[312] Poetische Sendschreiben

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An Se. Hochfürstl. Durchl. den Herzog zu Schleßwig-Holstein, Herrn Friedrich Ludewig, des schw. Adlerordens Rittern, Königl. Preuß. Generalfeldmarschall und Statthaltern zu Königsberg

Bey dem im 1724 Jahre zum neun und dreyßigstenmale gefeyerten Hochzeitfeste.


Held! dessen Scheitel kaum von so viel Myrthen glänzt,
Als Lorberzweige sonst dein fürstlich Haupt umkränzt;
Und dessen Arm sowohl die Feder, als den Degen,
Zu dieses Reiches Wohl bemüht ist anzulegen;
O Held! wenn mich bisher die Ehrfurcht schweigen hieß,
Wenn ich zu deinem Ruhm kein Lied erschallen ließ:
So wollte sich dein Knecht nicht zweifelhaft bedenken,
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Ob er auch schuldig sey, dieß Opfer dir zu schenken?
Ach nein! das war der Grund des langen Schweigens nicht.
Ich fand mich noch zu schwach zu einem Lobgedicht;
Und mußte mich noch stets bey deinem Glanze scheuen,
Durch rauher Seyten Klang dein Jauchzen zu entweihen.
So schränkte sich mein Trieb, nach meinen Kräften, ein,
So ließ ich meinen Schwung den Flügeln ähnlich seyn:
Weit klüger, als wenn sich Verwegne unterwinden,
Dir, Herr! an Weihrauchs statt, Wacholdern anzuzünden.
Denn da ich selbst bisher, in der gekrönten Schaar
Der Musen Königsbergs ein junger Lehrling war:
Vertrieb ich mir die Zeit mit kleinen Nebenwerken,
In Hoffnung, daß die Kunst sich mit den Jahren stärken,
Und höher steigen würd', als bis anher geschehn.
Indessen, wenn man dich, o Fürstenhaupt! gesehn,
In unsers Königs Dienst, des Abends, wie am Morgen,
Bey Tage, wie bey Nacht, der Preußen Heil besorgen;
So, daß dich auch dein Feind darum nicht schelten kann;
Dann hub ich oftermals die heißen Seufzer an:
Ach! könnte doch die Kunst den hohen Grad erreichen,
Und meine Poesie des Herzogs Thaten gleichen:
So sollte künftighin mein Dichten ganz allein
Zu dieses Helden Lob von mir gewidmet seyn.
Ich brannte gleich vor Lust den schlechten Reim zu adeln,
Ich fieng bald dieß, bald das, an andern an zu tadeln,
Und besserte dabey der eignen Zither Klang;
Indem ich viel und oft geringe Lieder sang,
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Mein ungeübtes Rohr, durch wiederhohltes Singen,
In der belobten Kunst zur Fertigkeit zu bringen.
Zuletzt besann ich mich auf ein geschicktes Blatt,
Das deinen Ruhm, o Held! zu seinem Endzweck hat.
Wiewohl der Vorsatz fängt mich plötzlich an zu reuen:
Mein Räuchwerk taugt noch nicht, auf dein Altar zu streuen.
Ja, Herr! ich hätte dieß wohl nimmermehr gethan,
Ich bliebe, wie zuvor, auf der gemeinen Bahn;
Wo heische Sänger sich mit lahmen Stimmen wagen,
Und doch voll Hoffnung sind, ein Lob davon zu tragen.
Allein, was war zu thun? Dein Haar ist längst beschneyt,
Dein hohes Alter wächst, und reifet mit der Zeit;
Und möchte mir vieleicht ins künftige verwehren,
Den demuthvollen Blick auf deinen Glanz zu kehren.
Wer allzulange harrt versäumt zuletzt die Pflicht:
Drum wagte sich dein Knecht, (mein Herzog zürne nicht!
Viel andre thun es ja, die nicht viel besser singen)
Dieß Lied, so hart es klingt, vor dein Gehör zu bringen.
Doch allzuviel gewagt! es reut mich abermal,
Was dringt mein kühner Fuß in deinen Hochzeitsaal?
Mein finstres Auge starrt, wo tausend Lampen brennen,
Und kann vor Glanz und Licht und Schimmer nichts erkennen.
Was greift mein heisrer Mund, der dich kaum nennen kann,
Dein Lob, das rechte Werk der größten Dichter, an?
Wie kann mein matter Arm die stumpfe Feder schärfen,
Der Anmuth seltne Pracht, der Fürstinn zu entwerfen,
Die noch itzund die Spur des Wesens blicken läßt,
Das sie vor langer Zeit, am ersten Hochzeitfest,
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Göttinnen gleich gemacht. Wie könnt ich wohl des Helden,
Des großen Fürstensohns erworbnen Ruhm vermelden;
Des Sohns, in dem der Geist des tapfern Vaters sitzt,
Auf den mein König selbst mit Gnadenstralen blitzt.
Wie weis mein blöder Blick mit unverwandten Sinnen,
Das sternengleiche Licht erlauchter Prinzeßinnen
Von nahem anzusehn? Nein, nein! das ist zu schwer,
Wo nähme wohl mein Geist dergleichen Kräfte her?
Drum, Herr! verzeihe mir, ich habe mich vergangen,
Ich will mich niemals mehr ein gleiches unterfangen.
Dein allzuschweres Lob ersetzt dieß Wunschgedicht:
Gott trenne noch das Band der festen Ehe nicht!
Ein immerwährend Glück muß Hollsteins Haus vergnügen!
Mehr kann, mehr darf ich nicht zu diesen Zeilen fügen.

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