[6] [11]Parodie des Liedes eines Schweitzers über die französische Revolution

1.
Ist's Wahrheit oder ist es Wahn,
Was Frankreich worden ist,
Daß Freyheitrufer-Tigerzahn
Das Mark des Landes frißt?
2.
Hat Frechheit und hat Wuth gesiegt
Und neue Tyranney?
Ist's wahr, daß Recht im Staube liegt,
Und herrscht nur Teufeley?
3.
Nein, Traum nicht, Schande unsrer Zeit!
Es gieng nicht, wie man sang!
Unglaubliches ward Wirklichkeit!
Der frechste Wurf gelang!
4.
Verabscheu, Menschheit, was geschah!
O Wahn und Täuschung, flieh'!
Die Zeit der Nacht und Greu'l ist da!
Beug', Mordsucht, ihr das Knie!
5.
Zwar, jene Höllen-Festung hat
Der Rache Hand zerstört!
Doch ach, wie manche Höllenthat
Geschah nun unverwehrt?
6.
Der Freyheit Ehrer, zittert nun!
Wank', aller Fürsten Kron'!
O Fürsten lernet: Gutes thun
Macht fest nicht mehr den Thron.
7.
Sey ernstes, warnend Beyspiel du,
O einzige Geschicht'!
Und ruf' den Gleichheitsrufern zu:
»Drückt Euers Gleichen nicht!«
[11] 8.
Gieb deinem Gott, was Gottes ist,
O menschliches Geschlecht!
Dem König, was des Königs ist,
Dem Volk nicht Räuberrecht.
9.
Es traure laut, in wessen Brust
Ein Herz voll Freyheit schlägt!
Ist Raub und Mordsucht dessen Lust,
Der Freyheits-Mützen trägt?
10.
Statt Eins – ein tausendfaches Joch!
Zerstört viel, nichts gebaut!
Freut Ihr Euch, Schweitzerstaaten, noch,
Im Herzen erst, dann laut?
11.
Jahrhunderte genossen wir
Der Freyheit Ruh' und Glück!
Kaum vier Jahr, ach! genosset Ihr,
Neu-Franken, Euer Glück!
12.
Wir jammern Euch mit Wehmut zu:
Seht nicht als Feind' uns an!
Ach! Warum flieht Ihr Recht und Ruh',
Und wandelt Schurken-Bahn?
13.
Auf Euer Thun sieht Gott herab,
Mit ernstem Richterblick!
Ihr raubt, was Gott dem Nächsten gab,
Und prahlt mit Recht und Glück.
14.
Gewaltthat nur ist Euer Ruhm,
Und Schandthat Euer Thun!
Ihr spielt mit Blut und Eigenthum,
Mit Eid und Gottheit nun!
[12] 15.
Ihr drängt den König, welcher treu
Sich dem Gesetze neigt
Und sich, ich hoff': ohn' Heucheley,
Als Freyheits-Ehrer zeigt.
16.
Ihr zürnet mit der Priesterschaar,
Zürnt mit dem Adelsheer.
Wer stolz und hart und herrschend war,
Ruft laut: »Ihr seyd's noch mehr!«
17.
Ihr liebt Bestechung, Goldsucht, Zwang,
In jeglicher Gestalt.
Zertrümmern wird, was Euch gelang;
Denn Ihr mißbraucht Gewalt.
18.
Was Eure Blutgier, ach! gethan
Am Tage, wie bey Nacht,
Deß sey, so lang man denken kann,
Mit Abscheu stets gedacht!
19.
Wer Freyheit liebt und Ruhe sucht,
Der ehret Menschenblut,
Verzeihet leicht des Königs Flucht,
Nicht Leoparden-Wuth.
20.
Nein! Demokraten-Tyranney
Ist Recht nicht, Freyheit nie!
Nicht Kannibalen-Barbarey,
Nicht Greuel-Anarchie.
21.
Dem Staate Segen, der mit Muth
Und Weisheit Freyheit ehrt!
Doch Fluch der Jakobinerbrut,
Die Ruh' und Eintracht stört!
[13] 22.
Wie kann, wo jeder herrschen will,
Die Eifersucht verglüh'n!
Spricht Freyheit, Frechheit ruft: Sey still!
Und schweigend muß sie flieh'n!
23.
Sey Stolz, sey Herrschsucht ewig fern
Vom Kreis des Vaterlands!
Nur dem Gesetze fröhne gern
Der Bürger jedes Stands!
24.
Und jeder ehre Recht und Pflicht,
Und den, der Beyde ehrt!
Und wer für Ruh' und Freyheit spricht,
Heiß' aller Ehren werth!
25.
Wer alle Ordnungen verletzt,
Und aufhäuft Noth auf Noth,
Und Mordsucht gegen Freyheit hetzt,
Der ist nicht Patriot!
26.
Nicht der, so der Gesetze lacht,
Geheim nach Herrschsucht geitzt,
Und schleicht, wie Pest, in finstrer Nacht,
Und zur Empörung reitzt!
27.
Nein, Schweitzeradern, bleibet rein
Von solchem bösen Blut!
Der heiße Patriot allein,
Der Gutes will und thut!

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