871. An Nanda Keßler

871. An Nanda Keßler


Wiedensahl 5. Juni 92.


Liebe Nanda!

Also Übermorgen ist dein Geburtstag, das Datum, an welchem du zu Lust und Leid, subjektiv und objektiv, für uns, die wir dich so gern haben, fühl= und sichtbar wurdest. Ich wünsche von ganzem Herzen, daß dir von ersterer möglichst viel zu Theil werden möge; aber, ob dies oder jenes, vergiß nie, daß ich stets bin,

dein getreuer Onkel Wilhelm.


P.S. Du warst so freundlich, der liebenswürdigen Frau K. das kleine Gedicht, so was, wie ein gespaßiger Sommermythus, zu überreichen, womit ich ihr eine flüchtig erheiternde Aufmerksamkeit zu erweisen gedachte. Denk mal an! Sie nimmt's moralisch, prüft's auf seine Richtigkeit und vertheidigt sich sogar, als ob sie leibhaftig Zephire wär. Und ist doch so ein Gedicht (sonst wär's keins!) nur ein munterer Paradiesvogel, der bekanntlich, weil er keine Füß hat, über dem spießbürgerlichen Fußboden in der Luft schwebt, aber sofort herunter fällt, wenn ihn von unten ein »praktischer [359] Blick« trifft. – Sie soll's nur ja keinen conventionellen Leuten zeigen. Und ich hab's ja auch, so zu sagen, schon bereut, und es soll ja auch ganz und ganz und ganz gewiß nie wieder vorkommen.

Die 40

sind ihr gleich zuerst aufgefallen. –

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