geben,
wan kein mensch in dem zeitling leben
mit nichte die ding kan verston,
noch weniger reden darvon,
was got mit sein seligen tu,
welche sint in ewiger ru;
sie berürt mer kein leiblichkeit,
sint ganz aus aller stat und zeit,
[190]
in got als auserwelte geist
in himlischer freud allermeist,
darin in dann ist ewig wol.
nit weiter ein mensch denken sol,
biß das er nach seim zeitlichn tot
auch dahin kommen wirt durch got
aus gnaden zu ewiger ru;
auf sollichs solt auch warten du,
wan es wirt dir das ende dein
fort auch nit lang ausstendig sein;
dann wirst mit geistlichn augen sehen
ding, die ich dir nit kan verjehen,
die kein aug hat gesehen vor
und auch gehöret hat kein or,
und ist in keins menschen herz kommen,
was den gotseligen und frommen
got hat dort ewiglich bereit
für wonne, freud und seligkeit
in dem der geist von mir verschwant.
da auferwachet ich zu hant,
groß forcht und freud mich da bestan;
ich lag und disem traum nachsan
in freud und herzlich großem wunder
und gedacht mir heimlich besunder
an meister Lienhart Nunnenbecken,
mein lermeister, der mich tet schrecken
vor jaren mit dergleichen traum
nach seinem tot, des ich auch kaum
mein leben lang vergeßen mag.
da ich eins nachts auch schlief vor tag,
wie ich in bat in traums gesicht,
das er mir geb klaren bericht,
wie es zugieng in jenem leben,
tet er mir gleiche antwort geben:
das du mich fragst, leßt sich nit reden,
noch aussprechen zwischen uns beden,
biß du einmal komst selb dorthin
aus gnaden, dann wirst du erst in,
[191]
was got sein auserwelten geit
nach dem ellent in ewigkeit.
nach dem auch derselb geist verschwunt;
ich erwacht auch, und manich stunt
seit her demselben traum nachsan;
denk gwis, das kein mensch wißen kan
in disem zergenglichen leben,
was got dort ewiglich wirt geben
den auserwelten in seim reich,
wie denn Christus selb saget gleich;
drumb soll wir sein wort herzlich glauben,
der hoffnung uns nit laßen rauben
solch fürwitzig leiblich gedanken,
got vertrauen on alles wanken.
derselb wirt uns nach disem leben
durch unsern heilant Christum geben
aus gnad das himlisch vatterlant.
dahin helf uns got allesant,
da uns ewig freud auferwachs
nach seinem wort, das wünscht Hans Sachs.

Anno salutis 1560., am 19. tag Julij.

Historia: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Historia: Des königs son mit den teufeln

Astipulus tut schreiben das,
wie in Schweden ein könig sas,
welcher Haldanus war genent,
der hielt weislich sein regiment,
war auch ein streitbar helde kün,
der het ein gmahel überschün,
mit der er lang kein erben het,
des sich der köng betrüben tet;
[192]
iedoch entlich sie schwanger war
und im ein schönen sun gebar.
des wart der künig hoch erfreut
und darzu mit im lant und leut
und ließen freudenfeuer brennen,
darbei die groß freud zu erkennen;
iedoch wurt dem künig zerstört
sein freud zum teil, dieweil er hört
von den weisen, die am gestirn
heten erforscht durch speculirn:
wo dises jungen augen ganz
ansehen würdn der sonnen glanz
in zwelf jaren, so würt das kint
an beiden augen werden blint.
den künig das betrübet hat,
iedoch funt entlich einen rat
von den weisen, das er im hieß:
in ein holen berg machen ließ
ein wonung, darin man mit fug
den jungen künig auferzug.
in dem berg an der dunkel fein,
mit brinnenden kerzen allein,
do das kint aufwuchs und zunam.
da es nun zu acht jaren kam,
fieng der knab zu studieren an,
het bei im nur zwen alte man,
die lerten es schreiben und lesen
in aller still, on als hofwesen;
da war kein rennen noch turnieren,
kein tanzen oder banketieren,
kein weidwerk oder seitenspil.
da sach der jung und hört nicht vil
denn sein zwen alte weise herren,
die fraget der jung oft: von ferren
ist sonst kein mensch, denn ich und ir,
wie sint denn nur herkommen wir?
sint wir aus den felsen entsprungen?
da hörtens wunder von dem jungen,
[193]
von seinen wunderspehen sinnen;
doch musten sie in halten innen,
und im mit fleiß in oren lagen,
nichts von auswendig ding zu sagen,
biß sein zeit gar verschinen war;
und da vergieng das zwelfte jar,
da ließ der küng holen eilenz
sein sun mit freud und reverenz,
mit großem pracht, pfeifen und fleten,
mit harpfen, posaun und trometen
aus dem berge hinein die stat
Kopenhagen, da er hof hat;
auf seinem küniglichen sal
ließ er in schauen überal
all seine schetz, silber und golt,
all sein kleinot, was er het holt.
der knab stunt drob verwundert gar,
west nicht, was diß noch jenes war,
weil er der ding vor nie het gsehen.
der vatter fürt in in der nehen
hinab in sein schönen rosstal,
drin stunden schöne ros zumal,
und füret in hinauf darnach
in dem schloß in alle gemach.
die warn gezieret also milt
mit tefelwerk, manch schönem bilt;
und nachdem füret er in immer
in das köstliche frauenzimmer,
darin manch schöne junkfrau saß,
wol geschmücket über all maß.
der sun wart zu dem vatter jehen:
was sint, das wir hie vor uns sehen?
zeigt auf die junkfrauen mit fleiß.
da antwort der künig schwanksweis:
mein sun, dises die teufel sent,
dardurch die ganz welt wirt geblent.
fürt in darnach in sein zeughaus
vol büchsen, harnisch überaus,
[194]
darmit zu bschützen lant und stet,
die korenböden und vorret.
und als er im nun umb und umb
het angezeigt all sein reichtum,
tet in darnach der vatter fragen:
mein lieber sun, tu mir ansagen,
was hat am besten gfallen dir
in allen schetzen, das sag mir.
der sun gar schnelle antwort gab:
herr vattr, in dein schetzen durchab
so haben mir in disen allen
die teufel am besten gefallen.
da lachet alles hofgesint.

Der beschluß

Aus der geschicht sich klar erfint
und wirt ermerket klar und pur
die große sterk in der natur,
welche mit gwalt durchdringet stark
vernunft, herz, sin, gebein und mark
weil das götliche majestat
menschlichem gschlecht einpflanzet hat
von wegen menschlicher geberung,
die dardurch hat ein stete werung,
mit einem so gwaltigen trieb,
das man tregt zu dem weibsbilt lieb,
das menschlich gschlecht sich mer und wachs
biß zu ent der welt, spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1562., am 6. tage Maij.

Historia: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[195] Historia: Herzog Heinrich der löw

In der sechsischen chronica
findt man warhaft geschriben da,
als man zelet eilfhundert jar
und vierzig, als ein herzog war,
regiert zu Braunschweig in dem lant
herzog Heinrich, der löw genant,
ein streitbar fürst, sighaft und kön.
der het ein gmahel from und schön;
den doch künig Konrad vertrib,
das im nur sein haupstat belib;
der auf ein zeit wolt ziehen ab
hinein zu dem heiligen grab,
in das heilige lant hinein.
als er von dem gemahel sein
vor seim abscheid sein urlaub num
und befalch ir das fürstentum,
ein güldin ring von einandr schnit
und die fürstin vereret mit
dem halben, und das ander teil
behielt er im. mit glück und heil
mit seim hofgsint abreisen tet,
des er ein anzal bei im het.
und als er gen Venedig kam,
ein galeen er da annam;
darmit fur er hin auf dem mer.
am dritten tag begab sich ser
auf dem mer ein groß ungestum
mit sturmenwinden umb und um.
wie streng man an den rudern zug,
iedoch das ungwitter verschlug
das schiff dahin in schneller eil
mit gewalt etlich hundert meil
[196]
gem nidergang, hin über zwerg,
hin an den Adamantenberg,
daran dann stemt das klebermer,
darum kein schiff wirt ledig mer.
da waren sie in angst und not
und ruften allesamt zu got,
wan ir speis weret nicht ser lang,
das sie der bitter hunger zwang.
all tag ein greif geflogen kam,
der ein man aus dem schiffe nam,
den füret er hin in sein nest,
mit menschenfleisch sein junge mest.
solchem unglück hofft zu entrinnen
herzog Heinrich mit weisen sinnen;
der legt an sein stehlein gewant
und verschuf, das man in einbant
in ein roshaut und leget in
an des schiffs bort. da holet in
der greif im luft auf ein fels hoch,
sein junge mit zu speisen; doch
balt nun der greif wider abflug,
aus der roshaut er sich balt zug
und würgt die jungen greifen ab
und steig über das birg hinab
in ein wildnus, darinnen was
kein mensch, auch weder weg noch stras,
nur wilde tier, giftige würm,
der sach er vil grausamer fürm.
forchtsam er da in hunger was,
wurzel und kraut der herzog as,
und wilde frücht von baumens esten
die dauchten in süß und am besten;
im walt sucht er wider und für,
doch funt er keins menschen gespür;
[197]
des tet er sich ellent bedunken.
eins tags sach er vor einr spelunken
ein löwen kempfen mit eim drachen
gar freidig, doch het in den sachen
der drach mit seinem schwanz umbschlungen,
das der löw stunt in angst bezwungen.
des den fürsten erbarmen tet,
zog balt von leder an der stet
und dem drachen den hals abhib.
nach dem der löw beim fürsten blib
und bei im wonet tag und nacht,
auch etwan im zu eßen bracht
wilds obs und etlich kreuter gut,
und hielt den herzogen in hut
vor den tieren, und bei im wacht
so ganz freuntlich, zam und geschlacht,
sam ein gut freunt in allen dingen.
den der fürst nicht kont von im bringen,
und also in der wildnus war
bei im biß auf das sibent jar.
nun als der herzog hochgeborn
also lange zeit war verlorn,
kein botschaft man nie het vernommen,
wo er mit seim gsint wer hin kommen,
vermeint sein volk, er wer ertrunken,
in eim schiffbruch im mer versunken.
darob im lant war große klag.
die landschaft der fürstin anlag,
das sie wider heiraten tet,
auf das das lant ein herren het.
das also gschach und sich zutrug,
ein fürstlich hochzeit man anschlug;
nun als frü solt die hochzeit sein,
zu nacht der teufel da erschein
als ein langer rabschwarzer man
und zeiget da dem herzog an:
morgen wirt dein weib hochzeit halten,
mit eim andern der freuden walten;
[198]
wilt du aber sein eigen mein,
so bring ich dich die nacht hinein
gen Braunschweig, e wan kret der han.
der fürst sprach: ja, ich wil es tan,
wenn du mich und mein löwen mit
bringst, doch das ich erwache nit,
biß hin gen Braunschweig in die stat;
darmit beschloßen war der rat.
der teufel nam in samt dem leben
und fürt sie in dem lufte eben
den nechsten hin auf Braunschweig zu;
der fürst der schlief in stiller ru.
balt nun die mitternacht her gieng,
der löw zu lüen anefieng,
darum der herzog auferwacht.
des wurt der teufel ungeschlacht
und ließ den löwen fallen wider,
sezt auch den fürsten ungstüm nider
etwas von Braunschweig auf ein meil,
bei eim kloster; darein in eil
gieng der fürst samt dem seinen leben.
frü solt sich in der stat anheben;
darein gieng er in pilgrams kleit,
vermischt mit freud und herzenleit,
kam unerkant hin auf den sal,
darauf man hielt das hochzeitmal.
mit großem pracht man saß zu tisch,
het vergult wiltpret, vögl und fisch,
mit seitenspil und mit hofieren,
artlichem gesang und quintieren.
der fürst schickt den herolt vertraut
an tisch zu der fürstlichen braut
und ließ ir also sagen an:
es wer dort bei der tür ein man,
ein alter man, arm und ellent,
der begeret aus irer hent
[199]
einen trunk weins zu einem segen
von ires herzog Heinrichs wegen.
die fürstin mit weinen durchbrach,
in einer güldin scheur darnach
schickt sie dem fremden gast ein wein.
der trank und ließ fallen darein
das halbe fingerlein von golt,
begeret, das auch trinken solt
die fürstin von herrn Heinrichs wegen,
der wer auch noch nit tot gelegen.
als ir der herolt solches sagt,
da trank die fürstin unverzagt
und sach das halb goltfingerlein
in der scheuren ligen im wein;
das erkennts, das des fürsten was,
und es an ir halb ringlein mas,
stunt auf vom tisch in großer freut,
mit verwundrung aller hofleut,
und zu des sales tür hin gieng
und iren alten fürstn umbfieng
mit höchster freud, doch ungeret,
an seinem hals im weinen tet,
der gleich er auch. zu hant auffur
als hofgsint, und entpfangen wur
der fürst mit großer reverenz,
und setzten in zu tisch eilenz,
wan er der rechte breutgam was.
als man nun frölich trank und as
und von dem hochzeitmal gieng ab,
der fürst dem jungen breutgam gab
ein jungs freulein, sein töchterlein.
also wurden zwo hochzeit gmein
beider fürsten vierzehen tag,
da man aller schön kurzweil pflag
mit rennen, stechen und turnieren,
mit tanzen und mit banketieren,
[200]
weil man den fürsten wider het,
der darnach lang regieren tet.
der bhielt den löwen sein lebtag,
der zu tisch bei sein füßen lag,
und wo der fürst auch reit zu hof,
der löw allmal auch mit im lof;
zu nacht lag er vor der saltür
und wacht als ein wechter darfür.
der fürst auch bauen ließ ein stat,
Löwenburg die genennet hat
seinem treuen löwen zu ern,
sein gedechtnus darmit zu mern.
nach dem der alte fürste starb
und ein seliges ent erwarb,
und gar fürstlich begraben wart,
sein löw ganz schwach, trauriger art
sich leget auf des fürsten grab.
niemant kont bringen in herab,
und da zu lüen anefieng
für unde für kleglicher ding,
wolt auch nicht mer eßen und trinken,
vor herzleit tet in tot hinsinken.
derhalben nent man darnach eben
disen herzog Heinrich den leben,
dieweil sie heten beidesander
so herzlieb gehabt an einander,
in rechter treu biß an das ent
beider leben heten vollent.

Der beschluß

Diß ist zu gedechtnus beschriben
und uns zu eim exempel bliben:
weil der löw also on abscheu
so hoch vergalt des fürsten treu,
die er am drachen im bewies,
das er sein leben bei im lies
und nach seim tot mocht nit mer leben,
hat er uns ein schön beispiel geben.
[201]
vil mer sol ein vernünftig man
recht lieb und treu vergelten tan,
wo im geschicht aus treuem mut
ein treu an leib, er oder gut,
an freuntschaft, kindern oder weib,
das die nicht unvergolten bleib,
von dem sie im wirt zugemeßen,
sol er ewiglich nicht vergeßen;
wan es ist die undankbarkeit
ein grob laster, das unser zeit
doch get gewaltig in dem schwank.
die gegentreu ist schwach und krank
hie gleich wie auch jenseit des bachs,
das klagt auch zu Nürnberg Hans Sachs.

Anno salutis 1562., am 23. tag Maij.

Schwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Schwank: Von dem frommen adel

Als zu Frankfurt vor manchem jar
am Mein, der hauptstatte, da war
eins tags gehalten halsgericht
über gar ein jungen böswicht,
gar ein hurtigen reutersmon,
der war ein wolgestalt person,
von leibe schön, gerad und lang,
und het gar ein höflichen gang,
in der kleidung geschmuckt und sauber,
der war gewesen ein straßrauber,
über welchen Augspurg die stat
tausent gulden verbürget hat.
disem solt man den kopf abhauen,
ob welchem aber man und frauen
gar ser großes mitleiden het.
als man den verurteilen tet
[202]
und zu dem gericht füret aus,
bracht in für ein großes wirtshaus,
darin vil fremdes adels lag,
solten da machen ein vertrag
mit der frenkischen ritterschaft.
nun dise waren auch behaft
in mitleiden und mit erbarmen,
als sie sahen ausfürn den armen,
so guter höflicher gestalt
und doch kaum zweinzigjerig alt;
da dauret sie das junge blut,
wurden zu rat und wolgemut
giengen hin für den öbern rat,
und da auf demütigest hat
der adel angelegt ein bit
und vermeint, dem jungen darmit
beim öbern rat hult zu erwerben,
das er nit müß so ellent sterben,
sonder würt von dem schwert erret.
der öber rat da fragen tet:
ir lieben getreuen, sagt an,
wist ir, was der jung hat getan,
darumb er sol werden gericht?
der adel sprach: das wiß wir nicht,
allein reut uns die jung person,
umb den doch warlich iedermon
ein sonderlich mitleiden hat.
darauf antwort der öber rat:
ir lieben getreuen, so wist,
das der jung ein straßrauber ist,
welcher den kaufleutn aus vertrauen
etlich wegen hat aufgehauen,
sie gfangen und geschetzet hart
mit seiner rot auf dem Spessart,
und hat auch sonst vil schadens ton;
darumb wolt wir in richten lon.
weil ir aber so große bit
anlegt, wöll wir in richten nit,
[203]
sonder zu eren euch gemein
sol im das leben gschenket sein.
ganz quitledig all seiner bant,
iedoch sol er raumen das lant
und nimmermer kommen darein,
zu straf diser verhandlung sein.
als nun der adel an dem ort
vom öbern rat hört dise wort,
da sprachens gleich mit entsatzung:
wie? hat geraubet diser jung
die kaufleut schon auf dem Spessart,
und er ist doch nicht edler art?
das hab wir nicht gewust vorhin,
derhalb nur eilents mit im hin
und laßt im nur sein kopf abschlagen!
wolt der baurenknecht in den tagen
sich mit raub auf dem Spessart nern,
welches doch nur zustet mit ern
dem frommen adel aller masen,
den kaufleuten in busen blasen,
das im die gülden heraus stieben?
den die reisdienst gar hoch tunt lieben,
die bei in bleiben hin biß her
nur tapfer gute reutersmer.
darmit der from adel abschid
und war des urteils wol zu frid.

Der beschluß

Fro sollen des all kaufleut sein,
das alle straßen werden rein
in Franken, Beiern, Sachsen, Schwaben,
da selbst ist große achtung haben
der adel, das auf keiner straß
kein rauber mer auffragen laß,
[204]
er sei denn von adelsgeschlecht,
das zu der tat hab fug und recht;
derhalb ist iezt gut sicher wandlen
gen Frankfurt und Leipzig zu handlen,
dergleich durch all gebirg und tal,
das vor unsicher war zu mal.
wer iezunt durch den Spessart züg
und golt auf seinem haupte trüg,
man nem im nicht ein birenstil.
darauf so laß sich, wer da wil;
doch hüt er sich vor ungemachs
auf allen straßen, ret Hans Sachs.

Anno salutis 1562. am 3. tag Julij.

Fabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Fabel: Der vogel Cassita mit sein jungen

Doctor Sebastianus Brant
der macht ein fabel uns bekant
vom vogel Cassita mit namen;
der nistet in des treides samen,
darin junge aufziehen tet,
sein narung von der früchte het.
als zeit der ernte gieng herein,
und sich ferbet das treit gemein,
wolt diser vogel obgemelt
hinaus fliegen in weites felt
und ließ die jungen in dem nest
und befalch in aufs aller best,
aufzumerken an diser stet,
was da würt ghandelt und geret
dieweil biß das er wider kem.
also schiet er von in. nach dem
[205]
kam der bauer mit seinem son
und sprach: wir müßen schneiden lon,
das korn ist reif in beten allen;
sonst würt es zu dürr und ausfallen.
ge hin und unsern nachbaurn sag,
das sie kommen morgen vor tag
und uns einschneiden unser treid.
nach dem abschiden sie all beid.
des warn die jungen vögl forchtsam.
nach dem die alt geflogen kam,
die jungen sagten böse mer,
wie beim acker gewesen wer
der baur, seim son befolhen het,
das er sein nachbaurn brufen tet
auf morgen, abzuschneidn sein korn:
des sein wir hart bekümmert worn.
die alt sprach: lieben, förcht euch nicht,
das schneidn auf morgen nit geschicht.
des andern tages gleicher weis
flog sie aus, zu samlen die speis.
der baur mit seim son wider kam
und sprach: wie gar mit schand und scham
haben mich mein nachbaurn verlaßen,
den ich vil guts tet übermaßen!
drumb ge zu den blutfreunden mein,
die in dem nechsten dorfe sein,
sag zu in: komt auf morgen fru,
das man das korn einernten tu,
wan es ist zeitig überaus.
nach dem giengen sie beid zu haus.
die alt die kam geflogen wider
und ließ sich zu den jungen nider;
die sagten, was befolhen war
vom bauren seiner blutfreunt schar.
die mutter sprach: seit auch on sorgen,
die freunt kommen auch nit auf morgen,
das korn ein zu schneiden umbsunst,
wan schmal und ring ist lieb und gunst
[206]
bei blutfreunden, drumb seit zu ru.
nach dem des andern tages fru,
als die alt war ausfliegen nun,
kam der bauer mit seinem sun.
als er nun sach und het vernommen,
das seiner freunt war keiner kommen,
sprach: got gsegn euch freunt und nachbauren!
nu wil ich nit mer auf sie lauren,
weil mir das von in ist geschehen,
het beßers mich zu in versehen.
drumb bring du morgn zwo sichel her,
mir eine und dir die ander,
so wöll wir selbst schneiden das korn;
fremd hilf ist ungwiß und verlorn.
nach dem die alt hört an dem ort
von den jungen des bauren wort,
wie er seim sun befolhen het,
da sagt Cassita an der stet:
nun ist es warhaft große zeit,
mit unsrem nest zu fliehen weit;
weil der baur und sein sun beidsant
selber wöllen anlegen hant,
so wirt die sach gwiß gen von stat,
die sich vor lang verzogen hat
mit den blutfreunden und gesipten,
nachbaurn, verwanten und gelibten,
von welchen alln komt wenig gutz,
wo sie darbei nicht spüren nutz.
nach dem der vogel Cassita
nam sein nest, fürt es anders wa
mit seinen jungen, das sie eben
forthin möchten frei sicher leben.
des nechsten tages kame mit
seim sun der baur, sein ernt einschnit.

Der beschluß

Die fabel zeiget uns hie an,
das ganz fürsichtig sei ein man,
[207]
sein eigne sach selbert ausricht
und sich genzlich verlaße nicht
auf sein nachbauren und verwanten,
auf sein gsellen und wolbekanten,
auch nit auf sein angboren freunt,
die im mit sipschaft sint verzeunt;
der wort sint wol gut schmeichelhaft,
iedoch ganz on leben und kraft;
balt die darvon haben kein nutz,
vergeßen vor empfangen gutz,
ziehen hant ab, laßen den waten
in allm unglück, wie von den taten
saget das alt sprichwort: in not
gen der freunt zweinzig auf ein lot.
guter gselln und nachbaurn allein
gen wol achtzig auf ein quintlein.
derhalb ein man wol für sich sech;
wil er, das sein ding recht geschech,
so greif ers an, vollent selbst das
und sich auf keinen freunt verlas,
wil er, das sich aufmer und wachs
sein er und gut, wünscht im Hans Sachs.

Anno salutis 1562., am 2. tag Decembris.

Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)
[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat Leipzig

Als herzog Fridrich zu Sachsn lag,
der löblich fürst, auf eim lanttag
einsmals zu Leipzig in der stat,
da sich eins tags begeben hat,
[208]
das er anrichtet ein banket,
auf ein abent zu gaste het
die andren fürsten all zu mal,
und all sie aßen auf dem sal
und lebten da frölich und frisch.
als man aber aufhub die tisch,
da wart ein confect aufgesezt
zu einem schlaftrunk, da zulezt
die fürsten an zu reden fingen
von selzam wunderlichen dingen
hin und herwider in den landen,
was wunders eim wer zugestanden
bißher in seinem ganzen leben,
und was selzams sich het begeben,
und brachten vil sach auf die ban.
zuletzt da fieng Claus narr auch an,
den herzog Fridrich gar lieb het,
und ernstlich zu den fürsten ret:
ir herrn, vil dings wundert euch ser,
doch wundern mich drei ding vil mer,
die hie zu Leipzg sint in der stat,
die euer keinr gemeldet hat.
herzog Fridrich der sprach: mein Clas,
so fach an, laß uns hören das,
was dich so großes wunder hat
allhie zu Leipzig in der stat.
Das erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Das erste wunder

Claus narr fieng an, sprach: auf mein treu,
erstlich wundert das groß geben,
so die barfußer münich tan
in irem kloster, das sie han
bauet so köstlich außn und innen,
sam solt ein fürst selb wonen drinnen,
mit stuben, küchen, kellr und brunnen,
mit bad künstlich und wol besunnen.
[209]
das nimt mich heimlich großes wunder,
warmit sie doch bauen besunder,
dieweil sie ie kein gelt nicht han;
ir keiner rürt kein pfenning an,
solchs sie in ir profession
in gehorsam verlübet hon,
sich nur mit dem bettel zu neren.
was sie im kloster tun verzeren,
das muß der bettel als hertragen.
ir brüder auf die gart sie jagen
umb kes, eier, schmalz, fleisch und brot
und klagen ser vil hungers not.
derhalb mich großes wunder hat,
durch wen ir herlich bau aufgat;
und wenn mein Fritz ein bau wil fürn,
so muß er sein schatz weidlich rürn,
darmit er die werkleut bezal.
da wil nichts klecken überal;
schlegt er ein bau umb tausent an,
so muß er gwis zwei tausent han;
so vertrogen die werkleut sint,
machen mit gsehnden augen blint.
das nimt mich wunder überaus,
wie die münch mit in bauen haus,
weil sie han weder gelt noch pfant,
sint lauter bettler allesant;
das ist mir wunder über wunder.
Das ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Das ander wunder

Zum andern wundert mich besunder,
das hie zu Leipzg der predger orn
teglich verkaufet so vil korn,
das sie groß schetze samlen mit,
und ich hab doch kein münich nit
mein lebtag sehn gen acker farn,
schneiden noch dreschen bei mein jarn,
[210]
samlen doch große schetz daraus
und haben allesamt durchaus
in dem orden die armut gschworn
und sint nun all meineidig worn,
tun nichts den schlafen, freßn und saufen
und terminiern, im lant umb laufen,
im chor metten und vesper singen;
von wann sie so vil treits herbringen,
das kan ich gar nit ausgerechen,
vor wunder wil mein bauch aufbrechen,
wo das treit nemen die fauln laurn.
mein Fritz hat etlich tausent baurn
in seim fürstentum hindn und vorn,
die all bauen weiz, kern und korn,
dinkl und habern, wie tut gebüren,
und all ir gilt gen hof nein füren
von seinem lande umb und um,
und hat doch kaum ein solche sum
von seinen kesten zu verkaufen,
nach dem er speist des hofgsints haufen.
das nimt mich ewig großes wunder.
Das dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Das dritte wunder

Zum dritten wundert mich besunder,
das die Damaser münich glat
allhie zu Leipzig in der stat
schweren keuschheit, doch nicht dest minder
haben sie all vil kleiner kinder,
die man in aufzeucht allesant
in der stat und daus auf dem lant,
die all kommen von irem leib,
und hat doch ir keiner kein weib
genommen nie; drumb tu ich fragen:
habens die kinder selber tragen,
oder sints in irm garten gwachsen?
nun hat mein alter Fritz zu Sachsen
[211]
ein schön und wolgeborne frauen.
kan doch mit ir kein sun erbauen,
das er zum lant ein erben het.
wie das aber alles zuget,
ir herren, des berichtet mich,
wan ir vil gscheiter seit als ich,
bit ich euch summa summarum,
das ich meins wundern gar abkum.
Der beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Der beschluß

Die fürsten lachten diser schwenk
und waren darbei ingedenk,
das hin und wider im Teutschlant
die bettelorden allesant
mit irer gleißnerei umbzügen
und im bettel zusamen trügen
groß schetz durch mancherlei gespor,
das sies teten den fürsten vor
mit gebeu und wollust oblegen,
wiewol iezunt vor kurzen tegen
so ist der faulen münich haufen
mannicher spulen ler gelaufen,
das in der pracht im teutschen lant
verget, und wirt enger gespant
küchen und keller in alln dingen,
derhalb sie aus den klöstern springen,
sint unleidlich solchs ungemachs,
fliehen das kreuz, so spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1563., am 29. tag Januarij.

Schwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[212] Schwank: Der Heinz Unru

Es ligt ein dorf im Beierlant,
dasselbig Fünsing ist genant,
da saßen leppisch bauren drin.
nun war auch einer under in,
derselbig hieß der Heinz Unru,
der het zu hadern immerzu
mit seinen nachbaurn hindn und vorn,
stak vol ungedult, rach und zorn,
het gar ein eigensinning laun,
brach oft ein hader von eim zaun,
auf das er nur zu zanken het;
drumb iederman in fliehen tet,
hieß auch darumb der Heinz Unru,
das er vil haders richtet zu.
der het ein garten an seim haus,
darinnen het er überaus
weiß rüben und das kumpaskraut,
auch korn und habern darin baut,
vil kreuter und würz mancher art,
des er ser fleißig hüten wart.
eins tags kam im ein has darein,
der im darin das kolkraut sein
an eim ort abgefreßen het;
darob Heinz Unru zürnen tet.
nicht anderst schalt und fluchet er,
sam der ganz gart verderbet wer.
und als er den hasen ergucket,
im stadel er ein drischel zucket
und lof dem hasen grimmig nach,
zu würgen in zu grimmer rach.
der has aber war im zu glenk
und brauchet im lauf so vil renk,
[213]
das der bauer oft fallen was
und lag gestrecket in dem gras.
dem bauren tet gar we der spot
und schwur dem armen hasn den tot:
du ragenörlein, du must sterben,
kein man sol dir mein hult erwerben,
weil du mich so oft wirfst zu haufen.
ob ich dich gleich nit kan erlaufen,
schick ich dir doch ein übern hals,
der dich wol knicken kan nachmals!
und balt hin aus dem garten lof
zu dem pfleger in seinen hof.
vor dem zog er ab seinen hut,
ganz entrüst mit zornigem mut
klagt, ein has in verderben wolt,
vor dem er in beschützen solt
mit sein rüden, staubern und winden;
der has wer in seim garten hinden
und het im großen schaden gtan
an seim kolkraut. dem edelman
tet er ein simmer habrn versprechen,
wenn er in tet am hasen rechen,
von dem er wer beschedigt worn,
und het im auch den eid geschworn.
der edelman ob disen sachen
tet seiner großen torheit lachen
und balt auf seinen gaule saß
und sechs jaghunt mit füren was.
darmit kam in Heinz Unru garten,
dem hasen auf sein balg zu warten,
fieng an und blies sein jegerhorn
und sucht im garten hindn und vorn
disen armen ellenden hasen.
die hunt hin und her spüren wasen,
loffen umb mit bellen und schnauden;
in dem sprang aus einer hanfstauden
[214]
der has; balt in die hunt ersahen,
gschwint loffen sie im nach zu fahen;
der has lof in dem garten rumb
und schlug vil haken, schlem und krumb,
das keiner in ergreifen kunt.
das weret auf ein halbe stunt;
all winkl im garten durchaus mit
der pfleger auf seim ros nach rit
und schrier sein hunden tapfer zu,
die strichen nach on alle ru;
doch entlof in der hase jung,
entlich über den zaun naus sprung
und lof wider hinein gen walt.
der edelman der fordert balt
sein habern an den bauersmon,
den er verheißen het zu lon.
Heinz Unru sich des widern tet,
weil er im nit gefangen het
den hasen und bracht zu dem tot.
der edelman schwur im bei got,
er wolt sein stadl im zünden an,
drauf setzen im ein roten han.
Heinz Unru im den habern gab,
das er mit lieb sein köme ab,
das er nit weiter köm zu schaden,
darmit er vor war überladen.
der pfleger mit dem gaul und hunden
het im garten oben und unden
zertretn so in einr kleinen kürz
rüben, samen, kreuter und würz
und darzu auch habern und korn,
das war alles zertreten worn;
und wenn der has ein ganzes jar
in dem garten gewesen war,
het er nit so vil schadens tan
als mit seim jeit der edelman.
[215]
also het diser Heinz Unru
den schaden und den spot darzu.

Der beschluß

Also fint man noch manchen man,
der gar glat nichtsen leiden kan;
ob es schon ist der red nicht wert,
er sich doch des so hart beschwert,
wil gar nichts laßen ungerochen
mit gronen, schelten, fluchn und pochen.
sicht einer in nur sauer an,
er kans nit ungerochen lan;
alle ding tut er widerfechten,
auch vor gericht zanken und rechten.
dieweil gar nichts kan leiden er,
wagt er sich oft in groß gefer
und get oft nach eim eher, glaub,
verzett darob ein ganzen schaub
durch seinen bösen laun und trutz;
richter und schergn haben den nutz.
wer aller rachsal nach tut gen,
der macht aus einem schaden zwen;
wer abr ist ein gedultig man,
der überhörn und sehen kan,
hüt sich vor unnützen gezenken,
der selb tut eisern tür anhenken,
entget dardurch vil ungemachs,
sagt das alt sprichwort und Hans Sachs.

Anno salutis 1563., am 11. tag Maij.

Schwank: Die verkert tischzuchtSchwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[216] Schwank: Die verkert tischzucht

Es beschreibet Grobianus
in seinem buch Dildappibus,
im drittn capitl Stulticia
seinen schulern und spricht allda:
hör, mensch, wen du zu gast wilt eßen,
wasch dein hent nicht, e du bist gseßen,
sint dein feust gleich des unlust vol,
lang negel zimen dir auch wol,
und setz am tisch dich oben an,
setzt gleich der wirt dich nicht hinan,
des benedicite auch vergiß,
sonder zuck den löffel und iß
und greif hinein vor andern alten;
tu dich grob und ölperisch halten,
am tisch schnaude und seuisch schmatz,
mit ungestüm nach dem brot platz,
ein becher zwen umbstoßen tust,
denn schneid das brot an deiner brust,
das gschnitten brot oder den weck
fein mit der linken hant bedeck,
auf das kein schnitten dir entlauf,
oder mans zel und merk dir drauf.
brock darnach mit den zenen ein,
und greif nicht für dein ort allein,
sonder, sichst vor dem nechsten dort,
der sitzet an eim andren ort,
etwas ligen, des du lust hast,
so denk, ich bin doch auch ein gast,
tu schnell das schleckerbißlein zwacken
und spül mit der zungen dein backen.
[217]
tregt man ein eingebicktes her,
des brü vol würz und zuckers wer,
so nem den löffel allmal vol;
wenn du dich gleich treifst, es stet wol,
das es gleich auf das tischtuch rin,
nimts doch das waßer alles hin.
nach ander speis greif wider her,
e dir dein munt sei worden ler,
als wöll die schüßel dir entlaufen.
scheub brocken ein mit großem haufen;
mit vollem munt red, sei gefreßig,
sprü umb dich, halt dich gar unmeßig,
der lezt ob der speis sei am tisch,
zerbrich das fleisch und schneid die fisch.
kleine fischlein auch schmecken wol,
der nim auch große schnitten vol,
wan sie sint klein, nim ir dest mer,
darmit erlangst du rum und er.
keu mit dem munde unverschloßen,
schnarch durch die nasen gleich den rossen,
und schlag dein zungen aus dem munt
eben gleich eim fleischhackerhunt,
und leck dich umb das maul herum,
das dir nichts zu unnütz hin kum,
und tu geizig dein eßen schlinken;
wisch dein maul nit, wenn du wilt trinken,
ob du gleich schmalzig machst den wein.
trink weidlich, wenn du gleich hust drein,
so trinks gar aus, tu darzu kreisten,
ein grölzer drauf zimt dir zum meisten.
das ist gesunt und schadt dir nicht.
auf iederman wirf dein gesicht,
merk auf sein trinken und sein eßen.
wer dir zunechst am tisch ist gseßen,
den irr und ruck stet mit der benk;
ob du gleich machest ein gestenk,
[218]
das dir etwas unden entfar,
denk, es ist nur farende war.
dein füß laß underm tisch umgampern,
und sei der erst mit allen schampern
worten, glechter und phantasei,
treib nachred, zank und bulerei.
an dem tisch solt du dich oft schneuzen,
tut gleich den gesten vor dir scheuzen;
magst auch umbzausen in der nasen,
des zenstürens darfst dich nit maßen;
auch magst dich in dem kopf wol krauen,
das hemt auftun, in busen schauen
und hinein nach dem wiltpret fischen,
magst das maul wol ans tischtuch wischen.
ist man denn lang zu tisch geseßen,
das du vol bist von trinkn und eßen,
so leg dich auf mit beidn elbogen,
lein dich an und sei nicht geschmogen,
oder leg dein kopf in dein hent
und spreiz dich hinden an die went,
biß das mal hat seinen ausgang;
dann sag got weder lob noch dank.
wenn man dann hebt das tischtuch auf,
sezt darnach ein hantwaßer drauf,
wolschmeckend mit kreuter und würzen,
so tu beid hent ungstüm drein stürzen
und besprütz all, die herumb sitzen;
denn spricht iederman wol dein witzen
und helt dich für ein ordensman
in dem kloster sant Grobian,
drin man lert weder scham noch zucht,
der auch kein mensch mer bei dir sucht.
doch bleibet dir fürhin das lob,
du seist unverstanden und grob,
on alle gut sitten und tugent;
so bleibst ins alter von deinr jugent
[219]
samt deinen brüdern jenseits bachs
sant Grobians, so spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1563., am 15. tag Junij.

Schwank: Eulenspiegel mit seinem heiltumSchwank: Die verkert tischzuchtSchwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Schwank: Eulenspiegel mit seinem heiltum

Als Eulenspiegel durch vil lant
mit seiner schalkheit war bekant,
in Hessen, Türingn, Meissn und Sachsen,
am Harz, in sesteten unglachsen,
Beiern, Schwaben, Franken, Reinstrom,
in Behmen und Welschlant zu Rom,
da er sich mancher schalkheit fliß
und vil selzamer zoten riß
durch seine abgeribne tück,
oft unverschemte bubenstück,
darmit einfeltig leut beschwert,
das man seins scherz nit mer begert;
derhalb nicht mer het guten platz,
wo er hin kam mit seinem fatz.
im wurdn verboten etlich flecken;
des Eulenspiegel tet erschrecken,
als er verlor günstigen trauen,
fort nicht mer dorft all flecken bauen,
zulezt er im ein list aussan,
ein andre sach zu greifen an
zu seim betrug, und auf einmal
aus einem totenkerker stal
ein totenkopf, den er allein
mit weng silbers ließ faßen ein,
[220]
sam der totnkopf ein heiltum wer.
eim pfaffen gleich sich kleidet er,
gleich eim stationierer reit
mit seinem heiltum sommerszeit
herumher in dem Pommerlant,
darin er vor war unbekant.
allda west er, wie bei sein jarn
die pfaffen seicht geleret warn,
die selten vil studieret heten,
nur schlemmerei anhenken teten,
in der biertafern war in wol,
tag unde nacht fast waren vol.
den kunt er mit seinr schalkheit kunst
balt machen einen blauen dunst,
das sie gelaubten seinen worten,
wo er hinkam an allen orten.
wo er auf ein dorfkirchweih kam,
so richt er zu sein ablaßkram
und den dorfpfaffen zu im num
und verhieß im die halben sum
von dem opfergelt gar gewiß,
das er in in die kirchen liß,
und lich im seinen chorrock an,
dem baurengsint ein predig tan
von sanct Stolprianus legent,
zeigt im sein heiltum an dem ent.
der pfaff des wol zufriden war;
denn stunt er an dem choraltar,
das bauersvolk stunt umb in runt.
wenn man zu predig leuten gunt,
so fieng denn Eulenspiegel an
sein predig von sanct Stolprian;
darmit war er gar schwint und runt
und in das heiltum zeigen gunt,
sprach: schaut, ir frauen und ir man,
das haupt vom heiling Stolprian,
[221]
welches ich hab zu Rom genommen,
bin mit zu euer lieb herkommen,
das ir andechtig man und frauen
das heilig haupt auch mögt anschauen.
dem samel ich zu eim gotshaus,
darzu gebt eure steuer aus
und nemt vom liebn heilign den lon,
der wirts vergelten, wo er kon,
euch schaf, kelber, hüner und gens
bhüten, das sie kein wolf hin dens,
es sei denn er selber darbei;
des hab ich brief und sigel frei.
ir menner, steuret zu der sum,
ir seit geleich bös oder frum,
erlich, unerlich, arm odr reich,
gilt mir eur opfer als geleich.
ir weiber abr opfert allein
von gutem gelt sauber und rein
nur from junkfrauen und efrauen;
wo sich abr eine het verhauen,
wer bulrin odr ebrecherin,
derselbn opfer nem ich nit hin,
die bleib an irer stat still sten,
tu bei leib nit zu opfer gen,
ir opfer ich nit verantwortn kan
bei dem heiligen Stolprian.
als solchs hörten die beuerin,
traten sie schnell zum opfer hin;
welche schon ein ebrechrin was,
die opfert im nur dester baß,
ein mal zwei drei zu opfer gieng,
manche zug ab ein silbern ring
vom finger und den opfern tet,
wenn sie kein pfenning bei ir het,
auf das man sie nur opfern sech,
sie darnach from und erlich sprech.
derhalb wart von der weiber meng
zu dem opfer ein groß gedreng,
[222]
wan welche het geopfert nicht,
die het man übel ausgericht,
sam wer sie irer er nit frum.
Eulenspiegel mit seim heiltum
alda in seinem chorrock stan
und nam die opfer alle an
von den frommen und von den bösen,
gnad und ablaß von im zu lösen.
von welcher er das opfer num,
der gab er zu küssn das heiltum,
sezt ir auch auf den totenkopf,
der klappert wie ein alter topf.
also der Eulenspiegel frum
mit seim schalkhaftigen heiltum
bracht ser vil gutes gelts zu wegen.
nach dem da sprach er in den segen
und ließ sie alle gen zu haus.
darmit war sein opferdienst aus,
darvon er sich mit got und eren
und sonst auch wie vorhin was neren
in Pommern mit seiner schalkheit.

Der beschluß

Ich glaub, wenn iezt zu unser zeit
auch Eulenspiegel zu uns kem
mit seim heiltum, das er einnem
auch opfergelts ein große sum,
darmit sich manch weib machet frum,
so sie im brecht ir opfer her,
obs gleich sonst mü und arbeit wer
mit irer ere, scham und zucht,
iedoch mit dem sie het ausflucht,
tet e ein pfenning daran wagen,
das man nichts args von ir dörft sagen,
daraus ir er folgt ungemachs;
denn wers from wie vor, spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1563., am 12. tage Augusti.

Fabel: Der faul bauer mit sein hundenSchwank: Eulenspiegel mit seinem heiltumSchwank: Die verkert tischzuchtSchwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[223] Fabel: Der faul bauer mit sein hunden

Doctor Sebastianus Brant
ein fabel schreibet mit verstant,
wie das auf einem dorfe sas
ein baur, der faul und gfreßig was,
welchem sein vatter war gestorben,
von dem het er sein hof erworben,
darin von treit ein vorrat het,
das er balt gen mark füren tet
und verkaufet das kurzer tag.
mit dem gelt in der stat drin lag,
in dem wirteshaus bei dem wein,
het gar kein achtung auf das sein
und saget oft: was sol ich sorgen,
ich hab gnug, sterb heut oder morgen,
wan ich weiß gewis und fürwar,
wenn ich noch lebet hundert jar,
so hab ich hundert jar zu eßen.
solcher wort trib er vil vermeßen,
ie feuler und heilloser wur.
forthin nicht mer gen acker fur
den ganzen herbst, auch seet nit.
als es hinaus kam an den schnit,
das sein nachbaurn in dorfgemein
schnitten und fürten koren ein
und samleten ir kesten vol,
zu zeren mit ornlich und wol;
aber der faule bauersman
der het im sommer nichtsen tan,
den sein vetterlich erb an worn,
het gebaut weder weiz noch korn;
als der winter kam nach den sachen,
het er kein treit, im brot zu bachen.
[224]
als nun der hunger in anfacht,
er im ein losen fürschlag macht,
stach darnider das weidvich sein,
schaf, rinder, böck, geiß und die schwein,
eins nach dem andern solcher maß,
sie sut und briet, darnach sie fraß.
nach dem er auch darnider schlug
die ochsen, so vor in dem pflug
zugen, und die einsalzen was
und einen nach dem andern fraß.
als solichs sahen seine hunt,
da hettens ein gesprech gar runt,
sprachen: schaut, der faul bauersman,
so er sein erbteil hat vertan,
hat er sein weidvich abgestochen,
leßt das sieden, braten und kochen,
hat das gefreßen aus dem salz,
von den er het kes, milch und schmalz,
die im vil nutz haben getragen,
das hat er als in wint geschlagen.
nach dem sein ochsen nider schlug,
welche im zugen in dem pflug,
darmit mocht bauen weiz und korn,
haben all ir treu dienst verlorn,
die frißt er auch in seinen hals.
wenn ers hat aufgfreßen nachmals,
so hat er ie nichts mer im haus
zu freßen, so wirt er voraus
auch freßen uns zwen arme hunt,
wo wir im nicht entlaufen tunt,
uns suchen einen andern hern;
drumb wöll wir laufen in die fern,
das wir vom faulen baurn vermeßen
nicht werden gmetzget und gefreßen.
darmit loffen beid hunt darvon,
verließn den faulen bauersmon.

[225] Der beschluß

Aus diser fabel sol verstan
noch heut zu tag ein junger man,
dem auch etwan ein erb zustet,
darvon er gute steuer het,
ornlich zu leben spat und fru,
iedoch das er auch tu darzu
sein arbeit oder seinen handel
und füren ein erlichen wandel
als ein biderman nach seim stant;
wenn er aber nimt an die hant
ein lesterlich faulenzeut leben
und sich gar darein tut ergeben
auf füllerei, hurweis und spil,
helt darin weder maß noch zil,
wart seins handels gar nicht darbei,
dem verschwindt aus sein henden frei
sein gütlich und tut von im wandren,
denn verkauft er eins nach dem andren
umb halbes gelt und wie er kon;
möcht sich doch neren wol darvon,
wenn er nicht wer so treg und faul,
het nicht ein so vernaschtes maul.
als denn er seine wolbekanten
freunt, gesellen und wolverwanten
tückischer weis denn tut ansetzen,
mit lehen und bürgschaft zu letzen,
die im vor habn vil gutes ton,
der keines tut er denn verschon,
helt den doch weder zeit noch frist,
glauben und traun verloren ist;
als denn zu grunt sein handel gat,
denn stet wüst und öd sein werkstat.
erst komt die armut im zu haus
wie ein starker ries überaus,
denn muß am hungertuch er neen
knecht und meit tunt sich denn ausdreen,
[226]
weil mangel ist an speis und brot;
im haus ist nichts den angst und not.
das hat im der jung faule man
nur selber gar mutwillig tan,
das in unfal als ungemachs
sein lebtag reit, so spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1563., am 24. tage Septembris.

Schwank: Der bauer mit dem bodenlosen sackFabel: Der faul bauer mit sein hundenSchwank: Eulenspiegel mit seinem heiltumSchwank: Die verkert tischzuchtSchwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Schwank: Der bauer mit dem bodenlosen sack

Ein bauer saß im Oberlant,
dem die armut tet we und ant,
sagt: es hat mich als glück verschworn,
mir hat umbgschlagen weiz und korn,
linsen, erbeiß, ruben und kraut
und als, was ich diß jar hab baut,
auch sint zwo mastseu mir gestorben,
und ein kalb im brunnen verdorben,
darzu ein ros worden gestoln.
ich weiß mich nit mer zu erholn
des schadens, das mein gilt ich zal,
die gfordert ist zum dritten mal,
ich fürcht den schultturen alwegen,
darin ich vor bin drei mal glegen;
steck sonst auch in ser großer schult,
des reitet mich groß ungedult;
ich glaub, wenn iezt der teufel kem,
mir gelt brächt, das ichs von im nem
und wer darnach ewiglich sein.
in dem kam der teufel hinein,
sprach: bauer, ich hab ghört dein klag,
mit gelt ich dir wol helfen mag,
doch das du darnach seiest mein.
der bauer sprach: ja, das sol sein,
[227]
wenn du mir gibest gelts genug.
du möchtst abr treiben ein betrug,
sprach der teufel, sag mir vor an,
wie vil geltes must du denn han,
das du des geltes genug hetest?
der bauer sprach: wenn du mir tetest
gleich eben disen malsack vol,
daran sol mich benügen wol;
denn sol dein sein mein leib und leben.
der teufel sprach: den wil ich geben,
daran soltu haben kein zadel,
setz dich heint zöberst auf dein stadel
mit deinem sack, so wil ich kummen
und dir bringen des geltes summen;
doch sag im dorf sonst nichts darvon,
das gelt nem sonst der edelmon.
die sach war schlecht, der teufl fur hin,
der bauer dacht in seinem sin:
wie greif ichs an, das ich gelt nem
und aus mein großen schulden kem,
doch nicht verlör der selen heil
und dem teufel nicht würt zu teil?
ich weiß ein rank, wil den bekennen,
wil den sack am boden auftrennen
und wiln in dem dachstadel hoch
hinein henken durch das firstloch,
was der drein schütt von gelde allen,
wirt unden durch den sack ausfallen,
herab hoch in den stadel innen,
das dem teufel muß gelts zerrinnen,
e er mir fült disen malsack;
und wenn mir fort get mein fürschlag,
so überkom ich groß reichtum,
wirt doch des teufels nit darum.
tet also bei des mones glitzen
oben auf den stadelfirst sitzen,
[228]
sein bodenlosen sack mit zoch
und hieng in nein zu dem firstloch.
der teufel sich gen Frankfurt hub
und ein keßel mit gelt ausgrub,
den ein altr jud eingraben het,
und den mit im hinfüren tet
zum bauren auf den stadel sein,
schütt das gelt in den sack hinein.
das fiel alles unden durch aus.
der teufel hindr eins bauren haus
auch ein hafen mit gelt ausgrub
und den mit großer eil erhub,
den ein beurin eingraben het,
den auch in den sack schütten tet.
nach dem begrif den sack gar wol,
ob er nicht wer mit gelt schier vol,
da grif er entlich an der stet,
das der sack keinen boden het,
sprach: bauer, du hast mich betrogen,
das helmlein durch das maul gezogen,
weil dein sack hat kein boden nicht;
was ich nein schütt, das felt gericht
unden durch aus nab in den stadel.
ich würt haben mangel und zadel
an allen schetzen diser welt
und an allem eingrabnen gelt,
e ich dir füllet deinen sack.
der bauer diser red erschrack
und furcht des teufels grimmen zorn.
derselb auch fieng an zu rumorn
und den bauren grimmig anplatzt,
sein hals und sein angsicht zerkratzt
mit sein spitzigen klaen scharf,
beim har in nab vom stadel warf.
der teufl fur hin in zoren grim
und ließ ein wüsten gstank hindr im;
[229]
der bauer lag, war gfallen hart,
das er sein lebtag hinkent wart.
auffur der bauer obgemelt
und klaubt im stadel zam das gelt
und legt das in sein haberkasten
und dacht: erst wil ich frölich masten,
und ob ich gleich bin hinkent schon,
bin ich doch iezt ein reicher mon,
und hat ein ent mein ungedult,
nun kan ich zalen all mein schult,
kan sitzen auch bei külem wein,
da ander reich bauren auch sein;
nun wirt ich auch zogen herfür,
darf nicht sitzen hinder der tür.
also er aller kurzweil wielt
und ein fröliche fasnacht hielt
mit seinem schatz im haberkasten;
und als es nun war nach mitfasten,
wart der bauer seim pfarer beichten,
sein herz von sünden zu erleichten,
die handlung mit dem teufel melt
und von seinem zubrachten gelt
und dem sack, der kein boden het.
der pfarer dem nachdenken tet
und brauchet einen schwinden list,
sprach: bauer, wiltu zu der frist,
das ich von sünt dich absolvier,
so mustu zu lon geben mir
disen dein bodenlosen sack.
der bauer diser red erschrack,
sprach: herr, ich hab den sack erstritten
und ser vil unglücks drob erlitten,
den sack ich nicht geren verlir.
der pfarer der sprach: es zimt mir
der sack und ist auch eben recht
uns, dem ganz geistlichen geschlecht,
das wir darein samleten gelt
und alle güter diser welt,
[230]
auf das er dennoch nit würt vol,
drumb zimet uns der sack gleich wol.
der bauer sprach: so nemt in hin,
sagt, wie lang wolt ir bhalten in?
ich denk, es werd in kurzer zeit
euch den nemen die obrigkeit,
auf das ir schatz sich mer und wachs
zu gmeinem nutz, so spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1563., am 5. tag Octobris.

Historia: Ein wunderbarlich gesicht keiser MaximilianiSchwank: Der bauer mit dem bodenlosen sackFabel: Der faul bauer mit sein hundenSchwank: Eulenspiegel mit seinem heiltumSchwank: Die verkert tischzuchtSchwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Historia: Ein wunderbarlich gesicht keiser Maximiliani löblicher gedechtnus von einem nigromanten

Als keiser Maximilian,
der großmechtig und teure man
löblicher gedechtnus, regiert,
das ganz römisch reich guberniert,
het er sonderlich lieb und gunst
zu allerlei sinreicher kunst,
tet auch kein kost, mü und fleiß sparn,
artliche künste zu erfarn,
het auch mancherlei kunst verstant,
die er auch übt mit munt und hant;
darauf het er vil größer acht,
den sonst auf allen pomp und pracht;
hielt kunst und weisheit für ein schatz.
derhalb hetten auch bei im platz
allerlei künstner, so hin kamen
gen hof mit was titel und namen,
[231]
die hetten all futter und mal
zu hof im keiserlichen sal.
eins tags dem keiser obgenant
auch gen hof kam ein nigromant,
ein schwarzkünstner, der sich anzeiget
dem keiser, der im wurt geneiget,
wie er im künt herbringen ton
drei geist drei namhafter person,
ob die geleich vor langen jarn
mit tode abgeschiden warn,
mit aller form, gstalt und geberden,
wie sie hetten gelebt auf erden,
im die künt under augen stellen,
welche er wolt, solt er her zelen.
der keiser ob der kunst het wunder
und auserwelet im besunder
dise drei namhaftig person
mit nam, zeigt im erstlichen on
Hector von Troia, des küngs son,
Priami, solt er bringen ton
in all seinen armis und wer,
wie er im troianischen her
verwalten het die hauptmanschaft
in küner, teuer heldes kraft,
den Achilles auch het erschlagen.
die andr person tet er ansagen,
die schönen küngin Helena
her aus Lacedemonia,
des künigs Menelai weib,
die aller schönest frau von leib,
die im Paris, des künigs sun,
von Troia het entfüren tun;
in all irem geschmuck und zier,
höflichkeit und geberden ir
solt er sie bringen aller gstalt,
wie man sie beschreibet und malt.
und zu dem dritten solt er da
bringen die fürstin Maria,
sein gmahel, die durchleuchting frauen,
die wolt er herzlich geren schauen,
[232]
herzog Karls tochter von Burgunt,
welche vor kurzer tag und stunt
durch unfal am gejeit vor allen
war von eim pfert zu tot gefallen.
wo er die person überzelt
durch sein kunst im persönlich stelt,
doch iederman genzlich on schaden,
so wolt er sein denken in gnaden
von wegen seiner schönen kunst
mit schenk und ander woltat sunst.
der nigromant im antwort gab:
ja, ich wils tun, doch merkt vorab,
der geist bring ich euch allesander,
iedoch ornlichen nach einander,
und wenn ir eins gnug habt geschaut,
so stopft mit einem finger laut
auf den tisch, so wirt der geist weichen,
aus dem kreiß zu der tür ausschleichen;
iedoch sol eur gnad an dem ort
stil sitzen und reden kein wort;
wo ir ein wort darunder ret,
ir unglück uns beid bringen tet.
das bwilligt der keiser zu tan.
nach dem der nigromant fieng an,
macht ein weiten kreiß in dem sal
mit bloßem schwert, darein zu mal
macht vil charakter, kreuz und zeichen
und tet sein beschwerung heimleichen.
geschwint trat in den kreiß hinein
Hector von Troi, der helt allein,
ganz ernstlich und trutziger gstalt,
starker glidmaß, doch nit zu alt,
ungleicher augn, ein herlich man;
der het ein stehlen panzer an,
ein sturmhut auf dem haupte sein,
mit golt ein gwechs geschmelzt darein,
[233]
am hals hieng im ein breiter schilt,
darin von golt ein löw gebilt,
trug ein mortaxt in seiner hent,
vol scharpfer spitzen aller ent,
welche all noch tropften von blut,
und als sam mit frech künem mut
in dem kreiß vor dem keiser stan.
der wurt zum teil entsetzt darvan,
doch als er sein recht gnug gesach,
da stopft er auf den tisch darnach;
zu hant der geist wich aus dem sal
mit tapfern schritten ab zu tal.
bald trat nach dem in sal hinein
Helena, die schön künigein,
in einem schönen güldin stück,
het umb ir haupt köstlich geschmück
von golt, perlein und edlem gstein,
güldin ketten und halsbant rein.
ir angsicht und alle glidmas
so adelich gebildet was,
sam wers abgestigen von himeln,
ein gürtel von klingenden zimeln
der het umbfangen iren leib,
in summa das aller schönst weib,
freuntlicher, holdseliger gstalt,
geiler art, doch der jar nit alt,
ir euglein zwinzerten von fern,
geleich dem hellen morgenstern;
zwischn augbraen het sie ein meslein,
ein roten munt, ein kleines neslein,
stunt also höflich wolgetan
und sach den keiser frölich an.
der saß in heimlich großem wunder
und beschaut sie mit fleiß besunder
von den füßen biß an das haubet,
entlich zu weichen ir erlaubet;
zu hant sie aus dem kreiß tet prangen.
nachdem kam sitlich eingegangen
[234]
Maria, sein fürstliche gmahel,
der lieb und treu war fest wie stahel,
trat züchtiglich zu sein genaden,
bekleidt, wie sie het gnommen schaden,
in eim blauen rock angetan,
demütig vor dem keiser stan,
in aller gstalt, weis und geber,
als ob sie noch im leben wer,
ganz sitsam, tugentreicher art,
doch sam traurig betrübet hart,
und den keiser senlich anblicket,
dardurch im keiser sie erquicket
sein brünstig lieb, die vor den tagen
er ir het herziglich getragen;
und die lieb tet sein herz vergwalten
und mocht sich lenger nit enthalten,
fur auf mit herzlichem verlangen
und wolt mit armen sie umbfangen,
und schrei gar laut: das ist die recht,
von der mein herz all freud empfecht!
in dem der geist balt schwint und runt
mit eim greusch aus dem kreiß verschwunt,
mit eim dampf und lautem gebrümmel;
auch wurt vor dem sal ein getümmel,
des der keiser erschrak zu hant.
zu dem saget der nigromant:
eur gnad solt uns mit dergleich dingen
all beid umb unser hels wol bringen,
eur gnad weiß, das ich solchs verbot.
die lieb ist gleich stark wie der tot,
sagt der keiser, die nöt mich ie,
anzureden die liebst allhie,
so ich ie het auf diser ert,
welche ist aller eren wert.
nach dem zu dank mit reicher gab
fertigt den nigromanten ab,
[235]
der im das wunderbar gesicht
zu Insbruck hette zugericht,
wie solchs vor sechs und vierzig jarn
von seinr gnad hofgsint hab erfarn
zu Wels, weil ich noch ledig was,
das mir warhaft anzeiget das.
dem und uns allen wöll got geben
nach disem zergenglichen leben,
das uns ewige freud aufwachs
im himlischen hof, wünscht Hans Sachs.

Anno salutis 1563., am 12. tag Octobris.

Schwank: Der verlogen knecht mit dem großen fuchsHistoria: Ein wunderbarlich gesicht keiser MaximilianiSchwank: Der bauer mit dem bodenlosen sackFabel: Der faul bauer mit sein hundenSchwank: Eulenspiegel mit seinem heiltumSchwank: Die verkert tischzuchtSchwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Schwank: Der verlogen knecht mit dem großen fuchs

Ein edelman in Schwabenlant,
des gschlecht und nam hie ungenant,
ein frommer man, weis und gerecht,
der het ein verlognen reitknecht,
rumredig mit gschwülstigen worten,
die lant durchloffen an vil orten,
het auch, wie ein alt sprichwort sagt,
ein hunt durch das Welschlant gejagt;
darvon tet er groß wunder jehen,
wie er het diß und jens gesehen,
darvon groß brocken er narriert,
und log, sam wer ims maul geschmiert.
sein junkher war ein weltweis man,
tet sein rumredig lüg verstan,
sagt oft spotweis: wie mag das sein?
so schwur der knecht denn stein und bein,
[236]
solichs und solches wer geschehen,
er hets mit sein augen gesehen;
doch wurt er oft mit worten gfangen,
das er blib in der lug behangen.
darnach der knecht nichts fragen tet,
weil er der lug gewonet het,
doch war er sonst diensthaft durchaus.
eins tages frü ritten sie aus,
da sach der junkher in dem walt
dort laufen einen fuchsen alt
und sprach: schau, schau, ein großer fuchs!
der knecht sach den und antwort flugs:
junkher, habt ir ob dem fuchs wunder?
ich bin gwest in eim lant besunder,
darinnen die füchs so groß sint
als in unserm lant ochsn und rint.
der junkher sprach: da sint auf glauben
gut futtern die röck und die schauben,
wenn man im lant ein kürsner fünt,
der die belg wol bereiten künt.
da nun der red geschwigen wart,
der edelman erseufzet hart
und sprach: herr got, ste uns heut bei
auf diser straß, darmit wir frei
beleiben vor allerlei lügen,
auf das wir sicher kommen mügen
durch das waßer mit unserm leben,
und tu uns heut gut herberg geben.
der knecht sprach: junkher, saget frei,
wo das groß ungstüm waßer sei,
vor dem ir euch gesegnet schlecht?
der junkher sprach: hör, lieber knecht,
ein groß waßer fleußt dort von weiten,
dardurch so müßen wir heut reiten,
das hat die kraft, welicher man
denselben tag ein lug hat tan,
der muß in dem waßer ertrinken,
verderben und zu boden sinken.
[237]
der knecht erschrak ob disen worten,
und als sie ritten an den orten,
kamen sie an ein großen bach.
der knecht zu dem junkheren sprach:
o junkher, sagt, ist das der fluß,
drin ein lügner ertrinken muß?
da sagt durch list der edelmon:
nein, wir sint noch gar ferr darvon.
der knecht sprach: herr, darumb ich frag,
auf das ich euch die warheit sag,
ich het mich heut weit überdacht
und meinen fuchs zu groß gemacht,
er war nur so groß seiner höch
als von einem hirschen das rech.
der junkher sprach: ich bin sorglos,
der fuchs sei gwest klein oder groß;
merkt wol des knechts heimlich grisgramen.
nach dem sie an ein waßer kamen,
da sprach der knecht: junkher, ists das
waßer, so tregt dem lügner haß?
der herr sprach: nein, das ists auch nicht.
darauf der knecht sprach: nemt bericht
des fuchsen heut noch meinenthalb,
der war nit größer den ein kalb,
auf das im waßer ich beste.
der junkher sprach: ich frag nit me
nach deim fuchs, sei groß oder klein.
nach dem kamens sie beid gemein
an ein waßer, da der knecht fragt:
ist diß das waßr, darvon ir sagt
heut frü, drin die lügner ertrenken?
so ich des fuchs tu recht bedenken,
ist er nicht größer gwesen sider,
den bei uns hie ist ein schafwider.
der junkher sprach: das waßr ists nicht.
nach dem zu vesperzeit gericht
[238]
kamen sie an ein waßer, floß
gar schnell mit wellen breit und groß.
der knecht fragt, obs das waßer wer,
darvon frü het gesaget er.
der junkher sprach: das ist das recht.
ob dem waßer erschrak der knecht,
weil er sach weder bruck noch schif;
der angstschweiß übr sein angsicht lif,
zittert beide an füß und henden.
als sie zum waßer teten lenden,
da saget der verlogen knecht:
mein lug muß ich bekennen schlecht,
der fuchs, den ich so groß bescheit,
der war nicht größer auf mein eit
dan der heutige fuchse alt,
den wir frü sahen in dem walt.
des schwanks lachet der junkher ser
und sprach zu seinem knecht: so schwer
ich dir, das dises waßer pur
hat kein ander kraft und natur
als andre waßer in der nehen,
die wir vor haben heut gesehen.
darmit nam ir gesprech ein ent,
schwemmten übers waßer behent.

Der beschluß

Bei disem schwank verstet man wol,
ein mensch mit fleiß sich hüten sol
vor lügen, es ist ein groß schant,
wan welch mensch des lügens gewant
und het ein ungehebe zungen,
wirt oft zu widerrufen zwungen,
das er an der lügen bestet
und schamrot mit spot darvon get.
[239]
wer alles sagt, was im einfelt,
von dem niemant gar nichtsen helt,
ist er gleich sonst mechtig und reich,
gwaltig, edel oder dergleich,
und wenn in gleich got mit der zeit
etwan beret mit einr warheit,
so tut man im doch nit gelauben.
also tut sich der mensch berauben
durch sein lüg aller wird und er,
das man auf in helt wenig mer
durch sein verlogen maul auf erden,
und muß darob oft schamrot werden.
derhalb wer hie nach eren stell,
sein zungen in zaum halten söll,
das sie nichts den die warheit sag,
dardurch er preis erwerben mag,
entget dadurch vil ungemachs,
schad, schant und spot, so spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1563, am 4. tag Decembris.

Summa all meiner gedichtSchwank: Der verlogen knecht mit dem großen fuchsHistoria: Ein wunderbarlich gesicht keiser MaximilianiSchwank: Der bauer mit dem bodenlosen sackFabel: Der faul bauer mit sein hundenSchwank: Eulenspiegel mit seinem heiltumSchwank: Die verkert tischzuchtSchwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Summa all meiner gedicht vom 1514. jar an bis ins 1567. jar

Als man zelt vierzehundert jar
und vierundneunzig jar fürwar
[240]
nach des herren Christi geburt
ich Hans Sachs gleich geboren wurt
Novembris an dem fünften tag,
daran man mich zu taufen pflag,
eben geleich grad in dem herben,
grausam und erschrecklichen sterben,
der regiert in Nürnberg der stat.
den brechen auch mein mutter hat
und darzu auch der vatter mein,
got aber verschont mein allein.
sibenjerig darnach anfieng,
in die lateinisch schule gieng;
drin lert ich puerilia,
grammatica und musica
nach ringem brauch derselben zeit;
solchs als ist mir vergeßen seit.
neunjerig aber dreißig tag
ich an dem heißen fieber lag.
nach dem ich von der schule kam
fünfzenjerig und mich annam,
tet der schumacher hantwerk lern,
mit meinr hantarbeit mich zu nern;
daran da leret ich zwei jar.
als mein lerzeit vollendet war,
tet ich meinem hantwerk nach wandern
von einer statte zu der andern,
erstlich gen Regnsburg und Braunau,
gen Salzburg, Hall und gen Passau,
[241]
gen Wels, Münichen und Lantshut,
gen Oeting und Burghausen gut,
gen Würzburg und Frankfurt, darnach
gen Coblenz, Cölen und gen Ach;
arbeit also das hantwerk mein
in Beiern, Franken und am Rein.
fünf ganze jar ich wandern tet
in dise und vil andre stet.
spil, trunkenheit und bulerei
und andre kurzweil mancherlei
ich mich in meiner wanderschaft
entschlug und war allein behaft
mit herzenlicher lieb und gunst
zu meistergsang, der löblichn kunst,
für all kurzweil tet mich aufwecken.
ich het von Lienhart Nunnenbecken
erstlich der kunst einen anfang;
wo ich im lant hört meistergsang,
da leret ich in schneller eil
der bar und tön ein großen teil,
und als ich meines alters war
fast eben im zweinzigsten jar,
tet ich mich erstlich understan
mit gotes hülf zu dichten an
das bar in dem langen Marner:
gloria patri lob und er,
zu Münichen, als man zelt zwar
fünfzehundert vierzehen jar,
half auch daselbst die schul verwalten,
tet darnach auch selber schul halten
in den steten, wo ich hin kam,
hielt die erst zu Frankfurt mit nam,
und nach zwei jarn zog ich mit glück
gen Nürnberg, macht mein meisterstück.
nach dem wart mir vermehelt drin
mein gmahel Küngunt Kreuzerin
geleich an sanct Egidientag;
am neunten tag der hochzeit pflag,
[242]
als man gleich fünfzehundert jar
und neunzehen jar zelen war,
welche mir gebar siben kint,
die all mit tot verschiden sint.
und als man fünfzehundert jar
und auch sechzig jar zelen war,
am sechzehentn Martii im frid
mein erster gemahel verschid.
als man zelt einundsechzig jar,
am zwelften Augusti fürwar
wurt mir wider verheirat da
mein andre gmahel Barbara
Harscherin, und am erichtag
nach sanct Egidien, ich sag,
war mein hochzeit fein schlecht und stil;
mit der leb ich, so lang got wil.
als man aber zelet fürwar
geleich fünfzehenhundert jar
und sibenundsechzig, ich sag,
Januarii am ersten tag,
meine gedicht, spruch und gesang,
die ich het dicht vor jaren lang,
so inventiert ich meine bücher,
wurt gar ein fleißiger durchsücher
der meistergsangbücher zumal,
der warn sechzehen an der zal;
aber der sprüchbücher der was
sibenzehen, die ich durchlas;
das achtzehent war angefangen,
doch noch nit vollent, mit verlangen.
da ich meine gedichte fant
alle gschriben mit eigner hant,
die vierunddreißg bücher mit nam,
darinnen summiert ich zusam
erstlich die meistergsang fürwar,
der von mir sint gedichtet bar
in disen dreiundfünfzig jarn,
darin vil schriftlicher bar war
[243]
aus alt und neuem testament,
aus den büchern Mose vollent,
aus den figurn, prophetn und gsetz,
richter, künigbüchern, zuletz
den ganzen psalter in der sum,
die bücher Machabeorum
und die sprüch Salomon hernach
und aus dem buch Jesus Sirach,
epistln und evangelion,
auch aus apocalypsis schon,
aus den ich allen vil gedicht
in meistergsang hab zugericht
mit kurzer gloss und ir auslegung
aus guter christlicher bewegung,
einfeltig nach meinem verstant,
mit gotes hülf nun weit erkant
in teutschem lant bei jung und alten,
darmit vil singschul werdn gehalten
zu gotes rum, lob, preis und glori;
auch vil warhaft weltlich histori,
darin das lob der gutn erhaben
und der argen lob tief vergraben,
aus den gschichtschreibern zugericht;
auch mancherlei artlich gedicht
aus den weisen philosophi,
darin ist angezeiget, wie
hoch die tugent zu loben sei
bei menschlichm gschlecht, und auch darbei,
wie schentlich sint die groben laster,
alles unglückes ein ziehpflaster;
dergleich vil poetischer fabel,
welche sam in einer parabel
mit verborgen, verblümten worten
künstlich vermelden an den orten,
wie gar hochlöblich sei die tugent
beide bei alter und der jugent,
[244]
dergleich, wie laster sint so schentlich;
darnach sint auch begriffen entlich
schulkünst, straffer, logica, renk,
auch mancherlei kurzweilig schwenk,
zu frölichkeit den traurign kommen,
doch alle unzucht ausgenommen.
in einer summa diser bar
der meistergesang aller war
eben gleich zweiundvierzig hundert
und fünfundsibnzig ausgesundert,
waren gsetzt in zweihundert schönen
und fünfundsibnzig meistertönen;
darunder sind dreizehen mein.
solichs war als geschriben ein
in der sechzehn gsangbücher sum.
die achtzehen sprüchbücher num
ich auch her in die hende mein;
drin durchsucht die gedicht allein,
da funt ich frölicher comedi
und dergleich trauriger tragedi,
auch kurzweiliger spil gesundert,
gerade acht und auch zweihundert,
der man den meisten teil auch hat
gespilt in Nürenberg der stat,
auch andern steten ferr und weit,
nach den man schicket meiner zeit.
nachdem fant ich darinnen frei
geistlich und weltlich mancherlei
gesprech und sprüch von lob der tugent
und guten sitten für die jugent,
auch höflicher sprüch mancherlei
aus der verblümtn poeterei,
und auch von manchen weisen heiden,
von der natur artlich, bescheiden,
auch mancherlei fabel und schwenk,
lecherlich poßen, selzam renk,
doch nit zu grob noch unverschemt,
darob man freud und kurzweil nemt,
[245]
und doch das gut darbei verste
und alles argen müßig ge.
diser gedicht ich allersant
tausent und sibenhundert fant;
doch ungeferlich ist die zal
aus den gedichten überal.
vor drei bücher ausgangen sint
im druck, darinnen man ir fint
acht und achtzg stück und sibenhundert,
darob sich mannich man verwundert.
auch ists viert und fünft buch zu drucken
bstelt, die bei etlich hundert stucken
halten, auch spruchsweis mein gedicht
werdn in der zeit kommen ans licht.
auch fant ich in mein büchern gschriben
artlicher dialogos siben,
doch ungereimet, in der pros,
ganz deutlich, frei, on alle glos.
nach dem fant ich auch in der meng
psalmen und ander kirchengseng,
auch verendert geistliche lider,
auch gaßenhauer hin und wider,
auch lieder von kriegesgeschrei,
auch etlich bullieder darbei,
der allersamen ich vernum
dreiundsibenzig in der sum,
in tönen schlecht und gar gemein;
der tön sechzehn mein eigen sein.
als ich mein werk het inventiert,
mit großem fleiß zusam summiert
aus den sprüchbüchern umb und um,
da kam in summa summarum
aus gsang und sprüchen mit gelück
sechstausent achtundvierzig stück
aus meinen büchern überal,
e mer den minder in der zal,
on der, so waren kurz und klein,
der ich nicht het geschriben ein.
[246]
aber hie anzeigte gedicht
die sint alle dahin gericht,
sovil mir ausweist mein memori,
zu gottes preis, lob, rum und glori,
und das sein wort wert ausgebreit
bei christlicher gmein ferr und weit
gesangweis und gereimten worten,
und im Teutschlant an allen orten
bei alter und auch bei der jugent
das lob aller sitten und tugent
wert hochgepreiset und berümt;
dargegen veracht und verdümt
die schentlichen und groben laster,
die als übels sint ein ziehpflaster,
wie mir das auch nach meinem leben
mein gedicht werden zeugnus geben;
wan die ganz sum meiner gedicht
hab ich zu eim bschluß zugericht
in meinem alter, als ich war
gleich alt zwei und sibenzig jar,
zwei monat und etliche tag.
darbei man wol abnemen mag,
das der spruch von gedichten mein
gar wol mag mein valete sein,
weil mich das alter hart vexiert,
mich druckt, beschwert und carceriert,
das ich zu ru mich billich setz
und meine gedicht laß zuletz
dem gutherzign gemeinen mon,
mit gots hülf sich beßer darvon.
got sei lob, der mir sant herab
so miltiglich die schonen gab
als einem ungelerten man,
der wedr latein noch kriechisch kan.
das mein gedicht grün, blü und wachs
und vil frücht bring, das wünscht Hans Sachs.

Anno salutis 1567., am 1. tag Januarij.

Der egelmeierSumma all meiner gedichtSchwank: Der verlogen knecht mit dem großen fuchsHistoria: Ein wunderbarlich gesicht keiser MaximilianiSchwank: Der bauer mit dem bodenlosen sackFabel: Der faul bauer mit sein hundenSchwank: Eulenspiegel mit seinem heiltumSchwank: Die verkert tischzuchtSchwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[247] Der egelmeier

Wer hie für ge, der schau mich an,
ich bin ein wunderselzam man;
vil egel trag ich in meim schopf,
die huntsmuckn schwirmen umb mein kopf,
wiewol mein pfabenfedern gut
und rot piret mich schmücken tut,
sam sei ich weis, verstendig hoch.
mein narrenkapp verret mich doch;
hab auch ein weit maul, große orn,
mein schellen zerkifft der eichhorn;
mein selzam kleit und güldin ketten
mich wol mit stolz und hochmut fretten,
dünk mich der tapferst umb und umb,
ge doch mit lauter kintswerk umb,
mit vögel, meusen und mit ratzen;
wer mich spotweis damit tut fatzen,
ich mit meim ledern kolben schlag
und mit meim seibel im nachjag.
der aff zeucht mein kleit mit dem schwanz,
daraus wachsen meiner substanz
drei junge gecken über sich,
die werden gleich als weis als ich,
drumb wer wil sein ein biderman,
nem sich meiner abweis nit an,
das im nit spot zum schaden wachs,
den treuen rat geit im Hans Sachs.

Anno salutis 1567., am 18. tage Julij.

Historia: Die geschicht keiser MaximilianiDer egelmeierSumma all meiner gedichtSchwank: Der verlogen knecht mit dem großen fuchsHistoria: Ein wunderbarlich gesicht keiser MaximilianiSchwank: Der bauer mit dem bodenlosen sackFabel: Der faul bauer mit sein hundenSchwank: Eulenspiegel mit seinem heiltumSchwank: Die verkert tischzuchtSchwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

[248] Historia: Die geschicht keiser Maximiliani löblicher gedechtnus mit dem alchamisten

Als ich vor drei und fünfzig jaren
in meiner jugnt wolt vil erfaren,
weil ich meim hantwerk nach tet wandern
von einer statte zu der andern,
kam auch hinein in Wels, die stat,
da Traun, das waßr, sein fürgang hat,
da keiser Maximilian,
der großmechtig und teuer man,
het hof gehalten vor der zeit,
dem gar wol war mit höflichkeit
mit ritterspil, stechen und rennen
und was man kurzweil mocht genennen,
als fechten, schießen, baißen, jagen,
mit gemßensteigen bei sein tagen,
darzu het er sein freud und gunst
auch zu artlich subtiler kunst;
des kamen gen hof mannich gest,
die man tractieret auf das best,
edel, unedel, künstreich leut,
ob den der keiser sich erfreut.
da sagt man, das eins tages ist
gen hof kommen ein alchamist
in baurenkleit, ganz grober gstalt,
der sam trutziglich mit gewalt
wolt in des keisers gmach eingan,
drin keiser Maximilian
mit seinen reten hielte rat.
als er nun an die salpfort trat,
der türhüter in frech anret,
was er darin zu schaffen het;
[249]
der künstner trutzig antwort gab:
beim keiser ich zu schaffen hab.
der torwart sprach: fetsch dich dein straß,
kurzumb, hinein ich dich nit laß,
der keiser anderst hat zu schaffen,
als das er zuhör deinem klaffen,
wan er hielt in für ein jaufkint
und stieß in von der tür geschwint.
der alchamist entrüstet wur,
der türhüter in widr anfur,
wurden beid lautreisig zumal.
das zenk erhöret in dem sal
der keiser und schickt sein herolt,
das man den man einlaßen solt,
der zu dem keiser gert hinein.
erst ließ man disen künstner ein
in seinem groben baurengwant,
dem hofgsint allen unbekant.
der trat zu dem keiser eilenz
on all gepreng und reverenz
und tete zu dem keiser jehen:
keiser, wiltu von mir hier sehen
recht künstlich grünt der alchamei,
der ich denn bin ein meister frei,
aus kupfer klares golt zu machen?
der keiser antwort zu den sachen:
ja, ich hab ie getragen gunst
zu alchamei, der edlen kunst,
kanst dus, so hilf ich dir darzu,
zeig an, was darzu darfest du?
triffst dus on all arglist und renk,
dir wirt ein keiserliche schenk.
der alchamist zum keiser sprach:
gib mir im hof ein ler gemach
und gib mir ein mark lötigs golt,
neun mark kupfers, auch geben solt
[250]
kolen, blasbalk, tegel und zangen,
tu quecksilber und salz mir langen,
gleser, hefen, schwefel, schürstein,
laß machen ein kamin darein,
darin ich schmelz und distillier,
dmateri künstlich conficier.
über ein monat magst einmal
zu mir rab kommen aus deim sal
und mein künstreiche arbeit schauen.
die ich dir machen wil auf trauen,
die du vorhin von keinem gast
so grüntlichen gesehen hast;
sunst aber so laß mich allein,
niemant zu mir gen aus noch ein.
der keiser hat ein wolgefallen
an der kunst und folgt im in allen,
gab im ein zu hof ein gemach
und als, was er begert darnach,
reicht im teglich hofspeis und wein
zu eim engen fenster hinein.
also der künstner tag und nacht
sein künstreiche arbeit verbracht
mit schmelzen und cemphiren schan,
und keiser Maximilian
dem künstner heimlich hut bestelt,
das er heimlich nicht weichen selt;
doch nach eim monat lang hernach
der keisr zu im eingieng und sach
die künstreichen werk aller stück,
darzu wünscht im der keiser glück.
der künstner tet zum keiser sagen:
kom herwider nach dreien tagen,
so wirst dus noch klerlicher sehen
und meiner kunst erst lob verjehen.
nach dem keiserlich majestat
wider von dem künstner abtrat
[251]
frölich und der kunst nachgedacht;
doch hernach in der dritten nacht
da het sich der künstner verholn
aus seim gmach aus dem hof gestoln.
das wurt dem keiser gsaget an.
zuhant keisr Maximilian
in hof nabgieng ins künstners gmach,
darin den künstner nit mer sach;
doch sach ein güldin kuchen er
auf dem tisch ligen, zehn mark schwer,
von lauter gutem golde klar,
darauf also geschriben war:
o keiser Maximilian,
wellicher dise kunste kan,
sicht dich nochs römisch reich nit an,
das er dir solt zu gnaden gan.
als der keiser die schrift gelas,
vernam er klerlich wol und das
der alchamist und fremd künstner
ein Venediger gwesen wer,
mit dem der keisr in unfrid stan;
derhalb ließ Maximilian
den alchamistn zu waßr und lant
nachsuchen, den man doch nicht fant,
der dem keiser geschenket het
mit der alchamei das banket.
also war genzlichen die sag
zu Wels, als ich hört über tag,
weil ich mein hantwerk arbeit dar.
nach dem gar über wenig jar
der keiser wider gen Wels kam,
da er ein selig ende nam,
eben alt neun und fünfzig jar,
der mindern zal neunzehn fürwar,
als er das keiserlich regiment
het drei und dreißg jar in der hent,
[252]
da ewig freud im auferwachs
und uns allen, das wünscht Hans Sachs.

Anno salutis 1568., am 18. tag Februarij.

Die werk gottes sint alle gut, wer sie im geist erkennen tutHistoria: Die geschicht keiser MaximilianiDer egelmeierSumma all meiner gedichtSchwank: Der verlogen knecht mit dem großen fuchsHistoria: Ein wunderbarlich gesicht keiser MaximilianiSchwank: Der bauer mit dem bodenlosen sackFabel: Der faul bauer mit sein hundenSchwank: Eulenspiegel mit seinem heiltumSchwank: Die verkert tischzuchtSchwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Die werk gottes sint alle gut, wer sie im geist erkennen tut

Als ich in meinr kintlichen jugent
wurt zogen auf gut sittn und tugent
von mein eltern, auf zucht und er,
dergleich hernach auch durch die ler
der preceptori auf der schul,
so saßen auf der künsten stul,
der grammatica, rhetorica,
der logica und musica,
arithmetica, astronomia,
poetrei, philosophia,
da mein sinreich ingenium
die ler mit hohem fleiß annum,
da ich lert kriechisch und latein,
artlich wol reden, war und rein;
rechnen auch lert ich mit verstant,
die ausmeßung mancherlei lant;
auch lert ich die kunst der gestirn,
der menschen geburt judicirn,
auch die erkentnus der natur
auf erden, mancher creatur
im luft, waßer, feuer und erden;
darzu mit herzlichen begerden
begrif gesangeskunst subtil,
manch süß liebliches seitenspil;
lert auch entlich die poetrei,
darin an tag zu geben frei
[253]
manniches höfliches gedicht,
sonderlich auch darin aufricht
manch schöne wunderbar histori,
wol zu behalten in memori;
auch macht ich ein teutsche comedi,
doch nicht ungleich einer tragedi
mit scharpf artlichen argumenten,
geistlich und weltlichen regenten,
von dem rein klaren gotteswort,
als ich die vollent an dem ort
zu nutz der ganzen christenheit.
auch fiel mir zu in diser zeit
groß wolfart in mancherlei stück,
als reichtum, er, lob und groß glück,
wolzogen kint, ein treu eweib,
vol schön und mit gesundem leib.
iederman hielt mich hoch und herlich,
auch hielt ich mich tapfer und erlich.
all solch gab ich annemen tet,
als ob ichs von mir selber het,
von natur und geschicklichkeit,
durch kunst und sinreiche weisheit,
und fiel also mein fleisch und blut
in ein stolz und prechting hochmut;
in solch gotloser hoffart schwebet,
in phariseischen werken klebet,
darin mein leben ich zubracht.
gar wenig ich an got gedacht,
das ich all gaben, wie vor stet,
von got allein entpfangen het;
ich höret wol das götlich wort
und evangeli an dem ort,
doch half von got kein freuntlich locken,
die hoffart tet mein herz verstocken,
das es meim gwißen nicht eingieng,
und lag verblendet aller ding.
kein forcht gottes wonet in mir,
sicher war mein herz und begir,
[254]
daucht mich from und gerecht fürwar
wie der gleißner im tempel gar,
und mein sündig leben ellent
ich in dem grunt nie recht erkent,
biß mich entlich der herre gar
zu im zoge bei meinem har,
nemlich durch einen schweren fal
stürzet mich got herab zu tal.
erst ich von meim sünding gewißen
wart hart genaget und gebißen,
sam mir die welt zu eng wolt wern
in solch gar engstlichen beschwern;
mich daucht warlich, auf erderich
all creatur wer wider mich;
all freud und trost waren verschwunden,
er und gut mich nicht trösten kunden,
eßen, trinken und seitenspil
erfreut mein traurig herz nicht vil;
auch war all mein hoffnung verlorn,
wünscht mir oft, ich wer nit geborn.
mich daucht in solcher angst und quel,
ich wer schon im abgrunt der hel
und wer von got genzlich verlaßen;
die verzweiflung verzagter maßen
die focht mit mir nacht unde tag;
in solcher anfechtung ich lag,
mir war verdrießlich all mein kunst,
auch guter freunde lieb und gunst.
in solch großer schwermütigkeit
lag ich im gwißen lange zeit,
dacht: wenn mein fal wirt offenbar,
wirt ich beim volk verachtet gar;
entlich dacht ich an küng David,
wie er dergleichen fal erlit
mit Batseba, wie uns denn sagt
der psalm, drin er so herzlich klagt
sein sünt, bit got im zu verzeien
so lang, biß got in tete freien,
[255]
sein guten geist im wider gab.
erst fieng ich an, ließ auch nicht ab
mit meim gebet in reu und leit
zu got, hofft, sein güt mich erfreit,
wiewol sein gnad mir lang aufzug,
sam mein hoffnung oft gar abschlug.
erst erkent ich mein nichtigkeit,
das nichts guts wer in mir allzeit
von natur dan sünt, schad und schant,
weil got von mir abzüg sein hant,
erkennet erst mein ellent leben.
got het all gute gab mir geben
geistlich und leiblich, doch darob
im nicht dank sagt het, preis und lob,
wie ich got schuldig wer gewesen;
derhalb het er mit der straf besen
mich züchtigt als ein stolzen sun,
darmit demütig machen tun.
da erkent erst mein herz und mut,
das mir der fal wer nütz und gut,
weil ich sein güt im anfang floch;
nun er beim har mich zu im zoch
mit strafen, plagen, sünt und schant,
doch als mit vetterlicher hant;
nun ich erkenn sein milde güt,
dargegen mein gotlos gemüt,
das nur zu bösem ist geneiget,
wie unser wandel teglich zeiget,
dem fleisch und blut ist undergeben,
tut gottes willen widerstreben
und den tag wol siben mal felt,
wo gottes hant nicht ob uns helt,
durch kreuz und harten fal uns stürzt,
das unser stolz uns wert abkürzt,
das wir erkennen grüntlich recht,
das wir alle sint unnütz knecht
und arme sünder dise zeit,
den got durch sein barmherzigkeit
[256]
vom himel hat herabgesant,
Jesum Christum, unsern heilant,
der für uns an dem kreuze starb,
ewig hult und genad erwarb
bei dem himlischen vatter sein.
unser fürsprech ist er allein,
unser mitler in aller not
zwischen uns sündern und auch got,
da er teglichen für uns bit,
versönt und uns treulich vertrit,
wer von herzen zu im aufschreit;
dem sei lob, er in ewigkeit,
da ewig freud uns blü und wachs,
das begert auch herzlich Hans Sachs.

Anno salutis 1568., am 26. tag Februarij.

Das gesang der vollen brüderDie werk gottes sint alle gut, wer sie im geist erkennen tutHistoria: Die geschicht keiser MaximilianiDer egelmeierSumma all meiner gedichtSchwank: Der verlogen knecht mit dem großen fuchsHistoria: Ein wunderbarlich gesicht keiser MaximilianiSchwank: Der bauer mit dem bodenlosen sackFabel: Der faul bauer mit sein hundenSchwank: Eulenspiegel mit seinem heiltumSchwank: Die verkert tischzuchtSchwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Das gesang der vollen brüder

Wer hie für ge, der schau uns an,
der vollen brüder ordn wir han,
und all das gaudeamus singen,
das fortuna laß wir erklingen,
wir haben Bacchum auserkorn,
derselb ist unser abgot worn;
was uns verließ mutter und vater
als unser einige woltater,
das muß als mit uns gen zu grunt
und als faren durch unsern schlunt.
die vögel wöll wir laßen sorgen,
ein abnt ist beßer den sibn morgen
mit schlemmerei, saufen und freßen,
da alles unglücks wir vergeßen,
[257]
frölich das gaudeamus singen
mit allen kurzweiligen dingen.
wer das sein spart, nit tag und nacht
schlemt, derselb wirt von uns veracht;
wir achten keinr sitten noch tugent,
wie wirs triben in unser jugent,
so treib wirs biß ins alter auch;
dasselb ist unser aller brauch,
darmit get hauptgut und der gwin
mit unser schlemmerei dahin.
wir verzeren zwelf pfunt vom taler,
sint all gut borger und bös zaler,
gut gesellen und bös kintsvetter,
stanthaftig wie aprillenwetter;
wenn es denn in das alter get,
erst unser sach baufellig stet,
so ler und öd stet unser haus,
der beste hausrat ist heraus,
als silbergschirr, kupfer und zin
ist mit der schlemmerei dahin,
dergleich kleider und betgewant
stet under den jüden zu pfant,
und ist nichts da den angst und not,
da uns erst gute hülf tut not.
so wir sint alt, machtlos und krank,
so verget uns das frölich gsank,
und singen denn den wemmerwe,
biß uns die ellent sel ausge.

Der beschluß

Derhalb ein man nem bei uns ler
und in seim haus fein meßig zer
nach seinem handel oder gwerb,
auf das ein narung er erwerb,
[258]
das er im alter hab ein zerung
samt weib und kinden mit vererung,
biß in got nem aus disem leben,
für das zeitlich das ewig geben,
da ent wirt alles ungemachs,
das wünschet uns allen Hans Sachs.

Anno salutis 1568., am 26. tag Martij.

Schwank: Des schefers warzeichenDas gesang der vollen brüderDie werk gottes sint alle gut, wer sie im geist erkennen tutHistoria: Die geschicht keiser MaximilianiDer egelmeierSumma all meiner gedichtSchwank: Der verlogen knecht mit dem großen fuchsHistoria: Ein wunderbarlich gesicht keiser MaximilianiSchwank: Der bauer mit dem bodenlosen sackFabel: Der faul bauer mit sein hundenSchwank: Eulenspiegel mit seinem heiltumSchwank: Die verkert tischzuchtSchwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Schwank: Des schefers warzeichen

Vor jarn in Meinz ein kremer saß,
der Hans Appol genennet was.
als er zur mess gen Frankfurt wolt
und im sein kram einkaufen solt,
da baten sein nachbauren in,
wann er köm in die mess dorthin,
das er in solt kaufen dermas
eim dises und dem andern das,
dienstlich zu irer kremerei,
von war und gattung mancherlei.
er sprach: das als ich gern tun wil,
wiewol ich hab zu schaffen vil
selb mit meim handel in der mess;
das ich nit etlich stück vergeß,
schreib mir iedr ein denkzettel an,
was ich im sol einkaufen tan.
als man im vil denkzettel bracht,
doch keinr keins gelts darin gedacht,
biß ein schefer im ganzen haufen
bat, er solt im ein sackpfeif kaufen.
dem gab er einen jochimstaler,
das er wer der sackpfeif ein zaler,
[259]
auf das er in Frankfurter mess
seiner sackpfeifen nit vergeß.
als nun Hans Appol auf die fart
hin auf die mess bereitet wart,
das er zu schif, doch nit allein,
fur hin gen Frankfurt auf dem Mein,
als sie ans laut nun kamen dar,
da lud Hans Appol aus sein war,
legt die denkzettel auf ein haufen,
was er ein iedem ein solt kaufen;
da kam ins schif ein starker wint
und warf die denkzettel geschwint
dahin aus dem schif in den Mein.
keiner blib da im schif, allein
der, drauf der jochimstaler lag,
der den denkzettel bschweren pflag;
darumb die sackpfeif kaufen was,
die andern zettel er vergaß,
die warn all von dem wint ertrunken
und in dem Mein zu grunt gesunken,
das der sturmwint hat hin zerstreut;
da war umbsonst mü und arbeit.

Der beschluß

Bei dem merk hie ein iederman,
wer im etwas laß bringen tan,
aus einem jarmarkt oder mess
laß kaufen, das er nit vergeß
des schefers zeichn, den jochimstaler;
der ist der war ein rechter zaler.
dem kremer einzukaufen gsundert
waren der denkzettel zweihundert,
die mit hohem wert sint gemeßen;
der zalung aber wirt vergeßen,
die hat der sturmwint all hinblasen,
die denkzettl sint zu leicht dermasen,
[260]
das man vil drumb einkaufen sol.
des schefers warzeichen hilft wol,
das macht denn einen ganz dienstwillich,
dem zalt mans wider recht und billich;
wo er abr dank zum gelt verleust,
solchs in ser im herzen verdreust,
fürbaß man in unwillig fint,
und schlegt die denkzettel in wint,
wo nit auch des schefers warzeichen
den denkzettel tut herfür reichen,
das er ist gar on sorg und schaden,
so mag er sich des wol beladen,
eim guten freunt diensthaftig sein,
im aufs getreulichst kaufen ein.
das ir freuntschaft sich mer und wachs
durch gutwillig dienst, spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1558., am 18. tag Augusti.

Ein klaggesprech über die bitter unglückhaftige liebSchwank: Des schefers warzeichenDas gesang der vollen brüderDie werk gottes sint alle gut, wer sie im geist erkennen tutHistoria: Die geschicht keiser MaximilianiDer egelmeierSumma all meiner gedichtSchwank: Der verlogen knecht mit dem großen fuchsHistoria: Ein wunderbarlich gesicht keiser MaximilianiSchwank: Der bauer mit dem bodenlosen sackFabel: Der faul bauer mit sein hundenSchwank: Eulenspiegel mit seinem heiltumSchwank: Die verkert tischzuchtSchwank: Der Heinz UnruDer beschlußDas dritte wunderDas ander wunderDas erste wunder[Als herzog Fridrich zu Sachsn lag]Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat LeipzigFabel: Der vogel Cassita mit sein jungenSchwank: Von dem frommen adelHistoria: Herzog Heinrich der löwHistoria: Des königs son mit den teufelnDer wunderliche traumDer beschluß in das ander buch der gedichtSchwank: Der gute montagFabel: Der rab mit dem toten fuchsenHistoria: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufelFabel von dem fuchs und der katzenFabel der zweier meusDas gesellenstechenSchwank: Die Fünsinger baurenFabel: Der zipperlein und die spinnSchwank: Sanct Peter mit der geißDie halb rosdeckSchwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle farenGesprech: Sanct Peter mit den lantsknechtenSchwank: das unhulden bannenKlag dreier frauen über ir hausmeitEin gesprech mit dem faulen LenzenSchwank: Eulenspiegels disputationLantsknechtspiegelSchwank: die hasen fangen und braten den jegerDer junkbrunnEin epitaphiumEin artlich gesprech der götterDie wolfsklage über die bösen menschenRömischer königlicher majestatDer beschlußDer Dichter[Vor jaren, als mir in Westphaln]Das wütent her der kleinen diebHeinz WiderporstHans UnfleißBaldanderstDer waltbruder mit dem eselKlag der wilden holzleut über die ungetreuen weltEin lobspruch der stat NürnbergDas schlauraffenlandDie wittembergisch nachtigalHistoriaGedichteSachs, HansSpruchgedichte (Auswahl)

Ein klaggesprech über die bitter unglückhaftige lieb

Eins morgens gieng ich aus spazieren,
für einen grünen walt refieren,
da hört ich ein heimlich gesprech,
in einem busche in der nech
tet ich durch das gestreus nein schauen,
da saß ein gsell bei einer frauen;
ich lost zu irem freuntlichn sagen,
da war es nichts den bitter klagen.

Das freulein spricht.

Das freulein in senlich ansach
und seufzent zu dem jüngling sprach:
[261]
herzlieb, wie sich ich dich so selten,
sag mir doch, wes muß ich entgelten?
Der jüngling antwort.

Der jüngling fieng widerumb an:
vil geng ich dir zu lieb hab tan
und dich doch nie ersehen kunt;
des trauert ich von herzen grunt,
dacht, dein hult ich verloren hab,
all freuntschast die wer tot und ab,
die eifersucht brach mir mein herz,
die sensucht bracht mir heimlich schmerz.
Das freulein spricht.

Sie sprach: weist nit mein treuen mut?
ich hab gewagt leib, er und gut
mit dir, ist iezunt das mein lon?
Der jüngling spricht.

Der jüngling sprach: herzlieb, far schon,
der argwon bracht mich auf das spor,
weil ich dich nit sach oft wie vor.
Das freulein spricht.

Das freulein sprach: der klaffer vil
die sehen uns gnau auf das spil;
wo ich dich bei dem tag vernim
oder hör bei der nacht dein stim,
zum fenster darf ich nit aussehen,
förcht, dir möcht auf der gaß was gschehen.
Der jüngling spricht.

Er sprach: nechten wars mir nit weit,
es jagten mich umb mettenzeit
[262]
mit bloßer wer der schergen hauf
eben gleich für dein tür herauf.
Das freulein spricht.

Sie sprach: erst machst mir sorgen mer,
unglück reit mich, wo ich hin ker,
mein man wil mir auch nimmer trauen
und tut gar eben auf mich schauen.
Der jüngling spricht.

Der jüngling sprach; merkt es dein mon,
erst bleib ich nit, ich wil darvon,
es kost sonst mein und deinen leib.
Das freulein spricht.

Erst wart betrübt das zarte weib
und umbfieng den jüngling mit armen,
sprach: bleib und tu dich mein erbarmen!
Der jüngling spricht.

Der knab wart wider zu ir jehen:
dein brüder mich tückisch ansehen,
als ob sie merken unser lieb;
nit gut wer, das ich lenger blieb.
darmit das freulein er umbfieng,
nam urlaub, traurig von ir gieng;
sie wunt ir hent und rauft ir har.

Der beschluß

Da dacht ich mir: und das ist war,
das in der süßen lieb verborgen
ligt so vil ungelücks und sorgen,
klag, eifersucht und klafferei,
senen und trauren mancherlei,
[263]
ich geschweig des letzten abscheiden,
ein leiden sonst ob allen leiden,
das sel und leibe macht vil schmachs.
stampadahin! so spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1568., am 25. tage Septembris.