An meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

Hedwig Lachmann
Gesammelte Gedichte

[5] An meinen Vater

Nun weih ich dir im Tode,
Was sich mir im Gemüt
Allmählich wie Kleinode
Gehärtet und geglüht.
Ich sah dich oftmals sinnen,
Wenn mich dein Blick durchdrang,
Erratensbang, was innen
Noch dämmernd in mir rang.
Das fühlende Umarmen
Der Welt in ihrem Sein,
Am Irdischen Erwarmen –
Wir hatten es gemein.
O Geist, dahingegeben
Der dunkelsten Gewalt –
Wie sehnst du dich ins Leben,
Zurück in die Gestalt!
[5]
Sprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[5] Sprüche auf Grabsteine

Dem Vater

Hier sollen Kind und Kindeskinder lesen,
Dass unsres Lebens Krone du gewesen.
Der Mutter

Nichts könnte mehr zum Segen uns gereichen,
Als unser Wunsch, an Güte dir zu gleichen.
Auf Hedwig Lachmanns Grabmal stehen ihre Worte:

O Geist, dahingegeben
Der dunkelsten Gewalt –
Wie sehnst du dich ins Leben,
Zurück in die Gestalt!
Dem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[6] Dem Künstler

Das Auge alles Lebens folgt uns nach.
So wie man oftmals geht und kann nicht scheiden,
Und Worte in sich hört, die niemand sprach,
Und lange fortfährt ein Geschick zu leiden,
Wiewohl es längst sein Bündnis mit uns brach –
So hält uns auch im Banne fremdes Sein,
An dem wir eben nur vorübergingen,
Von tausend Bildern lebt ein Widerschein
In uns, und von den fernsten Erdendingen
Prägt sich ein sicheres Gedächtnis ein.
Was sich in Dunkel hüllt, du ahnst es gut:
Die eigne Inbrunst brandet um das Leben.
Sie taucht zu dir aus Strom und Meeresflut,
Mahnt dich im Sturm der Nacht, dich hinzugeben,
Und in dir bebt es: Nimm, o nimm mein Blut!
Am AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[7] Am Abend

Weisst du denn – wenn auf Baum und Strauch
Das Astwerk zittert und sich sträubt,
Und wenn der leicht gewellte Rauch
An einer Wetterwand zerstäubt –
Ein scheuer Vogel ohne Laut
An dir vorbei die Flügel schlägt,
Und Wolke sich an Wolke baut –
Wohin dein wilder Wunsch dich trägt?
Weisst du denn, wenn nun alle Welt
Sich eng an Hof und Heimstatt schmiegt,
Und deine Sehnsucht dich befällt, –
Wo deine eigne Heimat liegt?
Ein BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[8] Ein Bild

Es liegen viele Morgen Landes
Seit Ewigkeiten unbestellt.
Mit Hügeln sturmverwehten Sandes
Beschwert von Anbeginn der Welt.
Kein Sämann hat in ihre Poren
Die Saat des Lebens je gesenkt.
In der Unendlichkeit verloren
Verfällt ihr Staub, dem Staub vermengt.
ErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[9] Ergebung

Die Baumgerippe stehen winters alt
Im Park. Grau hängt die Luft dazwischen.
Am trüben Horizont verwischen
Sich in der Ferne Umriss und Gestalt.
Ein Feiertag verdämmert ohne Kampf
Und Glocken tönen in der Stille.
Du! klage nicht, es war dein Wille!
Die Welt versinkt in weichem Nebeldampf.
Am MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[10] Am Morgen

Dem Wanderwolkenspiele folg' ich nach.
Ein Sonnenstreifen drüben an der Mauer
Verlischt und leuchtet auf zu kurzer Dauer
Und schnelle Schatten fliegen übers Dach.
Wie hängt mein Blick an all der dunklen Hast!
In der Sekunde tausendfach geboren
Und wieder tausendfach zurück verloren
Und nie und nirgends diesem Wirbel Rast.
O wüchse mir inmitten aller Flucht
Und flatterndem verfrühtem Blütenregen
- Für mein Geschick ein noch verschlossner Segen –
In zarter Knospenhülle eine Frucht.
SchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[11] Schwermut

Mir ist, wie wenn in einer Sommernacht
Die Menschen schweigsam in den Lauben sitzen.
Die Luft ist schwer. Ein Wolkenhimmel dacht
Sich über ihnen. Und die Fernen blitzen.
Sie fragen in die Höh: Kommt wohl ein Sturm?
Und legen spät sich und bekümmert schlafen.
Und lauschen oft gepresst, ob nicht vom Turm
Ihr Ohr im Halbschlaf Glockenklänge trafen.
Unter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[12] Unter der Erde

Es drängt ein Strom den Felsenwänden
Des Erdeninnern zu enteilen,
In unterirdischen Geländen
Fliesst er verborgen viele Meilen.
Mit keinem Bruderstrom verbündet,
Wälzt er sich fort in Meeresnähen,
Bis er an seinem Ziele mündet,
An tiefer Stelle ungesehen.
Ein Trachten geht geheim und stille
Nach eignem Ziel und eigner Ferne.
Der tiefe dunkle Sehnsuchtswille
Erwacht in Nächten ohne Sterne.
SinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[13] Sinnbild

Ins Herz der Erde unablässig gräbt
Ein Riesenarm Untiefen, die nicht enden.
An seiner Faust, rostrot wie Eisen, klebt
Der Staub der rollenden Jahrhundertwenden.
Ein Frager kommt des Wegs. Er steht und schaut,
Dass sich des Wühlwerks Sinn ihm offenbare.
Doch fasst ihn Graun – rasch furcht sich seine Haut
Und auf den Schultern wuchten ihm die Jahre.
BetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[14] Betrachtung

Was ist's nun, was uns unser Schicksal lehrt?
Ist es ein höhrer Ernst, ein tiefrer Sinn?
Ist es ein vordem ungekannter Wert,
Ein neuerrungner innerer Gewinn?
Ist es das Hochgefühl gestählter Kraft,
Die sich im Kampf erprobte und bemass,
Ein Überquellen finstrer Leidenschaft,
Gezeugt in Liebe und genährt an Hass?
Oder – mein Gott – ist es nur früh und spät
Ein dumpfes Wehren gegen dumpfre Not –
Auf vielen tausend Lippen das Gebet:
»Gib uns, o Vater, unser täglich Brot!«
WinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[15] Winterbild

In meinem Zimmer ein paar frische Blumen,
Die allen Wintermissmut mir vertreiben.
Ein Vöglein pickt vor meinem Fenster Krumen
Und guckt dabei zutraulich durch die Scheiben.
In Stroh und Bast die Bäume eingeschlagen,
Damit der strenge Frost sie nicht berühre,
Die Beete wohl verwahrt vor kalten Tagen –
Und, blossen Haupts, ein Bettler vor der Türe.
Die PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[16] Die Pflicht

Von einer Stimme eignem Klang getroffen
Erbebte ich – zu lang getragne Leiden,
Verjährter Gram, verzagtes Sichbescheiden,
Und scheue Armut, die nicht wagt zu hoffen.
So dringen täglich dir zahllose Zeichen
An Herz und Sinn, dich tiefer zu bewegen,
Und fremdes Leben pocht mit heissen Schlägen,
Den Pulsschlag deines Lebens zu erreichen.
Trägst du schon schwer am eigenen Geschicke?
Und sollst dazu ein Bruderlos noch tragen –
Die stummen Winke, die versteckten Klagen,
Das trübe Lächeln, die verstörten Blicke.
Die Not der Tausende, die dich umgeben,
Und was verloren irrt verlassne Bahnen,
Will sich mit dir verbrüdern, will dich mahnen,
Will Blutteil werden, Teil von deinem Leben.
Umsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[17] Umsonst Gelebt

Das Zimmer hat nur spärliches Gerät.
Im Herde glimmert ein verkohltes Scheit.
Gleichgiltige Lippen murmeln ein Gebet.
Es stirbt ein Mann. Vom Turme schlägt die Zeit.
Er hat nicht Weib, nicht Kind. Kein Schluchzen tönt.
Er hat geschafft, gelitten und gestrebt.
Für wen? Die Stunde löscht es aus. Er stöhnt.
Ein Schatten weht. Umsonst, umsonst gelebt!
ZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[18] Zuruf

Es tobt der Sturm um Mittag in den Forsten,
Dass Zweige splitternd knicken in den Speichen.
Und Stamm um Stamm sinkt übern Weg, geborsten
Von seinen fürchterlichen Todesstreichen.
An alle Ufer süd- und nordwärts schlagen
Die Ströme hochgereckt und wild gebärdet:
Wie kannst du, Pilger, deine Wandrung wagen
Auf einer Bahn, so tausendfach gefährdet?
Um der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[19] Um der Liebe Willen

Ein Paar Verlorner, die in ihrem Wahne
Verpfänden Gut und Blut für ihre Fahne.
Verirrte Märtyrer, die sich verpflichtet,
Am Pfahl zu sterben, den sie sich errichtet.
Ihr hört sie nicht an Kreuz und Altarstufen
Wie Sünder hingestreckt um Gnade rufen.
Im Land der Knechte tragen sie mit Würde
Und aufrecht ihre unsichtbare Bürde.
Und büssen ohne Schuld und ohne Reue
Mit ihrem Leben schweigend ihre Treue.
Treu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[20] Treu bis in den Tod

Sie diente ihm getreu beflissen
Als Weib und Magd an fünfzig Jahr.
Sie schob ihm zu die besten Bissen,
Nahm seine kleinsten Wünsche wahr.
Sie hat zehn Kinder ihm geboren
Und hielt sie seinem Unmut fern.
Sie hat sich ganz in ihn verloren
Und ihm gehorcht als ihrem Herrn.
Nun starb er ihr. Noch lebenskräftig
Bleibt sie zurück verwaist und fremd.
Zum letztenmal für ihn geschäftig,
Bereitet sie sein Totenhemd.
Mit ihren Fingern welk und hager
Wäscht sie den kalten starren Leib
Und dient ihm an dem stillen Lager
Zum letztenmal als Magd und Weib.
WegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[21] Wegelagerer

Sie sind so müde. Täglich, bis zum Grabe,
Auf rauhem Weg ein Gang am Wanderstabe.
Sie sind so arm. In Not und Nacht geboren
Treibt jeder Morgen sie aus andern Toren.
Mit ihren Bündeln, ihren Bettelwaren,
Am Waldesrande hocken sie in Scharen.
Mit ihren Krücken an den Meilensteinen
Im Strassenstaube sitzen sie und weinen.
Verwaist, verzagt, an jedem Stein ein Müder,
Auf jeder Stirn ein Mal: sie alle Brüder –
Sie alle auf den Knien im Sande suchend
Ein Körnchen Goldes, betend oder fluchend.
VisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[22] Vision

Ich hatte einen Traum von Einsamkeit.
Die Menschen hatten alle mich verstossen
Und zitternd floh ich durch die Dunkelheit.
Kein Obdach, keine Hütte weit und breit,
Kein Leben ausser meinem in dem grossen
Irrgang der Flucht und der Verlassenheit.
Die Nacht war tief und wetterstrahlbedroht.
Am Firmament wie angeschmiedet lagen
Die Wolken schwarzumsäumt. Der Mond glomm rot.
Ein Jammern kam mich an in meiner Not,
Wie auf den Meeren die Verlornen klagen,
Wenn ohne Halt und Wehr versinkt ihr Boot.
In meine lauten Klagen durch die Nacht
Erbrauste der Posaunenschall der Rufer
Im Heer der ewigen Gewittermacht.
Und eine Flamme sah ich angefacht
Über den dunklen Fernen ohne Ufer –
Und bin in Graun und Gottesfurcht erwacht.
UnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[23] Unterwegs

Ich wandre in der grossen Stadt. Ein trüber
Herbstnebelschleier flattert um die Zinnen,
Das Tagwerk schwirrt und braust vor meinen Sinnen,
Und tausend Menschen gehn an mir vorüber.
Ich kenn sie nicht. Wer sind die Vielen? Tragen
Sie in der Brust ein Los wie meins? Und blutet
Ihr Herz vielleicht, von mir so unvermutet,
Als ihnen fremd ist meines Herzens Schlagen?
Der Nebel tropft. Wir alle wandern, wandern.
Von dir zu mir erhellt kein Blitz die Tiefen.
Und wenn wir uns das Wort entgegenriefen –
Es stirbt im Wind und keiner weiss vom andern.
KlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[24] Klage

Ich gleite wie ein Schatten an den Rändern,
Die schroff gebuchtet in das Drüben ragen,
Und seh die Hängebrücken aufgeschlagen,
Endlos und schmal, mit schwankenden Geländern.
Es flieht der Tag, das Sonnenlicht wird blässer,
In Dämmerung und Nebel sinkt die Küste.
Die Flut stürzt sich hinunter vom Gerüste
Und wälzt sich fort in endlose Gewässer.
Und eine Flucht am Strand und auf den Brücken,
Hinan, zurück, und wieder hin zur Ferne.
Und drüber liegt der Himmel ohne Sterne,
Und Sturm erhebt sich säulenstarr im Rücken.
Mit dumpfen Schlägen mühen sich die Ruder –
Mich treibt die Angst, ich selber will mich bergen
Und klammre mich in Not an einen Fergen:
Im Sturm dein Boot, gib mir die Hand, o Bruder!
So gleit ich wie ein Schatten an den Rändern,
Die schroff gebuchtet in das Drüben ragen,
Und seh die Hängebrücken aufgeschlagen,
Endlos und schmal, mit schwankenden Geländern.
HeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[25] Heimweh

O wüsst ich meiner Sehnsucht einen Fergen,
Dass er ihr eine sanfte Fährte weise!
So kehrt sie mir zurück aus hohen Bergen,
Todmatt vom Flug und fast erstarrt im Eise.
Ich wollte, dass ein leichter Kahn mich führe
Den Strom entlang in ebene Gelände,
Und dass ich dort durch eine niedre Türe
In einem stillen Hause Eingang fände.
Und drinnen nur von abendlichen Kerzen
Ein mildes Dämmerlicht am eignen Herde.
Ein warmer Raum, ein Kind an meinem Herzen,
Und eine Seele mein auf dieser Erde.
AhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[26] Ahnung

Oft flieh ich mitten aus der Hast
Der ungestümen Lenzgefühle,
Und meine Jugendlust verblasst
Zu einer bleichen Dämmerkühle.
Voreilend der gemessnen Zeit,
Die noch mit Sonnenlicht mich blendet,
Seh ich in der Vergänglichkeit
Das frohe Lebensspiel beendet:
Da, was mir ward und ich erkor,
Wie Hauch zerflattert im Entschweben,
Vor meinem Blick, ein dunkler Flor,
Verweht mein innerstes Erleben.
Im SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[27] Im Schnee

Schneegeriesel. Flocken über Flocken.
In der weichen Luft zerfliesst der Schaum,
Und kein Windhauch weht die Erde trocken.
Aber, wenn im Frost erstarrt der Flaum,
Reift er schnell zu glitzernden Kristallen
Und blinkt dann am Boden und am Baum.
– Nasser Schnee ist auf mein Haar gefallen –
In den Bergen türmt er sich zu Eis
Und zu donnernden Lawinenballen.
Von den Dächern tropft es leise, leis,
Und dazwischen gleiten und verschwimmen
Fern und ferner, kaum dass ich es weiss,
Dämmernde Gedanken, leise Stimmen
Wie Erinnern, wie ein Atem bloss,
Einer Sehnsucht aufgescheuchtes Glimmen.
Alles fliesst der Erde in den Schoss.
Dieses Lebens gleitende Gesichte,
Ungezählte Tropfen, Los um Los,
[28]
Einen Augenblick beglänzt vom Lichte –
Oder in der rauhen Luft gereift,
Und nun auf der harten Erde dichte
Sternkristalle, bis ein Wind sie streift.
Diesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[29] Diesseits – Jenseits

Diesseits das Ufer und der Strom,
Lichtgrün ein Rasen am klaren Strand.
Der hohe, strahlende Himmelsdom
Über Hügel und Wälder hingespannt.
Jenseits verhohlen und abgewandt,
Wie die schattenflüchtige Seele vom Leib,
Die fremde Küste – sie droht dir: Komm!
Und die Ufer des Lebens lachen: O bleib!
Diesseits eine unendliche Sicht.
Der selig empfangende Mutterschoss,
Geborgnes Keimen zum schäumenden Licht,
Ein Sonnendasein, ein Liebeslos –
Und dann hinüber auf schmalem Floss
Die unsichtbare Küste entlang,
Wo sich die Brandung lautlos bricht:
Ein irres Landen, ein dunkler Empfang.
Wir wandeln hoffend und unbedacht,
Wir gleiten hinauf, hinab.
Bei Tag, wenn die Sonne über dir wacht,
Schwingst du den Wanderstab.
Doch steht ein ragender Grenzpfahl fernab,
[30]
Kreuzpfade wirr ringsum –
Der weist mit den Zeigern in die Nacht,
Da stockst du schaudernd und stumm.
MottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[31] Motto

Lieber kein Glück. Nur lauter sein.
Nur keinen Schritt abseits vom Recht.
Nur keine Schuld, lieber kein Glück.
O Gott, ich stürbe, würd' ich schlecht!
BegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[32] Begegnung

Die Nacht war mondhell, doch die Wolken flohn.
Du kamst im Traum und bist im Traum entschwunden.
Als müsstest du erdulden Schmach und Hohn,
Trugst du die Spur von Herzensnot und Wunden.
Dein Mund war schmerzlich, deine Blicke fern
Und so verzagt, als wollt' kein Gott dir gnaden –
Ich hätt' um dich, um deinen Frieden gern
Ein Joch der Niedrigkeit auf mich geladen.
Ein eilendes Gewölk trieb schwarz und wild
An uns vorbei wie Todesschattenwehen,
Ich klammerte mich an dein stummes Bild
Und sank mit dir in Nebel und Vergehen.
WahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[33] Wahl

Aus ihrer Nacht verlangen wohl die Seelen
Im Licht der Welt einander zu begegnen.
Und suchend wagen sie sich zu entlegnen
Pfadlosen Wolkenhöhn hinan und wählen.
Aber verwirrt und sonnentrunken fehlen
Und straucheln sie auf den unsichern Steigen
Und müssen sich verhüllt hinunterstehlen
Und müssen ihre bange Flucht verschweigen.
Nur wenn ein Stern sich annimmt der Verwegnen,
Dann dürfen sie dort oben sich vermählen,
Und sich von ihrem Sehnsuchtsflug erzählen
Und ihren Stern mit stummen Zeichen segnen.
ZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[34] Zwiegespräch

Ich schleudre einen Pfeil dir ins Gewissen:
Was tatest du mit deiner jungen Sucht?
War sie dir Saatkorn, brachte sie dir Frucht,
Liessest du nicht die weise Kraft vermissen,
Die sich bedenkt und wägt, eh sie sich bindet?
O schwaches Herz, das seinen Lohn nicht findet!«
»Von meinem Tun geb ich dir Rechenschaft:
Ich prüfte nicht, ich hatte keine Wahl.
Nach Lohn nicht trachtend, sicher meiner Kraft,
Folgt' ich dem Rufe, den mein Herz befahl.
Uneingedenk der Dornen und der Fährden,
Gewillt, ein strenges Schicksal stark zu tragen,
Wollt ich kein andres Glück noch Ziel auf Erden,
Als meinem tiefsten Wahne nachzujagen.
Oft stockt mein Fuss. Und die Gewitter starren
Mir in den Weg, dass ich ihn schon verlor.
Doch immer wieder reisst es mich empor,
Ein trotz'ger Wille treibt mich zu beharren,
Und eine klare Sicherheit entwirrt
Dann meinen Sinn: Ich habe nicht geirrt!«
SpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[35] Spaziergang

Die Sonne steht schon tief. Wir scheiden bald.
Leis sprüht der Regen. Horch! Die Meise klagt.
Wie dunkel und verschwiegen ist der Wald!
Du hast das tiefste Wort mir nicht gesagt. –
Zwei helle Birken an der Waldeswand.
Ein Spinngewebe zwischen beiden, sieh!
Wie ist es zart von Stamm zu Stamm gespannt!
Was uns zu tiefst bewegt, wir sagen's nie. –
Fühlst du den Hauch? Ein Zittern auf dem Grund
Des Sees. Die glatte Oberfläche bebt.
Wie Schatten weht es auch um unsern Mund –
Wir haben wahrhaft nur im Traum gelebt. –
Dunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[36] Dunkle Macht

Durch Schlaf und Traum hörst du den Ruf der Nacht:
Er dröhnt in Wettern und er zuckt in Flammen.
Mit donnerndem Getöse bricht die Fracht
Des Sturms am Himmel über dir zusammen.
Durch Schlaf und Traum fühlst du die schwere Hand
Auf deiner Brust von deinen Kümmernissen,
Und unter deinem Kopf den feuchten Brand
Von deinen wilden Tränen auf dem Kissen.
Durch Schlaf und Traum winkt dir ein stummes Bild,
Das du nicht kennst, mit herrischer Gebärde.
Dem folgst du über nächtliches Gefild
Durch Schlaf und Traum bis an den Rand der Erde.
VorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[37] Vorfrühling

Märzstaub fliegt auf. Es fröstelt leicht.
Der Tag in langer Dämmrung bleicht.
Vom Wind das Pflaster blank gefegt.
Es klingt verloren, was sich regt.
Der Kinder Spiel ist eben aus.
Die Mütter winken sie ins Haus.
Es schreit in mir: Verratnes Herz!
Doch geh ich schweigend frühlingwärts.
WahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[38] Wahrspruch

Im Traume schritt ich jüngst ins Feld,
Zwei Männer mir zur Seite.
Sie hatten zum Geleite
Sich unterwegs zu mir gesellt.
Der Eine war mir fremd, doch war
Er mir als Freund erschienen.
Dies ward aus seinen Mienen
Beim ersten Blick mir offenbar.
Den Andern kannt' ich Zug für Zug.
Er war's, den unverblichen
Ich wie mit erznen Strichen
Als Bild in meiner Seele trug.
Wir gingen schweigend durch das Land
Zur Nacht. Ein abendspäter
Lichtschein verglomm im Äther.
Da nahm der Fremde meine Hand
Und sprach: Geloben lass mich laut,
Dass ich mich dir ergeben.
O wäre doch dein Leben
Auch meinen Händen anvertraut.
[39]
Der Andre drauf: Ihr Leben? Nein!
Die unsichtbaren Enden
Behalte ich in Händen.
Er sprach's und ging. Ich blieb allein.
ZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[40] Zwischenreich

Dies ist der Kampf der ungebundnen Seele,
Die mit den Mächten um ihr Vorrecht rechtet,
Und des gequälten Leibes, der geknechtet
Nun will, dass sie der Knechtschaft sich vermähle.
Erschreckt, geängstet um ihr Heil, beendigt
Sie nie den Streit, dass sie nicht jäh erliege,
Nicht gar zuschanden werde vor dem Siege –
In Tod und Untergang noch ungebändigt.
Der Fliehenden – daheim an keiner Stelle –
Zerrt Wind und Wetterhand an ihren Strängen,
Und halb herabgezogen bleibt sie hängen
In einem Abgrund zwischen Nacht und Helle.
SchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[41] Schicksal

Nun pflück ich jene herbe Frucht,
Die noch an den Gesträuchen dauert,
Wenn sie der Herbstreif überschauert,
Und die in ihrer starren Hülle
Verschlossen hält die Samenfülle,
Doch die der Wandrer nicht mehr sucht.
Der Blume Lebenssitz und Kern
Trug sie im Sommerglanz der Heide
Die Blütenkrone und Geschmeide
Daran wie schimmernde Opale.
Der Sommer schwand. Es platzt die Schale,
Der Wind trägt ihren Samen fern.
Es reift zu einer fremden Saat
Der Keim vom Blütenschoss gerissen,
Versenkt, verscharrt im Ungewissen,
Wie die Gewalten sich verkehren,
Die in den Lebenstiefen gären,
Zu fremdem Sinn und fremder Tat.
Aus dunklem Grund wächst mir ein Los.
Gehegt, genährt an meinem Herzen,
[42]
Gereift in Wunden und in Schmerzen,
Ehdem empfangen in Bedrängnis
Bereitet sich mir ein Verhängnis –
Die rauhe Frucht aus meinem Schoss.
Lied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[43] Lied eines Toren

Ich liebe die, die nicht zu leben wissen ...


Der Narrheit Raum! Wer hilft mir Berge ebnen!
Mein Wille ist ein Kreislauf, der nie endet.
Dem mühvoll Nutzlosen und dem Vergebnen
Hab ich mit Leib und Leben mich verpfändet.
Mein Hirn gab ich dem Wahn zum Herrensitze,
Von Truggebilden ist mein Blick umflimmert.
Ich klettre mittags auf die Kirchturmspitze,
Weil sie so golden in der Sonne schimmert.
Gestreckten Laufs und nimmermüden Fusses,
Zum Horizont, der immer wieder schwindet,
Folg ich den Krümmungen des raschen Flusses,
Bis er sein Bett im fernen Meere findet.
In Hass und Liebe ohne Mass und Grenzen,
In Überschwang und Frevel ohne Reue,
Lass ich mein Gold vor blöden Augen glänzen
Und werfe meine Perlen vor die Säue.
Blind hängt mein Torenherz an seinem Bunde.
Die Tage geb ich hin verlornem Sinnen
Und lass mir nachts aus einer offnen Wunde
Heimlich, zum Spass, die roten Tropfen rinnen.
Neuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[44] Neuer Reichtum

Ein Strauss von Goldlack, braun und rot, steht welk
In meinem Glas – ich mag ihn nicht entfernen.
Im Dämmerdunkel, hinter dem Gebälk
Von grauen Wolken, sucht mein Blick nach Sternen.
Das zarte Blätterwerk krümmt sich am Strauch,
Der Winter streift, bevor sein Lauf beendet,
Mit einem späten eiseskalten Hauch
Die Welt, die sich schon frühlingswärts gewendet.
Noch hält mein Traum die alten Bilder fest.
Und doch, und doch! auch ich, ich fühl's im stillen:
Wenn nun der Sommer leuchtet vom Geäst,
Bin ich gewachsen und erstarkt an Willen.
Wie jede Kraft, der Erde einverleibt,
Aufs neue wird aus ihrem Schoss geboren –
So, Herz, das zu verlieren fürchtet, bleibt
Dir, was du je besessen, unverloren.
TotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[45] Totenwache

Das Grab hielt dich die erste Nacht.
Mein Herz drang zu dir in die Erde,
In seiner Kümmernis bedacht,
Ob nichts die Ruhe dir gefährde.
Es stürmte. Wilder Regen brach,
Von Ungewittern losgerissen,
Mit jähen Stürzen auf mein Dach
Und rauschte in den Finsternissen.
Ich lauschte angstvoll und gepresst:
Wie, wenn im Zwang der Grabeswände
Ein letzter, allerletzter Rest
Gebannten Lebens noch empfände?
Wenn von der Erde Aufruhr, drin
Der Sturm entfesselt schlägt die Schwinge,
Ein schattenhafter letzter Sinn
Die ferne Botschaft noch empfinge?
GedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[46] Gedenken

Seit du zerflossen bist in Dunst und Geist,
Verfängt sich liebend und wie nie vertraut
Mein Blick im Raum, wenn das Gewölk zerreisst
Und in den Äther seine Pforten baut.
Da, in dem tief gegrabenen Gefild
Des klarsten, wolkenlosen Flecks Azur
Seh ich dich ohne Umriss, ohne Bild,
Als Schein und Schatten, Hauch und Seelenspur.
Um einen Schimmer, der als Abglanz blieb,
Kreist aller Traum. An jede Schwungkraft schliesst
Sich unsrer Seele namenloser Trieb,
Bis er mit einem Punkt des Alls verfliesst.
Seele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[47] Seele der Natur

Ein Hügel und darauf ein grosser Strauss
Von jungen Eichen überm Ackerland.
Und im Gebüsch versteckt ein kleines Haus –
Was ist daran, das dir den Blick so bannt?
Und drüberher das wechselvolle Spiel
Vom Licht der Sonne vor dem Untergang –
Was hält dich daran fest? Ein Wunsch, ein Ziel,
Ein Fernhintrieb, dein stiller Heimathang?
Was kommt dich an, wenn plötzlich sich im Raum
Der Abriss einer Welt vor dir erhebt?
Was ist die Kraft des Bildes, das wie Traum
Und Ahnung sich mit deinem Sinn verwebt?
Am StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[48] Am Strand

Das helle Ufer schimmert feucht
Vom Schaum der Welle, die entwich.
In silbern flirrendem Geleucht
Verliert sich fern sein letzter Strich.
Die Segelboote fliegen aus –
Von Mitternacht, von Norden her
Kommt eine Woge hoch und kraus:
Geliebtes Meer, geliebtes Meer!
LandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[49] Landschaft

Die hohen dichtgedrängten Wälder thronen
Auf Hügeln sanft gewölbt und abgedacht –
In Heimatschwermut rauschen ihre Kronen.
Sie sind erfüllt von Flucht und Wetterweben
Der zündenden Gewölke, die bei Nacht
Mit schwerem Flügelschlage drüber schweben.
Zu ihren Füssen, wo die breiten Pflüge
Gleichmässig Furchen ziehn im Ackerland,
Baut still ein enges Dasein sich Genüge.
Und von der Spanne Leben und dem Sterben
Webt Jahr um Jahr geheimnisvoll ein Band
Zu ihrem Blätterprangen und Verfärben.
In die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[50] In die Ferne

Die Mondessichel mit dem Abendstern
An dunkler Himmelswölbung tief und fern –
Das Leben am Gestade, wo ihr treibt,
Fliesst sachter, bis nur ein Erinnern bleibt.
Seefahrer ihr, an Bord der Mitternacht,
Vor Anker nun auf eurer Wanderwacht!
Seefahrer um den Pol der Ewigkeit
Im Kreis von Dunkelheit zu Dunkelheit!
ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[51] Erwartung

Eine Mutter denkt:
Kind in meinem Schoss!
Wie mein Blut dich tränkt,
So wächst dir ein Los.
Eine Mutter denkt:
Kind aus meinem Schoss!
Nun du mir geschenkt,
Wächst in dir mein Los.
Eine Mutter denkt:
Kind in meinem Schoss ...
Aus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[52] Aus deiner Liebe ...

Aus deiner Liebe kommt mir solch ein Segen,
Sie macht mein Herz so sorglos und so fest,
Ich kann so ruhig mich drin niederlegen,
Wie sich ein Kind dem Schlafe überlässt.
Ich geh dahin von Zuversicht getragen,
Seit neben deiner meine Seele schweift;
So, wie man wohl an schönen Sommertagen
Durch reife Ährenfelder sinnend streift.
Da gleiten sanft die Finger über Blüten
Und Halme hin, wie eine Mutter pflegt,
Und alles Leben möchte man behüten,
Das seine heil'ge Saat zum Lichte trägt.
ChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[53] Christnacht

Es steht ein Stern verloren
Hoch über einem Haus;
Drin ist ein Kind geboren:
Ein Licht geht von ihm aus.
Von wenigen vernommen
Tönt eine Botschaft fern:
Die Weisen und die Frommen
Verkünden jenen Stern.
Da lauschen alle Ohren,
Zu denen Kunde dringt:
Wo ist der Mensch geboren,
Der mir Erlösung bringt?
Die Stätte zu betreten,
Welch Weges muss ich ziehn?
Das Wunder anzubeten,
Wo gläubig niederknien?
WinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[54] Winter

Es treiben grosse Flocken dicht und schräg –
Der Wald hält still, die Zweige hängen träg.
Der Wind, der um die Wipfel wehte, schweigt.
Die Kronen haben langsam sich geneigt.
Um eine hohe Tanne rieselt kalt
Der Schnee: Mein Haupt wie Eis! Bin ich schon alt?
Durch hundert Jahre ist es nicht so weit –
Ich steh schon immer in der Ewigkeit.
Verstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[55] Verstreuter Besitz

Auf einer fernen Insel,
Wo die Schiffe nicht landen,
Gehört ihm ein Schloss,
Das die Meereswogen umbranden.
Und in den sagenhaften
Ländern am Südpol
Ist er Herr über Völkerschaften
Aus sieben getrennten Stämmen.
Seine Ahnen begannen
Im Pharaonenland,
Da die paar Häuflein Auserwählter
Der Knechtschaft entrannen.
Seine Wiege stand,
Immer umbraust
Von schwarzen Berglandstannen,
In eines Dörfleins Obhut.
Dort liegt sein Erbgut.
Doch ist er unbehaust,
Und irrt von Land zu Land.
Und sein schlecht gebettetes Haupt
Stösst oft an gekalkte Wand.
AuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[56] Auswanderer

Sie nehmen ihre Kinder an der Hand
Und ziehen fort; es duldet sie kein Land.
Grenzwächter sind auf ihren Weg gestellt,
Wie wenn ein Hund am Tor die Wache hält.
Sind überm Meer noch ein paar Ackerbreit,
Worauf nicht Gras noch Futterkorn gedeiht?
Sanddünen, die kein Sämann noch bewarf,
Dass dort ein Bettelvolk verhungern darf?
Der Bauch der Schiffe nimmt sie endlich auf,
Zum Ballast hingeworfen, Hauf um Hauf.
Und setzt sie an den fernen Küsten aus
Wie Findlingskinder vor ein fremdes Haus.
Getrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[57] Getrenntes los

Er sass nach langer Zeit bei ihr zu Gast.
Schweigsam. Die beiden waren ehmals Gatten.
Aus längst Erlebtem schoben sich verblasst
Herüber die zurückgedrängten Schatten.
Er sass und sann: Ich habe sie gekränkt,
Als uns noch Eide aneinander banden.
Sie sprach in sich hinein: Kaum noch gedenkt
Mein Herz der Qualen, die es ausgestanden.
Sie liebte mich. Gewiss hat sie verschmerzt,
Dass neues Schicksal unsre Bahnen störte. –
- Ich habe alles in mir ausgemerzt
Bis auf mein eignes Selbst, das ihm gehörte. –
Noch immer ist sie meinem Herzen wert.
Zeitlebens dank ich ihrem Edelmute. –
- An meines Lebens fernstem Punkt verjährt
Doch nimmer der Verrat an meinem Blute.
AbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[58] Abstammung

Mein Vater kam von ferneher ins Land.
Aus Gegenden mit reissend schnellen Flüssen,
Die er als Flüchtling hat durchschwimmen müssen,
Damit ihn Willkür nicht in Knechtschaft band.
Und nahm nichts mit auf seine Wanderschaft
Und war ihm nur verliehn statt aller Habe
Und aller Handwerkschaft die edle Gabe
Zu singen, und im Herzen eine Kraft.
Er war ein Gottesmann, der Brücken schlug
Auf Wolkenzügen in den lichten Äther
Und aufwärts trug die Inbrunst vieler Beter,
So hingegeben wie ein Vogelflug.
Aus seiner Heimat, menschenarm und weit,
Klang in ihm nach im Ton der Hirtenflöte
Das stumme Dulden langgewohnter Nöte
Und eines alten Volkes Traurigkeit.
Und eingegraben war in Sinn und Mark
Ihm fromme Weisheit einer alten Lehre;
Die tat er kund und lebte ihr zur Ehre,
Und ward geliebt, und starb so jäh wie stark.
Spät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[59] Spät im Jahr

Der Herbst verflog. Der erste Nachtfrost kerbt
Die Felder, drauf die Spätfrucht abgeräumt,
Der Waldesboden ist kahl und entfärbt,
Der Wegrand rissig und mit Reif besäumt.
In klarer Luft fliegt hoch am Horizont
Die Krähe und entspannt die Flügel weit,
Die Welt ist nur von ferne noch besonnt,
Man spürt: es währt nicht lange, bis es schneit.
In einem Meer von grauen Nebeln rinnt
Der Tag ins Dunkel und lang wird die Nacht;
Es scheint, das Leben feiert oder sinnt,
Wie eine alte Mutter, die vollbracht
Ihr Tagwerk und nur noch der Kinder denkt,
Und einzig nur von ihrem Glücke zehrt,
In ihre fernste Zukunft sich versenkt,
Und die doch einsam ist und abgekehrt.
MelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[60] Melancholie

Der du mir Kinder schenktest, Stern
Des Lebens, dass ich wandle
Wie träumend, selig bis zum Kern –
Allmacht, aus der mir Fülle quillt,
Dass mit jedem Tage
Ich neu entbrenne
Und Ehrfurcht trage
In tiefster Brust – ich nenne
Dich Glück, das mit geliebtem Munde
Mir lächelt, ausersehen,
Und geweiht
Vom Genius der Liebe –
Und weiss: du bist im Grunde
Unendliches Vergehen,
Schmerz, Trauer, Ewigkeit.
Lied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[61] Lied der Mutter

Mein Kind, mein Kind! In Knospenhülle ruht,
Dem Sorgenblick entzogen, noch dein Los;
Du lebst von meiner Achtsamkeit und Hut.
Mein Kind, mein Kind! Du wirst nun langsam gross
Und tust erstaunte Blicke in die Welt;
Längst zieht es dich nicht mehr nach meinem Schoss.
Mein Kind, du bist schon auf dich selbst gestellt;
Gleich einem Strom gewinnst du eignen Lauf
Zu Fernen, die kein Lichtstreif noch erhellt.
Mein Kind, ein neues Volk wuchs mit dir auf!
Wird, was wir nur geahnt, in euch Gestalt?
Zieht, was wir nur ersehnt, mit euch herauf?
Mein Kind, die Zeit zerstob, ich werde alt:
Wird eurer Kinder Zukunft anders sein,
Wenn unsre bangen Stimmen längst verhallt?
Wo Männer knirschten, werdet ihr befrein?
Im Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[62] Im Lauf des Lebens

Oft muss ich denken: Wie mein Haar ergraut!
Sind denn noch immer blühend meine Wangen?
Wie wenn ein Wanderer nach rückwärts schaut
Und zu sich spricht: Wie bin ich weit gegangen!
Dann drängt inbrünstiger noch mein Gefühl
Sich zu dem Heute, das noch nicht entschwebte,
Und der Vergangenheit enttaucht so kühl,
Was ehedem so schmerzlich ich durchlebte.
So kommt ein Freund, den du verlorst, vielleicht
Von ungefähr dir übern Weg nach Jahren,
Und während fragend man die Hand sich reicht,
Schweigt man von allem doch, was man erfahren.
Die Augen nicken sich wohl grüssend zu,
Wie voll Bedauern, aus gesenkten Lidern;
Das Herz spricht unvernehmlich: Bist es du?
Und fühlt sich fremd und weiss nichts zu erwidern.
SchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[63] Schnee

Fällt um dunkle Bäume weich der Schnee,
Lange sacht, dann aufgewirbelt, jäh.
Hüllt den Tag in dämmerndes Gewühl,
Breitet auf die Erde Pfühl um Pfühl.
Wandert einer, und er sieht den Flaum;
Denkt er: weiches Bette, weiter Raum!
Wandert einer und er weiss kein Dach,
Denkt: hier fände ich ein Wohngemach!
Ist wie zugehangen rings die Welt,
Schiebt sich eng zusammen wie ein Zelt.
Busch und Bäume stehen unbewegt
Und von Einsamkeit wie eingehegt.
BeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[64] Beschränkung

Wie jene Frauen von einfältgem Sinn,
Die so voll Demut ihren Gatten eigen
Wie Mägde sind, und die sich von Beginn
Bis an ihr Ende seinem Willen neigen,
Die, wie in Dumpfheit, ihre Liebe, drin
Ihr Dasein eingeschlossen liegt, mit Schweigen,
Wie bei dem Opferdienst die Priesterin,
In Sorgfalt nur und treuem Tun bezeigen:
So ist mein ganzes Sein um dich gefaltet
Und hat nach keinem Äussren mehr Bestreben,
Als seien Ziel und Fernsicht ihm entschwunden
Und jede Sehnsucht fast in mir erkaltet:
Und ist mir doch, ich sei, dir hingegeben,
Der Welt und allem Menschenlos verbunden.
Ein GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[65] Ein Gedenkblatt

Du gingst so vorschnell aus der Welt
Und liessest so das Leben stehn,
Wie, wenn sie Müdigkeit befällt,
Die Kinder abends schlafen gehn.
Du schwebst mir vor so licht und wert.
Durch harte Manneskämpfe blieb
Auf deinen Lippen, unversehrt,
Ein Knabenlächeln zart und lieb.
Im Walde liegt so tief der Schnee,
Wie liegt er hoch auf deinem Grab!
Du bist dahingegangen, eh
Dein Schicksal dir Genüge gab.
Weiss wer, wo sich der Wind erhebt?
Kennt wer der Wanderwolke Fahrt?
Du schweiftest fern und bist entschwebt
Nach Windesweise, Wolkenart.
LebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[66] Lebenseinklang

Du gibst mir Fülle, Glück, Genüge, Weihe;
Du breitetest ein Los vor mich, so klar,
Dass, sanft gefügt zu einer goldnen Reihe,
An mir vorübergleitet Jahr um Jahr.
Mir ist, als ob in deiner Hut gedeihe
Das Kargste, das in mir verschlossen war,
Als ob dein starker Sinn mir Mut verleihe,
Reichst du mir nur dein Wort zum Stützpunkt dar.
War ich vereinsamt, eh ich dich gekannt?
Kamst du zu mir, wie oft in letzter Stunde
Noch Rettung naht, und riefst mich auf zum Bunde?
Ich weiss nur, dies ist alles wie zerronnen,
Als hätte ich mein Leben neu begonnen –
Und bin doch allen Schmerzen noch verwandt!
Dämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[67] Dämmerung im Vorfrühling

Der Tag bleicht. Letzte Helligkeit
Quillt aus dem ebenmässigen Gewölk.
Die Erde trocken und befreit
Von Schnee; nur hie und da die Spur
Von dünnem Eise, wie Glasur.
Die Dunkelheit wächst sanft und stät;
Ein Licht, das aufblitzt, glimmt noch matt;
Die Kinder spielen noch so spät,
Der Tagesfreuden nimmer satt.
Die Menschen schreiten säumig, wie verführt;
Und atmend heben sie das Kinn
So an die Luft, als läge drin
Für sie ein Etwas, das den Sinn
Wie eine wahre Seligkeit berührt.
VerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[68] Verwandlung

Ich sehe oft dein früheres Gesicht,
Geliebter, und es glückt mir, einen raschen
Verlornen Ausdruck, der wie Sonnenlicht
Vorbeihuscht, im Erinnern zu erhaschen.
Und manchmal überkommt mich wie ein Bangen
Nach meinen Kindern, da sie noch ganz klein
Und hilflos waren, und der erste Schein
Von zärtlichem Verstehen ihre Wangen
Sanft überflog, und das Nachmirverlangen
Und die Befriedigung, bei mir zu sein.
Und meines Vaters Bild enttaucht den Gründen
Der Ewigkeit, so wie ich ihn gekannt;
Und ob darüber Jahre auch vergingen,
Bin ich oft jäh in seinen Kreis gebannt,
Und seh mit mildem Feuer sich entzünden
Die Blicke, die so an den Fernen hingen.
Und seh mich selbst, ein Wesen, das mir glich,
Zuerst als Kind, dann jung erblüht und allen
Verkündigungen zugewandt und offen,
Vertrauen, Glück begehren, zagen, hoffen –
Und dann dies alles von mir abgefallen,
Vertraut und fremd und immer doch noch ich.
BotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[69] Botschaft

Du kannst das Heil nicht allen Menschen bringen;
Doch werden Hunderte sich um dich scharen,
Die willig sind zu dienen und willfahren
Und stark in ihrem Glauben ans Gelingen.
Nur um die wenigen gilt es zu ringen,
Dass diese ihren Brüdern offenbaren,
Was ihnen selbst im Innern widerfahren,
Mit Gläubigkeit einander zu durchdringen.
Millionen sind es, die vor Gott sich beugen,
Doch nur ein Häuflein kündet den Gesandten,
Der in ihr Reich zurückführt die Verbannten.
So sollst auch du ins Volk die Botschaft tragen
Von der Erneuerung in unsern Tagen –
Und da und dort wird einer für dich zeugen.
Ein TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[70] Ein Tag

Von dem Glanz, der auf dem Morgen lag,
Ging mein Herz in freudigerem Schlag.
Von der Wolke, die am Mittag kam,
Ward er überschattet wie mit Gram.
Von dem Licht, das aus dem Abend quoll,
Ward er bis zu Tränen schwermutsvoll.
Von dem Schimmer, der die Nacht umwand,
Ward er still und selig bis zum Rand.
GefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[71] Gefahr

Ihr spracht zu viel. Ihr liebt, euch zu verbünden,
Zu vielen Gleichgesinnten eure Nähe.
Dass keiner nur den andern missverstehe,
Rangt ihr so sehr, einander zu ergründen.
Doch darbt ihr. Und so viele sich entzünden
An eurer Art, und ob gleich jeder spähe,
Dass ihm die fremde Seele nicht entgehe, –
Ihr könnt doch nimmer in dem Einen münden.
Nehmt euch zurück. Und hütet eure Schwelle,
Damit ihr nicht zuletzt euch selbst vermisset,
Und das verlorne Ich zu spät euch mahne.
Und schützt die Seele vor zu scharfer Helle,
Dass ihr so viel nicht mehr vom andern wisset,
Und jeder doch den andern tiefer ahne.
Christian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[72] Christian Wagner

(Zum 75. Geburtstag des Dichters)


Die Erde gab ihm ihre reinen Früchte
Aus freier Hand. Auf offner Flur
Gedieh er wetterhart und bot die Stirne
Den Stürmen und dem Frieden der Natur.
Bei Pflug und Sense blichen seine Haare,
Und unter ein bescheidnes Hüttendach
Trat er am Abend,
Wo er das Brot auf blankem Tische brach.
Wie ein Ermit im Walde, seine Krumen
Mit Tieren teilend, die ihn stets umgeben,
Und mit Verstorbenen im Bunde,
Verkündet er das seelenhafte Weben,
Das lichtvoll, über einem dunklen Grunde,
Verkettet Menschenlose, Tiere, Blumen.
TolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[73] Tolstoi

Er trug den Bauernkittel und tat ab
Den Reichtum. Keine Rechte
Vor dem Bedürftigsten nahm er für sich
Und lebte besser nicht als seine Knechte.
Wie ein Prophet des alten Bundes, ganz
Von Liebe voll in seinem Grimme,
Erhob er warnend, wie aus erznem Mund,
Und dennoch heilverkündend seine Stimme.
Zwei waren in ihm mächtig: Volk und Gott.
Und Haus und Hof verliess er, um im Weiten,
Dem Menschenschwarm entrückt, an stiller Bucht
Ins Meer der Ewigkeit hinauszugleiten.
Ewige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[74] Ewige Gegenwart

Um eine tausendjährige Fabel spürt
Noch Gram mein Herz und geht hoch
Wie Springkraut, das man berührt.
Um eine längst verschollene Untat trübt
Sich noch mein Sinn und ergrimmt
Ob des Frevlers, der sie verübt.
Um die verjährte Schmach von Urahnen sprüht
Noch Racheglut und glimmt
Im alt vererbten Geblüt.
Um die Erniedrigung von Geknechteten pocht
Mein Pulsschlag ungestüm,
Als wäre ich selbst unterjocht.
Ein Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[75] Ein Blatt von Thoma

Ein Fabeltier, halb Drache, halb Delphin,
Zerteilt die Flut, gewaltig wie ein Kiel,
Und trägt ein Flügelknäblein auf dem Rücken;
Das hält das Tier am Zügel, wie im Spiel,
Und lässt sich, unbesorgt um seine Tücken,
Durch den bewegten Schwall der Wogen ziehn.
So taucht mit einem Mal aus Braus und Wust,
Ein Schreckbild unserm traumbefangnen Sinn,
Zu uns empor die Ungestalt der Jahre –
Doch sieh: ein heller Genius unsrer Brust
Zäumt sie, als ob er Schrecknis nicht gewahre,
Und zuversichtlich schwebt er so dahin.
Geschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[76] Geschlossener Ring

Vielleicht dass einst, wenn wie in Luft zerronnen
Sich dein Gelebtes deinem Blick entwand,
Dir müd im Schosse liegt die welke Hand,
Du wieder münden wirst, wo du begonnen.
Vielleicht dass da aus heimlichen Verstecken
Dein Kindsein aus den späten Zügen bricht,
Das wie ein allerinnerstes Gesicht
Die harten Alterslinien nur verstecken.
Vielleicht dass dumpf vertrauend ein Begehren
Den schon auf Erden fremden Geist befällt,
Dass er mit Vater, Mutter Zwiesprach hält,
Wie um in ihren Schoss zurückzukehren.
Vielleicht dass bis in seine letzten Falten
Das Herz sich dann entsiegelt und so rein
Und willig sich zurückgibt an das Sein,
Wie es dem vollen Leben stillgehalten.
AbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[77] Abendmahl

Es drängt die gläubig fromme Beterschar
Sich in die weit geöffneten Portale,
Auf Knien zu empfangen am Altar
Aus Priesterhänden die geweihte Schale.
Am Kruzifix die leidende Gestalt
Schwebt milde über ihren Büssermienen:
Doch Leib und Blut, die mystische Gewalt
Von Brot und Wein, ist ohne Macht an ihnen.
Ein glaubenloser Träumer sitzt beim Schein
Der Lampe, sinnend über jener Lehre
Von dem geheimnisvollen Brot und Wein,
Mit dem man Leib und Blut des Herrn verzehre.
Aus aller Inbrunst dunkelster Magie
Taucht sie empor wie eine Zauberweise:
Er hält den Kelch, er bricht das Brot, und sieh:
In seiner Seele göttlich wird die Speise.
FrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[78] Frühlingslied

Lenzwärme streift um Niederung und Hänge,
Der Früh- und Abendwind weht ohne Strenge,
Was sich an Leben regt, entstrebt dem Zwang;
Die Sonne flimmert auf Gebüsch und Hecken
Und lässt nicht nach, zu wirken und zu wecken,
Bis alles Knospendasein sich entrang.
In Kraft und Fülle will es sich ergiessen –
Nehmt hin, nehmt hin, ihr könnt euch nicht verschliessen,
In euren eignen Herzen schwillt die Saat;
Sie werden wie die Äcker stehn in Garben,
Gebt auch den Brüdern, dass sie nicht mehr darben,
Lenzlust und Frühlingsglaube werde Tat.
Denn unfruchtbare Elemente fahren
Vernichtend über das Gewächs von Jahren
Und tilgen alle Frucht bis auf den Keim;
Die Ungezählten stranden auf den Schiffen
Und scheitern in den Wellen, an den Riffen
Und fallen Rach- und Mordbegier anheim.
Die Erde beut, der Strom reisst es von hinnen:
Wir säen aus, wir planen, wir beginnen,
[79]
So wie das Frühlingswetter braust und gärt –
Die ungezähmten Erdenkräfte schaffen
Und streuen aus – wir wollen nichts erraffen,
Als was der Mensch dem Menschen gern gewährt.
BusstagFrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[80] Bußtag

Ein Bild steigt auf aus meinen Jugendtagen.
Im Gotteshause stehen Reih an Reihe
Die Männer, Betgewänder umgeschlagen,
Sich neigend nach geheimnisvollen Riten;
Mein Vater unter ihnen singt mit Weihe
Die Bussgebete der Israeliten.
Sein Haar ist silbern, und das weisse Leinen
Der Priesterkleidung fliesst um seine Glieder.
Gewaltig drängen zu dem furchtbar Einen,
Der Licht und Wolken bläst vom Firmamente,
Und bitten und beschwören immer wieder
Die klagenden, vertrauenden Akzente.
Dann zu noch reuevollerer Kasteiung
Sinkt in die Knie die ganze Schar der Beter,
Um ihrer Busse willen die Befreiung
Aus Sünden und dem Joche der Bedränger
Erflehend von dem starken Gott der Väter.
Aufrecht steht nur der priesterliche Sänger.
Doch nun mit weit ausgreifender Gebärde
Beugt er das Knie zum Anruf um Vergebung
Und legt sich mit dem Antlitz auf die Erde
[81]
Und preist den Namen, der von Sünden reinigt,
Und aus Gebet und Busse und Erhebung
Klingt seine Stimme wie mit Gott vereinigt.
Die SchlachtBusstagFrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[82] Die Schlacht

Die Erde dröhnt von Trappen und Gestampf,
Die Regimenter ziehen in den Kampf.
Wie ausgetretne Ströme tosend nahn,
So überfluten sie den weiten Plan.
Feind dringt zu Feind, zu Tausenden entlässt
Die Söhne Nord und Süd und Ost und West.
Ein Aufmarsch ohne Ende, – mehr und mehr –
Der Mutterboden gibt sie willig her.
Nun stockt der Fluss, der sich nach rückwärts ballt,
Das Ziel ist da, die Vordern machen halt.
Noch wogt und wimmelt es am Horizont,
Doch fest in Reih und Glied starrt schon die Front.
Die Schlacht beginnt, die Gräben sind verschanzt,
Feldzeichen und Geschütze aufgepflanzt.
Dann streicht der Kugelregen durch die Flur
Und streift die Männer weg wie eine Schur.
Kommandoruf ergeht von Korps zu Korps
Und neue Bataillone stürmen vor,
[83]
Stehn einen Augenblick wie eine Wand,
Und schon im nächsten liegen sie im Sand.
Hernach, wenn sich verzogen Marsch und Ritt
Geht Einer übers Feld, wie nach dem Schnitt.
Sieht diese Ernte in den Staub gestreckt,
Die wilden Garbenbündel blutbedeckt,
Und wie ein Ackersmann, dem man zertrat
Die reifen Halme und zerschlug die Saat,
Hebt er die Hände schmerzgeballt und schwer
Wie strafend hinter dem Verderber her
Und schlägt sie vor die Augen dann voll Pein:
O Ackerland, wer macht dich wieder rein!
HeimatliedDie SchlachtBusstagFrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[84] Heimatlied

Dies ist die Heimat: jener Waldesrand,
Der dir ins Nahe rückt den Himmelskreis,
Am Wiesenabhang das bestellte Land
Und alles, was das Herz an Liebe weiss.
Dies ist die Heimat: jener Baum im Wind,
Mit Wipfeln wirr gesträubt und altersschwer,
An den dein Trieb sich anschmiegt dumpf und blind,
Als wären eines Leibes du und er.
Dies ist die Heimat: jener dunkle Bann
Von Furcht und Schwermut, der dich früh umfängt,
Das Erbteil deines Bluts und was daran
Von deinem vorbestimmten Schicksal hängt.
Dies ist die Heimat: jener stille Hang
Zur Erde, die dich trägt, zu Mensch und Tier,
Dass alles Leben wie ein Widerklang
Der eignen Brust und wie ein Stück von dir.
UnvergänglichkeitHeimatliedDie SchlachtBusstagFrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[85] Unvergänglichkeit

Die Erde, die dein Mund und Auge preist,
Hallt kräftig unter deinen Wanderschritten;
Auf freier Höhe stehst du nun inmitten
Der weiten Landschaft, die das Leben heisst.
Eng angeschlossen an den Himmelssaum,
So dass er es zerteilt mit seiner Schneide,
Und immer wieder hinter jener Scheide
Wälzt sich das Meer im uferlosen Raum.
Weltgläubig fromm, von Andacht übermannt
Und ganz von deinem Gotte voll und trunken
Bist du am Ufer in die Knie gesunken,
Ein seliger, verzückter Korybant.
Im Sturm frohlockend liessest du dich schwank
Und stählern von den Elementen tragen;
Und noch den Wettern, die zerstörend schlagen,
Gabst du dich preis und nahmst sie hin mit Dank.
Versenkt ins Rauschen deines Blutes, tief
Und tiefer auf den Wesensgrund zu schürfen,
Vernahmst du, wie im innigsten Bedürfen
Der eignen Brust die Menschennot dich rief.
[86]
Die Welle staut sich, wo am Rand der Bucht
Unendlichkeit und Leben sich berühren
Und ihren ungemessnen Raub entführen
Die schwarzen Fluten stumm in jäher Flucht.
Die Jahre zwingen dich in ihr Gesetz
Und furchen dir die Stirne im Entweichen;
Doch löst mit einer Schwungkraft sondergleichen
Die Seele sich aus ihrem dunklen Netz.
Getrost und unvertraut mit allem Sein
Lässt sich der Dichter in die Zukunft gleiten;
Auf Erden schon enthoben in die Weiten
Wächst er in Zeit und Ewigkeit hinein.
EmpörungUnvergänglichkeitHeimatliedDie SchlachtBusstagFrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[87] Empörung

Es freuen sich die Schergen und die Schächer,
Dass man die Unschuld peinigt und verhöhnt,
Gebunden steht das Opfer, dran ein frecher
Tyrannendünkel seiner Willkür frönt.
So muss zu Fluch und ewigem Verderben
Der Schwache dulden die metallne Faust,
Die, ihm ihr Schandmal in das Fleisch zu kerben,
Auf den gebeugten Nacken niedersaust.
Zu seinem mörderischen Handwerk rüstet
Sich auf dem Markte der gedungne Knecht,
Der Menschenwohnungen zu Staub verwüstet,
Vom Boden tilgt ein wehrloses Geschlecht.
Wie von bekränzten Stieren, an Altären
Dem frommen Opfertod geweiht, raucht warm
Das Menschenblut zu einer Gottheit Ehren
Und keiner fällt den Henkern in den Arm.
Einst tönte eine Botschaft in die Lande,
Die in Erbarmen wandelte die Gier
Und schlug um alle Menschen Liebesbande:
Was ihr den Ärmsten tut, das tut ihr mir!
[88]
Wo wächst die Kraft, dass sie die Flammen schüre,
Den Mordgeist wie ein Spukgebild verscheuch',
Mit Allgewalt an alle Herzen rühre:
Was diesen hier geschieht, das tut man euch!
Wann schwillt zu solch zerstörerischer Welle
Getretner Menschengeist, dass er sich bäumt,
Wild überflutet seine eigne Schwelle
Und dann gelassen wieder weiterschäumt?
VergänglichkeitEmpörungUnvergänglichkeitHeimatliedDie SchlachtBusstagFrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[89] Vergänglichkeit

O wie die Jahre lasten auf den Toten!
Die ungeheure Grabesdunkelheit
Um ihre Häupter tausendfach verdichtet,
Die Erde über ihnen aufgeschichtet
Und alles Erz und Stein darauf errichtet,
Wiegt nicht so schwer auf ihnen wie die Zeit.
Zuerst vom Reich des Lebens abgeschnitten,
Sind sie in unsern Kreis noch eingebannt.
Sie schweben schattenhaft vor unsern Sinnen
Und haben teil an all unserm Beginnen
Und halten uns bei Tag und Nacht tief innen
Mit ungebrochner Wesenskraft umspannt.
Allmählich aber bricht in sich zusammen
Das lebensgleiche Trugbild ihrer Macht.
Auf ihren Gräbern welken und verbleichen
Die Liebesgaben und die Namenszeichen,
Und aus dem Sinn der Lebenden entweichen
Die Schatten immer tiefer in die Nacht.
Weitab verflattern frühere Geschicke,
Erkennbar kaum dem Blick und abgeschwächt:
Von Vater, Mutter nennst du so die Namen,
[90]
Wie du von Ahnen sprichst, die vor dir kamen,
Und später Enkelspross aus deinem Samen
Ist dir ein fremdgeartetes Geschlecht.
Die Nachgebornen eilen von den Stätten,
Wo sich versammelt ihrer Väter Staub.
Sie ziehen ihres Wegs dahin und ahnen
Nicht, was sie treibt die selbstgewählten Bahnen
Und sind in ihrem Innersten den Manen
Urväterlichen Blutes kalt und taub.
O wie die Jahre lasten auf den Toten!
Die ungeheure Grabesdunkelheit
Um ihre Häupter tausendfach verdichtet,
Die Erde über ihnen aufgeschichtet
Und alles Erz und Stein darauf errichtet,
Wiegt nicht so schwer auf ihnen wie die Zeit.
Die Alte FrauVergänglichkeitEmpörungUnvergänglichkeitHeimatliedDie SchlachtBusstagFrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[91] Die Alte Frau

Täglich sitzt sie in Erinnerungen,
Ihre Hände auf den Knien verschlungen.
Eingesponnen in ihr Traumgewebe,
Schaukelnd auf versunkner Zeiten Schwebe.
Ihre Quellen haben sich geschlossen,
Sind ins Innere zurückgeflossen;
Auf dem dunklen Seelenspiegel jagen
Sich die Schatten von gelebten Tagen.
Immer weht es aus dem Unsichtbaren:
Ist sie nicht die Gleiche wie vor Jahren?
In dem unterirdischen Verstecke
Sprengt ihr frühes Selbst die leichte Decke,
Drängt mit ungebrochnen Schmerzgewalten
Sich im Bild der Seele zu gestalten.
Scheu verschlossne Sehnsuchtstriebe springen,
Zitternd, sich aufs neue darzubringen.
In dem Sternenglanz der Allmacht spiegelt
Sich ihr Sein vollendet und entsiegelt.
AbendgesangDie Alte FrauVergänglichkeitEmpörungUnvergänglichkeitHeimatliedDie SchlachtBusstagFrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[92] Abendgesang

Wandre, Seele, nimm dir zum Geleit
Wind und Wolke, morgen bist du weit.
Frühe schimmert; Dämmrung schwindet ganz,
Dunst wird Bläue, Nebel wird zum Glanz.
Äther flutet flimmernd wie ein Meer:
Bist du jung? Bist du von alters her?
Sieh, die schwarzen Tannen stehen dicht!
Gipfel tauchen aus der fernsten Sicht.
Aus der Ebne, zwischen reifer Saat,
Blitzt ein Fluss herauf wie Silberdraht.
Kommt ein Dunkel, greift dir Sturm ins Haar,
Jagt Gewölk wie eine Flüchtlingsschar –
Streift dich Steingerölle, das da fiel:
Bist verirrt und findest doch dein Ziel.
Über Abend wird der Sturm gelind:
Schlafe, schlafe nur im offnen Wind!
Liegst so in der sternenreichen Nacht,
Leuchtest wie ein Bergsee aus dem Schacht.
Wandre, Seele, nimm dir zum Geleit
Wind und Wolke, morgen bist du weit.
Marcia FunebreAbendgesangDie Alte FrauVergänglichkeitEmpörungUnvergänglichkeitHeimatliedDie SchlachtBusstagFrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[93] Marcia Funebre

Begrabt die Männer, dass nicht das Getöse
Des Schlachtgemenges länger sie umschallt,
Und dass vom Todeskrampf, der sie umkrallt,
Die Erde ihre starren Glieder löse.
O traure, traure, Herz, an den Gebeinen
Der Mannheit, die dem rohen Schwert erlag,
Zehntausend starben dir an einem Tag,
Beweine sie, als weintest du um einen!
Auf fahlen Äckern stockt in breiten Spuren
Das frisch vergossene, noch warme Blut;
Vergeudet, wie ein allzufrühes Gut,
Verwest die Frucht der Mütter auf den Fluren.
Mit Dunkel überziehend ihre Namen,
Sprengt über sie der erzbeschlagne Tross,
Dicht Mann bei Mann, erlöschen Stamm und Spross,
Und auf verheertem Grund zerfällt ihr Samen.
Begrabt die Männer, dass nicht das Getöse
Des Schlachtgemenges länger sie umschallt,
Und dass vom Todeskrampf, der sie umkrallt,
Die Erde ihre starren Glieder löse.
MelancholiaMarcia FunebreAbendgesangDie Alte FrauVergänglichkeitEmpörungUnvergänglichkeitHeimatliedDie SchlachtBusstagFrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[94] Melancholia

Das Auge, das sich in dem Graus verliert,
Der langsam um den Erdball rast,
Wird vor Entsetzen irre und gefriert,
Wie wenn im Tod es brechend sich verglast.
Weh ohne Mass, ins unbegrenzte All
Wie ein empörtes Meer hinausgeschnellt,
Wo es mit millionenfachem Prall
An starrer Luftschicht wesenlos zerschellt!
Das ist der Erbfluch unausrottbar zäh,
Der das Geschlecht mit seinem Bann umfing,
Als in verworrnem Urtrieb dumpf und jäh
Zum ersten Mal sich Blut am Blut verging.
Aus euren Träumen wuchs der wilde Geist,
Von Höllenlicht umlodert und umqualmt,
Den mit verstörten Sinnen ihr umkreist,
Und den ihr Gott nennt, weil er euch zermalmt.
Fühllos und ohne Ohr für euer Flehn,
Tut er mit Tod und Grauen euch Bescheid
Und lässt er ohne Ende blind geschehn,
Dass ihr die Opferer und Opfer seid.
SchreckbildMelancholiaMarcia FunebreAbendgesangDie Alte FrauVergänglichkeitEmpörungUnvergänglichkeitHeimatliedDie SchlachtBusstagFrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[95] Schreckbild

Noch gestern klang ein Wort von Mund zu Mund –
Menschheit – beseeltes Bündnis aller Zonen!
Im Fluge kreisend um das Erdenrund,
Umfing die hingegebne Brust Millionen.
Menschheit! Du Urmacht gleich der Ewigkeit,
Von der von jeher Tausende entbrannten,
Zu frommem Dienst und Opfertod bereit,
Für die verbluteten die Gottgesandten –
Zernagte dir ein Dämon das Gebein,
Bis aufgerissen deine Weichen klafften,
Frass in dein Lebensmark ein Frost sich ein,
Dass du zerfällst in wirre Völkerschaften?
Oder verfluchtest du den eignen Schoss
Und lässest deine Brut elend verkümmern,
Gibst ihr mit eigner Hand den Todesstoss,
Dass sie verende unter Schutt und Trümmern?
Aus grauer Vorzeit schwelt es in den Tag
Von Moderdunst und blutgefärbten Nebeln;
Die Bruderstämme holen aus zum Schlag,
Einander zu vernichten und zu knebeln.
[96]
Die Welt einäschernd, wie wenn Berge spein,
Wogt Untergang in allen Himmelsstrichen,
Und wie versteinert starrst du – Menschheit – drein,
Gleich einer Larve, draus der Geist entwichen.
Mit den BesiegtenSchreckbildMelancholiaMarcia FunebreAbendgesangDie Alte FrauVergänglichkeitEmpörungUnvergänglichkeitHeimatliedDie SchlachtBusstagFrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[97] Mit den Besiegten

Preist Ihr den Heldenlauf der Sieger, schmückt
Sie mit dem Ruhmeskranz, Euch dran zu weiden –
Ich will indessen, in den Staub gebückt,
Erniedrigung mit den Besiegten leiden.
Geringstes Volk! verpönt, geschmäht, verheert
Und bis zur Knechtschaft in die Knie gezwungen –
Du bist vor jedem stolzeren mir wert,
Als wär' mit dir ich einem Stamm entsprungen!
Heiss brennt mich Scham, wenn das Triumphgebraus
Dem Feinde Fall und Untergang verkündet,
Wenn über der Zerstörung tost Applaus
Und wilder noch die Machtgier sich entzündet.
Weit lieber doch besiegt sein, als verführt
Von eitlem Glanz – und wenn auch am Verschmachten,
Und ob man gleich den Fuss im Nacken spürt –
Den Sieger und das Siegerglück verachten!
Unter der SchwelleMit den BesiegtenSchreckbildMelancholiaMarcia FunebreAbendgesangDie Alte FrauVergänglichkeitEmpörungUnvergänglichkeitHeimatliedDie SchlachtBusstagFrühlingsliedAbendmahlGeschlossener RingEin Blatt von ThomaEwige GegenwartTolstoiChristian WagnerGefahrEin TagBotschaftVerwandlungDämmerung im VorfrühlingLebenseinklangEin GedenkblattBeschränkungSchneeIm Lauf des LebensLied der MutterMelancholieSpät im JahrAbstammungGetrenntes losAuswandererVerstreuter BesitzWinterChristnachtAus deiner Liebe ...ErwartungIn die FerneLandschaftAm StrandSeele der NaturGedenkenTotenwacheNeuer ReichtumLied eines TorenSchicksalZwischenreichWahrspruchVorfrühlingDunkle MachtSpaziergangZwiegesprächWahlBegegnungMottoDiesseits - JenseitsIm SchneeAhnungHeimwehKlageUnterwegsVisionWegelagererTreu bis in den TodUm der Liebe WillenZurufUmsonst GelebtDie PflichtWinterbildBetrachtungSinnbildUnter der ErdeSchwermutAm MorgenErgebungEin BildAm AbendDem KünstlerSprüche auf GrabsteineAn meinen VaterGedichteLachmann, HedwigGesammelte Gedichte

[98] Unter der Schwelle

Ich bin ein Weib, zag, furchtsam, feig wohl gar –
Geschreckt von dem Gewühl auf lautem Markt;
Kleinlaut vor jähem Männerzwist und bar
Der Kampflust, die am Widerstand erstarkt.
Blut macht mich schaudern. Schwach und hilflos bin
Ich vor der Wunde, die im Fleische klafft,
Und fremd und feindlich wendet sich mein Sinn
Von Waffentaten, noch so heldenhaft.
Weich schuf mich die Natur. In Tränen bricht
Mein Unmut sich wohl leicht, nach Frauenart,
Und traumhaft legt sich eine Zuversicht
Mir oft verhüllend um die Gegenwart.
Doch lebt in mir ein Etwas, eine Kraft,
Mir selber kaum bewusst und unbewährt,
Die gegen herrische Gewalt sich strafft
Und eine Glut in ihrem Kerne nährt.
Ich weiss: wenn einst ein kühneres Geschlecht,
Von Machtbegehr und Ruhmsucht nicht verführt,
Allein der Stimme seines Bluts gerecht,
Die Freiheit forderte, die ihm gebührt –
[99]
Dies Herz, das jetzt noch zittert vor dem Strahl,
Es hielte stand, so fest und ungebeugt,
Wie, trotz der Übermacht von Erz und Stahl,
Ein Mannesherz für reine Wahrheit zeugt.