Jeremias Gotthelf
(eigentlich: Albert Bitzius)
(1797–1854)

Jeremias Gotthelf (Gemälde von Johann Friedrich Dietler, 1844)

Biographie


1797

4. Oktober: Jeremias Gotthelf wird unter dem Namen Albert Bitzius in Murten im Kanton Fribourg als erster Sohn in der Ehe des Pfarrers Sigmund Friedrich Bitzius und seiner dritten Frau Elisabeth, geb. Kohler, geboren.


1805

Umzug der Familie nach Utzenstorf in Emmental, wohin der Vater versetzt wurde.

Gemeinsam mit dem Bruder wird Gotthelf vom Vater unterrichtet.


1812

Frühjahr: Gotthelf siedelt nach Bern über, wo er in die Literarschule eintritt und bei seinem Onkel, dem Theologieprofessor Samuel Studer, wohnt (bis 1814).


1814

Frühjahr: Gotthelf wechselt zur Berner Akademie über, einer Theologenschule, wo er zunächst Philosophie studiert.


1815

Gotthelf nimmt an dem von der philosophischen Fakultät ausgeschriebenen Wettbewerb zum Thema: »Ist sich das Wesen der Poesie der Alten und Neuern gleich?« teil und erhält für seinen Beitrag den zweiten Preis.


1817

Frühjahr: Beginn des Besuchs theologischer Vorlesungen.

Engere Bekanntschaft mit dem Lehrer Rudolf Fetscherin.


1818

Gotthelf bekommt ein Stipendium.

Vorwiegendes Interesse für Geschichte und Kirchengeschichte und Tätigkeit als Geschichtslehrer für jüngere Schüler (bis 1820).


1819

Mit anderen Studenten gründet Gotthelf die Verbindung Zofingia.


1820

Juni: Examen, im darauffolgenden Monat Beginn des Vikariats in der Gemeinde des Vaters.


1821

Übersiedlung zum Studium der Theologie, Ästhetik und Geschichte nach Göttingen (bis 1822).

Herbst: Reise durch Norddeutschland: Hannover, Lüneburger Heide und Hamburg.


1822

Frühjahr: Reise von Göttingen zur Familie nach Utzenstorf über Weimar, Leipzig, Dresden und Bayern.

Wiederaufnahme des Vikariats in Utzenstorf.


1824

Februar: Tod des Vaters.

Mai: Übersiedlung als Vikar nach Herzogenbuchsee.


1826

Gotthelf hört die von Heinrich Pestalozzi verfaßte Rede »Über Vaterland und Erziehung«.


1828

Gotthelf verfaßt das »Gespräch zwischen Luther, Zwingli und Calvin im Himmel über die religiöse Gestaltung der Welt seit ihrem Tode«.


1829

Mai: Umsiedlung nach Bern, wo Gotthelf eine Stelle als Pfarrgehilfe annimmt.


1831

Gotthelf wird Vikar in Lützelflüh im Emmental.


1832

Wahl zum Pfarrer in Lützelflüh.

Gotthelf wird Mitglied in der Großen Landschulkommission zur Reform des Schulwesens.


1833

Heirat mit Henriette Elisabeth Zeender.


1834

Geburt der Tochter Marie Henriette.

Gotthelf arbeitet in der Verwaltungskommission der Armenerziehungsanstalt Trachselwald mit.


1835

Geburt des Sohnes Bernhard Albert.

Gotthelf wird Schulkommissär in seinem Bezirk (bis 1845).


1836

Der Bruder Friedrich Bitzius stirbt.

Tod der Mutter.


1837

Geburt der Tochter Cécile.

Gotthelf tritt erstmals als Schriftsteller von Bauernromanen und Dorfgeschichten in Erscheinung. Mit dem sozialkritischen Roman »Der Bauernspiegel oder Lebensgeschichte des Jeremias Gotthelf, von ihm selbst beschrieben« beginnt er eine Reihe sozialpädagogischer Romane und Erzählungen. Von nun an nennt er sich nach dem Helden seines ersten Romans.


1838

»Wie fünf Mädchen im Branntwein jämmerlich umkommen« (Erzählung).

»Die Wassernoth im Emmenthal am 13. August 1837« (Novelle).

»Leiden und Freuden eines Schulmeisters« (Roman, 2 Bände, 1838–39).


1839

»Dursli, der Branntweinsäufer« (Erzählung).

Gotthelf wird Mitarbeiter des »Neuen Berner Kalenders« (bis 1845).


1840

»Die Armennoth« (Novelle).


1841

Gotthelf wird Feldprediger.

Der volkspädagogische Entwicklungsroman »Wie Uli der Knecht glücklich wird. Eine Gabe für Dienstboten und Meisterleute« erscheint. Er vertritt das Idealbild einer christlich-patriarchalischen Gesellschaftsordnung, in der der Tüchtige und Ordentliche sein rechtschaffenes Auskommen und moralischen Seelenfrieden findet.


1842

»Eines Schweizers Wort an den Schweizerischen Schützenverein«.

»Ein Sylvester-Traum« (Erzählung).

Die Erzählung »Die schwarze Spinne« erscheint in Gotthelfs »Bildern und Sagen aus der Schweiz« (6 Bände, 1842–46).


1843

Der von christlicher Moral geprägte Roman »Geld und Geist oder Die Versöhnung« (3 Bände) erscheint. Mit ihm wird der bisherige Erziehungsauftrag von Gotthelfs Arbeiten, der ein ordentliches, fleißiges und genügsames Leben propagierte, abgelöst durch christlich-missionarisches Bestreben.

»Die Käserei in der Vehfreude« (Roman).

»Wie Anne Bäbi Jowäger haushaltet und wie es ihm mit dem Doktern geht« (Roman, 2 Bände, 1843–44).


1845

Gotthelf wird aus dem Amt des Schulkommissärs entlassen.

»Wie Christen eine Frau gewinnt« (Erzählung).


1846

»Jacobs des Handwerksgesellen Wanderungen durch die Schweiz« (Roman, 2 Bände, 1846–47).

Beginn der Veröffentlichung von Prosastücken im Berliner Verlag Julius Springer.

»Der Knabe des Tell« (Erzählung).

»Der Geldstag, oder die Wirtschaft nach der neuen Mode« (Roman).


1847

»Käthi, die Grossmutter, oder der wahre Weg durch jede Not« (Roman, 2 Bände).


1848

Gotthelf wird zum Präsidenten des Kantonalen Pfarrvereins gewählt.

»Hans Joggeli der Erbvetter« (Erzählungen).

»Leiden eines Schulmeisters« (4 Bände).


1849

»Uli der Pächter« erscheint als Fortsetzung des Erzählung »Uli der Knecht«. Thematisiert wird die Problematik des Herr-Knecht-Verhältnisses.

»Doctor Dorbach, der Wühler, und die Bürgerherren« (Novelle).


1850

»Erzählungen aus der Schweiz« (5 Bände, 1850–55).

Angriffe gegen Gotthelf im »Wochenblatt des Emmental« wegen seiner antiliberalen Haltung.


1851

Sommer: Reise nach Straßburg.

»Hans Jacob und Heiri oder die beiden Seidenweber« (Erzählung).


1852

»Zeitgeist und Berner Geist« (Roman, 2 Bände).


1853

Gotthelf wird Ehrenmitglied im Literarischen Verein in Bern.

Zur Kur in Bad Gurnigel.


1854

»Erlebnisse eines Schuldenbauers« (Roman).

22. Oktober: Gotthelf stirbt in Lützelflüh.


Sylvia Zirden

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